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5 Fragen zum Umgang mit Eifersucht

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Der Drang, das Handy des Partners zu kontrollieren, wird für beide Beteiligten schnell zur Belastung. (Antonioguillem - Fotolia.com)

Übertriebene Eifersucht gefährdet die Partnerschaft. Wie es überhaupt dazu kommt und was man dagegen tun kann, erklärt Psychiater Dr. Harald Oberbauer auf gesund.at.

90% aller Menschen kennen das Gefühl der Eifersucht. Schließlich hat Eifersucht auch etwas damit zu tun, den geliebten Partner nicht verlieren zu wollen: Deswegen reagieren viele auf den "versuchten Diebstahl" von Nebenbuhlern sensibel. Sie kann auch ein Signal dafür sein, dass man in der Partnerschaft nicht (mehr) bekommt, was man braucht oder nicht verstanden wird. Bei etwa 2% wächst sich die Eifersucht aber zu einem Ungetüm aus, das die Beziehung belastet und zumeist nichts mit dem tatsächlichen Verhalten des Partners zu tun hat. Dann spricht man von krankhafter Eifersucht. Gesund.at beantwortet die 5 wichtigsten Fragen dazu.

Frage 1: Ab wann ist Eifersucht ungesund?

"Eifersucht ist dann ungesund, wenn die eigene und/oder die Lebensqualität des Partners unter dem ständigen Nachfragen, Nachforschen oder Kontrollieren des Handys leidet", erklärt Dr. Harald Oberbauer, Leiter der Eifersuchtsambulanz an der Universitätsklinik Innsbruck. Wenn Sie bei sich selbst oder Ihrem Partner bemerken, dass die Gedanken ständig um mögliche Untreue kreisen und die Verlustangst in der Beziehung groß ist, ist das ein ernstzunehmendes Warnzeichen. Eifersuchtsattacken erkennt man daran, dass sie sich heftiger äußern, als für die Situation angemessen wäre.

Frage 2: Woher kommt die Eifersucht?

In den allermeisten Fällen ist es mangelnder Selbstwert, der die Eifersucht auslöst. Wer sich selbst nicht begehrenswert und gut findet, unterstellt auch gerne dem Partner, dass dieser sich nach einer "besseren" Partie umsieht. Erfahrungen in der Kindheit - etwa, wenn die Eltern dem Betroffenen ihre Liebe nicht zeigen konnten - können das Selbstvertrauen im Erwachsenenalter mindern und die starke Angst auslösen, verlassen zu werden.

 

Oberbauer bezeichnet die Eifersucht als "Epiphänomen", als Begleiterscheinung anderer Störungen und Erkrankungen. "Häufig ist die Eifersucht ein Symptom von DepressionenAngst- oder Zwangsstörungen sowie Suchterkrankungen - vor allem der Alkoholsucht. Aber auch sexuelle Störungen wie Potenzstörungen, Paarbeziehungsstörungen und körperliche Probleme können krankhafte Eifersucht auslösen", so Oberbauer.

 

Potenzstörungen oder körperliche Beeinträchtigungen nagen wiederum am eigenen Selbstwert - wenn ich meine Partnerin nicht sexuell befriedigen kann, geht sie dann vielleicht stattdessen auf ein Schäferstündchen zum Nachbarn?

Frage 3: Was kann gegen krankhafte Eifersucht getan werden?

Der erste Schritt ist, sich einzugestehen, dass es nicht das Verhalten des Partners ist, das die Eifersucht auslöst - sie liegt stattdessen tief in der eigenen Person und Lebensgeschichte begraben. Dann ist es ratsam, sich Hilfe von außen zu holen und aufzudecken, welches Problem eigentlich hinter der Eifersucht steckt. "In der Therapie wird die Grundstörung behandelt, zum Beispiel mit Antidepressiva, wenn eine Depression vorliegt. Viele Betroffene brauchen eine Psychotherapie, die den Selbstwert stärkt", erklärt Oberbauer.

Frage 4: Wie sollen die Partner mit der Eifersucht umgehen?

"Oft kommen die Partner auch in die Eifersuchtssprechstunde mit und fragen, wie sie sich verhalten sollen", erzählt Oberbauer. Wichtig sei es, nicht zu werten oder zu sagen, dass alles nur eingebildet ist - für den Betroffenen ist die Problematik ja sehr real. Die Partner sollten offen mit der Eifersucht umgehen, gleichzeitig aber nicht ihr eigenes Leben hintanstellen: Sie sollten nicht jede freie Minute beim Partner verbringen, nur damit dieser sich keine Sorgen über mögliche Untreue macht. Wenn die Eifersucht beide Partner stark belastet, kann eine Paartherapie helfen.

Frage 5: Was können Betroffene selbst ändern?

Sein angeschlagenes Selbstvertrauen wieder aufzubauen, ist ohne Hilfe von außen nicht so einfach. Aber sehr eifersüchtige Menschen können trotzdem etwas tun, um die negativen Emotionen abzuwehren. Wer seine Freundschaften (wieder) mehr pflegt, hat nicht nur eine schöne Ablenkung zu den Untreue-Gedanken, sondern macht sich auch weniger vom Partner abhängig. Wenn Betroffene merken, dass sie ein verlässliches soziales Netz außerhalb der Partnerschaft haben, kann das Verlustängste mindern.

AUTOR


Mag. Marie-Thérèse Fleischer, BSc


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


10.07.2017 / 10.05.2019
MEDIZINISCHER EXPERTE
OA Dr. Harald Oberbauer
Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin und Neurologie Department für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Universitätsklinik für Psychiatrie I, Innsbruck

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