Zahnersatz: Baustelle im Mund

Eine Lücke in der Zahnreihe soll unbedingt geschlossen werden, weil sonst die Nachbarzähne auch zu wackeln beginnen bzw. der Gegenbiss fehlt. (nmann77 - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Gesunde Zähne

Es gibt verschiedene Arten von Zahnersatz. Sie lassen sich abnehmen oder fix im Zahnfleisch verankern.

Schöne gesunde Zähne - wer möchte sie nicht gerne bis ins hohe Alter haben? Doch Karies, Parodontitis oder andere, z. B. unfallbedinge, Ursachen können zu einer unerwünschten vorzeitigen Lücke im Gebiss führen, auch in jungen Lebensjahren. Doch egal warum Zähne verloren gegangen sind, das Fehlen einer oder mehrerer Zähne beeinflusst die eigene Lebensqualität. Denn Lachen, Sprechen oder Kauen können schwerer fallen und die Schmerzen vermindern die Freude am Essen. Es gibt verschiedene Arten von Zahnersatz. Sie werden unterteilt in abnehmbaren und den festsitzenden Zahnersatz.      

Für wen ist ein Zahnersatz geeignet?

  • Bei Menschen mit einem fehlenden Einzelzahn
  • Bei Personen mit mehreren fehlenden Zähnen
  • Bei Menschen mit einem vollständig zahnlosen Kiefer
  • Bei Personen mit unerwünschten Zahnfehlstellungen

Die Gründe für einen vorzeitigen Zahnverlust sind sehr vielfältig:

  • Karies
  • Entzündungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis)
  • Akute Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
  • Unfallbedingte Ursachen, wie Stürze, Schläge oder Gewalteinwirkungen
  • Mangelernährung
  • Essstörungen, z. B. Bulimie oder Magersucht
  • Tumorerkrankungen
  • Genetisch bedingter Zahnverlust, wenn die Zähne nicht nachwachsen oder von Geburt aus fehlen

Welche Arten von Zahnersatz gibt es?

Je nachdem, wie viele Zähne verloren gegangen sind und wie gesund die umgebenden Nachbarzähne sind, stehen verschiedene Möglichkeiten als Zahnersatz zu Verfügung. Sie werden unterteilt in abnehmbaren und festsitzenden Zahnersatz.

Abnehmbarer Zahnersatz

Teilprothesen

Mit Teilprothesen können größere Lücken im Gebiss geschlossen werden, wenn noch genügend eigene, gesunde Zähne vorhanden sind. Das Grundgerüst kann aus Kunststoff oder Metall bestehen und z. B. mit Klammern auf den gesunden Nachbarzähnen verankert werden. Teilprothesen können bei Bedarf ohne größeren Aufwand herausgenommen werden.

Totalprothese

Eine Totalprothese kann angefertigt werden, wenn im Kiefer kein einziger gesunder Zahn mehr vorhanden ist. Die "dritten Zähne" bestehen aus einer zahnfleischfarbenen Basis aus Kunststoff, auf dem künstliche Zähne aus Kunststoff oder Keramik verankert sind. Sie können für den Ober- und Unterkiefer angefertigt und wieder herausgenommen werden. Die Haftung wird durch einen dünnen Speichelfilm und der Saugkraft an der Schleimhaut erreicht. Damit die Prothese bestmöglich passt, wird ein Abdruck vom Kiefer genommen und daraus die Prothese modelliert.

Festsitzender Zahnersatz

Kronen

Eine Zahnkrone ist eine künstliche Schutzkappe, die einen beschädigten Zahn schützen und seine Funktion wieder herstellen soll. Dafür wird der Zahnschmelz abgeschliffen und anschließend ein Abdruck genommen, damit die Krone individuell angefertigt werden kann. Es können Verblendmetallkronen, Keramikkronen oder Stiftzahnkronen angefertigt werden. Die angefertigte Krone wird dann mit einem speziellen Klebstoff am abgeschliffenen Zahn fixiert.

Brücken

Eine Zahnbrücke wird eingesetzt um nach einem Zahnverlust den fehlenden Zahn zu überbrücken. Eine Brücke besteht aus einer Krone für die angrenzenden Zähne und einem künstlichen Mittelstück, das den fehlenden Zahn ersetzten soll. Die vorhandenen gesunden Nachbarzähne dienen dabei als Pfeiler, an dem die Brücke verankert werden kann. Dazu werden die angrenzenden Zähne soweit abgeschliffen, dass die Brücke gut einzementiert werden kann.

Stiftzähne

Ein Stiftzahn kann aus Metall oder Keramik bestehen und wird im noch intakten Wurzelkanal des alten Zahnes befestigt. Auf dem Wurzelstift kann dann ein künstlicher Zahn verankert werden.

Implantate

Ein Zahnimplantat besteht aus einer künstlichen Wurzel, die operativ im Kieferknochen befestigt wird. Auf dem Implantat wird im Anschluss ein festsitzender oder abnehmbarer Zahnersatz verankert. Zahnimplantate sollen den fehlenden Zahn ersetzen und genauso belastbar wie ein natürlicher sein. Wichtig vor der Behandlung ist, dass das Zahnfleisch und der ausgewachsene Kiefer gesund und frei von Entzündungen sind. Nach einer Einheilungsphase des Implantates von etwa 6 bis 12 Wochen, können Zahnkronen oder Brücken angefertigt werden. Es kann notwendig sein, dass vor der eigentlichen Behandlung ein Kieferknochenaufbau erfolgen muss.

Veneers

Veneers (Verblendschalen) bestehen aus hauchdünnen Keramik- oder Kunststoffschalen. Sie können bei störenden Schönheitsfehlern der Zähne, wie Verfärbungen, Füllungen oder Zahnfehlstellungen, auf die Zahnoberfläche geklebt werden. Damit die Veneers gut halten, wird vor dem Aufbringen der betroffene Zahnschmelz etwas aufgeraut. Form und Aussehen der Verblendschalen werden individuell angepasst. Die Haltbarkeit beträgt meist mehrere Jahre.

Wo liegen die Grenzen beim Zahnersatz?

Wird beim Beratungsgespräch beim Zahnarzt festgestellt, dass für ein Zahnimplantat nicht genügend Kieferknochen vorhanden ist, muss vor der Behandlung ein Knochenaufbau durchgeführt werden. Dies kann die Behandlung verzögern.

Wie bei jedem operativen Eingriff kann es zu diversen Nebenwirkungen kommen. Beim Zahnersatz unterscheiden sie sich je nach Eingriff. Diverse Medikamente, wie Bisphosphonaten, können den Heilungsverlauf verzögern oder das Risiko für das Auftreten einer Nebenwirkung erhöhen.

Was muss der Betroffene nach der Therapie beachten?

Bei neuen Prothesen kann es vorkommen, dass das Sprechen und Kauen anfangs schwieriger fällt und möglicherweise auch unangenehm erscheint. Das liegt daran, dass Prothesen den Schall anders leiten und die Muskulatur sich erst an die Prothese gewöhnen muss. Die Eingewöhnungszeit ist vom Heilungsverlauf abhängig.

Prothesen im Unterkiefer halten meist schlechter, als im Oberkiefer. Das liegt daran, dass eine Prothese im Oberkiefer leichter am Gaumen hält. Auch bei Mundtrockenheit halten Prothesen schlechter. Hier schaffen Speichelersatzprodukte aus der Apotheke Abhilfe.

Zahnersatz: Was kann der Betroffene zum Gelingen der Therapie beitragen?

Damit der Zahnersatz möglichst lange hält, sollten Sie die Anweisungen des Zahnarztes befolgen. Die tägliche Mundhygiene, eine regelmäßige professionelle Kontrolle und eine professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt sind für die Haltbarkeit wichtig.

Kosten & Krankenkasse

Die Übernahme der Kosten durch die gesetzlichen Krankenkassen ist unterschiedlich geregelt. Detaillierte Kostenerstattungen können bei der jeweiligen Krankenkasse angefragt werden. Meist wird aber nach einer Bewilligung durch den chefärztlichen Dienst eine z. B. abnehmbare Prothese durch die Krankenkasse übernommen. Die Tragedauer beträgt 6 Jahre. Vor Ablauf dieser Frist wird eine Prothese nur mit einer medizinischen Begründung bewilligt. Beim festsitzenden Zahnersatz gibt es von vielen Krankenkassen keine Kostenerstattung, außer in besonderen medizinischen Fällen.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. med. dent. Lucas Nahler

Facharzt f. Zahn-, Mund- & Kieferheilkunde

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Quellen

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