Windpocken (Varizellen)

Durch Tröpfcheninfektion übertragbarer Virus

Windpocken: Ein betroffenes Kind steht mit dem Rücken zur Kamera  und hält einen Teddybär im Arm.
Windpocken: 75 % aller Kinder erkranken bis zu ihrem 15. Lebensjahr daran. (Dan Race - Fotolia.com)

Windpocken verbreiten sich "in Windeseile": Das Varicella-Zoster-Virus, ein DNA-Virus, das diese Erkrankung verursacht, wird über in der Luft schwebende Tröpfchen übertragen. 75 % aller Kinder unter 15 Jahren haben diese Infektion bereits durchgemacht. Die Inkubationszeit beträgt 8 bis 28 Tage.

Das Virus hat jedoch 2 Gesichter: Nach einer Erstinfektion erkranken Betroffene an Windpocken (Schafblattern, Feuchtblattern), die von einem charakteristischen Hautausschlag begleitet werden. Der Hautausschlag juckt, hinterlässt aber keine Narben, solange nicht gekratzt wird. Da das Virus im Körper noch jahrelang in den Hirnnervenganglien "überleben" kann, ist es möglich, dass in späteren Jahren bereits einmal Infizierte eine schmerzhafte Gürtelrose (Herpes zoster) entwickeln. Für Schwangere und ihr Ungeborenes ist eine Windpocken-Erkrankung gefährlich, eine Herpes zoster-Infektion jedoch nicht.

Häufigkeit

Da sich das Virus rasch und gewissermaßen über die Luft verbreitet, tragen etwa 95 % der Erwachsenen den Erreger in sich. Von Herpes zoster ist etwa jeder 5. ab dem 50. Lebensjahr betroffen. 

Ursachen/Symptome/Verlauf

Erreger Herpes-Zoster-Varicellen-Virus

  • Windpocken-Versursacher: Das Virus wird beim Atmen, Niesen, Husten oder Sprechen von infizierten Menschen ausgestoßen, es ist jedoch auch in Bläschen und Krusten enthalten, die sich im Zuge der Erkrankung bilden (Bläschen befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien).
  • Gürtelrose-Verursacher: Herpes zoster-Viren überleben ausschließlich in der Flüssigkeit der Hautbläschen und in Spinalganglien des zentralen Nervensystems. Zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) liegen etwa 8 bis 28 Tage. Infektiös sind Betroffene etwa 2 Tage bevor der typische Hautausschlag auftritt bis zum völligen Abheilen der verkrusteten Bläschen. (Hier befinden sich alle Bläschen im gleichen Entwicklungsstadium.)

Verlauf und Symptome

Etwa 1 bis 2 Tage vor dem Ausbruch der Erkrankung setzt ein lästiger Juckreiz ein, dann bilden sich rötliche Punkte auf der Haut. Auch Kopfschmerzen und Fieber können kurzzeitig auftreten und etwa 3 bis 5 Tage lang andauern.

Im Zuge der Erkrankung werden aus den roten Punkten kleine gelb gefüllte Bläschen, die zunächst im Gesicht und am Haaransatz sichtbar werden. Die Bläschen sind mit virushältiger Flüssigkeit gefüllt und hoch ansteckend.

Nach 2 bis 3 Tagen dehnt sich der Hautausschlag auf den gesamten Körper, meist Rumpf, Arme und schließlich auf die Beine aus. Auch die Schleimhäute (Mund, Auge, Genitalien) können betroffen sein. Bei Kindern ist die Bläschenbildung meist milder als bei infizierten Erwachsenen. Inneralb von etwa 5 bis 8 Tagen heilen die Bläschen sukzessive ab, ohne Narben zu hinterlassen. Wichtig ist jedoch, nicht zu kratzen, auch wenn die Haut extrem juckt. Dadurch können Bakterien in die Haut einmassiert werden, weitere Infektionen verursachen und Narben hinterlassen.

Nimmt die Erkrankung ihren üblichen Verlauf, ist sie nicht weiter bedrohlich. Riskant sind jedoch die Komplikationen, die die Infektionserkrankung mit sich bringt, und zwar:

  • Infektion mit Strepto- oder Staphylokokken: Eine Infektion mit Streptokokken oder Staphylokokken, die beim Kratzen der entzündeten Bläschen entsteht. Dadurch können Narben zurückbleiben.
  • Lungenentzündung (Varizellenpneumonie):Meist sind Erwachsene davon betroffen. Die Symptome, wie Atembeschwerden oder trockener Husten, treten etwa bei jedem 5. erwachsenen Infizierten etwa 3 bis 5 Tage nach Krankheitsbeginn ein.
  • Gehirnhautentzündung: Befallen die Viren das Zentralnervensystem (bei 0,1 % der Erkrankten), kann das eine Meningitis (Gehirnhautentzündung), Enzephalitis (Gehirnentzündung) oder Koordinationsstörungen, sowie Gleichgewichtsstörungen durch die Entzündung des Kleinhirnes (Cerebellitis) verursachen.

Schwangerschaft und Windpocken

Mütter, die in der Schwangerschaft an Windpocken erkranken, können eine Varicellen-Embryopathie erleiden und tragen ein 10-fach erhöhtes Risiko, im Zuge der Infektion eine Lungenentzündung zu entwickeln.

Die Mutter versorgt das Kind zwar über die Plazenta mit Antikörpern, sie kann im Falle einer Infektion jedoch das Baby (vor allem vor der 21. Schwangerschaftswoche) anstecken.

An Windpocken erkrankte Mütter können die Infektion auf das Neugeborene übertragen. Riskant ist vor allem, wenn es bei der Mutter zu einem Krankheitsausbruch im Zeitraum von 5 Tagen vor und 2 Tage nach der Geburt kommt. Da Neugeborene noch kein ausgereiftes Immunsystem haben, müssen sofort entsprechende Maßnahmen (passive Impfung, Hyperimmunglobulin) getroffen werden. Erkrankt auch das Neugeborene an Windpocken, liegt seine Überlebenschance nur mehr bei 80 %. Auch eine antivirale Therapie und eine Trennung von der Mutter (kein Stillen!) sind erforderlich, um eine Erkrankung des Neugeborenen zu verhindern.

Um sicherzugehen, ob eine Immunität gegen Windpocken besteht (die Frau also vor der Schwangerschaft noch nie geimpft wurde), sollte bei Schwangeren ein Antikörper-Bluttest durchgeführt werden. Sollte dieser Test positiv sein, muss die Schwangere mit Gammaglobulinen behandelt werden und postpartal entsprechend aktiv nachimmunisiert werden.

Bei einer Herpes zoster-Erkrankung der Mutter besteht kein Risiko für das Ungeborene bzw. das Neugeborene.

Herpes zoster

Herpes zoster ist ein "Neuaufflackern" der Erkrankung, wenn zuvor eine Infektion mit dem VZV erfolgt ist (z.B. Windpocken im Kindesalter). Meist betrifft eine solche Erkrankung Menschen ab dem 50. Lebensjahr oder immunschwache Personen. Selbst wenn eine VZV-Impfung im Kindesalter erfolgt ist, kann Herpes zoster mitunter auftreten.

Die Erkrankung wird auch als "Gürtelrose" bezeichnet. Dabei überdauert das Virus in bestimmten Nervenzellen und kann erst nach Jahren ausbrechen. Es kommt zu schmerzhafter Bildung roter Flecken entlang der Nervenbahnen und einem davon versorgten Hautareal. Je nachdem, wo bzw. an welchen Nervenbahnen die Viren "angedockt" haben, kommt es zu Herpes zoster in verschiedenen Bereichen (Gesicht, Ohren, Hals, Brust, Genitalien etc.). Die zunächst brennende, ziehende Hautpartie füllt sich zu kleinen Bläschen, verkrustet nach einigen Tagen und heilt innerhalb von etwa 4 Wochen wieder ab. Bei Erwachsenen ist die Erkrankung mit heftigen Schmerzen verbunden, bei Kindern verlaufen derartige Infektionen milder. Bei Erwachsenen und immunschwachen Menschen kann sich unter Umständen eine immer wiederkehrende Nervenentzündung einstellen, die Gürtelrose kann auch an verschiedenen Stellen immer wieder auftreten.

Diagnose

Der Arzt stellt üblicherweise eine klinische Diagnose. Da sowohl Windpocken als auch Herpes zoster durch charakteristische Hautbläschen gekennzeichnet sind, ist üblicherweise kein anderer Virusnachweis erforderlich.

Weitere Möglichkeiten der Diagnose

  • PCR (Polymerase-Kettenreaktion): um einen direkten Virusnachweis zu ermöglichen, erfolgt ein Nukleinsäurenachweis des Erregers. Im Labor wird das Blutserum nach Nukleinsäuren, also Bausteinen des Virus untersucht. Kann Nukleinsäure nachgewiesen werden, liegt eine Infektion vor.
  • Immunfluoreszenztest: in diesem aufwändigen Verfahren werden Zellkulturen angelegt, um den Erreger in der Bläschenflüssigkeit nachweisbar zu machen.
  • Indirekter Virusnachweis: mithilfe von Bluttests wird nach spezifischen Antikörpern gesucht, die sich bei Herpes zoster bilden.  

Therapie

Windpocken

Die Behandlung ist auf eine Linderung der Symptome beschränkt. Eine entsprechende Hautpflege, wie tägliches Waschen, Behandeln mit Lotionen, Salben oder Cremen, die den Juckreiz lindern, beugen bakteriellen Superinfektionen vor. Nur in schweren Fällen sollte eine antivirale Behandlung vom Arzt in Erwägung gezogen werden. Erkrankungen des zentralen Nervensystems sollten mit antiviralen, parenteralen Infusionen (Zovirax) im Spital behandelt werden.

Herpes zoster

Um die Heilung zu beschleunigen und den Schmerz zu lindern, werden antivirale Medikamente verabreicht. Meist handelt es sich um Tabletten, die vom Arzt in genauer Dosierung verordnet werden.

Immunschwachen Personen oder Betroffenen, die an einer Zosterpneumonie (Lungenentzündung) laborieren, werden antivirale Medikamente mit Injektionen oder Infusionen verabreicht.

Schutzimpfung Varicellen

Die Varicellen-Impfung (Varilrix) sollte Kindern in 2 Dosen verabreicht werden. Die erste Impfung erfolgt im Alter vom 11. bis zum 14., die zweite vom 20. bis 24. Lebensmonat. Ungeimpfte Personen können die Immunisierung in jedem Lebensalter durchführen. Dringend empfohlen wird sie Frauen mit Kinderwunsch, die noch nie an Windpocken erkrankt waren, immunschwachen Menschen (Organtransplantierten), Neurodermitis-betroffenen Kindern oder Mitarbeitern in Gesundheitsberufen.

Schutzimpfung Herpes zoster

Um ein Wiederaufflackern der durchgemachten Varicelleninfektion als Gürtelrose zu verhindern, wird ab dem 45. Lebensjahr eine einmalige Impfung gegen Herpes zoster empfohlen.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Windpocken sind hoch ansteckend. Im Kindergarten und in der Schule können Kinder einander sehr rasch anstecken. Um noch nicht angesteckte Kinder vor einer Infektion zu schützen, besteht auch die Möglichkeit, innerhalb der 14-tägigen Inkubationszeit aktiv zu impfen.

Da erkrankte Kinder zumeist 10 bis 14 Tage zu Hause bleiben müssen, ist die Impfung auch aus volkswirtschaftlichen Gründen empfehlenswert. Im Erkrankungsfall ist das Kind meist geschwächt und fiebert, wichtig ist daher, Bettruhe einzuhalten.

Gegen den quälenden Juckreiz helfen Emulsionen, Salben oder Puder aus der Apotheke, die den Juckreiz lindern. Das ist wichtig, denn Kinder neigen dazu, sich zu kratzen, die aufgekratzten Bläschen können sich infizieren und Narben hinterlassen. Günstig ist es daher, dem Kind evt. auch die Fingernägel zu schneiden.

Kühle Raumtemperaturen sind günstig, Feuchtigkeit und Wärme hingegen fördern die Bläschenbildung. Auch kalte Umschläge mit Kamillentee lindern den Juckreiz. Ein häufiges Wechseln der Wäsche verhindert weitere Infektionen, bei kleinen Kindern sollten die Windeln öfter gewechselt werden, da gerade in diesem Körperbereich vermehrt Bläschen entstehen.

Wenn die Bläschen abgetrocknet sind, sind Bäder eine gute Möglichkeit, denn bestmögliche Hygiene fördert die Genesung.

Fragen an den Arzt

  • Ich habe Windpocken bereits durchgemacht - kann ich an Herpes zoster erkranken?
  • Ich habe mich noch nie infiziert - wie kann ich mich schon vor einer Schwangerschaft schützen?
  • Hat die Impfung Nebenwirkungen?
  • Wie hoch ist die Schutzrate für Windpocken und für Herpes zoster?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Dr. Helmuth Howanietz

Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, Wien

www.kizaugarten.at

Quellen

ICD-10: B01.-,B01.0+, B01.1+,B01.2+,B01.8, B01.9

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