Verstopfung (Obstipation)

Ballaststoffreiche Kost hilft bei Verstopfung

Verstopfung, Obstipation: Patient drückt sich auf den Bauch
Obstipation: Frauen sind häufiger von Verstopfung betroffen als Männer. (absolutimages - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Stress im Darm
15 % der österreichischen Bevölkerung leiden an Verstopfung (Obstipation). Jeder Mensch hat individuelle Stuhl-Intervalle: So kann 3 Mal täglich Stuhlgang für den einen genauso normal sein wie drei Mal in der Woche für den anderen.

Von einer Verstopfung wird dann gesprochen, wenn weniger als 3 Stühle in der Woche abgesetzt werden. Verschiedene Faktoren wie Bewegung und Flüssigkeitszufuhr haben Auswirkungen auf das Stuhlverhalten. Komplikation kann eine Darmkolik sein. Verstopfung ist oft begleitet von Blähungen.

Häufigkeit von Verstopfungen

15 % der Europäer leiden an Verstopfung, bei älteren Menschen und Frauen ist die Prävalenz (Erkrankungshäufigkeit) höher, so der Leitfaden "Obstipation" aus 2013. Ein Viertel aller Betroffenen unternimmt laut einer 2006 veröffentlichten Studie zur "Epidemiologie der Obstipation" nichts und wartet lediglich auf eine Verbesserung ihres Zustandes.

Frauen sind häufiger betroffen aufgrund der weiblichen Hormone (sowohl Progesteron als auch Östrogene wirken muskelrelaxierend) - Schwangere sind sogar noch häufiger von Verstopfung betroffen.

Ursachen/Symptome/Verlauf einer Verstopfung

Ursachen

Verminderte Flüssigkeitszufuhr und fehlende Ballaststoffe verhärten den Stuhl: Der Darm ist wie ein großer Muskelschlauch, der die Nahrung transportiert. Die Ballaststoffe in der Nahrung quellen im Darm durch Flüssigkeit auf und füllen den Darmtrakt aus. Ist das Stuhlvolumen zu gering, weil z.B. der Darminhalt nicht aufquillt, ist der Darmtrakt nicht ausgefüllt und kein Reiz vorhanden, um die Nahrung weiterzuschieben. Wer zu wenig trinkt, dessen Darm entzieht dem Stuhl Wasser, wodurch sich der Stuhl eindickt.

Der harte Stuhl, der dadurch entsteht, wird vom Darm schwerer weitertransportiert, das Stuhl-Absetzen findet nicht mehr so häufig statt - eine Entleerungsstörung entsteht.

Weitere Ursachen:

  • Stoffwechselerkrankungen wie Schilddrüsenerkrankungen
  • Störungen des Elektrolythaushaltes (z.B. Kaliummangel)
  • Pathologische Veränderungen des Darmes (z.B. Tumor)
  • Neurologische Medikamente (z.B. Opiate, Antidepressiva)

Akute Obstipation

Akute Verstopfung wird zumeist durch geänderte Lebensumstände verursacht, wie auf Reisen, bei einer Ernährungsumstellung oder durch Diät.

Bei Reisen spielt auch der Bewegungsmangel durch Sitzen im Auto oder Flugzeug auf Langstreckenflügen eine Rolle.

Bei folgenden Erkrankungen kann akute Obstipation eine Begleiterscheinung sein:

  • Gallenkolik
  • Nierenkolik
  • Magengeschwür
  • Zwölffingerdarmgeschwür
  • Akute fieberhafte Krankheiten
  • Depressionen
  • Hirn- und Rückenmarkserkrankungen

Chronische Obstipation

Von einer chronischen Verstopfung spricht man, wenn über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten zumindest zwei der folgenden Leitsymptome auftreten:

  • Starkes Pressen
  • Klumpiger oder harter Stuhl
  • Subjektives Gefühl von unvollständiger Entleerung
  • Subjektives Gefühl der Verengung
  • Manuelle Manöver zur Erleichterung der Defäkation der Stuhlentleerungen, oder
  • Weniger als 3 Stühle pro Woche

Diagnose von Verstopfungen

Um eine Diagnose zu erhalten, sucht der Betroffene einen Gastroenterologen auf, bei dem folgende Untersuchungen stattfinden:

  • Gespräch mit Arzt über Ernährungsgewohnheiten, Schmerzlokalisation, normale und aktuelle Stuhl-Frequenz
  • Bauchabtastung durch Arzt
  • Darmgeräusche mit Stethoskop abhören
  • Enddarmabtastung durch den Arzt
  • Blutanalyse der Kalium- und Schilddrüsenwerte

Weiterführende Tests:

Therapie der Verstopfung

Ist die Verstopfung ernährungsbedingt, so bietet sich eine ballaststoffreiche Kost an, die den Stuhl aufquellen lässt und die Darmtätigkeit aktiviert. Ebenso sind mehr Flüssigkeitsaufnahme und Bewegung ein gutes Mittel, den Darm anzuregen.

Hier sind viele Ballaststoffe enthalten:

  • Echtes Vollkornbrot
  • Datteln
  • Pflaumen
  • Vollkornreis

Diese Nahrungsmittel sollte man meiden, sie fördern die Verstopfung:

  • Weißbrot
  • Schokolade
  • Kakao
  • Schwarzer Tee
  • Rotwein
  • Weißer Reis

Wenn Obstipation die Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung ist, wie z.B. Multiple Sklerose, dann sollte eben diese Grunderkrankung behandelt werden.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

  • Ein Glas Wasser zum Frühstück trinken
  • 250 ml Naturjoghurt mit einem EL Weizenkleie und einem EL Leinsamen - zum Frühstück.
  • Bauchmassagen mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn.
  • Das Führen eines Ernährungs- und Stuhltagebuches.
  • Toilettentraining: Nach jeder Mahlzeit - am besten nach dem Frühstück - erhöht sich die motorische Aktivität des Dickdarms. Diesen gastrokolischen Reflex kann man nützen und sich jeden Tag nach dem Frühstück eine Viertelstunde Zeit nehmen und auf die Toilette gehen.
  • Nehmen Sie Abführmittel (Laxantien) nur in Absprache mit Ihrem Arzt. Deren dauerhafter Gebrauch kann unerwünschte Gesundheitsrisiken bergen, sowie die Neigung zur Verstopfung fördern.

Verstopfung: Hausmittel

Neben Basilikum und Aloe Vera können auch Olivenöl und Flohsamen als Hausmittel bei Verstopfung eingesetzt werden.

Flohsamen wirken Stuhl-regulierend, d.h. sie beschleunigen einerseits die Darmpassage bei Verstopfung, helfen aber auch bei Durchfall, dann wird nämlich vermehrt Stuhlwasser gebunden.

Olivenöl: Bei Verstopfung wirkt das Öl als leichtes Abführmittel, dazu 1 Esslöffel Öl mit etwas Zitronensaft mischen und am Abend vor dem Einschlafen einnehmen.

Milch: Bei den meisten Erwachsenen hat sie einen abführenden Effekt.

Bitte niemals Hausmittel bei Kindern einsetzen - unbedingt den Kinderarzt aufsuchen!

Fragen an den Arzt

  • Wie oft sollte ich stuhlen in der Woche?
  • Was hilft bei Verstopfung?
  • Wie kann ich mir regelmäßiges Stuhlen anlernen?
  • Warum reicht es oft, Joghurt gegen Verstopfung zu essen?

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Christoph Gasché

Innere Medizin / Gastroenterologie & Hepatologie

Leiter des Christian Doppler Labors, Univ. Klinik für Innere Medizin III (AKH Wien) / Gründer und Leiter des Medizinischen Kompetenzzentrum Eisenmangel Loha for Life

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: K59.0

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