Zahnspangen für Kinder

Title: Lächelndes Mädchen mit Zahnspange
Kinder und Jugendliche brauchen eine Zahnspange, wenn eine Gebiss- oder Kieferfehlstellung vorliegt und zu funktionellen Beeinträchtigungen führt. (karelnoppe - Fotolia.com)

Ungefähr 30 % aller Kinder in Österreich benötigen eine Zahnspange zur Korrektur einer Zahn- oder Kieferfehlstellung. Es gibt herausnehmbare oder festsitzende Zahnregulierungen.

Je nach Fehlstellung brauchen Kinder unterschiedliche Zahnspangenarten. Bei Milchzähnen wird zumeist eine herausnehmbare Spange verordnet. Hingegen sollten Kinder und Jugendliche mit festsitzenden Regulierungen besonders gründlich Zähne putzen, um Karies und andere Zahnschäden zu vermeiden. Die Behandlung dauert ungefähr 3 Jahre. Kiefer- und Zahnfehlstellungen werden je nach Ausprägung von Grad 1 bis Grad 5 unterteilt. Mit Juli 2015 bekommen Kinder mit einer Fehlstellung von Grad 4 und 5 in Österreich eine "Gratis-Zahnspange" - die Krankenkasse trägt die Kosten.

Wem nützt eine Zahnspange?

Kinder und Jugendliche durchleben 3 Phasen der Zahnentwicklung:

  • Die Milchgebissperiode: Entwicklungsphase von der Geburt bis zum 3. Lebensjahr und Gebrauchsphase vom zirka 3. bis 6. Lebensjahr
  • Die frühe Wechselgebissperiode: zirka 6. bis 9. Lebensjahr und
  • Die späte Wechselgebissperiode: etwa 9. bis 13. Lebensjahr

Sind alle Zähne vollständig entwickelt (bis auf die Weisheitszähne), wird vom bleibenden Gebiss gesprochen. Das Milchgebiss besteht aus 20, das bleibende Gebiss aus 32 Zähnen. In jeder Wachstumsphase können sich Fehlstellungen ausbilden. Viele Kinder benötigen schon in der Milchgebissperiode eine Zahnregulierung.

Je nach Art der Fehlstellung unterscheiden Zahnärzte zwischen therapeutischen Maßnahmen der Orthodontie (Zahnfehlstellungen) und der Orthopädie (Kieferfehlstellungen). Letztere Korrekturen sind nur bis zur Vollendung des Wachstums möglich und betreffen daher insbesondere Kinder und Jugendliche.

Wie bekommen Kinder eine Zahnspange?

Die Entscheidung für eine Zahnregulierung in Form einer Zahnspange wird vom Zahnarzt anhand einer genauen Untersuchung der Zähne und anderer diagnostischer Methoden wie Röntgenbildern, Fotos oder Gipsabdrücken gefällt. Üblicherweise bekommen Kinder mit Milchzähnen herausnehmbare Zahnspangen verordnet und werden, wenn nötig, nach dem Zahnwechsel (von den Milchzähnen auf das bleibende Gebiss) auf festsitzende Zahnspangen umgestellt. Bis zum Alter von etwa 12 Jahren sind Kiefer und Zähne noch nicht vollständig entwickelt und lassen sich so besser durch Regulierungen beeinflussen. Später wird der Kiefer "starr", manche Fehlstellungen können dann nur mehr durch Operationen am Kiefer korrigiert werden.

Wie wirkt eine Zahnspange?

Je nach Art der Zahn- oder Kieferfehlstellung verordnet der Zahnarzt unterschiedliche Zahnspangenmodelle. Kinder und Jugendliche bekommen am häufigsten herausnehmbare Regulierungen.

Arten von Zahnspangen

  • Herausnehmbare Zahnspangen: Bei den herausnehmbaren Spangen wird zwischen aktiven Platten für Ober- und Unterkiefer, die sich besonders gut für Kinder im Wechselgebissstadium eignen, und funktionskieferorthopädischen Geräten (z.B. Bionator) unterschieden. Letztere werden anhand von Gipsmodellen und in unterschiedlichen Farben angefertigt - sogar Motive, die dem Kind besonders gut gefallen, sind möglich. Abnehmbare Modelle sind schonender und können auch während des Zahnwachstums eingesetzt werden. Sie machen Platz für nachkommende Zähne, schließen oder öffnen Lücken und beeinflussen das Kieferwachstum positiv. Die Spangen sollten regelmäßig getragen werden (in etwa 13 Stunden pro Tag, die meisten jungen Patienten tragen die Spange nachts), da die Therapie sonst keine oder nur eine unzureichende Wirkung hat. Der Zahnarzt legt den Behandlungszeitraum individuell fest. Dieser kann von mehreren Monaten bis zu einigen Jahren (2 bis 4 Jahre) reichen.
  • Festsitzende Zahnspangen: Die Aufrichtung gekippter Zähne, die Korrektur gedrehter Zähne, ein Lückenschluss nach Entfernung von Zähnen sowie die gezielte Bewegung der Zahnwurzeln funktionieren nur mit festsitzenden Zahnregulierungen. Sie können aus Metall- oder Keramikplättchen (Brackets) und Metallringen, die mit einem Draht verbunden werden, bestehen. Mit einer speziellen Technik werden die Brackets an den Zähnen befestigt und die Metallringe an den Backenzähnen fixiert. Der Vorteil solcher Zahnspangen ist, dass die Behandlungsdauer kürzer ist als bei herausnehmbaren Versionen (etwa 1,5 Jahre; jedoch sehr unterschiedlich). Ein Nachteil kann eine Überlastung der Zähne, speziell der Zahnwurzeln sein. Das regelmäßige Festziehen der Apparatur wird oft als unangenehm und schmerzhaft erlebt.

Wann und wie lange kommt eine Zahnspange zum Einsatz?

Kinder und Jugendliche brauchen eine Zahnspange, wenn eine Gebiss- oder Kieferfehlstellung vorliegt und zu funktionellen Beeinträchtigungen führt. Fehlstellungen können Sprach-, Schluck- und Atmungsbeschwerden verursachen, die Zähne (z.B. durch Abrieb) schädigen oder bei der Mundhygiene behindern. Oftmals liegt lediglich ein ästhetisches Problem vor.

Fehlstellungen werden je nach Schweregrad in unterschiedliche Klassen unterteilt, nach der sogenannten Kieferorthopädischen Behandlungsnotwendigkeit (IOTN):

  • Grad 1 - keine Behandlungsnotwendigkeit: nur minimale Abweichungen vom Idealzustand der Zahnstellung
  • Grad 2 - geringe Anomalien/keine Behandlungsnotwendigkeit: z.B. leichter Überbiss mit funktionierendem Lippenschluss, minimaler Kreuzbiss
  • Grad 3 - grenzwertige Behandlungsnotwendigkeit: z.B. tiefer Überbiss, beim dem ein Lippenschluss nicht mehr möglich ist
  • Grad 4 - Behandlungsnotwendigkeit: z.B. vergrößerter und vollständiger Überbiss, teilweise durchgebrochene oder auch überzählige Zähne
  • Grad 5 - Behandlungsnotwendigkeit: z.B. behinderter Zahndurchbruch, retinierte Milchzähne (sind im Kiefer eingeschlossen) oder auch Lippen- und Gaumenspalten

Eine Zahnspange kann bei Kindern u.a. mit folgenden Zahn- und Kieferfehlstellungen zum Einsatz kommen:

  • Kreuzbiss: Zähne des Unterkiefers überlappen die Zähne des Oberkiefers im Seitenzahnbereich, weil der Oberkiefer zu schmal bzw. der Unterkiefer zu breit ist.
  • Engstand: Die Zähne haben nicht genug Platz, können nicht durchbrechen oder verbleiben ganz im Kiefer.
  • Offener Biss: Häufig durch Daumenlutschen oder Atemprobleme verursacht; Ober- und Unterkiefer können im Bereich der Schneidezähne nicht geschlossen werden.
  • Deckbiss: Der Unterkiefer ist zu kurz; dies wird aber durch die rückgekippten Schneidezähne des Oberkiefers verdeckt.
  • Distalbiss: Auch "Überbiss" genannt; der Unterkiefer ist unter- oder der Oberkiefer überentwickelt.
  • Progenie: Auch "Unterbiss" genannt; der Unterkiefer entwickelt sich zu stark, während der Oberkiefer zurückbleibt.
  • Lückenbiss: Lücken entstehen; z.B. wenn der Oberkiefer im Verhältnis zu den Zähnen zu groß ist.
  • Aplasie: Zähne sind nicht angelegt oder zu klein.
  • Mittellinienverschiebung: Zähne können nicht gerade aufeinanderbeißen; Verschiebung in eine Richtung
  • Platzverlust: Dienachkommenden zweiten Zähne haben nach den Milchzähnen zu wenig Platz.
  • Retinierte Zähne: Zähne können nicht selbst "durchbrechen".

Die Behandlungsdauer ist je nach Fehlstellung und Schweregrad der Beeinträchtigung und möglichen Folgeschäden unterschiedlich bemessen, zumeist sind es 2 bis 4 Jahre.

Was muss man bei einer Zahnspange beachten? Gibt es Nebenwirkungen?

Eltern von Kindern mit Zahnspange sollten stets ein Auge auf die Mundhygiene der Kinder haben. Vor allem bei festsitzenden Spangen ist eine gute Mitarbeit der jungen Patienten gefragt, damit keine Schäden am Zahn (z.B. Karies, Schmelzschäden, Entzündungen der Mundschleimhaut) entstehen. Jugendliche brauchen ein gewisses Maß an Selbstverantwortung für einen optimalen Verlauf der Zahnregulierungstherapie.

Eine festsitzende Zahnspange muss alle 4 bis 6 Wochen kontrolliert werden. Wenn sich Drähte oder Brackets lösen, können Schmutznischen entstehen und Karies oder Entkalkungen verursachen. Bei den Kontrollterminen wird der Zahnarzt auch prüfen, ob die Zahnregulierung nachgezogen werden muss.

Kinder mit festsitzenden Zahnspangen verspüren häufig einen drückenden oder ziehenden Schmerz, vor allem nach dem Einsetzen der Regulierung oder nach dem Festziehen beim Kontrolltermin. Mundschleimhautreizungen und Aphten können vermehrt auftreten. Viele Kinder sind durch die Spange auch in ihrer Aussprache beeinträchtigt.

Wer verschreibt eine Zahnspange?

Der Zahnarzt bzw. der Kieferorthopäde entscheidet über die Notwendigkeit einer Zahnspange. Eventuell entdeckt der Kinderarzt eine Fehlstellung und empfiehlt einen Zahnarztbesuch.

Kosten & Krankenkasse (Stand Juli 2014)

Mit Juli 2015 bekommen Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr die Zahnspange von der Krankenkasse gezahlt. Jedoch gilt dies nur für sehr schwerwiegende Fehlstellungen (Indikation für Grad 4 und 5). Junge Patienten mit Zahnfehlstellungen der Klasse 1, 2 und 3 bekommen keine "Gratis-Zahnspange".

Unterschiede nach Krankenkassen

 

Festsitzende Spangen

Herausnehmbare Spangen

BVA

Selbst zu bezahlen, danach Antrag auf Kostenzuschuss möglich (bei Bewilligung keine Behandlungskosten)

Vertragsleistung (nicht bei kosmetischen Gründen)

SVA

Vertragsleistung (nicht bei kosmetischen Gründen)

Vertragsleistung (nicht bei kosmetischen Gründen)

VAEB

Keine Vertragsleistungen, Kostenzuschuss bis zu 919 Euro (gegebenenfalls abzüglich 30 % Behandlungsbeitrag)

Vertragsleistung

KFA

Die Kostenbeteiligung für Kieferregulierungen beträgt pro Behandlungsjahr 30 % des Tarifsatzes

Die Kostenbeteiligung für Kieferregulierungen beträgt pro Behandlungsjahr 30 % des Tarifsatzes

Betriebskrankenkassen

Vertragsleistung (nicht bei kosmetischen Gründen)

Vertragsleistung (nicht bei kosmetischen Gründen)

Gebietskrankenkasse

Zuschuss von höchstens 333,60 Euro pro Behandlungsjahr, wenn die Rechnung für ein Behandlungsjahr zur Gänze bezahlt wurde

Zuzahlung von 417 Euro pro Behandlungsjahr (50 % des mit den Vertragszahnärzten bzw. Vertragseinrichtungen vereinbarten Tarifsatzes)

Fragen an den Arzt

  • Mein Kind hat einen leichten Überbiss. Welche Zahnregulierung ist geeignet?
  • Wie lange sollte mein Kind die Zahnspange tragen?
  • Kann die Zahnfehlstellung mit der Therapie vollständig korrigiert werden?
  • Was muss speziell bei der Mundhygiene beachtet werden?
  • Wie hoch ist der Kostenbeitrag meiner Krankenkasse?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Med.Dent.

Dr. Bernd Matschy

Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Graz

Gesundheitskompass Website

Quellen

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