Skoliose

Vor allem Mädchen zwischen 10 und 15 Jahren sind davon betroffen

Skoliose: Mann von hinten mit Rückenschmerzen
Bei Skoliose ist die Wirbelsäule gekrümmt, was häufig zu Schmerzen führt. (staras - Fotolia.com)
Als Skoliose wird eine Verkrümmung der Wirbelsäule bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Wachstumsstörung der Wirbelsäule, sie kann z.B. durch eine angeborene Fehlbildung der Wirbelkörper oder Muskelerkrankungen ausgelöst werden.

Typische Symptome sind eine schiefe Taille oder ein Schulterblatt, das mehr hervorsteht als das andere. Eine Behandlung der Skoliose mit Korsett bzw. Operation ist nur bei 1 von 100 Betroffenen nötig, Physiotherapie sollte allerdings konsequent durchgeführt werden. Das einseitige Tragen von Schultaschen führt, wie oft angenommen, nicht zu einer Skoliose. Während Jugendliche selten Schmerzen haben, kommt es bei Erwachsenen durch eine unbehandelte Skoliose oft zu Rückenschmerzen.

Häufigkeit

4 bis 10 % der Österreicher sind von einer Skoliose betroffen. Vor allem unter 10- bis 15-jährigen Mädchen ist Skoliose - möglicherweise aufgrund genetischer Ursachen - weit verbreitet. Auch bei Kindern bzw. jungen Menschen kann sich im Laufe der Wachstumsphase eine Skoliose entwickeln. Behandelt muss erst ab einer Verkrümmung von über 10 Grad werden. Von 100 Menschen trifft das lediglich auf eine Person zu.

Symptome

Als typische Beschwerden gelten:

  • unterschiedlich hohe Schultern,
  • ein Schulterblatt steht weiter vor als das andere,
  • eine schiefe Taille,
  • eine Hüfte ist höher und steht vor,
  • der gesamte Körper ist zur Seite geneigt,
  • beim Nachvorbeugen wölbt sich eine Rippe vor

Diese Fehlstellungen der Wirbelsäule und manchmal auch des Brustkorbs und der Taille bewirken bei Kindern und Jugendlichen selten Schmerzen. Daher wird die Skoliose meist durch Fremdbeobachtung der Eltern oder des Schularztes wahrgenommen. Erwachsene gehen hingegen meist wegen Rückenschmerzen zum Arzt und erhalten die Diagnose Skoliose.

Ursachen und Verlauf

Die genauen Auslöser einer Skoliose sind bisher unbekannt. Während vor allem im Kindes- und Jugendalter die Verkrümmung medizinisch oft nicht erklärbar ist, kann Skoliose bei Erwachsenen z.B. die Folge einer Bandscheibenabnützung sein. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, dass etwa spastische Lähmungen oder Systemerkrankungen, wie z.B. Neurofibromatose,zu einer Skoliose führen. In eher seltenen Fällen kommen Säuglinge mit einer angeborenen Fehlstellung der Wirbelkörper und Rippen zur Welt.

Liegt eine leichte Skoliose vor, sollten zunächst physiotherapeutische Maßnahmen eingeleitet werden. Ab einer Krümmung von 35 Grad ist eine operative Behandlung empfehlenswert, da Physio- und Korsetttherapie alleine hier nicht mehr für einen Erfolg ausreichend sind.

Diagnose

Eine erste Diagnose führt der Arzt zunächst mit einem einfachen Test durch. Dabei neigt sich der Betroffene so weit nach vorne, bis die Krümmung deutlich erkennbar ist. Stehen einzelne Rippen auf einer Seite des Rückens hervor und/oder sind die Schultern schief, liegt ein sogenannter Rippenbuckel vor, der einen wichtigen Anhaltspunkt für eine bestehende Skoliose liefert.

Informationen über das genaue Ausmaß der Skoliose liefert aber erst eine Röntgenuntersuchung.

Therapie

Die Therapiemaßnahmen hängen vom vorhandenen Ausmaß der Krümmung des Betroffenen sowie von den Ursachen ab:

  • Leichte Skoliose (ab 11 Grad): Tägliche Physiotherapie stärkt die Rückenmuskulatur. Bestimmte Rückentechniken, die im Rahmen der Behandlung erlernt werden, sollen dem Voranschreiten der Verkrümmung entgegenwirken. Auch ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper psychisch wichtig

Es wurde eigens für Skoliose-Betroffene eine Methode entwickelt - Physiotherapie nach Katharina Schroth -, die Physiotherapie mit bestimmten Atemübungen verbindet.

  • Mittlere Skoliose (ab 20 Grad): Zusätzlich zur Physiotherapie sollten Betroffene ein Korsett tragen, am besten täglich - empfohlen werden 23 Stunden -, bis die Wachstumsphase abgeschlossen ist. Andernfalls kann sich der gewünschte Erfolg nicht einstellen. Für Jugendliche bedeutet das Korsett nicht nur eine hohe psychische Belastung - es führt teilweise auch zu eingeschränkter Bewegungsfreiheit, z.B. beim Bücken. Weitere Informationen und Erfahrungsaustausch bieten entsprechende Selbsthilfegruppen.
  • Starke Skoliose (ab 35 Grad): Hier ist eine Operation empfehlenswert. Dabei wird die Skoliose reduziert und in dieser Position werden die Wirbelknochen miteinander verbunden. Das Ziel ist es, so eine drohende Zunahme der Krümmung zu verhindern. 

Wie geht es nach dem Eingriff weiter?

Um richtig zu verknöchern, benötigt die Wirbelsäule etwa einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten. Währenddessen sollten die erlernten Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur auch zu Hause kontinuierlich fortgeführt werden.

Für einen optimalen Heilungsverlauf sind außerdem noch folgende Regeln zu beachten:

  • In den ersten 6 Monaten: Kein Heben oder Tragen schwerer Gegenstände - bis 3 Monate nach der OP maximal 5 kg, ab dem 4. bis 6. Monat maximal 10 kg.
  • Kein Sport im ersten halben Jahr - davon ausgenommen sind z.B. Rückenschwimmen und Nordic-Walking.
  • Keine Extrem- oder Kontaktsportarten (z.B. Bungee Jumping oder Volleyball) innerhalb der ersten 12 Monate.
  • Besondere Vorsicht bei Sportarten mit Sturzgefahr (z.B. Rollerskates- oder Radfahren) im ersten Jahr. 

Nach den ersten 12 Monaten hat der Betroffene im Alltag keine Einschränkungen mehr zu berücksichtigen.

Das können Sie selber tun

Anders als bei Erwachsenen verursacht eine Skoliose im Kindes- und Jugendalter nur selten Schmerzen.

Liegt eine leichte Skoliose vor, kann mit täglicher Physiotherapie einer weiteren Verkrümmung entgegengewirkt werden. Voraussetzung dafür ist die regelmäßige Durchführung der Übungen bis zum Ende des Wachstums. Hat bereits eine Skoliose-Operation stattgefunden, dauert die Verknöcherung der Wirbelsäule zwischen 6 und 12 Monaten. Während dieses Zeitraums sollte die Therapie zur Kräftigung der Rückenmuskulatur kontinuierlich fortgesetzt werden.

Fragen an den Arzt

  • Kann es zu Komplikationen kommen, wenn ich versehentlich nach der Skoliose-OP etwas Schweres gehoben oder getragen habe?
  • Bin ich überhaupt für eine Korsetttherapie geeignet?
  • Wie sind die Erfolgsaussichten nach der Operation?
  • Welche Risiken können durch die Operation entstehen?
  • Skoliose liegt bei uns in der Familie: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie vererbt wird?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

OA

Dr. Stefan Schenk

Stationsleitender Oberarzt an der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie des Orthopädischen Spitals Wien Speising

Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, www.ortho-mariahilf.at

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: M41, Q67, Q76

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