Tiertherapie

Tiertherapie: Pferd berührt ein lachendes Mädchen mit den Nüstern an der Stirn.
Tiertherapie ist vor allem für Menschen geeignet, denen es schwer fällt sich zu öffnen. Tiere schaffen eine angenehme Atmosphäre und sorgen für Entspannung. (Zlatan Durakovic - Fotolia.com)

Tiere wirken beruhigend, entstressend, fördern die Kommunikation und stehen für eine sichere Bindung. Tiergestützte Therapie (Tiertherapie) ist eine wissenschaftlich anerkannte, noch junge Methode, die sich auf das Verhalten und Erleben von Menschen positiv auswirkt.

Die Methode ist keine eigene Therapieform, wie beispielsweise eine Gesprächstherapie, sondern eine ergänzende Intervention u.a. im Bereich der Psychotherapie und Pädagogik. Fachkräfte für Tiergestützte Therapie agieren am häufigsten mit Hunden, Pferden, Lamas oder Kleintieren, die zusammen mit dem geschulten Therapeuten eine Einheit bilden. Die Tiertherapie wird sowohl bei körperlichen Erkrankungen, wie motorischen Einschränkungen, als auch bei psychischen Beeinträchtigungen von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Älteren Menschen angewendet. 

Wem nützt eine Tiertherapie?

Tiertherapie bietet viele Einsatzmöglichkeiten. Allerdings ist nicht jedes Tier für jede beliebige Therapie einsetzbar. Ausgebildete Fachkräfte entscheiden, welches Tier die entsprechenden gesundheitsfördernden Ressourcen aufbringen kann und bei welchen Erkrankungen eine derartige Therapie hilfreich ist. Das breite Anwendungsspektrum der tiergestützten Therapie kommt unter anderem Menschen zugute, die

Was passiert bei einer Tiertherapie?

Tiere haben ein großes emotionales Potenzial: Sie strahlen Wärme, Sicherheit und Vertrauen aus. In einer Gemeinschaft wird dadurch das Gefühl der Zusammengehörigkeit gestärkt und die Kommunikation verbessert. Tiere fördern außerdem Aufmerksamkeit und Konzentration. Tiergestützte Therapie kann entweder einzeln oder in der Gruppe stattfinden. Das Wesentliche an der Methode ist, dass der Therapeut es dem Betroffenen ermöglicht, mithilfe des Tieres zu kommunizieren und sich mit dem Tier aufmerksam zu beschäftigen. Basierend auf einem genau definierten Therapieplan erfolgen die jeweiligen Sitzungen, die in der Folge genau dokumentiert und reflektiert werden.

Eine erfolgreiche Therapie bewirkt unter anderem

  • die Wiederherstellung körperlicher und psychischer Funktionen
  • eine Verbesserung der Gedächtnisleistung
  • Steigerung der Lernleistung
  • Stressreduktion
  • Verbesserung depressiver Verstimmungen
  • eine Verbesserung der Antriebskraft und Motivation
  • Besserung von Sprachstörungen (enthemmende Wirkung gegenüber Tieren)
  • Förderung der sozialen Kompetenzen
  • Stärkung der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistung
  • Bessere physische Rehabilitation bei Betroffenen mit motorischen Beeinträchtigungen
  • eine Senkung des Blutdrucks

Tiere tragen zu einer entspannten Atmosphäre im therapeutischen Setting bei, sie wirken gewissermaßen als "Eisbrecher". Dem Betroffenen fällt es leichter, sich Widerständen zu beugen und sich zu öffnen, wenn ein Tier im Raum ist. In der Folge tragen Tiere dazu bei, dass der Betroffene motiviert wird, sich aktiv an der Therapie zu beteiligen und sich für neue Sichtweisen zu öffnen. Tiere sind in diesem Setting ein sicherer Anker, sie nehmen Angst und Unsicherheit, sodass es dem Betroffenen leichter fällt, seine Problemlage auszusprechen.

Welches Tier "wirkt" wie?

Hunde

Konzentration, Lernleistung. Neben den genannten positiv-emotionalen Aspekten haben Studien gezeigt, dass Hunde u.a. die Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen fördern. Allein durch die Anwesenheit des Hundes entwickelten demnach Schüler eine verstärkte Selbstorganisation und eine bessere Motivation. Die emotionale Nähe des Hundes wirkt sich außerdem auf das Lernklima aus, sodass der Lernzuwachs bedeutend höher war als in der  "hundefreien" Klasse.

Autismus und Bindungsstörungen. Kinder, die in unsicheren Bindungen aufwachsen, geraten in Kommunikationssituationen rasch unter Stress. Sie haben Probleme mit der Stressregulation und mangelnde Fähigkeit, soziale Hilfe von Mitmenschen anzunehmen. Bei dieser Problematik habe Studien gezeigt, dass sich die stressreduzierenden Eigenschaften eines Hundes positiv auf die Stressregulation des Kindes auswirken, weiters werden Bindungen aufgebaut. Diese positiven Effekte bei schwach gebundenen Kindern erzielt ein Hund besser als ein Mensch.

Sucht. Negative Erfahrungen, Frustrationen und Enttäuschungen tragen wesentlich dazu bei, dass Abhängige das Vertrauen in ein soziales Umfeld verloren haben. In der tiergestützten Therapie mit Hunden erfahren die Betroffenen erstmals Akzeptanz und ehrliche Reaktionen. Der Hund akzeptiert sein menschliches Gegenüber ohne Kompromisse, unabhängig von Vorgeschichte, Aussehen, Gewohnheiten oder zwischenmenschlichem Verhalten. Das stärkt das Vertrauen des Betroffenen und erhöht die Bindungskompetenz.

Alter. Im Rahmen der tiergestützten Therapie werden unter anderem auch "Besuchshunde" mit ausgebildeten Therapeuten in Altenheimen, Geriatriezentren etc. eingesetzt. Sie agieren dort als "soziales Verbindungsstück", als Kommunikationshelfer und schaffen es, durch direkte Rückmeldung, Vertrauen herzustellen. Hunde werden hier sowohl zur Förderung der Fein- und Grobmotorik, als auch gegen depressive Verstimmung eingesetzt.

Katzen

Eine Therapie mit Katzen, eignet sich vor allem für Menschen, denen es an seelischer Stabilität mangelt, die unter Zurückweisung leiden oder nicht imstande sind, Beziehungen aufzubauen. Katzen können dazu beitragen, dass der Betroffene eine Beziehung aufnimmt und von sich aus wieder psychisch mobiler wird. Außerdem wirken Katzen im therapeutischen Setting beruhigend und stresslösend.

Pferde

Für Menschen mit psychischen Problemen ist die Therapie mit Pferden eine Behandlungsoption. Bei der Reittherapie werden unterschiedliche Übungen auf dem Pferd gemacht, die die ausschließliche Aufmerksamkeit des Reiters erfordern. Die Rückmeldungen des Pferdes zeigen dem Reiter, ob eine Verhaltensänderung erforderlich ist und was diese bewirkt. Das Pferd ist gewissermaßen ein "Katalysator" im Erlebensprozess und trägt zur emotionalen, körperlichen und Identitäts-Stärkung bei. Bei körperlichen bzw. motorischen Beeinträchtigungen trägt das Pferd im Rahmen der Hippotherapie (physiotherapeutisches Reiten) oder des Heilpädagogischen Reitens zur Entwicklungsförderung bei. Zunehmend wird auch viel Bodenarbeit gemacht und freie Begegnung angeboten.

Lamas/Alpacas

Bei Schizophrenie, Burnout, Depression, Angsterkrankung, posttraumatische Belastungsstörungen oder Traumafolgen hat sich die tiergestützte Therapie mit Alpacas als effektiv erwiesen. Wesentlicher Vorteil dieser Methode ist es, Beziehungsarbeit zu leisten, das Tier fungiert als Katalysator. Lamas oder Alpacas eignen sich vor allem in der Behandlung von traumatisierten Menschen, bei Verhaltensaufälligkeiten, für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen oder geistiger Behinderung. Lamas sind zwar neugierig, doch bleiben sie dem Menschen gegenüber lieber auf Distanz, sie warten ab - eine Eigenschaft, die vor allem bei der Behandlung von ängstlichen Menschen von Vorteil ist. Lamas sind langsam im Agieren, Gehen, Annähern, sie geben dem Betroffenen Zeit, um das gewünschte Vertrauensverhältnis zuzulassen.

Was müssen Sie nach einer Tiertherapie beachten?

Eine Reihe von Studien untersuchen gegenwärtig die nachhaltige Wirkung der tiergestützten Therapie. Auch wenn Forschungsergebnisse noch ausständig sind, steht fest, dass die Freude am Umgang mit Tieren, Wärme, Respekt und Akzeptanz positive Erfahrungen sind, die ohne "Nebenwirkungen" im Gedächtnis abgespeichert werden.

Wer führt Tiertherapie aus?

Tiergestützte Therapie führen speziell ausgebildete Fachkräfte aus. Die Fachausbildung muss den Kriterien der European Society for Animal Assisted Therapy (ESAAT) entsprechen. In Österreich wird dazu ein 4-semestriger Uni-Lehrgang an der Veterinärmedizinischen Universität Wien angeboten. Die Kosten für die Ausbildung belaufen sich auf 1.500 Euro pro Semester. Der Abschluss zur akademisch geprüften Fachkraft für tiergestützte Therapie und tiergestützte Fördermaßnahmen wird durch ein Zeugnis nachgewiesen.

Was können Sie zur Tiertherapie beitragen?

Die Therapie beruht in erster Linie auf Freiwilligkeit. Basis ist eine gute "Chemie" zwischen Therapeuten, Tier und Betroffenem. Anfängliche Widerstände oder Hemmungen sollten zur Sprache gebracht werden, möglicherweise ist ein anderes therapeutisches Setting eher zielführend.

Wo liegen die Grenzen der Tiertherapie?

Die Grenzen der tiergestützten Therapie werden vom ausgebildeten Therapeuten definiert. Grenzbereiche gibt es unter Umständen bei der Arbeit mit Kindern, so z.B. wenn "passiver Widerstand" geleistet wird, wenn bestimmte Entwicklungsphasen eine Therapie nicht zulassen oder Eltern eine unrealistische Erwartungshaltung haben.

Kosten & Krankenkasse

Die Kosten für tiergestützte Therapie werden von den Kassen nicht übernommen. Für Hippotherapie/Heilpädagogisches Reiten leisten einzelne Kassen (z.B. SVA der gewerblichen Wirtschaft, BVA, NÖGKK) einen Kostenzuschuss.

Fragen an den Arzt

  • Mein Kind ist verhaltensauffällig. Kann Tiertherapie helfen?
  • Ich wünsche mir tiergestützte Therapie für meine an Demenz erkrankte Mutter. Wohin kann ich mich wenden?
  • Ich habe eine Tierhaarallergie. Welches Tier ist für mich als Therapeut geeignet?
  • Ich möchte eine Tiertherapie beginnen. Welche Ziele soll ich mir setzen?
  • Ich möchte einen Therapiehund für zuhause haben. Wie kann ich vorgehen?

Medizinischer Experte

Helga Widder

Therapeutin bei Tiere als Therapie

www.tierealstherapie.org

Quellen

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