Vorsorgeuntersuchung

Vorsorgeuntersuchung: Arzt untersucht Patient
Bei der Vorsorgeuntersuchung können z.B. Risikofaktoren für einen Schlaganfall erkannt werden. (apops - Fotolia.com)
Die kostenlose Vorsorgeuntersuchung ist eine Möglichkeit zur umfassenden Testung der eigenen Gesundheit. Sie wird von etwa jedem 8. Österreicher wahrgenommen.

Der Gesundheitscheck kann Leben retten: Werden Erkrankungen (z.B. Bluthochdruck) im Frühstadium erkannt, ist  Zeit für die Behandlung gewonnen und Spätfolgen können vermieden werden. Die Vorsorgeuntersuchung setzt sich aus 1 oder 2 Terminen bei einem Arzt zusammen - idealerweise beim Hausarzt - oder kann in einem Gesundheitszentrum der Krankenkassen an einem einzigen Tag gemacht werden. Die Ziele des Gesundheits-Checks sind eine genaue Bestandsaufnahme des Gesundheitszustands und der Risikofaktoren eines Patienten sowie eine Beratung für ein gesünderes Leben. Bei dem Angebot der österreichischen Sozialversicherungsträger können alle Männer und Frauen ab dem 18. Lebensjahr einmal jährlich teilnehmen.

Anlass einer Vorsorgeuntersuchung

Die österreichischen Sozialversicherungsträger investieren jährlich über 400 Millionen Euro in die Vorsorgeuntersuchung, um die österreichische Bevölkerung zur Prävention zu bewegen - denn oft findet der erste Kontakt mit dem Thema Gesunderhaltung erst bei einer Schwangerschaft oder einer schweren Krankheit statt. Die Vorsorgeuntersuchung stellt eine einzigartige Chance dar, Ihre Gesundheit prüfen zu lassen - und das kostenlos.

Die kostenlose jährliche Vorsorgeuntersuchung macht aus 2 Gründen Sinn:

  • Vermeidung von gesundheitlichen Risiken: Indem ein Gesundheitsrisiko rechtzeitig erkannt wird, können Krankheiten verhindert bzw. das Risiko für ihre Entstehung gemindert werden.
  • Früherkennung: Grundsätzlich sind die Heilungschancen höher, je früher eine Erkrankung entdeckt wird. In früheren Stadien sind diese besser therapierbar.

Was passiert bei der Vorsorgeuntersuchung?

Die Untersuchung besteht lediglich aus 2 Terminen beim Arzt und ist schnell gemacht. Entscheidet man sich für ein Gesundheitszentrum der Krankenkasse, ist sogar nur ein Termin nötig. Der Wert der Vorsorgeuntersuchung übersteigt ihren Aufwand bei Weitem, denn die Früherkennung von Krankheiten, wie Krebs oder Bluthochdruck kann lebensverlängernd sein. Wenn Sie eine Vorsorgeuntersuchung machen möchten, vereinbaren Sie dafür einen Termin mit einem Arzt für Allgemeinmedizin, der im Vertrag mit der Krankenkasse steht.

Die Untersuchung besteht aus unterschiedlichen Basisuntersuchungen:

Erhebung der Krankengeschichte

In einem ersten Schritt füllen Sie einen Fragebogen aus, der Fragen zu vergangenen oder bestehenden Erkrankungen, zu Ihren Lebensgewohnheiten etc. enthält. Dadurch kann sich der Arzt einen Überblick über Ihren Gesundheitszustand verschaffen.

Körperliche Untersuchung

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung sucht der Arzt den Körper nach Auffälligkeiten ab: Dazu gehören unter anderem eine Inspektion der Haut, eine Überprüfung der Beweglichkeit des Halses, die Tastuntersuchung der Lymphknoten, des Überprüfen der Pulse an Armen und Beinen, das Abhören von Herz und  Lunge, Abtasten der Bauchorgane, Untersuchung der Wirbelsäule sowie eine Blutdruckmessung.

Bestimmung des Body Mass Index (BMI)

Da Übergewicht Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Krebs und andere Krankheiten begünstigen kann, berechnet der Arzt anhand Ihrer Körpergröße und Ihres Gewichts den Body Mass Index. Dieser zeigt an, ob Sie an Unter- oder Übergewicht leiden bzw. ob Sie normalgewichtig sind. Zusätzlich nimmt der Arzt Maß von Ihrem Bauchumfang, der bei Männern nicht über 102 cm und bei Frauen nicht über 88 cm liegen sollte.

Blutuntersuchung

Der Arzt nimmt eine Blutabnahme vor und macht die Analysen entweder selbst oder schickt die Blutproben in ein Labor. Die Blutwerte geben z.B. Aufschluss über eine bestehende Blutarmut, einen zu hohen Cholesterinwert oder einen erhöhten Blutzuckerspiegel, der auf Diabetes hinweisen kann.

Harnuntersuchung

Anhand des Harns kann der Arzt Krankheiten der Niere, Harnblase, Harnröhre und Harnleiter feststellen. Ihre Urinprobe geben Sie beim Arzt vor Ort in einen Becher ab.

Hämoccult-Test

Auch die Überprüfung des Stuhls gehört zur Vorsorgeuntersuchung ab dem 50. Lebensjahr. Sie nehmen zuhause mit einem speziell für diesen Test gemachten Set an 3 aufeinanderfolgenden Tagen eine Probe und bringen die Proben zum Arzt mit oder schicken das Kuvert mit den Proben per Post ab.

Gynäkologische Untersuchung

Frauen können regelmäßig einen PAP-Abstrich (Krebsabstrich) vom Muttermund zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs machen lassen. Dieser kann vom Allgemeinmediziner im Rahmen der Basisuntersuchungen oder vom Frauenarzt in einem separaten Termin durchgeführt werden.

Untersuchung auf Parodontitis

Findet der Arzt für Allgemeinmedizin bei der Vorsorgeuntersuchung Anzeichen für eine Erkrankung des Zahnfleisches, schreibt er dem Patienten eine Überweisung zum Zahnarzt.

Abschlussgespräch

Sind alle Untersuchungen absolviert, bespricht der Arzt in einem abschließenden Gespräch Ihre Untersuchungsergebnisse. Haben Sie die Vorsorgeuntersuchung bei einem niedergelassenen Arzt gemacht, brauchen Sie einen zusätzlichen Termin zur Befundbesprechung, da die Blut- und Harnproben zuvor im Labor ausgewertet werden müssen. Zumeist finden beim ersten Termin nur die Blutabnahme und die Abgabe der Harnprobe statt und beim zweiten Termin die restlichen Basisuntersuchungen. In Gesundheitszentren der Krankenkasse bzw. bei einem Vertragsarzt gibt es oft ein hauseigenes Labor, weswegen nur ein Termin notwendig ist. Sie erhalten am Ende einen Arztbrief, in dem alle Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchung festgehalten sind. Sind weitere Untersuchungen notwendig, werden Sie zum entsprechenden Facharzt überwiesen.

Der Fokus bei der Vorsorgeuntersuchung liegt auf der Prävention und Früherkennung von

  • Herz-Kreislauferkrankungen: In der Vorsorgeuntersuchung wird ein persönliches Risikoprofil in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z.B. Herzinfarkt erstellt, das Lebensgewohnheiten wie Zigaretten- oder Alkoholkonsum beinhaltet.
  • Krebserkrankungen: Jede 8. Frau erkrankt im Laufe Ihres Lebens an Brustkrebs, bei Männern Prostatakrebs die häufigste Krebsart. Der Fokus liegt deshalb auch auf der Prävention von Krebserkrankungen. Für Frauen gibt es das kostenlose Brustkrebs Screening zur Früherkennung von Brustkrebs.
  • Stoffwechselerkrankungen: Ein ungesunder Lebensstil und Diabetes-Erkrankungen in der Familie begünstigen eine Erkrankung an Diabetes. Der Arzt wird bei der Vorsorgeuntersuchung auch den Blutzuckerwert bestimmen.
  • Alterserkrankungen: Die Überprüfung des Seh- und Hörvermögens ist ab dem 65. Lebensjahr besonders wichtig. Wird nachlassende Hör- oder Sehleistung schnell erkannt, lässt sich die Lebensqualität älterer Menschen verbessern.
  • Suchterkrankungen: Alkohol-, Nikotin- und Medikamentenkonsum sind wichtige Indikatoren, die im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung vom Arzt erfragt und dokumentiert werden. Zusätzlich wird Hilfe zur Entwöhnung von Suchtmitteln angeboten.
  • Parodontalerkrankungen: Zahnfleischentzündungen verlaufen oft schmerzfrei, weswegen Betroffene meist erst im späten Stadium einen Arzt aufsuchen. Um eine zu späte Diagnose zu vermeiden, wurde die Vorsorge für Parodontalerkrankungen in die Gesundenuntersuchung mit ins Programm genommen.

Wer macht die Vorsorgeuntersuchung?

Die Basisuntersuchungen werden von niedergelassenen Ärzten für Allgemeinmedizin, Vertragsärzten oder in Gesundheitszentren der Krankenkasse angeboten. Die eventuell notwendigen Zusatzuntersuchungen finden bei Fachärzten für Innere Medizin, Fachärzten für Lungenheilkunde und Fachärzten der Radiologie statt. Der gynäkologische Abschnitt wird bei Fachärzten für Frauenheilkunde und Geburtshilfe durchgeführt.

Gibt es Risiken bei der Vorsorgeuntersuchung?

Es gibt kein Risiko der Vorsorgeuntersuchung, bis auf die Koloskopie - der Arzt kann Sie im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung genau darüber aufklären.

Was können Sie zur Vorsorgeuntersuchung beitragen?

Um alles zu einem reibungslosen Ablauf der Untersuchung beizusteuern, bringen Sie Folgendes zu Ihrer Vorsorgeuntersuchung mit:

  • Ihre e-card oder gegebenenfalls einen Ersatzkrankenschein
  • Alte Befunde von früheren Untersuchungen
  • Arztbrief der letzten Vorsorgeuntersuchung, falls Sie schon eine gemacht haben. Der Arzt kann dann die neuen Werte mit den älteren vergleichen und eventuelle Veränderungen ausmachen.
  • Eine Liste von Medikamenten, die Sie regelmäßig einnehmen

Bitte erscheinen Sie nüchtern zur Vorsorgeuntersuchung, da auch eine Blutabnahme stattfindet.

Kosten & Krankenkasse

Jede in Österreich wohnhafte volljährige Person kann einmal pro Jahr bei jedem mit der Krankenkasse im Vertrag stehenden Arzt mit Vorsorgeuntersuchungsvertrag oder in Gesundheitszentren der Krankenkassen eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen. Man muss also nicht zwangsläufig versichert sein, um sich der Untersuchung unterziehen zu können.

Fragen an den Arzt

  • Was muss ich vor der Vorsorgeuntersuchung beachten?
  • Ein Ergebnis der Vorsorgeuntersuchung ist auffällig. Wie gehe ich weiter vor?
  • Darf ich mir für die Vorsorgeuntersuchung von der Arbeit freinehmen?
  • Brauche ich einen weiteren Termin zur Befundbesprechung?
  • Muss ich alle vorgesehenen Abschnitte der Vorsorgeuntersuchung absolvieren?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Dr. Barbara Degn

Allgemeinmedizinerin

Gesundheitskompass

Quellen

Mehr zum Thema