Trigeminusneuralgie

Trigeminusneuralgie: Ein Blitzschlag ins Gesicht

Trigeminusneuralgie: Frau mit zugekniffenen Augen
Etwa 40 Menschen auf 100.000 Einwohner sind von Trigeminusneuralgie betroffen. (absolutimages - Fotolia.com)
"Wie Messerstiche, ein Blitz- oder ein Stromschlag im Gesicht", so beschreiben Betroffene die Schmerzen der Trigeminusneuralgie. Sie sind sehr heftig, halten zwar nur kurz an, kommen aber immer wieder und rasch hintereinander. Neuralgie heißt übrigens nichts anderes als "Nervenschmerz".

Dieser blitzartige Gesichtsschmerz geht vom 5. Hirnnerv, dem Nervus Trigeminus, aus und projiziert sich in dem sensiblen Versorgungsgebiet des Nerven im Gesicht. Häufig findet sich keine auslösende Ursache (idiopathische Form), bei der 2. Gruppe ist ein druckausübendes Gefäß entlang des Nervs, ein Tumor oder ein geschädigter Nerv wie z.B. bei Multiple Sklerose die Ursache (symptomatische Trigeminusneuralgie).

Häufigkeit

Etwa 40 Menschen auf 100.000 Einwohner leiden an einer Trigeminusneuralgie, die meisten von ihnen sind über 60 Jahre alt, nur selten sind sie jünger als 40. Frauen leiden darunter häufiger als Männer (im Verhältnis 3:2). Bei Personen unter 40 Jahren muss eine krankheitsauslösende Ursache angenommen werden und somit eine Erkrankung als Ursache gesucht werden, zum Beispiel die Multiple Sklerose. Hier tritt die Trigeminusneuralgie häufiger und früher auf. Der Verlust der sogenannten Myelinscheide, der "Isolierschicht" eines Nervs, in diesem Fall des Nervus trigeminus, ist die Ursache dafür. So häufig sind die folgenden Ursachen an einer Trigeminusneuralgie beteiligt:

  • In etwa 70 bis 99 % der Fälle drückt ein Blutgefäß auf die Nerven,
  • in 5 bis 8 % ein Geschwulst (Tumor).
  • 2 bis 3 % der Betroffenen leiden an Multipler Sklerose.

Symptome der Trigeminusneuralgie

Der Nervus trigeminus ist der größte und wichtigste Nerv im Gesicht, der sowohl Reize aus der Umwelt ins Gehirn leitet (sensibler Teil) als auch Befehle aus dem Gehirn an die Kaumuskeln (motorischer Teil) schickt. Der Name Trigeminus leitet sich von seinen 3 großen Ästen ab: Einer geht rund um das Auge und in die Augenhöhle, einer verläuft entlang Schläfe und Oberkiefer und einer an Wange und Unterkiefer. Genau genommen gibt es ihn (wie alle Hirnnerven) bei jedem Menschen 2 Mal, nämlich symmetrisch auf jeder Seite des Kopfes.

Sehr heftige stechende oder brennende Schmerzen in einem der vom Trigeminus versorgten Gebiete sind das wichtigste Merkmal einer Trigeminusneuralgie. Sie dauern nur kurz, von Teilen einer Sekunde bis zu 2 Minuten (die den Betroffenen allerdings sehr lang vorkommen können). In 97 % der Fälle ist nur eine Gesichtshälfte betroffen.

Die Schmerzen werden oft durch bestimmte "Trigger" usgelöst, z.B.

  • Kälte
  • Berührung
  • Kauen
  • Zähneputzen

Manche Patienten sind zwischen den Schmerzanfällen schmerzfrei, andere haben auch dann dumpfe, weniger intensive Schmerzen in der Region. Typisch ist, dass die heftigen Schmerzattacken oft viele Male am Tag auftreten, und das über Tage und Wochen hinweg, dann aber wieder bleibt bei der Trigeminusneuralgie der Schmerz für Wochen, Monate oder sogar Jahre aus. Die Schmerzattacken werden meist im Laufe der Jahre häufiger, die schmerzfreien Perioden dazwischen kürzer.

Diagnose der Trigeminusneuralgie

Der Arzt wird sich den Schmerz genau beschreiben lassen, wie er sich anfühlt, wie häufig er kommt, wie lange er dauert. Es folgt eine neurologische Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung des Gesichts. Der nächste Schritt ist bei Verdacht auf eine auslösende Erkrankung eine Magnetresonanztomographie (MRT), in der Nerven, Hirn- und Gefäßveränderungen oder Tumore erfasst werden können. Bei Verdacht auf Multiple Sklerose wird neben dem MRT auch die Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) untersucht.

Um andere Ursachen für den Schmerz auszuschließen, können auch andere radiologische Verfahren oder Untersuchungen durch einen Zahnarzt, einen HNO-Facharzt und/oder einen Kieferchirurgen/-orthopäden notwendig sein.

Therapie

Zunächst wird mit Medikamenten aus der Gruppe der Antiepileptika behandelt, weil sie bei Nervenschmerzen gut wirken: Carbamazepin, Valproinsäure, Gabapentin oder Pregabalin.

Die Dosis kann mit den Schmerzen schwanken, das sollte aber immer mit dem Arzt abgesprochen werden. Ist es nicht möglich, ein Medikament zu schlucken, kann bei akuten Schmerzen eine Infusion mit dem Arzneistoff Phenytoin gegeben werden, der ebenfalls auch bei Epilepsie eingesetzt wird.

Wenn Medikamente nicht ausreichen, kann eine Operation helfen, z.B. kann, wenn ein Blutgefäß auf den Nerv drückt, dieses "abgepolstert" (Operation nach Janetta) oder der Nerv mechanisch, chemisch, oder thermisch behandelt werden, sodass er die Schmerzen bei der Trigeminusneuralgie nicht mehr weiterleiten kann.

Was kann der Patient tun?

Vor allem sollte der Patient trotz der Schmerzen auf das Essen, Trinken und Zähneputzen nicht verzichten. Die Medikamente sollten auch in der schmerzfreien Zeit entsprechend dem Therapieplan eingenommen werden, um ein Wiederkehren der Trigeminus-Anfälle möglichst zu verhindern.

Fragen an den Arzt

  • Wie oft soll ich zur Kontrolle und zur Anpassung der Therapie kommen?
  • Welche Nebenwirkungen treten bei diesem Medikament häufig auf und wie kann ich darauf reagieren?
  • Welche Nebenwirkungen und/oder Risiken sind mit der Operation verbunden?
  • Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Schmerzen nach der Operation wiederkommen?
  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Charles Alden Allen

Neurologie und Psychiatrie

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: G50.0

Mehr zum Thema