Wärmegürtel

Wärmegürtel: Mann greift auf schmerzenden Rücken
Bei Muskelverspannungen oder einem Hexenschuss kann ein Wärmegürtel Linderung verschaffen. (Yeko Photo Studio - Fotolia.com)
Ein Wärmegürtel ist ein breiter Gürtel, der an bestimmte Körperstellen angelegt wird und dort eine gleichbleibende Wärme spendet. Schmerzen werden dadurch vermindert, schmerzhafte Muskulatur kann wieder entspannen.

Es gibt Wärmegürtel für den einmaligen Gebrauch, die sich beim Aktivieren durch eine chemische Reaktion erhitzen sowie mehrmals verwendbare Wärmegürtel mit Kabel oder Akku, die elektrisch erhitzt werden. Alternativ gibt es auch Gürtel, die in der Mikrowelle erwärmt werden oder solche aus Angora-Wolle, die durch das Speichern der eigenen Körperwärme  warm halten.

Wann nützt die Anwendung eines Wärmegürtels?

  • Verspannungen: Bei verspannter Muskulatur, die Schmerzen verursacht, kann die gleichbleibende Wärme lindernd wirken.
  • Rückenprobleme: Bei sogenanntem Hexenschuss (Lumbago) oder Bandscheibenvorfällen als Begleittherapie.
  • Blasenentzündung: Bei Blasenentzündung, um den unteren Rücken warm zu halten und damit die Symptome zu vermindern.

Was passiert bei einer Wärmegürtel-Anwendung?

Der Wärmegürtel wird ganz einfach um den Körper, direkt auf die Haut angelegt und wie ein Gürtel (meist mit Klettverschluss) geschlossen. Ein Angora-Gürtel ist wie ein Schlauch geformt und wird wie ein T-Shirt über den Körper gestreift und an der richtigen Stelle platziert. Nach dem Anlegen braucht der Gürtel, je nach Art, einige Zeit um sich vollständig zu erwärmen (bis zu 30 Minuten). Danach wird der Gürtel über einen längeren Zeitraum gleichbleibend Ihren Rücken erwärmen. Tragen Sie den Gürtel so lange, bis sich eine Besserung einstellt oder der Gürtel keine Wärme mehr spendet.

Für Reisen oder für unterwegs eignet sich ein "Einmal"-Gürtel (bis zu 8 Stunden Wärme) oder ein Wärmegürtel mit Akku, der bis zu 4 Stunden warm halten kann. Eine Alternative ist ein Angora-Gürtel aus einer speziellen Wolle. Er führt dem Körper  keine Wärme von außen zu, sondern wärmt mit der eigenen Körpertemperatur und muss nicht mit einer Batterie betrieben werden.

Wenn Sie die Wärme des Gürtels auf der Haut spüren, öffnen sich Ihre Blutgefäße. Ihre Muskeln und das umliegende Gewebe werden nun besser durchblutet und dadurch mit Nähr- und Sauerstoff versorgt. Die Spannung in Ihrer Muskulatur wird mit der Zeit abnehmen und auch Gelenke lassen sich wieder geschmeidiger bewegen. Zusätzlich hat Wärme einen beruhigenden Effekt auf die Nerven.

Wann und (wie lange) kommt diese Therapie zum Einsatz?

Die Anwendung eines Wärmegürtels ist vielseitig. Sie können einen Wärmegürtel prophylaktisch tragen, wenn sie z.B. regelmäßig, bedingt durch Arbeit oder durch die kalte Jahreszeit unter Rückenschmerzen leiden. Hierfür eignet sich besonders jener aus Angora-Wolle. Aber auch bei beginnenden und akuten Schmerzzuständen, ausgelöst durch Erkrankungen wie Hexenschuss (Lumbago), Bandscheibenvorfall oder Blasenentzündung kann Ihnen ein Wärmegürtel Erleichterung verschaffen. Es gibt keine begrenzte Dauer für die Anwendung eines Wärmegürtels. 

Achtung bei Bandscheibenvorfällen: Diese müssen unbedingt unter ärztlicher und physiotherapeutischer Anleitung behandelt werden muss, da es bei einer falschen oder zu späten Behandlung zur Schädigung von Nervenbahnen kommen kann, was neurologische Ausfälle oder sogar Lähmungserscheinungen auslösen kann.

Was muss der Patient nach der Therapie beachten?

Wenn Sie den Wärmegürtel abnehmen, ist der  Rücken meist zug- und kälteempfindlicher. Achten Sie deshalb darauf, sich nach der Anwendung warm anzuziehen und alle nackten Hautstellen zu bedecken. Ein Muskel, der noch leicht  verspannt ist, verspannt sich durch  einen kalten Zug schnell wieder stärker.

Bei einer Blasenentzündung sollte der Gürtel so lange verwendet werden, bis sich die Blase wieder beruhigt hat.

Ein "Angora" kann auch im Nachhinein getragen werden, um präventiv ein Wiederkehren des Leidens zu verhindern.

Wer therapiert?

Ein Wärmegürtel ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Einen Angora-Gürtel bekommen Sie in den meisten Geschäften, die Unterwäsche führen.  Die Anwendung ist einfach und kann von jedem selbst durchgeführt werden.

Wie können Sie zum Gelingen der Therapie beitragen?

Wenn die Verspannung der Muskulatur stark ist, Sie einen Hexenschuss oder eine Blasenentzündung haben, ist es wichtig, dass Sie sich viel Ruhe gönnen und zusätzliche Anstrengungen vermeiden. Sind die Verspannungen leichter, kann ein wenig Bewegung (Spazierengehen) zusätzliche Linderung verschaffen und die Therapie unterstützen.

Wo liegen die Grenzen dieser Therapieform

Der Wärmegürtel ist eine Begleittherapie,  alleine kann sie schwere Verspannungen, Blasenentzündung oder den Hexenschuss nicht heilen. Eine Behandlung  durch einen Arzt oder Therapeuten (Massage) ist hier wichtig. Bei Muskelverspannungen sollte nach der Ursache des Problems geforscht werden (z.B. Haltung).

Grundsätzlich kann ein Wärmegürtel fast immer angewendet werden. Wenn jedoch Hautirritationen bestehen, kann die Wärme diese verschlimmern. Zusätzlich sollten Sie bei bekannten Durchblutungsstörungen z.B. einer Herzinsuffizienz, oder bei akuten Entzündungen der Wirbelgelenke vor der Anwendung Ihren Arzt befragen. Für die Verwendung eines Angora-Gürtels gibt es keine Einschränkungen.

Kosten und Krankenkasse

Wiederverwendbare Wärmegürtel kosten zwischen 20 und 50 Euro. Einmal-Wärmegürtel kosten in etwa 15 Euro. Ein Angora-Gürtel kostet, je nach Qualität, zwischen 16 und 40 Euro. Die Kosten eines Wärmegürtels werden meist nicht von der Krankenkasse übernommen.

Fragen an den Arzt

  • Ich bin stark verspannt. Ist ein Wärmegürtel geeignet für mich?
  • Ich habe empfindliche Haut. Welcher Wärmegürtel ist der passende für mich?
  • Wie lange soll ich den Wärmegürtel anwenden?
  • Ist der Wärmegürtel auch für mein Kind geeignet?
  • Darf ich nach der Behandlung Sport treiben?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Monika Söllner

Physiotherpeutin

Quellen

  • Lehrbuch Integrative Schmerztherapie, Lorenz Ficher / Elmar T. Peuker, Karl F. Haug Verlag, 1. Auflage, Stuttgart, 2011
  • Bandscheibenbedingte Erkrankungen: Ursachen, Diagnose, Behandlung, Vorbeugung, Begutachtung, Jürgen Krämer, Georg Thieme Verlag KG, 5. Auflage, Stuttgart, 2006
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (17.03.2014)

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