Tinnitus

Ohrgeräusche wie Zischen, Klingeln oder Pfeifen sind weit verbreitet.

Tinnitus: Nahaufnahme Ohr
Unter Tinnitus (Ohrgeräusche) leiden in etwa 1 Million Österreicher. (Piotr Marcinski - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Schwerhörigkeit

Unter Tinnitus versteht man jede Art von Ohrgeräuschen, die auf keine äußeren Töne zurückzuführen sind. Diese Geräusche werden als Rauschen, Zischen, Klingeln, Summen, Heulen oder Pfeifen wahrgenommen.

Die Auswirkungen des Tinnitus richten sich stark nach der subjektiven Wahrnehmung und Beurteilung der Ohrgeräusche. Diese können einseitig oder beidseitig auftreten. Tinnitus ist keine Erkrankung, sondern ein Symptom. Man unterscheidet akuten von chronischen Tinnitus. Je nach Ursache gibt es verschiedene Formen der Behandlung. Selbst dauerhafter (chronischer) Tinnitus kann gut behandelt und in vielen Fällen wieder zum Verschwinden gebracht bzw. deutlich reduziert werden.

Übersicht

Häufigkeit von Tinnitus

Tinnitus (lateinisch tinnire, d.h. klingeln) ist ein weit verbreitetes Phänomen. Schätzungen sprechen von bis zu 1 Million betroffener Österreicher, welche zumindest einmal in ihrem Leben Ohrgeräusche erlebt haben. An die 100.000 Österreicher dürften über einen längeren Zeitraum an ihren Ohrgeräuschen leiden.

Ursachen von Tinnitus

Warum Tinnitus entsteht, kann viele Ursachen haben wie z.B.:

Zur Abklärung der konkreten Ursache sind mitunter mehrere Fachärzte nötig. In Betracht kommen HNO-Ärzte, Internisten, Orthopäden und Neurologen.

Tinnitus: Symptome

Das Ohrgeräusch als akustische Wahrnehmung an sich ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Vergleichbar dem Schmerz, ist Tinnitus häufig ein Warnsignal und zeigt eine Fehlfunktion, Überlastung oder Erkrankung im Ohr an.

Tinnitus-Geräusche können sehr leise oder "ohrenbetäubend" laut sein. Die Lautstärke und auch die Art der Töne sind von Fall zu Fall sehr unterschiedlich und können auch bei ein und derselben Person variieren. Das Ohrgeräusch kann entweder kurzzeitig auftreten, oder in seiner chronischen Form über Monate oder Jahre hinweg die Lebensqualität deutlich herabsetzen und das Berufs- und Privatleben beeinträchtigen.

Die Auswirkungen des Tinnitus richten sich stark nach der subjektiven Wahrnehmung und Beurteilung der Ohrgeräusche. Während sich manche Betroffene von dem Geräusch nicht übermäßig gestört fühlen und nach einer Eingewöhnungszeit kaum beeinträchtigt sind, leiden andere immens an ihrem ständigen Begleiter. Durch die permanenten Ohrgeräusche kann es zu Schlafstörungen, Depressionen oder Angststörungen kommen.

Akuter oder chronischer Tinnitus?

Unter akutem Tinnitus versteht man das erstmalige Auftreten eines Ohrgeräusches. Panik ist nicht angebracht, meist legen sich die Ohrengeräusche binnen Stunden von selbst wieder. Hat sich der Tinnitus am nächsten Morgen nach dem erstmaligen Auftreten noch nicht vermindert, sollte man einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abzuklären und um eine Chronifizierung zu vermeiden.

Bei chronischem Tinnitus (Dauer ist länger als 3 Monate) bleibt das Ohrgeräusch unabhängig von der auslösenden Ursache bestehen. Folgende Symptome können typisch sein:

Diagnose von Tinnitus

Eine fundierte ärztliche Diagnostik und Therapie sind wichtig, um die Gefahr einer Chronifizierung zu vermindern. Eine Diagnose erfolgt auf Basis einer Anamnese (Gespräch), einer genauen Hals-Nasen-Ohren Untersuchung beim Arzt, einem Hörtest (Audiogramm) und möglicherweise weiteren speziellen Hörüberprüfungen. Auch bildgebende Verfahren (Röntgen, Ultraschall etc.), manualtherapeutische Verfahren und psychologische Abklärungen können zur Anwendung kommen.

Therapie von Tinnitus

Bei akutem Tinnitus sollte die Behandlung zügig, aber ohne Hektik durchgeführt werden. Stress verschlimmert die Symptome. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache des Tinnitus.

Bei einem akuten Innenohrschaden (z.B. Hörsturz, Mittelohrentzündung, Lärmschaden, Durchblutungsstörung) stehen folgende Therapien zur Verfügung:

  • Infusionstherapie: Mittels durchblutungsfördernder Maßnahmen soll die Durchblutungssituation verbessert werden, z.B. Infusion von Kochsalz oder Kortison.
  • Hyperbare Sauerstoffbehandlung (Behandlung in einer Sauerstoff-Überdruck-Kammer): Diese kommt in der Regel zum Einsatz, wenn sich der Hörschaden oder der Tinnitus binnen 2 bis 3 Wochen nach Verabreichung der Infusionstherapie nicht bessert und Verdacht auf eine Durchblutungsstörung besteht.
  • Psychotherapie: Ist der Tinnitus ausschließlich die Folge von psychischen Faktoren (ohne organische Mitbeteiligung) sind Infusionstherapie und hyperbare Sauerstoffbehandlung sinnlos. Hier empfehlen sich psychotherapeutische Maßnahmen und/oder Techniken zum Stressabbau.

Bei chronischem Tinnitus steht an erster Stelle der Behandlung ein Aufklärungsgespräch, um Falschinformationen und Vorurteile zu beseitigen. So kann etwas der Tinnitus allein nicht daran schuld sein, dass sich das Hörvermögen verschlechtert.

Folgende Behandlungsmethoden stehen zur Verfügung:

  • TRT (Tinnitus-Retraining-Therapie): Im betroffenen Ohr wird ein Rauschgerät (auch Rauscher, Rauschgenerator oder Noiser genannt) getragen. Das Gehirn erhält mit diesem Rauschen ein gewolltes Gegengeräusch zum Tinnitus und lernt so, das ungewollte Ohrgeräusch nicht mehr wahrzunehmen.
  • Hörgerät: Ist der Patient schwerhörig, kann ein Hörgerät auch gegen Tinnitus helfen. Schwerhörige hören Außengeräusche vermindert, wodurch den inneren Geräuschen mehr Aufmerksamkeit zukommt.
  • Musik- und Klangtherapie: Individuell auf die Patienten abgestimmte Musikstücke ermöglichen in Form von Musiktherapie positive Hörerfahrungen und sind Erfolg versprechend bei Menschen, die Musik und Klänge lieben.
  • Entspannungsverfahren: Autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga etc. helfen, die Wahrnehmung des Tinnitus zu mindern und zu lernen mit dem Geräusch zu leben.
  • Manualtherapeutische Übungen: Verspannungen im Nackenbereich führen zu Schmerzen und erhöhen häufig den Leidensdruck. Gezielte manuelle Übungen, die die Nackenmuskulatur dehnen und lockern sind in diesen Fällen hilfreich.
  • Psychotherapie: Liegt eine Depression oder ein Angstzustand vor, kann eine Psychotherapie sinnvoll sein. Einerseits können Patienten, die in hohem Ausmaß an ihren Ohrgeräuschen leiden, psychische Störungen und Erkrankungen entwickeln, andererseits können auch bereits bestehende psychische Probleme bzw. Konflikte Symptome wie Tinnitus auslösen oder verstärken. In letzteren Fällen sind psychotherapeutische Maßnahmen zur Lösung des Konflikts und zur Behandlung des chronischen Tinnitus unbedingt nötig. Eine zusätzliche Einnahme von Psychopharmaka sollte nur unter Anleitung eines Facharztes erfolgen.

Bei chronischem Tinnitus ist die Durchblutung im Innenohr in der Regel normal, durchblutungsfördernde Medikamente sind daher meist entbehrlich.

Chronischer Tinnitus kann in vielen Fällen wieder zum Verschwinden gebracht werden. Häufig löst sich das Problem auch dadurch, dass dem Ohrgeräusch immer weniger Aufmerksamkeit entgegengebracht wird und es aus der Wahrnehmung weitgehend verschwindet. Bleibt der Ton bestehen, kann durch verschiedene Therapiemaßnahmen zumindest erreicht werden, dass das Leiden an dem Ton geringer wird und man mit diesem Begleiter zu Leben lernt.

Tinnitus: Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Er kann das Symptom Tinnitus als Chance wahrnehmen, sein Leben zu überdenken und zu verbessern. Chronischer Tinnitus ist bisweilen ein Anstoß zu Veränderungen und Motivation, seiner Gesundheit und der gesamten Lebenssituation mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Fragen an den Arzt

  • Bleibt das Geräusch mein Leben lang?
  • Kann ich durch die Geräusche verrückt werden?
  • Kann ein seelischer Konflikt dieses Phänomen auslösen?
  • Soll ich Psychopharmaka einnehmen?
  • Kann ich selbst etwas tun, um nicht so stark zu leiden?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Prof.

Dr. Gerhard Goebel

Schön Klinik Roseneck, Prien am Chiemsee

Quellen

ICD-10: H93

Mehr zum Thema