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FOMO: Die Angst, etwas zu verpassen

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Die Angst unserer Zeit: Was, wenn jemand anderer mehr Spaß hatte als ich? (pathdoc / Shutterstock.com)

Als "Fear of missing out", kurz FOMO, wird die Angst bezeichnet, tolle Ereignisse zu verpassen.

Jeder kennt dieses Gefühl: Einmal hat man keine Lust auf eine Party und bleibt lieber zuhause. Dann ist es fast schon garantiert, dass ausgerechnet diese Feier die außergewöhnlichste aller Zeiten wird, von der Freunde noch Jahre später erzählen. Es gibt zwei naheliegende Möglichkeiten damit umzugehen. Entweder man findet sich damit ab, auch mal was Tolles zu verpassen oder man sagt einfach immer und überall zu.

 

Dieses Dilemma hat im Englischen sogar einen eigenen Namen: "Fear of missing out", zu Deutsch in etwa die "Angst, etwas zu verpassen". Zwecks moderner Sprachtauglichkeit hat sich die Kurzfassung FOMO durchgesetzt. Das Phänomen wurde bereits 1996 erstmals in einer offiziellen Arbeit beschrieben und einige Jahre später durch den Autoren Patrick J. McGinnis popularisiert.

Gab es bessere Optionen?

Er erweiterte es um den Begriff  FoBO bzw. "Fear of a Better Option" – Angst vor einer besseren Option. Seine Beobachtungen bezogen sich auf Sozialdynamiken an amerikanischen Schulen. Die Befürchtung, man hätte eigentlich was viel Besseres, Spannenderes oder Schöneres erleben können, scheint tief im Menschen verankert zu sein. Dank dem Siegeszug der sozialen Medien hat FOMO in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen.

 

In Form von Bildern oder Texten werden Menschen auf Instagram, Facebook und Co. stets darauf aufmerksam gemacht, was andere Leute so treiben. Dadurch erscheinen eigene Erlebnisse plötzlich in einem anderen Licht. Empfand man einen ruhigen Samstagabend zunächst noch als sehr entspannend und angenehm, beurteilt man ihn im Nachhinein vielleicht als einsam oder gar erbärmlich – viele Freunde, so suggerieren die sozialen Netzwerke, hatten schließlich viel mehr Spaß als man selbst.

Einfach das Leben genießen

Insbesondere in den Anfangszeiten von Facebook kam immer wieder die Diskussion auf, ob wir psychologisch überhaupt dafür gemacht sind, über die Aktivitäten von Freunden und Bekannten so genau Bescheid zu wissen. Sich aus entsprechenden Netzwerken abzumelden oder gar ganz bewusst die soziale Isolation zu wählen, ist sicherlich eine Möglichkeit, FOMO in der heutigen Zeit zu entkommen. Alternativ kann man auch einfach jeder Einladung zusagen, um keinesfalls was zu verpassen.

 

Nachhaltiger aber wäre eine nüchterne Auseinandersetzung mit der Problematik. Dass irgendwer irgendwo eventuell etwas außergewöhnlich Großartiges erlebt, ist noch lange kein Grund, die eigenen Erfahrungen abzuwerten. Wenn es einem, bei welcher Aktivität auch immer, gerade gut geht, sollte man das viel mehr genießen und sich die Stimmung nicht vermiesen lassen – schon gar nicht von der irrationalen Angst, irgendwas zu verpassen.

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGSDATUM


21.03.2019