Tierhaarallergie

Tierhaarallergie kann Asthma und Heuschnupfen auslösen

Tierhaarallergie: Person hält Katze von sich weg und putzt sich die Nase
250.000 bis 300.000 Österreicher sind von einer Tierhaarallergie betroffen. (Evgenia Tiplyashina - Fotolia.com)
Bei einer Tierhaarallergie reagiert etwa jeder Zehnte sensibel auf Speichel, Hautreste, Urin und/oder Talg (Allergene), die in winzigen Mengen an den Haaren von Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen, Pferden oder Hunden kleben.

Typische Symptome beim Kontakt mit dem Tier sind rinnende oder verstopfte Nase, tränende Augen, Atemnot oder auch ein Engegefühl in der Brust. Die Tierhaarallergie lässt sich zwar nicht heilen, es gibt aber sehr gute Therapiemöglichkeiten zur deutlichen Milderung der Beschwerden. Spezielle Tierrassen, die weniger Allergene bilden, sind auch für Allergiker geeignet.

Wie häufig tritt Tierhaarallergie auf?

Etwa jeder 10. Mitteleuropäer und jeder 3. Allergiker hat eine Tierhaarallergie. In Österreich sind das etwa 250.000 bis 300.000 Menschen. Die häufigste Tierhaarallergie ist eine gegen Katzenhaare, gefolgt von Meerschweinchen, Kaninchen, Pferden und Hunden. Andere Tierallergene können Federn, Vogelkot und Fischfutter sein.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Die Allergie betrifft nicht die Haare selbst, sondern viel mehr Eiweißstoffe, die an diesen Haaren haften, z.B. Stoffe im Speichel, die beim Putzen auf das Fell übertragen werden, oder Hautzellen, die an den Haaren kleben bleiben. Feine Härchen des Tieres gelangen mit dem Allergen beladen in die Luft und werden eingeatmet. Die Symptome sind meistens die von Heuschnupfen und Asthma:

  • rinnende oder verstopfte Nase
  • Juckreiz in der Nase und Niesanfälle
  • juckende, gereizte und tränende Augen
  • Husten
  • Atemnot
  • pfeifender Atem
  • Engegefühl in der Brust

Diese Symptome setzen sehr schnell nach Kontakt mit dem jeweiligen Allergen ein. Auch Urtikaria und Neurodermitis können durch Tierhaare ausgelöst werden.

Diagnose

Bei Heuschnupfen oder Asthma wird – nach der Anamnese – das Blut auf bestimmte Antikörper (IgE) untersucht und ein Prick-Test durchgeführt, mit dem das auslösende Allergen genauer bestimmt werden kann.

Eventuell wird eine Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie) durchgeführt (bei Asthma) oder die Nase mit einem Endoskop angeschaut bzw. die Augen genauer untersucht (bei Heuschnupfen).

Therapie

Die Therapien orientieren sich an denen für Heuschnupfen und Asthma bzw. einer anderen durch die Allergie ausgelösten Erkrankung.

Bei Heuschnupfen: entzündungshemmende und/oder antihistaminische Nasensprays und Antihistaminika in Tablettenform.

Bei Asthma bronchienerweiternde und entzündungshemmende Inhalationen (meist in kleinen Geräten, die man in die Tasche stecken kann, wie Trockenpulverinhalatoren oder Dosieraerosole) und eventuell Antihistamintabletten.

Spezifische Immuntherapien gibt es gegen einige der Tierallergene, der Erfolg ist aber im Durchschnitt nicht so gut wie etwa bei Pollenallergien.

Bei der exogen-allergischen Alveolitis ist die Allergenvermeidung die mit Abstand beste Therapie. Nur in sehr schweren Fällen können Kortison-Tabletten gegeben werden.

Was kann der Betroffene tun?

Wie lässt sich das Allergen vermeiden?

Wenn es problemlos möglich ist, sollten das entsprechende Haustier weggegeben, das Reiten aufgegeben und Besuche in Haushalten mit entsprechenden Tieren vermieden werden. Entgegen früherer Empfehlungen muss das allerdings nicht unbedingt sein. Manchmal ist der Stress, weil man das geliebte Tier weggeben muss, schlimmer als die Auswirkungen der Tierhaare. In jedem Fall sollte der Kontakt reduziert werden, auch wenn es schwerfällt. Die Anschaffung eines neuen Haustieres sollte aber sehr gut überlegt werden.

Jedenfalls sollte das Haustier nicht ins Schlafzimmer gelassen werden. Auch die Tageskleidung bleibt besser im Bad, da an ihr die Tierhaare haften.

Wer sich ein Tier erst (oder wieder) anschaffen will, sollte sich über die verschiedenen Rassen informieren. Es scheint, dass nicht alle Rassen bei Hunden und Katzen gleich allergieauslösend sind. Ein Tier, das weniger haart, verteilt auch die Allergene weniger in der Luft.

Polstermöbel, Wände und Boden sollten auch möglichst glatt sein, also lieber Laminat als Teppichboden, Farbe statt Textiltapeten und Glattleder- statt Plüschsofa. Freilich sollten Sie sich in Ihren vier Wänden immer noch zu Hause und wohl fühlen.

Wer auf Pferdehaare allergisch ist, sollte nicht gerade auf einer Rosshaarmatratze schlafen, wer auf Federn reagiert nicht unter einer Daunendecke.

Regelmäßig staubsaugen, kehren und feucht wischen hilft, doch sollten diese Arbeiten nicht vom oder neben dem Allergiker erledigt werden.

Fragen an den Arzt

  • Muss ich mein Haustier weggeben?
  • Soll ich eine Spezifische Immuntherapie machen?
  • Hilft es, das Tier häufig zu bürsten?
  • Was mache ich bei einem akuten Anfall?

Weiterführende Informationen

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Medizinischer Experte

Prim.

Dr. Daniel Blagojevic

Dermatologie

Primarius, Ärztl. Leiter Allergieambulatorium Rennweg, Wien

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: J30.3, J45.0, T78.4

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