SMS-Daumen

Intensives Texten auf dem Smartphone kann zu einer Überanstrengung der Daumen führen. (Rido - Fotolia.com)

Bei Überbelastung der Daumen – etwa beim Schreiben von Textnachrichten – kann sich eine schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung bilden. Die SMS-Daumen machen sich durch ziehende und stechende Schmerzen bemerkbar. Was kann man dagegen tun?

Die Beschwerden treten bei greifenden, haltenden und drückenden Daumenbewegungen auf und strahlen bis in den Unterarm aus. Unbehandelt können sich die akuten Symptome zu chronischen Beschwerden ausdehnen. Nachdem der Arzt die verdickte und berührungsempfindliche Sehnenscheide ertastet hat, wird der Daumen anfangs ruhig gestellt. Entzündungshemmende Medikamente beschleunigen die Heilung. Zur Mobilisation und Kräftigung der betroffenen Muskulatur erfolgt eine Physiotherapie. Übungen für Zuhause können ein Wiederauftreten der Entzündung auf Dauer verhindern.

Überblick

Wie häufig entwickelt sich ein SMS-Daumen?

Nirgends sonst treten so viele Sehnenscheidenentzündungen auf wie an Handgelenk und Unterarm. Besonders häufig betroffen sind Erwachsene ab dem 30. Lebensjahr, darunter mehr Frauen als Männer.

Neben dem ständigen Tastendruck auf dem Mobiltelefon zählen auch andere wiederkehrende Belastungen zu häufigen Auslösern. Mit dabei sind unter anderem intensive Arbeit an der Computermaus, sportliche Aktivitäten wie Klettern oder Tischtennis, aber auch Stricken und Gitarre oder Geige spielen.

Wie entsteht ein SMS-Daumen?

Intensives Texten auf dem Smartphone kann zu einer Überanstrengung der Daumen führen. Das ständige Tippen stellt eine wiederholte Belastung für die Finger dar. Mögliche Folge ist eine Entzündung der Sehne, die vom Daumen zum Unterarm führt.

Die Entzündung macht sich durch stechende oder ziehende Schmerzen bemerkbar. Diese treten bei Greif-, Drück- und Haltebewegungen des Daumens auf und führen zu Bewegungseinschränkungen. Dabei können die Beschwerden nicht nur lokal im Daumen zu spüren sein, sondern auch entlang der Sehne im Unterarm ausstrahlen. Die entzündete Sehne ist oft als verhärtete und erwärmte Schwellung tastbar und reagiert äußerst druckempfindlich.

SMS-Daumen: So stellt der Arzt die Diagnose

Im Patientengespräch erhält der Arzt anhand der Alltagsgewohnheiten wie häufiges Nachrichten schreiben oder intensive Computerarbeit erste Hinweise auf die Erkrankung. Aufgrund der Entzündung sammelt sich in dem betroffenen Gewebe Flüssigkeit. Diese schmerzempfindliche Schwellung ist beim Abtasten des Unterarms leicht zu spüren.

Im Anschluss erfolgt ein einfacher Bewegungstest: Dafür schließt der Betroffene seine Finger um den Daumen zu einer Fast. Der Arzt hält den Unterarm des Patienten mit einer Hand fest, während seine andere Hand die Faust des Betroffenen langsam in Richtung des kleinen Fingers neigt. Ist die Sehnenscheide entzündet, treten bewegungsbedingte Schmerzen auf.

Die Diagnose kann zusätzlich durch ein Röntgenbild oder ein CT gesichert werden.

Schrittweise Therapie des SMS-Daumen

Im Anfangsstadium erfolgt die Behandlung durch Ruhigstellung des überlasteten Daumens. Durch eine Schiene oder eine Stützbandage wird die Reibung der Sehnenscheide reduziert, sodass sich das betroffene Gewebe beruhigen kann. Zusätzlich verordnet der Arzt entzündungshemmende Medikamente, die die Heilung beschleunigen. Diese können entweder in Tablettenform eingenommen oder besser noch direkt in die überlastete Sehne gespritzt werden. Erst nach der akuten Entzündungsphase beginnen Bewegungsübungen, die Sie zuerst mit einem Physiotherapeuten, später auch alleine Zuhause durchführen können.

Schlägt die konservative Therapie nicht an, kann bei anhaltenden Beschwerden eine ambulante Operation in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Bei dem offenen Eingriff soll die Gleitfähigkeit der Sehnenscheide wieder hergestellt werden. Dafür wird entzündetes Gewebe entfernt und verklebte Sehnen voneinander gelöst. Nach spätestens zwei Wochen können die Fäden der bis zu 5 cm langen Wunde gezogen werden. Im Anschluss erfolgt Physiotherapie bis die Hand wieder vollständig beweglich ist.

SMS-Daumen: Was können Betroffene zur Heilung beitragen?

Nach Rücksprache mit dem Arzt können dehnende und kräftigende Übungen durchgeführt werden. Zudem empfinden einige Patienten lokale Wärme- oder auch Kälteanwendungen als angenehm. Diese fördern die Durchblutung und beschleunigen somit den Stoffwechsel im betroffenen Areal. Sie können dafür ein Kirschkernkissen erhitzen oder einen mit Stofftuch umwickeltes Kühl-Pad auf die entzündete Stelle legen.

Bewegungsübungen

Als erster Schritt erfolgen Dehnübungen, die Beweglichkeit der Finger- und Handgelenke erhalten sollen. Nach Abklingen des Reizzustandes können auch Übungen zur Kräftigung der Finger- und Handmuskulatur durchgeführt werden. Achten Sie darauf, die Übungen langsam zu absolvieren. Zu intensives Training kann die Sehne wieder überlasten und zu einem Rückfall führen.

Weitere Übungen

Dehnen Sie Hand und Finger, indem Sie die Finger beider Hände miteinander verflechten. Strecken Sie jetzt die Arme durch und drücken Sie die Handflächen nach außen. Dadurch wird der Unterarm gedehnt und die Finger bleiben beweglich.

Nehmen Sie einen kleinen Gummiball in Ihre Hand. Drücken Sie jetzt gezielt mit allen Fingern gleichmäßig zu. Quetschen Sie den Ball noch zehnmal und wechseln dann die Hand. Das Ganze wiederholen Sie zweimal. Auf diese Weise stärken Sie die Muskulatur der einzelnen Finger.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Sylvia Neubauer
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Verena Hofbauer

Physiotherapeutin

Website

Quellen

  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Walter de Gruyter GmbH & CoKG, Berlin, 2014
  • Übungen in der Physiotherapie, R. Wiesner, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2009
  • Gesundheit heute, Dr. med. A. Schäffler (Hrsg.), Trias Verlag, Stuttgart, 2014
  • Leitfaden: Physiotherapie in der Orthopädie und Traumatologie, M. Fleischhauer, D. Heimann, U. Hinkelmann, Urban & Fischer Verlag, München, Jena, 2002

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