Zahnschäden

98 % der Österreicher sind von Karies betroffen

Zahnschäden: Eine Frau mit Zahnschäden und schmerzverzehrtem Gesicht fasst sich mit der linken Hand an die Wange.
98 % der Österreicher haben Zahnschäden. (DDRockstar - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Gesunde Zähne

Zahnschäden treten in unterschiedlicher Form auf und betreffen verschiedene Bereiche des Zahns. Der bekannteste ist Karies, eine weit verbreitete Infektionskrankheit. Schäden am Zahn entstehen auch durch Abbau von Zahnschmelz oder aufgrund einer Verletzung.

Zahnärzte unterscheiden bei der Diagnose zwischen Schäden an der Zahnhartsubstanz (z.B. Karies), dem Zahnhalteapparat (z.B. Parodontitis) und dem Zahnmark (z.B. Entzündungen des Zahnnervs). Je nach Schädigung des Zahns wird eine entsprechende Therapie verordnet, bei Karies bohrt der Zahnarzt und versiegelt das Loch mit einer Füllung, bei schweren Schäden am Zahnmark muss der betroffene Zahn oft entfernt werden. Auch durch die Essstörung Bulimie und säurehaltige Nahrung sind Zähne gefährdet. Die meisten Zahnschäden lassen sich durch richtige Mundhygiene und regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt verhindern.

Häufigkeit

Zahnschäden sind weit verbreitet. 98 % der Erwachsenen in Österreich sind von Karies betroffen. Fast genau so häufig ist Parodontitis, eine oft chronisch verlaufende Entzündung, bei der sich das Zahnfleisch rückbildet. Bis zu 80 % aller Erwachsenen bekommen - meist im mittleren Alter zwischen 40 und 50 - die Diagnose Parodontitis.

Der Abbau von Zahnschmelz, auch Zahnerosion genannt, betrifft etwa jeden 3. Menschen der westlichen Weltbevölkerung. Kinder sind besonders häufig von Zahnerosion betroffen, da das Milchgebiss empfindlicher auf Säuren reagiert. Für die Häufigkeit von Zahnschäden durch Unfälle oder als Folge von Krankheiten, wie z.B. Bulimie, liegen keine genauen Zahlen vor.

Zahnschäden im Überblick

Zahnschaden

Betroffener Bereich

Symptome

Therapie

Karies

Die Zahnhartsubstanz (äußerer Zahn)

Schmerzen, Mundgeruch, Zahnverlust

Bohren, Zahnfüllung, Entfernung des Zahns

Zahnerosion

Die Zahnhartsubstanz (äußerer Zahn)

Zumeist schmerzlos, Zahnverfärbung, Überempfindlichkeit gegen Hitze und Kälte

Vermeidung von Säuren in der Nahrung, Fluoridgabe

Parodontitis

Der Zahnhalteapparat bzw. das Zahnmark (bei Ausbreitung der Entzündung auf das Zahninnere)

Rückgang des Zahnfleisches, gerötetes Zahnfleisch, Mundgeruch, lockere Zähne

Hygiene, Kontrolle, chirurgische Maßnahmen

Pulpitis

Das Zahnmark (Innere des Zahns)

Starke Schmerzen, Stechen, temperaturempfindlich, Verschlimmerung der Schmerzen beim Hinlegen

Wurzelkanalbehandlung, Entfernung des Zahnkerns, Schmerzmittel

Odontogene Infektion

Das Zahnmark (Innere des Zahns)

Starke Schmerzen, Stechen, "Klopfen", temperaturempfindlich, geschwollene Lymphknoten

Wurzelkanalbehandlung, Entfernung des Abszesses, Zahnentfernung, Antibiotika

Dentikel

Das Zahnmark (Innere des Zahns)

"Nervenschmerzen" (neuralgiforme Beschwerden), zumeist aber auch keine Schmerzen

Keine, wenn beschwerdefrei

Pulpagangrän

Das Zahnmark (Innere des Zahns)

Starke Schmerzen, Stechen, übler Mundgeruch

Wurzelkanalbehandlung, Entfernung des Abszesses, Zahnentfernung, Antibiotika

Zahnärzte unterscheiden zwischen Schäden an der Zahnhartsubstanz (z.B. Karies), dem Zahnmark (z.B. Entzündungen des Zahnnervs) und dem Zahnhalteapparat (z.B. Parodontitis):

Schäden an der Zahnsubstanz

Unter Schäden an der Zahnsubstanz versteht man alle Schäden, die den "äußeren" Zahn betreffen, also z.B. eine Karies-Infektion oder den Verlust von Zahnschmelz.

Karies

Karies, umgangssprachlich das "Loch im Zahn", ist eine Infektionskrankheit der Zahnhartsubstanz: Bakterien (am häufigsten Streptococcus mutans), die im Mund angesiedelt sind, produzieren in Kombination mit zuckerhaltiger Ernährung Säuren, die wiederum säureempfindliches Zahngewebe angreifen. Schmerzhafte dunkle Verfärbungen am Zahn entstehen (Karies). Individuelle Faktoren (z.B. die Struktur des Zahns oder die Zusammensetzung des Speichels), verhaltensbezogene Voraussetzungen (z.B. Mundhygiene, Ernährung) und soziale Gegebenheiten (z.B. Regelmäßigkeit von Zahnarztbesuchen, Betreuung der Kinder) tragen wesentlich dazu bei, ob jemand an Karies erkrankt.

Karies tritt in 3 Stadien auf:

  • Initialkaries (Kariesvorstufe)
  • Caries profunda (tiefe Zahnkaries)
  • Caries penetrans (durchdringende Zahnfäulnis, betrifft auch das Zahnmark)

Abbau von Zahnschmelz

Auch durch den Verlust von Zahnschmelz (= Zahnerosion) können Schäden am Zahn entstehen. Zahnerosion kommt durch den Angriff von Zahnbelag-Säuren oder anderen Substanzen zustande. So wird z.B. die Ablösung an den äußeren Flächen der Frontzähne (Schneidezähne) durch zu viel Fruchtsaft bzw. kohlensäurehaltige Getränke ausgelöst. Auch ein zu geringer Speichelfluss (Nebenwirkung bestimmter Medikamente, hohes Alter, Diabetes etc.) kann die Ablösung des Zahnschmelzes begünstigen.

An Zahnerosion sind im Gegensatz zu Karies keine Bakterien beteiligt. Die Erkrankung verläuft schmerzlos, erst im späten Stadium verfärben sich die Zähne und werden empfindlich gegen Kälte und Hitze, weswegen sie meist sehr spät diagnostiziert wird. Die Krankheit hängt nicht unbedingt mit vernachlässigter Mundhygiene und schlechter Ernährung zusammen, gerade Menschen, die besonders viel säurehaltiges Obst und Gemüse essen, haben verstärkt mit dem Abbau der Zahnsubstanz zu kämpfen. Auch durch übermäßiges Zähneknirschen kann es zu Zahnerosionen kommen. Weiters können erosive Veränderungen am Zahn auch als Folge von Essstörungen (Bulimie) entstehen. Die Betroffenen erbrechen sich nach dem Essen regelmäßig, die Magensäure greift auf Dauer die Zahnsubstanz an. Dies kommt auch bei der Reflux-Krankheit (Sodbrennen) vor.

Schäden am Zahnmark

Schäden am Zahnmark (auch Zahnpulpa genannt) betreffen das Innere des Zahns, also den Bereich, der im Volksmund "Zahnnerv" genannt wird. Die Zahnpulpa ist sozusagen die "Füllung" des Zahns. Krankhafte Veränderungen am Zahnmark können sein:

  • Pulpitis: Entzündungen des Zahnmarks
  • Odontogene Infektion: Abszesse, die zusätzlich die Mundhöhle oder den Kieferknochen betreffen
  • Pulpagangrän/Pulpanekrose: Das Gewebe im Inneren des Zahns wird von Keimen (z.B. Karies) besiedelt, stirbt ab und löst sich auf
  • Parodontitis apicalis: Entzündungen am Zahnfleisch breiten sich auf die Wurzelspitze des Zahns aus
  • Dentikel (Pulpasteine): Das Zahnmark verkalkt aufgrund des Alters oder durch ein Trauma (z.B. bei einem Unfall)

Ist das Zahnmark geschädigt oder liegt eine Entzündung in diesem Bereich des Zahns vor, kann es an der betroffenen Region zu großen Schmerzen kommen. Typisch in einem akuten Stadium sind intensives Stechen und "Klopfen", die vor allem beim Essen und Trinken (temperaturempfindlich) auftreten und beim Hinlegen schlimmer werden. Durch die Entzündungen entsteht bei einem Abszess fauliger Mundgeruch. Nur sogenannte Dentikel verursachen zumeist keine Probleme und bleiben häufig unbemerkt.

Schäden am Zahnhalteapparat

Unter dem Begriff Zahnhalteapparat versteht man das Verankerungssystem, das die Zähne "im Mund hält", also das Zahnfleisch, den Zahnzement, das Zahnfach und die Wurzelhaut.

Parodontitis

Parodontitis oder umgangssprachlich auch "Parodontose" ist die entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats. Verursacht wird sie durch Bakterien, die sich in der Mundhöhle einnisten und sich dort vermehren. Zahnbelag (Plaque) entsteht und das Zahnfleisch blutet und entzündet sich. Parodontitis wird oft nicht bemerkt, da sie schmerzlos verläuft. Sie begünstigt Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Diabetes. Geht die Entzündung des Zahnfleisches auf das Zahnmark über, spricht man von Parodontitis apicalis.

Zahnschäden durch Unfälle und Verletzungen

Durch äußere Krafteinwirkung, wie z.B. bei einem Unfall, können Zähne gelockert werden, aber auch abbrechen oder ganz ausgerissen werden. Durch Traumata können auch Keime in das Zahninnere gelangen und dort eine Pulpitis, also eine Entzündung des Zahnmarks auslösen. 

Diagnose

Üblicherweise werden Zahnschäden vom Zahnarzt diagnostiziert. Je früher Zahnschäden erkannt und behandelt werden, desto besser für den Patienten. Die Folgen des Verlustes von Zahnsubstanz (Zahnerosion) sind z.B. irreversibel und werden im frühen Stadium nur durch regelmäßige Kontrolle vom Zahnarzt erkannt. Wer 2-mal pro Jahr zum Zahnarzt geht, vermeidet auch das unbemerkte Fortschreiten von Karies, Parodontitis und Co. Je nach Ursache des Zahnschadens kommen unterschiedliche diagnostische Methoden infrage:

  • Zur Diagnose von Karies verwendet der Zahnarzt Spiegel und Sonde, FOTI (Faseroptische Transillumination), Röntgen (genaueste Kontrollmöglichkeit zur Kariesdiagnostik bietet das sogenannte Bissflügelröntgen) und Laserdiagnostik (Laserfluoreszenzmessung).
  • Abbau von Zahnschmelz kann der Zahnarzt am äußeren Zahn erkennen, im Gespräch mit dem Patienten versucht er, zu ergründen, woher die Säurebelastung kommt (z.B. Ernährung, Essstörungen etc.).
  • Entzündungen des Zahnmarks (z.B. Pulpitis) werden durch ein Röntgen und äußerlich häufig durch Schwellungen und Abszesse ersichtlich.
  • Dentikel werden häufig zufällig bei einer Röntgenuntersuchung oder während einer Wurzelbehandlung entdeckt.
  • Parodontitis erkennt der Zahnarzt durch den Rückgang des Zahnfleischs, den er anhand einer Sonde misst. Mittels Röntgen können die erkrankten Stellen bzw. das Erkrankungsstadium genau erkannt werden.

Therapie

Je nach Ursache und Art der Zahnschäden kommen unterschiedliche Therapiemaßnahmen zum Einsatz:

  • Karies: Je nach Stadium sorgfältige Bohrung und Verschluss des Loches mit Füllmaterial (Stadium 1 und 2), Entfernung des erkrankten Nervengewebes und Desinfektion der Zahnwurzel (Stadium 3) oder Entfernung des stark von Karies befallenen Zahns (Stadium 4)
  • Zahnerosion: Feststellung der Herkunft der übermäßigen Säure (z.B. Ernährung), Gabe von Fluorid, Zinnfluorid oder Zinnchlorid (schützen vor weiterem Zahnsubstanzverlust) in Form von speziellen Zahnpasten und/oder Mundspülungen
  • Schäden am Zahnmark: Schäden (z.B. Odontogene Infektion, Pulpitis) sind oft schon stark fortgeschritten und die Schmerzen intensiv - Wurzelkanalbehandlungen oder Entfernung des Zahnkerns sind häufig notwendig
  • Parodontitis: Um das Fortschreiten des Zahnfleischrückgangs zu verhindern, stehen richtige Zahnhygiene und regelmäßige Kontrollen durch den Zahnarzt im Fokus; bei starker Parodontitis (wenn auch in selten Fällen) chirurgische Eingriffe zur Vermeidung von Zahnverlust

Vorbeugende Maßnahmen gegen Zahnschäden

  • Karies: Fluoridhaltige Zahnpasta und Mundspülungen hemmen den Abbau von Zahnsubstanz und fördern ihren Wiederaufbau. Bei regelmäßiger Anwendung kann Fluorid das Risiko für die Entstehung von Karies maßgeblich senken. Achten Sie auf regelmäßige und gründliche Mundhygiene und Zahnarztbesuche.
  • Zahnerosion: Nahrungsmittel mit hohem Calcium- und/oder Phosphatgehalt (Milch, Käse etc.) können häufig verzehrt den Zahnschmelzabbau hemmen. Versuchen Sie, den Konsum von stark säurehaltigen Getränken (z.B. Orangensaft) zu reduzieren. Benutzen Sie einen Strohhalm, wenn Sie nicht darauf verzichten möchten, so gelangt die Säure weniger an den Zahn. Spülen Sie Ihren Mund nach dem Essen und dem Genuss von säurehaltigen Getränken mit Leitungswasser aus und kauen Sie zuckerfreien Kaugummi: Das regt den Speichelfluss und so die Neutralisation von Säuren im Mund an.
  • Schäden am Zahnmark und Parodontitis: Die besten Waffen gegen Parodontitis und tiefergehende Zahnentzündungen wie Pulpitis oder Pulpagangrän sind richtiges Zähneputzen und sorgfältige Mundhygiene. So können sich Bakterien erst gar nicht einnisten und Sie ersparen sich große Schmerzen bzw. Folgeschäden der Zahnfleischentzündung. Wichtig ist auch die Entfernung von bestehender Karies durch den Zahnarzt, da sich sonst eine Pulpitis entwickeln kann.

Fragen an den Arzt

  • Was kann ich vorbeugend gegen Zahnschäden unternehmen?
  • Wie unterscheiden sich Schäden an der Zahnsubstanz von jenen des Zahnmarks?
  • Kann ich mit bestimmten Zahnhalteapparaten die Wahrscheinlichkeit einer Parodontitis-Infektion verringern?
  • Was kann ich gegen bereits vorhandene Zahnschäden unternehmen?
  • Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen bei Unfall bedingten Zahnschäden?

Medizinischer Experte

Med.Dent.

Dr. Bernd Matschy

Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Graz

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: K00.-, K02.-, K03.-, K04.-, K05.-; K00.5, K02.0, K02.1, K02.2, K02.3, K02.4, K02.5, K02.8, K02.9, K03.2, K04.0, K04.1, K04.2, K05.0, K05.1, K05.2, K05.3, K05.4, K05.5, K05.6

Mehr zum Thema