Topfenwickel

Topfenwickel: Schüssel mit Topfen
Zutaten für Topfenwickel (Sea Wave - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Verkühlung
Topfenwickel ist ein altes Hausmittel, das entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkt. Kalter Topfenwickel und warmer Topfenwickel werden unterschiedlich angewandt.

Sie sind sowohl für Erwachsene, als auch für Kinder und ältere Menschen geeignet. Selbst für Säuglinge ist ein Topfenwickel sehr gut verträglich. Die Ausführung eines Topfenwickels ist einfach: Es werden lediglich eine Packung Topfen und zwei Tücher gebraucht. Die Dauer des Topfenwickels liegt zwischen 30 Minuten und meheren Stunden - sie ist abhängig von der Temperatur des Wickels.

Wem nützt ein Topfenwickel?

  • Entzündliche Erkrankungen: Bei akuten Erkrankungen der Atemwege (Husten, Bronchitis...), sowie Gelenksschmerzen und Schwellungen wirken Topfenwickel lindernd.
  • Hautprobleme: Bei Erkrankungen der Haut wie z.B. Akne kann der Dermatologe Topfenwickel verordnen.
  • Stillende: Es kommt häufig vor, dass sich die Brustdrüsen beim Stillen entzünden (Mastitis). So finden Topfenwickel schon auf der Geburtsabteilung im Krankenhaus Anwendung.
  • Säuglinge: Da der Topfen selbst bei Kleinstkindern sehr gut vertragen wird, können sogar Säuglinge damit behandelt werden. Bevorzugtes Einsatzgebiet: Husten und Halsschmerzen.

Was passiert bei einem Topfenwickel?

Kommt Topfen mit der menschlichen Haut in Kontakt wird ein Milchsäureprozess eingeleitet, dadurch werden Entzündungsstoffe angezogen. Die Milchsäure im Topfen öffnet die Poren der Haut, durch die Reizung der Milchsäure wird die Durchblutung angekurbelt, die Entzündungsstoffe werden vom Topfen aufgesaugt und so aus dem Körper transportiert. Zudem kommt es auf die Temperatur des Wickels an. Kalte und warme Topfenwickel werden durch ihre unterschiedliche Wirkungsweise verschieden angewandt.

Kalter Topfenwickel

  • entzündungshemmend
  • schmerzlindernd
  • kühlend
  • ableitend

Warmer Topfenwickel

  • entzündungshemmend
  • schleimlösend

Für einen Topfenwickel ist handelsüblicher Magertopfen völlig ausreichend. Der Topfen wird etwa fingerdick auf die Mitte des Tuchs aufgetragen und das Tuch eingeschlagen. Mit Hilfe eines weiteren Tuchs fixieren Sie den Wickel an der betreffenden Hautstelle. Sie können den Topfen auch direkt auf die Haut auftragen. Praktischer ist die Anwendung mit dem Tuch.

Wann (und wie lange) kommen Topfenwickel zum Einsatz?

Kalter Topfenwickelwarmer Topfenwickel
Wadenwickel bei Fieber Husten
Kopfschmerzen Heiserkeit
Akute Entzündungen, Schwellungen  Halsschmerzen 
Brustdrüsenentzündung nach der Geburt Chronische Gelenksentzündung 
Oberflächliche Venenentzündung   
Krampfadern  
Sodbrennen, Insektenstiche  
Juckreiz, Ekzem, Akne  
Gicht  

Kalter Topfenwickel

Der Topfen für einen kalten Topfenwickel sollte nicht aus dem Kühlschrank kommen, sondern Zimmertemperatur haben. Die Anwendung eines kalten Topfenwickels dauert in etwa 30 Minuten, beziehungsweise so lange, bis der Topfen bröckelig oder warm wird. Bei Bedarf kann die Anwendung zirka 3 Mal wiederholt werden. Wenn er als angenehm empfunden wird kann er auch länger belassen werden.

Warmer Topfenwickel

Ein warmer Topfenwickel muss auf Körpertemperatur erwärmt werden bevor er dem Patienten angelegt wird. Am einfachsten geht das, wenn man den Wickel mit Hilfe einer Wärmflasche erwärmt. Ein warmer Wickel kann bei entsprechender Wärme mehrere Stunden am Körper bleiben. Wird er vom Patienten als unangenehm empfunden, sollte er abgenommen werden.

Was müssen Sie nach einem Topfenwickel beachten?

Nachdem der warme Wickel abgenommen wurde, sollten Sie Ihrem Körper Ruhe gönnen und sich warm halten.

Wer legt einen Topfenwickel an?

Viele Menschen wenden den Topfenwickel zu Hause nach eigenem Ermessen an. Ein Topfenwickel kann von einer Krankenschwester nach Arztanordnung verabreicht werden. Der Patient kann sich aber auch selbst einen Topfenwickel zubereiten.

Was können Sie zum Topfenwickel beitragen?

Ein kalter Topfenwickel sollte nicht angewendet werden wenn Ihnen kalt ist oder Sie kalte Füße haben, denn die Gesamtzirkulation des Körpers ist eingeschränkt wenn die Füße schlecht durchblutet sind. Daher sind warme Topfenwickel, warme Fußbäder und wärmende Socken bei Fieber mit kalten Füßen angezeigt.

Wenn das Tragen eines Topfenwickels unangenehm wird, sollten Sie überprüfen ob das Tuch zu eng sitzt und den Topfenwickel abbrechen.

Bei einer Erkältung sollten Sie neben Anlegen eines Topfenwickels viel trinken: Warmes Wasser oder Kräutertee (Spitzwegerich, Holunderblüte, Hagebuttentee), denn der Körper scheidet über die Nieren Giftstoffe aus.

Wo liegen die Grenzen des Topfenwickels?

Bei einer Milcheiweiß-Kontaktallergie (bitte nicht mit einer Laktoseintoleranz verwechseln) oder einer offenen Wunde darf ein Topfenwickel nicht angewendet werden.

Fragen an den Arzt

  • Empfiehlt sich bei meinen Beschwerden ein warmer oder ein kalter Topfenwickel?
  • Gibt es etwas, das ich während der Anwendung beachten muss?
  • Welche Nebenwirkungen können bei einem Topfenwickel auftreten?
  • Unter welchen Umständen darf ich keinen Topfenwickel anwenden?
  • Dürfen Topfenwickel auch bei ganz kleinen Kindern oder Babys angewandt werden?

Medizinischer Experte

Dr. med. univ.

Dr. Petra Zizenbacher

Allgemeinmedizin

Gesundheitskompass Website

Quellen

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