Spezifische Immuntherapie (SIT)

Spezifische Immuntherapie (SIT): Impfung zur Immuntherapie
Die Impfung als Methode der spezifischen Immuntherapie hemmt die Produktion von Antikörpern gegen die Allergene. (sharryfoto - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Allergie, Pollenallergie

Als Hyposensibilisierung (Desensibilisierung, spezifische Immuntherapie) bezeichnet man eine Therapie, mit der Allergien (Pollen, Hausstaub, Insektengift) behandelt werden.

Die spezifische Immuntherapie ist die einzige Behandlungsform, die tatsächlich auf die Allergie-Ursachen einwirkt. Sie kann die Bereitschaft des Körpers, auf einen Auslöser allergisch zu reagieren, herabsetzen. Dadurch kann auch die Entstehung von Asthma bronchiale verhindert werden. Die Hyposensibilisierung wird in Form von Spritzen, Tropfen oder Tabletten verabreicht. Durch die wiederholte Gabe des jeweiligen Allergens beginnt der Körper im Laufe der Behandlung, das Allergen zu tolerieren. Die Heilungschancen liegen bei bis zu 100 %. Kinder, die von Insektengift- oder Pollenallergie betroffen sind, haben die besten Prognosen.

Wem nützt eine Hyposensibilisierung?

Im Zuge einer Allergie reagiert das menschliche Immunsystem auf harmlose Substanzen. "Schuld" daran ist der Antikörper Immunglobulin E (IgE). Dieser ist üblicherweise in geringen Mengen im Blut vorhanden, eine Kombination mit Entzündungszellen ruft jedoch Allergien hervor. Eine spezifische Immuntherapie ist daher bei folgenden, IgE-assoziierten Allergien verantwortlich und kann mit einer SIT behandelt werden:

 Betroffene, die von

verursachten Allergien betroffen sind, wenn die Beschwerden länger als 3 Wochen andauern bzw. von Jahr zu Jahr stärker werden. Diese unterschiedlichen Allergien können Symptome wie Schnupfen oder Heuschnupfen hervorrufen und in der Folge Asthma verursachen. Bei Insektengiftallergie besteht außerdem das Risiko eines Kreislaufschocks (Anaphylaxie). Ziel ist es daher, durch Impfung (Hyposensibilisierung) die Toleranz  des Immunsystems gegen das Allergen zu erzwingen. Die Erfolgsquote der SIT ist beachtlich. Bei etwa 90 % der Betroffenen verringern sich die Symptome um 50 bis 100 %, allerdings ist die Behandlung relativ zeitaufwändig (Therapiedauer mindestens 3 Jahre). Am besten reagieren Kinder und Jugendliche auf die spezifische Immuntherapie. Hier liegt die Erfolgsquote bei 90 % (Insektengiftallergie) und bei 80 % (Pollenallergie). Kinder können ab dem 5. Lebensjahr geimpft werden.

Was passiert Bei einer Hyposensibilisierung?

Eine SIT zielt darauf ab, die Überreaktion des Immunsystems auf einen bestimmten Auslöser (Allergen) zu stoppen und die Beschwerden zu lindern. Die SIT wird auf unterschiedliche Weise verabreicht

  • SCIT (subkutane Immuntherapie, Spritze unter die Haut)
  • SLIT (sublinguale Immuntherapie, Tablette unter die Zunge)
  • Orale Immuntherapie (meist bei Lebensmittelallergie)

Die subkutane Immuntherapie (SCIT). Dabei wird das Allergen, auf das der Körper "überreagiert" unter die Haut (subkutan) injiziert, wobei die Dosis im Laufe der Therapie gesteigert wird und die Maximal-Dosis schließlich regelmäßig verabreicht wird. Insgesamt sind etwa 50 Injektionen sinnvoll. Vom Arzt wird das in einer Lösung vorliegende Allergen unter die Haut gespritzt. Diese Prozedur muss etwa alle 4 bis 6 Wochen wiederholt werden. Eine Therapie dauert etwa 3 Jahre.

Bei saisonalen Allergien kann ein sehr guter Effekt auch mit der präsaisonalen Impfung (7 Injektionen vor der Saison) erzielt werden.

Die sublinguale Immuntherapie (SLIT). Das Allergen wird in Form von Tropfen, Spray oder Tabletten täglich (oder 3-mal wöchentlich) verabreicht. Die Substanz gelangt über die Mundschleimhaut in den Körper. 

Vor allem für Kinder, die oft Angst vor Spritzen haben, ist die Therapie in Tropfenform eine passende Variante. Dabei wird eine Lösung, die das Allergen enthält, unter die Zunge getropft, wo sie etwa 2 Minuten verbleibt. In dieser Zeit kann die Schleimhaut die Substanz aufnehmen. Die Behandlung erfolgt täglich, die Tropfen sind "portionsweise" verpackt. Der Nachteil: Für eine orale Immuntherapie ist eine 100 bis 1000 Mal größere Allergenkonzentration notwendig als für SCIT. Der Vorteil: Die Behandlung kann auch zuhause, ohne Arzt durchgeführt werden.

Die orale (mündliche) Therapie mit Tabletten

Die SIT in Tablettenform wird Gräser-Allergikern empfohlen. Diese Impfung ist auch für Kinder gut geeignet, allerdings sollte sich mindestens 8 Wochen vor Beginn der Gräserpollen-Saison eingeleitet werden. Die Wirkung der täglichen Tabletteneinnahme ist gut, die Erfolgschancen sind ähnlich der SCIT und SLIT.

So wirkt die Impfung

Die spezifische Immuntherapie greift in einen immunologischen Prozess ein. Eine Allergie entsteht durch einen Kontakt zwischen Allergen und dem Körper. Die "Wächter" im Immunsystem, die T-Lymphozyten und die B-Lymphozyten erkennen eine Gefahr. Hierauf schütten sie den Botenstoff Interleukin 4 aus, dieses bindet sich sofort an die B-Lymphozyten. In der Folge wird eine große Menge von Antikörpern (das EiweißImmunglobulin E, kurz: IgE) produziert. Die Antikörper gelangen über den Blutstrom zu den Mastzellen in der Haut und in den Schleimhäuten und docken an den Mastzellen an. Diese signalisieren "Abwehr", denn sie "glauben", einen Feind, z.B. ein Bakterium abwehren zu müssen. Nach dem Kontakt mit dem Allergen explodiert die Mastzelle. Die Initialzündung dazu liefern die Mediatoren Histamin und Kinin, sie fungieren gewissermaßen als  "Vermittler" und lösen eine allergische Reaktion aus. Nun dringen weiße Blutkörperchen ins Gewebe ein und rufen hier die typischen Symptome wie Rötungen, Quaddeln und Pusteln hervor. Ziel der spezifischen Immuntherapie ist es nun, einen bestimmten Typ der T-Lymphozyten (TH2) an ihrer Aktivität zu hindern. Damit wird auch die Produktion von IgE-Antikörpern blockiert. Gleichzeitig werden im Zuge der Immunisierung andere T-Lymphozyten (TH1) aktiviert, die eine "natürliche" Immunantwort wieder herstellen.

Wann kommt eine Hyposensibilisierung zum Einsatz?

Eine SIT muss über mindestens 3, am besten 5 Jahre erfolgen, um eine Verringerung der Symptome zu erzielen. Studien zeigen aber, dass diese bereits nach 2 Jahren um mindestens 50 % reduziert werden.

Was müssen Sie nach der Behandlung beachten?

Kommt es nach Beendigung der Therapie wieder zu Allergien, muss die SIT erneut durchgeführt werden. Für Menschen mit bestimmten Erkrankungen, wie einer Anhäufung von Mastzellen (Mastozytose) ist die SIT lebenslang erforderlich.

Wer führt eine Hyposensibilisierung durch?

Die spezifische Immuntherapie wird in Allergieambulatorien, in  Spitalsambulanzen, vielfach auch von HNO-Ärzten, Kinderärzten, Inneren Medizinern und Dermatologen durchgeführt, die eine fachliche Weiterbildung zum Allergologen absolviert haben.

Was können Sie zum Gelingen der Hyposensibilisierung beitragen?

Eine regelmäßige Einnahme der Tablette (täglich oder 3-mal wöchentlich) bzw. der Impfkur (je nach Allergie ganzjährig oder nur vor der Saison) ist Basis für den Erfolg der Therapie.

Wo liegen die Grenzen der Hyposensibilisierung?

Schwangere sollten eine Immunisierung nur in Absprache mit dem Arzt durchführen. Menschen, die an Infektionserkrankungen, Krebs oder Autoimmunerkrankungen leiden oder Beta-Blocker einnehmen, sollten ebenfalls zuerst Rücksprache mit dem Arzt halten. Zu beachten ist außerdem, dass die SIT nur erfolgreich ist, wenn nicht mehr als zwei Allergene vorhanden sind. Bei Kontaktallergien wie z.B. auch der Latexallergie bringt diese Therapieform nichts.

Kosten & Krankenkasse

Die Kosten für spezifische Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen.

Fragen an den Arzt

  • Ist eine Hyposensibilisierung für mich geeignet?
  • Welche Form der SIT ist für mich die passende?
  • Wie lange muss ich behandelt werden, um nicht mehr allergisch auf Substanzen zu reagieren?
  • Kann es vorkommen, dass es mir nach der SIT nicht gut geht, weil ich auf das Allergen reagiere?
  • Ich habe eine schwere Insektengiftallergie und bin seit einem Jahr in Therapie. Ist ein Stich noch gefährlich für mich?

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Andreas Temmel

Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten

Wahlarzt

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Quellen