Zeckenschutzimpfung

Zeckenschutzimpfung: Waldweg mit Warnschild vor Zecken.
Die Zeckenschutzimpfung bietet den einzig verlässlichen Schutz vor FSME. (stockWERK - Fotolia.com)

Österreich zählt in Europa zu den Gebieten mit dem höchsten Vorkommen von FSME. Das Virus wird vorrangig von Zecken übertragen. Gegen die Erkrankung hilft eine Zeckenschutzimpfung.

Der Impfplan empfiehlt die FSME-Impfung flächendeckend für Österreich, da kein Bundesland FSME-frei ist. Der Impfstoff schützt gegen alle Unterarten des von Zecken übertragenen Virus und ist äußerst wirksam (zu 99 %). Nach der Grundimmunisierung sollte der Impfstatus alle 5 Jahre aufgefrischt werden, ab dem 1. vollendeten Lebensjahr ist die Schutzimpfung zugelassen. Bei Unsicherheiten, ob der Impfschutz noch gewährleistet ist, oder bei Verlust des Impfpasses kann eine Titer-Bestimmung Klarheit bringen. Sind genügend Antikörper nachweisbar, ist eine Auffrischung nicht notwendig. Gegen alle Vorurteile beißen Zecken nicht, sondern stechen ihren Wirt und übertragen so das FSME-Virus.

Wem nützt die Impfung

  • Menschen, die in Risikogebieten für FSME leben oder sich aufgrund einer Reise in solchen aufhalten (Estland, Lettland, Litauen, Russland, Österreich, Deutschland, Kroatien, Polen, Tschechien, Slowakei, Schweden, Schweiz und Finnland)
  • Personen, die aufgrund ihres Berufs besonders gefährdet sind, von einer Zecke gestochen zu werden (z.B. Förster, Gärtner)
  • Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie überhaupt eine Zeckenschutzimpfung erhalten oder wann Sie die letzte Auffrischung bekommen haben (z.B. nach Verlust des Impfpasses), können Sie beim Arzt einen FSME-Antikörpernachweis (Titer-Bestimmung) durchführen lassen.

Was ist FSME?

Zecken können Überträger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sein und die Viren durch einen Stich an den Menschen weitergeben. Das geschieht durch den Speichel der Spinnentiere, der durch den Vorgang des Blutsaugens in den menschlichen Blutkreislauf gelangt. Zecken sind von März bis September aktiv, je nach Wetterlage auch früher bzw. länger. Neben FSME übertragen Zecken auch Borreliose, eine von Bakterien hervorgerufene Erkrankung. Gegen Borreliose gibt es keinen wirksamen vorbeugenden Impfstoff, sondern nur eine Antibiotika-Therapie.

Was passiert? Wie wirkt die Therapie? Was sind die Wirkprinzipien?

Die Zeckenschutzimpfung wird Ihnen über eine Spritze mit feiner Nadel zumeist in den Oberarm oder in den Oberschenkel verabreicht. Nur sehr selten setzt der Arzt die Impfung am Po, da dabei nicht sicher ist, ob der Impfstoff vollständig aufgenommen wird. Die FSME-Impfung ist eine sogenannte Tot-Impfung (enthält abgetötete FSME-Viren) und muss daher intramuskulär, also in den Muskel gegeben werden.

Es handelt sich bei der Zeckenschutzimpfung um eine aktive Impfung, das heißt, dass dem Körper eine Infektion mit FSME-Erregern vorgetäuscht wird und dieser sich aktiv dagegen wehrt: Die weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) schlagen Alarm und bilden Antikörper gegen die potenziellen Erreger. Der Vorgang der Immunisierung dauert 1 bis 2 Wochen, dann ist der körpereigene Schutz „abwehrbereit“, falls eine mit FSME infizierte Zecke zusticht. Damit die Immunisierung bestehen bleibt, ist nach einigen Jahren eine Auffrischung notwendig. Im Gegensatz dazu werden bei einer passiven Impfung fremde Antikörper geimpft, z.B. bei Verdacht auf Tollwut oder einer Infektion mit Hepatitis B oder Hepatitis C.

Kurzer Stich mit großer Schutzwirkung

Der behandelnde Arzt oder das Pflegepersonal desinfiziert Ihre für den Stich vorgesehene Hautstelle mit einem Desinfektionsmittel, damit sich der Bereich nach dem Einstich nicht entzündet. Das tut nicht weh, ist nur etwas kühl. Sie brauchen sich vor der Impfung nicht zu fürchten, die meisten Menschen verspüren nur einen kurzen Stich gefolgt von einem Ziehen. Kinder, die große Angst vor Nadeln bzw. Schmerzen haben, können auf Wunsch ein rasch wirksames Betäubungsgel auf die zu impfende Stelle gerieben bekommen. Ein wenig Trost, Zuspruch und ein Eis nach überstandener Prozedur erleichtern die Zeckenschutzimpfung zusätzlich. Auch Ablenkung mit einem Stofftier oder einem Buch kann gegen die Angst helfen.

Nach der Impfung wird die Einstichstelle zumeist mit einem Pflaster verklebt. Eventuelle leichte Rötungen und Schwellungen am Arm bzw. Oberschenkel sind normale Impfreaktionen und sollten nach einigen Tagen (2 bis 3) wieder vergehen.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Nach der Impfung kann es zu erhöhter Temperatur, Fieber, Übelkeit, Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit kommen. Für gewöhnlich wird die Zeckenschutzimpfung aber gut vertragen. Der Körper setzt sich mit dem injizierten Impfstoff auseinander, leichte Beschwerden sind normal. Nach 1 bis 3 Tagen sollten die Symptome jedoch abgeklungen sein.

Manchmal kommt es vor, dass der betroffene Arm nach der Impfung schmerzt, z.B. bei Berührung oder auch schon beim Anheben. Auch das ist eine normale Reaktion auf die Impfung. Sind die Schmerzen sehr stark und dauern sie über 3 Tage an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Wann kommt die Impfung zum Einsatz?

Die Impfung dient der rechtzeitigen Vorbeugung von FSME, wenn gewünscht kann vom Arzt auch eine Schnellimmunisierung durchgeführt werden. Diese wird z.B. dann durchgeführt, wenn die aktive Zeit der Zecken schon begonnen hat, Sie aber noch nicht geimpft sind und sich rasch schützen wollen. So funktionieren die unterschiedlichen Impfschemata:

  • Grundimmunisierung: besteht aus 3 Teilimpfungen. Die 1. Impfung sollte bestenfalls in der kalten Jahreszeit erfolgen (bevor die Zecken aktiv werden), die 2. 4 bis 12 Wochen nach der 1. Teilimpfung und die 3. 9 bis 12 Monate nach der 2. Teilimpfung. Die Grundimmunisierung ist ab dem 1. vollendeten Lebensjahr möglich, frühestens sogar ab dem 7. Monat, allerdings nur unter Eigenverantwortung des impfenden Arztes und unter sorgfältiger Abwägung des Nutzens der Schutzimpfung.
  • Schnellimmunisierung: zwischen der 1. und 2. Dosis liegen nur 14 Tage, um den Aufbau eines schnellen Impfschutzes zu garantieren. Nach 5 bis 12 Monaten erfolgt die 3. Teilimpfung, die dann 3 Jahre lang vor FSME schützt.
  • Auffrischung: 3 Jahre nach der Grundimmunisierung sollte die erste Auffrischungsimpfung stattfinden. Ab diesem Zeitpunkt ist eine Auffrischung alle 5 Jahre ausreichend. Erst ab dem 60. Lebensjahr wird wieder alle 3 Jahre eine auffrischende Impfung empfohlen.

Bei der Zeckenschutzimpfung kommen je nach Alter der zu impfenden Personen 2 unterschiedliche Impfstoffe zum Einsatz:

  • 1. bis 16. Lebensjahr: FSME-Junior-Impfstoff mit einer Dosierung von 0,25 ml
  • Ab dem 16. Lebensjahr: FSME-Impfstoff mit einer Dosierung von 0,5 ml

Was müssen Sie nach der Impfung beachten?

Nach der Zeckenschutzimpfung müssen Sie nichts Bestimmtes beachten. Autofahren und Arbeiten ist danach prinzipiell möglich. Wenn Sie auf andere Impfungen bereits empfindlich reagiert haben, lassen Sie sich von einer Begleitperson nach Hause bringen. Sollte Ihnen beim Anblick der Spritze oder nach dem Stich schwindelig oder übel werden, können Sie sich beim Arzt auf eine Liege legen.

Wer impft?

Sie können sich bei Ihrem Hausarzt oder einem Zentrum der Krankenkasse gegen FSME impfen lassen. Kinder erhalten diese auch beim jeweiligen Kinderarzt, die Impfung fällt allerdings nicht in das Gratiskinderimpfprogramm. Auch diplomiertes Pflegepersonal ist zum Impfen befugt.

Was können Sie zum Gelingen der Impfung beitragen?

  • Haben Sie Angst vor der Impfung oder vor Nadeln im Allgemeinen, können Sie zuvor homöopathische Mittel zur Beruhigung einnehmen.
  • Nehmen Sie unbedingt Ihren Impfpass mit, damit der Arzt oder die Krankenschwester die Impfung eintragen kann.
  • Sollten Sie an einer Hühnereiweißallergie leiden oder schwanger sein, teilen Sie dies dem impfenden Arzt oder dem zuständigen Pflegepersonal vor der Zeckenschutzimpfung auf jeden Fall mit.
  • Halten Sie sich an die empfohlenen Auffrischungsintervalle, damit die Zeckenschutzimpfung tatsächlich auch vor einer Infektion mit FSME schützt.

Wo liegen die Grenzen der Zeckenschutzimpfung?

  • Wenn Sie schon an FSME erkrankt sind, nützt die Impfung nichts. Der Impfstoff hilft rein zur Vorbeugung und ist zur Bekämpfung einer bestehenden Krankheit ungeeignet.
  • Personen mit schwerer Überempfindlichkeit gegen Hühnereiweiß müssen die Möglichkeit einer Impfung mit ihrem Hausarzt besprechen, da sie auf den Impfstoff allergisch reagieren können.
  • Bei grippalen Infekten oder Unwohlsein sollte die Impfung verschoben werden.
  • Schwangere sollten erst im 2. und 3. Trimester gegen Zecken geimpft werden, während der Stillzeit kann die Zeckenschutzimpfung jederzeit stattfinden, sie schadet dem Baby und der Mutter nicht.

Kosten & Krankenkasse

Der FSME-Impfstoff für Kinder kostet 2014 28,90 Euro pro Teilimpfung, der für Erwachsene 33,50 Euro. Die Zuschüsse für die Zeckenschutzimpfung sind je nach Krankenkasse unterschiedlich, die Kostenzuschüsse werden beim Kauf des Impfstoffes in der Apotheke vom Preis abgezogen (Stand 20.05.2014):

  • Gebietskrankenkassen: Zuschuss von 2 bis 3,70 Euro je nach Bundesland pro Teilimpfung
  • BVA: Zuschuss von 16 Euro pro Teilimpfung
  • SVA: Zuschuss von 3,70 Euro pro Teilimpfung
  • VAEB: Zuschuss von 16 Euro pro Teilimpfung
  • Betriebskrankenkassen: Zuschuss von 3,63 bis 19 Euro je nach Betrieb pro Teilimpfung
  • KFA: Zuschuss von 3,63 bis 22 Euro je nach Bundesland pro Teilimpfung

Fragen an den Arzt

  • Ich bin nicht sicher, wann ich zuletzt geimpft wurde. Ist eine Titer-Bestimmung sinnvoll?
  • Ich reagiere allergisch auf Hühnereiweiß. Kann ich trotzdem geimpft werden?
  • Wann tritt die Wirkung der Impfung ein?
  • Wie viel kostet der Impfstoff für mich?
  • Muss ich mit Nebenwirkungen rechnen?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Ärztin für Allgemeinmedizin

Dr. Doris Gapp

Schwerpunkte: Impfpass Check, Reisemedizin, Vorsorgemedizin

www.womanandhealth.com, www.diehausaerztin.com

Gesundheitskompass

Quellen

Mehr zum Thema