TCM in den Wechseljahren

Eine Frau 50+ lächelt in die Kamera
Die Wechseljahre bedeuten für viele Frauen einen neuen Lebensabschnitt. (Picture-Factory - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Wechseljahre

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bezeichnet die Wechseljahre als "Zweiten Frühling" - die erste Lebenshälfte einer Frau ist von einer zyklischen Abfolge des Zu- und Abnehmens ihrer Kraft und Fülle geprägt.

Im "Zweiten Frühling" so die TCM behält sie all ihre Energie für sich selbst und erfährt dadurch oft eine neue innere Stärke und Selbstsicherheit. Die Hauptsymptome, unter denen viele Frauen in den Wechseljahren in unterschiedlichen Ausprägungen leiden sind Hitzewallungen, Schlafstörungen, Gewichtszunahme, emotionale Unausgeglichenheit, Trockenheitssymptome, Herz-Kreislauf-Probleme und Osteoporose. Die TCM unterstützt mit chinesischen Kräutern, einer Ernährungsumstellung, begleitet von regelmäßigen Akupunktursitzungen.

Bei welchen Beschwerden nützt die TCM?

Der Übergang in den Wechsel passiert schleichend und dauert meist mehrere Jahre. In dieser Zeit werden bis zu 80 % der Frauen von klimakterischen Beschwerden begleitet. Dazu können zählen:

Hitzewallungen und Herzrasen

Hitzewallungen sind die häufigste Nebenwirkung in den Wechseljahren. Etwa 85 % der Frauen berichten im Laufe dieser Phase von Hitzewallungen. 45 % der Frauen verspüren selbst 5-10 Jahre nach der Menopause noch vereinzelt Wallungen.

In der TCM entspricht das Blut der Kühlflüssigkeit im Körper. Durch die Abnahme der Nieren-Essenz arbeitet auch die Milz, die in der TCM auch für die Blutbildung verantwortlich ist, langsamer. Wenn weniger Blut produziert wird, kann der energetische Gegenpol, die Hitze, nicht mehr ausreichend im Körper verankert werden. Folglich steigt die Hitze nach oben zum Kopf, den Schultern und zur Körperoberfläche, was zu Hitzewallungen, Herzrasen und nächtlichem Schwitzen führt.

Schlafstörungen

Ein Substanz-Mangel der Niere beeinträchtigt auch die Schlaftiefe. Durch den Blut-Mangel wird das Herz nicht ausreichend mit Blut versorgt - die Folge sind Ein- und Durchschlafstörungen mit vielen Träumen, Nachtschweiß, Herzklopfen, innere Unruhe und erhöhte Temperaturen nachmittags und in der Nacht. Häufig wachen Betroffene auch sehr zeitig auf und können nicht mehr einschlafen.

Emotionale Unausgeglichenheit

Jeder kennt das: Wenn man nicht genug schläft, wird man leicht reizbar und "launisch" – man merkt den Energiemangel. Diese Beschwerden können sich noch verschlimmern, wenn das das Qi der Leber - so die TCM - gestaut ist: Ein gestautes Leber-Qi kann sich durch Wutausbrüche oder Reizbarkeit äußern.

Gewichtszunahme

Viele Frauen klagen in den Wechseljahren über Gewichtszunahme - besonders an den Hüften und in der Taille. Aus Sicht der TCM ist die Gewichtszunahme auf die Verlangsamung der Milzfunktion zurückzuführen. Doch auch Hitzezustände im Magen können zu regelrechten Heißhungerattacken führen und dadurch zu einer Gewichtszunahme beitragen.

Mit Diäten oder Hungerkuren wird die Energie in den Nieren und damit auch die Verdauungskraft nur noch weiter geschwächt, was zu einer Verstärkung der Wechseljahrbeschwerden führen kann. Die TCM empfiehlt daher statt einer reduzierten Energiezufuhr, den Körper mit einer auf die speziellen Bedürfnisse abgestimmten Kräuterarznei sowie Akupunktur und einer angepassten Ernährung zu stärken und wieder sanft in sein Gleichgewicht zu führen.

Trockenheitssymptome

Aufgrund der abnehmenden Milz-Energie stehen dem Körper neben einer geringeren Blutmenge auch weniger Körperflüssigkeiten zur Verfügung, die den Körper und die Organe befeuchten. Das führt zu Trockenheitssymptomen wie trockener Haut und Schleimhäute, trockenem Mund, Augen, Haaren, Fingernägeln, Lippen und im Genitalbereich. Aber auch ein gesteigertes Durstgefühl oder trockene Verstopfung sind häufige Symptome, die in dieser Lebensphase auftreten.

Herz- und Kreislauf-Erkrankungen

Schweiß ist der Saft des Herzens. Häufige Schweißausbrüche schwächen das Herz und können mitverantwortlich für Herzrhythmusstörungen sein. Hitzezustände im Brust- und Kopfbereich, die häufig durch eine Qi-Stagnation in der Leber verursacht werden, können außerdem Bluthochdruck und ein Engegefühl in der Brust hervorrufen. Begleitet werden diese Symptome häufig von Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen und Schwindel.

Osteoporose

In der TCM sind die Nieren unter anderem auch für die Festigkeit der Knochen verantwortlich. Gelangt die Nieren-Energie in einen Mangelzustand, kann das einen Rückgang der Knochendichte zur Folge haben und somit Ursache für Osteoporose sein.

Wie arbeitet die TCM?

Die TCM ist eine ganzheitliche Heilkunde. Sie sieht Körper, Geist und Seele als Einheit und betrachtet Symptome daher nie unabhängig voneinander. Mittels ganzheitlicher Diagnoseverfahren wie Befragung, Puls- und Zungendiagnose kann der TCM-Arzt oder -Ernährungsberater ein Bild über Ihren energetischen Zustand gewinnen und erstellt damit ein individuell auf Sie abgestimmtes Therapiekonzept.

Was passiert im Wechsel?

In der TCM wird die Phase der Wechseljahre folgendermaßen gesehen: Durch die Abnahme der Nieren-Essenz beginnt mit etwa 35 Jahren die Milz langsamer zu arbeiten. Die Milz ist in der TCM für die Umwandlung der Nahrung in körpereigenes Qi, Blut und andere Körperflüssigkeiten verantwortlich. Das führt auch dazu, dass die monatliche Blutung um das 50. Lebensjahr herum versiegt.

Der Mangel an Flüssigkeiten kann sich als Trockenheitssymptome und "falsche Hitze" mit Symptomen wie Hitzewallungen und nächtlichem Schwitzen bemerkbar machen. Die Verlangsamung der Milzfunktion kann zur Gewichtszunahme beitragen. Im Gegensatz zur westlichen Medizin wird in der TCM das Gewicht nicht über Diäten reguliert, sondern vielmehr über eine Wiederherstellung des organischen Ungleichgewichts.

Der Therapieansatz in der TCM

Bei der Therapie von Wechseljahrsbeschwerden liegt das Hauptaugenmerk in der TCM auf der Stärkung der Nieren- und Milzenergie, um die in Mangel geratenen Substanzen Qi, Blut und Säfte zu nähren. Damit werden sowohl die Symptome gelindert als auch eine weitere Schwächung der Substanz und folglich eine Verschlimmerung der Beschwerden verhindert.

Im Idealfall setzt sich die Behandlung aus

  • der Verabreichung eines Auszugs aus chinesischen Kräutern,
  • einer Ernährungsumstellung und begleitend
  • aus regelmäßigen Akupunktursitzungen zusammen.

Wann (und wie lange) kommt diese Therapie zum Einsatz?

Die TCM kann Ihnen helfen, Probleme im Übergang in den „Zweiten Frühling“ auf einem Minimum zu halten. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass Mangelzustände, die im Laufe Ihres Lebens entstanden sind, nicht von heute auf morgen sondern nur langsam und schrittweise ausgeglichen werden können. Je nach Beschwerdebild müssen Sie also mit einer mehr oder weniger langen Therapiedauer rechnen. In der Regel stellt sich nach 6 bis 12 Wochen ein Behandlungserfolg ein.

Wer therapiert?

In Österreich sind Akupunktur und die Verschreibung von chinesischen Arzneimitteln den TCM-ÄrztInnen vorbehalten. Für eine Ernährungsumstellung nach TCM wenden Sie sich an eine/n diplomierte/n TCM-Ernährungsberater/in.

Was Sie selbst zum Gelingen der Therapie beitragen können

Wie eingangs erwähnt, hängt die Ausprägung der klimakterischen Beschwerden mitunter sehr stark vom Lebensstil und den Ernährungsgewohnheiten ab. Sie können Ihren Körper in dieser besonderen Zeit also am Besten unterstützen, wenn Sie Ihre Lebensführung der neuen Situation anpassen. Konkret heißt das:

Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung!

Die chinesische Ernährungslehre hat als eine der 5 Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin seit jeher einen wichtigen Stellenwert in der Behandlung von Ungleichgewichten. Nahrungsmittel gelten als "sanfte Therapeutika", die ähnlich wie Arzneimittel eine spezielle Wirkung in unserem Körper entfalten. Mit ihrem unterschiedlichen Temperaturverhalten und Geschmacksrichtungen werden sie gezielt eingesetzt und können uns so bei der Erhaltung und Wiedererlangung von Gesundheit behilflich sein. Nachstehend finden Sie ein paar wertvolle Tipps, mit denen Sie Ihre Nieren und andere Organsysteme mit Ihrer Ernährung aktiv unterstützen können:

  • Regelmäßig essen: Nehmen Sie regelmäßig nährstoffreiche, ausgewogene Mahlzeiten zu sich.
  • Auf die Menge der Nahrung achten: Passen Sie Ihre Nahrungsmengen an, das heißt essen Sie weder zu viel noch zu wenig. Zu große Nahrungsmengen beeinträchtigen und schwächen unseren Körper genauso wie zu wenig Nahrung.
  • Warm frühstücken: Frühstücken Sie warm und versuchen Sie, nach 20 Uhr nichts mehr zu essen, da alles, was man spät abends isst, unverdaut im Magen bleibt.
  • Gekochtes Essen bevorzugen: Essen Sie vorwiegend gekochte Mahlzeiten und meiden Sie kalte und rohe Speisen und Getränke! Warme Mahlzeiten sind für unsere Milz viel bekömmlicher als rohe Kost, für die sie ungleich mehr Energie aufwenden muss, um sie in körpereigene Energie umzuwandeln.
  • Frittieres vermeiden: Meiden Sie fettiges, frittiertes Essen, gefrorene Speisen, Milchprodukte, Zucker- und Weißmehlprodukte, Kaffee und Alkohol, Kohlensäurehaltige Getränke, heiße und stark gewürzte Speisen, Fertigprodukte und Mikrowellennahrung und essen Sie stattdessen vermehrt
  • Frisches statt Tiefgekühltes: Bevorzugen Sie gedünstetes, frisches Gemüse, dunkles Blattgemüse, Eier, Rosinen, Mandeln, Walnüsse, Sonnenblumenkerne und Kürbiskerne, Knochensuppen, Sojaprodukte, Fisolen, Kidney-Bohnen und schwarze Bohnen, Mungobohnen und Mungbohnensprossen, schwarzen Sesam, Meeresalgen, ölhaltigen Fisch wie Sardinen, Lachs, Thunfisch und Makrele sowie Vollkornprodukte.

Bewegen Sie sich täglich

Für den reibungslosen Fluss von Blut und Qi ist regelmäßige Bewegung wichtig. Ohne tägliche Bewegung fließt das Qi unruhig und wir geraten körperlich und emotional aus dem Gleichgewicht. Vor allem, wenn Sie zu Zorn, Frustration und Reizbarkeit neigen oder über Kopfschmerzen klagen, sollten Sie besonders auf regelmäßige Bewegung achten, um das Qi in Fluss zu halten.

Probieren Sie sanfte Bewegungsformen wie Yoga, Tai Chi, Qi Gong – diese eignen sich besonders gut, um unsere Essenz zu bewahren und neue Energie aufzubauen.

Erholen Sie sich

Sorgen Sie für ausreichende Erholungsphasen, auch zwischendurch! Trinken Sie eine Tasse Ihres Lieblingstees, atmen Sie tief durch und genießen Sie die Zeit für sich. Gehen Sie jeden Tag zur selben Zeit schlafen. Ein regelmäßiger Schlafrhythmus beugt Schlafstörungen vor und sorgt für einen erholsamen Schlaf.

Kosten & Krankenkasse

Das Honorar für die ärztliche Behandlung wird vorerst privat beglichen. Anschließend kann bei der jeweiligen Krankenkasse oder Zusatzversicherung eingereicht werden und das Honorar wird teilweise rückerstattet. Die Kosten für eine TCM-Ernährungsberatung werden nicht von den Krankenkassen übernommen.

 

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Eva Ernst

Ärztin für Allgemeinmedizin, Traditionelle Chinesische Medizin und Akupunktur, Wien

www.tcm-ernst.at

Quellen

  • Behandlung von Menopause und klimakterischen Beschwerden, B. Kirschbaum, S. Englert, C. Gabriel, 1. Auflage, Müller & Steinicke Verlag, München, 2013
  • Die Gynäkologie in der Praxis der Chinesischen Medizin, G. Maciocia, 1. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, München, 2011
  • "Der Schein des Mondes auf dem Wasser - TCM für Frauen", X. Zhao, 1. Auflage, Irisiana Verlag, München, 2007

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