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Beziehungen: Warum wir bleiben, warum wir gehen

In einer Beziehung bleiben oder nicht?
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Trennung oder Weitermachen kann eine schwierige Entscheidung sein. (fizkes - Shutterstock.com)

Eine langjährige Partnerschaft zu beenden, ist selbst bei einer schweren Beziehungskrise eine emotionale Herausforderung. Was für eine Trennung ausschlaggebend ist, hat eine neue Studie erforscht.

"Should I stay or should I go?" fragt Mick Jones im gleichnamigen Klassiker der britischen Punk-Band "The Clash". Was in dem legendären Song wohl eher ein allgemeiner Ausdruck einer aufmüpfigen Stimmung ist, ist im wahren Leben für viele eine nahezu existentielle Frage. Ob wir bei einer Beziehungskrise einen Neuanfang wagen oder der vermeintlichen großen Liebe doch noch eine Chance geben sollen, ist eine Entscheidung, um die niemand zu beneiden ist.

Offene Fragen

Welche Faktoren in einer solchen Lage ausschlaggebend sind, haben Wissenschafter an einer Universität im US-amerikanischen Utah untersucht. Das Team rund um die Professorin Samantha Joel hat eine zweiteilige Studie durchgeführt, wobei zunächst Fragebögen mit offenen Fragen zum Einsatz kamen. In einem ersten Schritt wurden zufällig ausgewählte Studenten gefragt, welche Argumente sie sich pro oder kontra eine Trennung vorstellen könnten.

Kategorien erstellt

Die selbe Frage wurde dann auch Studenten gestellt, die gerade erst ein Beziehungsende hinter sich hatten. Außerdem kamen noch Erwachsene zu Wort, die gerade selbst über eine Trennung nachdachten. Die zahlreichen Antworten wurden so gut wie möglich zusammengefasst. So konnten 27 verschiedene Gründe für das Festhalten an einer Beziehung und 23 für eine Trennung identifiziert werden.

Verheiratete befragt

Mit diesen Kategorien ausgestattet, entwickelten die Wissenschafter in einem zweiten Arbeitsschritt einen Fragebogen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Dieser wurde einerseits verheirateten Personen vorgelegt, deren Beziehung im Schnitt 9 Jahre alt war. Zusätzlich wurden unverheiratete Menschen in einer fixen Partnerschaft, mit einer durchschnittlichen Beziehungslänge von 2 Jahren, befragt.

Mangelndes Vertrauen

Bei den Gründen für eine potentielle Trennung herrschte weitgehend Einigkeit zwischen den beiden Gruppen. Am häufigsten genannt wurden der Charakter des Partners, fehlende emotionale Unterstützung und beidseitig mangelndes Vertrauen. Sobald es um Argumente für ein Verbleiben in der Beziehung ging, machten sich aber deutliche Unterschiede bemerkbar.

Motivierende Sorgen

Die unverheirateten Studienteilnehmer betonten positive Faktoren wie geschätzte Charaktereigenschaften des Partners, die erlebte emotionale Nähe sowie schlichtweg Freude an der gemeinsam verbrachten Zeit. Bei Eheleuten traten hingegen Sorgen in den Vordergrund. Als Argument gegen eine Trennung führten sie etwa die logistische Herausforderung, eine gefühlte familiäre Verpflichtung sowie allgemein eine Angst vor der ungewissen Zukunft an.

Lange Überlegungen

Überraschend ist die augenscheinliche Ambivalenz, mit der viele ihrer Beziehung gegenüberstehen. Zirka die Hälfte der Teilnehmer fand in etwa gleich viele Gründe für und gegen eine Trennung. Dieser Umstand dürfte einmal mehr deutlich machen, wie schwierig solche potentiell lebensweisenden Entscheidungen für den Betroffenen sind. Was von außen einfach aussehen mag, ist in Wahrheit ein hochkomplexer Denkprozess.

Evolutionäre Bedeutung

Dass gerade bei langfristigen Beziehungen wie eben einer Ehe eine nüchterne Haltung eingenommen wird, führen die Forscher übrigens auch auf evolutionäre Gründe zurück. Eine stabile Partnerschaft sei für das Überleben früherer Generationen nahezu essentiell gewesen. Auch heute müssen bei einer möglicherweise bevorstehenden Trennung oft wirtschaftliche Faktoren berücksichtigt werden.

AUTOR


Michael Leitner


ERSTELLUNGS-/
ÄNDERUNGSDATUM


22.08.2017 / 13.05.2019

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