Sucht bei Frauen

Die häufigsten Gründe, wenn Frauen zur Flasche bzw. zu Tabletten greifen, sind psychische und soziale Probleme, wie etwa Depressionen oder Traumata. (Photographee.eu - Fotolia.com)

Alkohol-, Nikotin- und Tablettensucht sind die häufigsten Süchte bei Frauen, Auslöser können Überforderung, Depressionen oder auch Selbstwertprobleme sein.

Suchterkrankungen sind nach wie vor bei Männern häufiger, doch Frauen holen rasant auf. Vor allem Alkoholsucht und Nikotinsucht sind zunehmend auch „weibliche“ Erkrankungen, während bei Männern Süchte wie Glücksspiel, exzessiver Internetkonsum oder illegale Substanzabhängigkeiten häufiger auftreten.

Das Suchtverhalten von Frauen und Männern ist jedoch stark unterschiedlich ausgeprägt. Während Männer eher zu aggressiven Verhaltensweisen neigen (Verlust der Empathie, Verrohung), richten Frauen ihre Aggressionen nach innen und schweigen. Schuld an dieser Entwicklung sind vielfältige Faktoren, wie schlechtes Selbstwertgefühl, Überforderung, Doppelbelastung oder Depressionen.

Sucht bei Frauen: Häufigkeit

Suchterkrankungen nehmen in Österreich zu. Etwa 330.000 Personen sind alkoholabhängig, 20 Prozent davon sind weiblich. Alkoholgefährdet sind in Österreich etwa 870.000 Menschen ab 16 Jahren, Frauen holen dabei alarmierend auf. Hinzu kommen bis zu 1,6 Millionen Nikotinabhängige, Suchtgift konsumieren etwa 25.000 Österreicher. Geschätzte 40.000 bis 60.000 Menschen sind hierzulande von Spielsucht betroffen, süchtig nach Onlinespielen sind etwa 60.000 vor allem Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren.

Was ist Sucht?

Sucht ist eine Erkrankung, die von einem komplizierten Mechanismus des menschlichen Belohnungssystems im Gehirn gesteuert wird. Wesentlichen Anteil dabei fällt dem Botenstoff Dopamin zu, denn Drogen wie Alkohol, Nikotin oder Cannabis führen zu einer erhöhten Ausschüttung von Dopamin und zu einem berauschenden Glücksgefühl.

Um den Dopaminspiegel langfristig zu erhöhen, braucht der Betroffene jedoch immer höhere Dosen der jeweiligen Substanz, die Suchtspirale wird in Gang gesetzt. Der Süchtige muss dieses Glücksgefühl immer wieder erfahren und in immer kürzer werdenden Abständen. In dieser Phase ist das natürliche Belohnungssystem jedoch bereits so weit umgepolt, dass das Gehirn einschreitet. Es baut ein Suchtgedächtnis auf, das bereits beim Geruch oder Anblick der Droge gelernt hat, das mit dem Drogenkonsum ein Glücksgefühl einhergeht. Der Zwang, die jeweilige Droge konsumieren zu müssen, steigt und es entsteht der schier unüberwindliche Wunsch, so genanntes "Craving", diesem Druck nachzugeben. Der gefürchtete Suchtmechanismus entsteht auf diesem Weg.

Ursache und Verlauf von Sucht bei Frauen

Sucht kann jeden treffen. Bei Frauen oder jungen Mädchen sind es häufig Doppelbelastung, alleinige Verantwortlichkeit, sozialer Druck, gekränkte Gefühle oder Missbrauch, die eine Erkrankung mit sich bringen. Die Suchtentwicklung beginnt bei Mädchen heute früher als noch vor 20 Jahren.

Während regelmäßiger Alkoholkonsum bei Mädchen vor gut zehn Jahren noch bei 15 Jahren lag, greifen diese heute statistisch schon zwei Jahre früher regelmäßig zum Glas. Auf zwei Burschen kommt bereits ein Mädchen mit problematischem Konsum. Für die Entwicklung einer Sucht spielen mehrere Faktoren eine Rolle. So etwa übernehmen 40 Prozent aller Kinder, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen, das Sucht verhalten. Das Risiko ist zwar für Männer und Frauen generell gleich hoch, so erkranken etwa 10 Prozent der Österreicher im Laufe ihres Lebens an chronischem Alkoholismus, Männer durchschnittlich ab dem 26., Frauen nach dem 34. Lebensjahr.

Der Ursachen einer Suchterkrankung liegen jedoch auch viele andere Faktoren zugrunde, wie z.B.:

  • Persönlichkeit (Selbstwertgefühl, Umgang mit eigenen Gefühlen)
  • Umwelt (Vorbilder für ein sinnerfülltes Leben)
  • Wirkung von Drogen (wie machen sich die Folgen bemerkbar)
  • Verfügbarkeit einer Substanz

Besonders gefährdet sind, laut Statistik des Anton Proksch Instituts, einerseits Jugendliche aus problematischen Familienverhältnissen, und andererseits Frauen die durch Beruf und Familie doppeltbelastet sind, sowie alleinstehende oder sozial isolierte Frauen. Die häufigsten Gründe, wenn Frauen zur Flasche, bzw. am liebsten zum Weinglas greifen, sind psychische und soziale Probleme, wie etwa Depressionen oder Traumata.

Ob zunächst die Depression auftritt, die mit Alkohol bekämpft wird, oder die Sucht, die in die Depression mündet, war bisher Gegenstand zahlreicher Studien. Die Wissenschaft geht mittlerweile davon aus, dass eine Depression häufig eine Folge jahrelangen Substanzmissbrauchs bzw. einer Suchterkrankung ist.

Diagnose von Sucht bei Frauen

Im Zuge interdisziplinärer Studien ist es gelungen, einen Kriterienkatalog zu entwickeln, der die Diagnose eine Suchterkrankung ermöglicht. Wesentliche Merkmale, die für eine Sucht sprechen, sind:

  • Kontrollverlust beim Konsum der Substanz
  • Der Zwang, zu einer Substanz zu greifen
  • Entzugssyndrome, die sich körperlich zeigen
  • Schleichende Erhöhung der Dosis
  • Interessensverlust an alltäglichen oder sozialen Themen

Als Abhängigkeit bezeichnen Mediziner es, wenn drei der genannten Kriterien innerhalb eines Jahres ständig präsent sind.

Sucht bei Frauen: Therapie

Zentrales Anliegen jeder Therapie ist es, nicht die Defizite, das Leiden des Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen, sondern verschüttete Ressourcen freizulegen. So etwa werden Strategien wie Kreativität, Bewegungskompetenz oder soziale Fähigkeiten gestärkt, die den Umgang mit schwierigen Situationen erleichtern und die Droge als Seelentröster verzichtbar machen.

Erste, niederschwellige Anlaufstellen sind Drogenberatungsstellen oder Online-Beratung. Auch Psychotherapie leistet einen wichtigen Beitrag bei Drogenentzug. Für Betroffene bietet diese Betreuung eine Möglichkeit, alternative Handlungen zum Drogenkonsum zu entwickeln, die Ursache oder damit zusammenhängenden Probleme aufzulösen und im Krisenfall einen Rückfall zu vermeiden. Treten bereits körperliche Probleme auf, wie Depressionen, Ängste oder Schlafstörungen, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Möglicherweise ist eine Entzugsbehandlung erforderlich. Dabei wird der Körper entgiftet bzw. von der Droge entwöhnt. Je nach Substanz können dabei unterschiedliche Entzugserscheinungen auftreten, daher ist eine ärztliche Begleitung sinnvoll. Eine Entwöhnung ist meist ein langwieriger Prozess, doch spezialisierte Institute bieten 6 Monate dauernde Kurzzeittherapien an, die auch neben dem Berufsleben durchgeführt werden können. Ziel dabei ist es, Abstand zur Droge zu bekommen und eine entsprechende Veränderung einzuleiten. Dazu zählt es, neue Ziele zu stecken und alte Muster abzulegen. Langzeittherapien erstrecken sich bis zu einem Jahr und zielen darauf ab, abseits des gewohnten (Drogen)umfelds eine Distanz zu finden und die Sucht so in den Griff zu bekommen.

Was Sie selbst gegen die Sucht  tun können

Suchtkranke sind durchwegs stigmatisiert und wagen es nicht, über ihre Krankheit zu sprechen. In Österreich existiert jedoch eine Reihe niederschwelliger Beratungsangebote, anonym, online, in Selbsthilfegruppen, die ein erster Schritt auf dem Weg aus der Sucht sind. Grundlage für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch, dass Sie in Zukunft ein suchtfreies Leben führen möchten.

Fragen an den Arzt

  • Woran erkenne ich, dass meine Tochter Drogen konsumiert?
  • Ich trinke gelegentlich Alkohol, um mich zu entspannen – wie gefährlich ist das?
  • Wann macht eine Psychotherapie Sinn, wann muss ich an Entzug denken?
  • Ich leide an depressiven Verstimmungen, bin ich suchtgefährdet?
  • Welcher Konsum einer Substanz ist "normal"?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Quellen

ICD-10: F19

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