Sexualmedizin

Oft können beim Sex Probleme auftreten, über die ungern gespochen wird. Die Sexualmedizin kann bei der Lösungsfindung helfen. (Jacob Lund - Fotolia.com)

Die Sexualmedizin befasst sich mit der Erkennung, Behandlung und Prävention von Störungen und Erkrankungen, die die Sexualität betreffen. Das können beispielsweise Funktionsstörungen sein wie Erektionsprobleme und vorzeitiger Samenerguss.

Im Fokus der Sexualmedizin steht aber auch das sexuelle und partnerschaftliche Miteinander sowie sexuelle Vorlieben und die geschlechtliche Identität. Die Sexualmedizin geht dabei immer von einer ganzheitlichen Betrachtungsweise aus. Das heißt, dass sowohl körperliche, psychologische als auch soziale Faktoren in Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden müssen. Dafür ist häufig ein Zusammenwirken der verschiedener medizinischer Disziplinen erforderlich.

Übersicht

An wen richtet sich die Sexualmedizin?

Ein häufiger Grund, sich Hilfe aus der Sexualmedizin zu holen, ist sexuelle Unzufriedenheit. Diese Frustration kann dabei verschiedene Gründe haben. Dazu gehören:

  • Sexuelle Funktionsstörungen: Während Männer häufig von Erektionsstörung und vorzeitigem Samenerguss geplagt werden, ist die häufigste sexuelle Problematik bei der Frau geringes sexuelles Verlagen (Luststörung), gefolgt von Erregungs- und Orgasmusstörungen.
  • Schmerzen beim Sexualkontakt: Ursache kann beispielsweise eine verkrampfte Scheidenmuskulatur (Vaginismus) sein oder eine Entzündung sowie feinste Risse in der Schleimhaut (Vulvodynie). Die Läsionen führen am Scheidenausgang zu stechenden Schmerzen und mindern somit die sexuelle Lust.
  • Grunderkrankung: Sexuelle Störungen infolge einer anderen Grunderkrankung oder nach einem traumatischen Ereignis (z.B. Missbrauch)
  • Störungen im Sexualverhalten (z.B. Pädophilie)
  • Störungen beim Finden der eigenen sexuellen Identität
  • Veränderung im Hormonhaushalt beispielsweise während der Wechseljahre

Wie verläuft die Behandlung in der Sexualmedizin?

Um Ursachen und Auswirkungen der sexuellen Probleme herauszufinden, führt der Arzt eine Sexualanamnese durch. Durch sachliche Fragen zur Intimsphäre klärt er die Zufriedenheit und Unzufriedenheit mit der eigenen Sexualität. Sollten sexuelle Störungen bestehen, erfolgt die Weiterbehandlung häufig beim Spezialisten.

Gynäkologen und Urologen untersuchen körperliche Ursachen. Löst beispielsweise eine zu trockene Scheide unangenehme Reibung aus, kann der Arzt mit entsprechenden Feuchtigkeitspräparaten helfen. Auch die Messung des Hormonspiegels kann sinnvoll sein. Bei Frauen in der Menopause können etwa Schwankungen des Östrogenspiegels zu einer Luststörung führen.

Ist die Ursache nicht auf eine körperliche Veränderung zurückzuführen, kommen in der Behandlung häufig psychotherapeutische Methoden zum Einsatz. Im persönlichen Einzelgespräch oder in der Paartherapie werden nicht nur körperliche Beschwerden besprochen, sondern vor allem auch psychische und soziale Aspekte wie das partnerschaftliche Zusammenleben, Alltagsstress und Erfolgsdruck sowie die sexuelle Vergangenheit (z.B. die Pubertät, Masturbation, das erste Mal). Durch das offene Gespräch sollen gedankliche Blockaden und der psychische Druck abgebaut werden. Außerdem kann die Gesprächstherapie helfen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten.

Wann und wie lange kommt die Sexualmedizin zum Einsatz?

Sprechen Sie Unzufriedenheit in Ihrer Sexualität offen beim Arzt Ihres Vertrauens an. Die Dauer einer Behandlung hängt ganz von den Ursachen der Sexualstörung ab. Eine Gesprächstherapie bei einem geschulten Sexualmediziner kann sich mitunter über Monate und noch länger erstrecken.

Was können Sie zum Gelingen der Therapie beitragen?

Das offene und vertrauensvolle Gespräch mit dem Arzt ist das entscheidende Fundament für die Untersuchung und Behandlung einer gestörten Sexualität. Schämen Sie sich nicht, Ihre Probleme direkt anzusprechen.

Da Sexualstörungen sich immer auch auf das Beziehungsleben auswirken, führen sie dort häufig gleichermaßen zu Problemen. Meist ist es erforderlich Ihren Lebenspartner und seine Sicht- und Erlebensweise in die Gesprächstherapie mit einzubeziehen. So können Sie auch gegenseitige Erwartungen thematisieren. Ganz grundsätzlich versteht man unter einer Sexualtherapie eine auf Sexualität zentrierte Psychotherapie in der Paardimension.

Sexualtherapie: Wer therapiert?

Sexuelle Probleme können Sie mit Ihrem Hausarzt oder jedem anderen Arzt besprechen. Er weiß am besten, welchen Kollegen er für die Behandlung am geeignetsten hält. Da sexuelle Störungen zu jeder Zeit dreidimensional sind und sich Biologie, Psyche und Beziehung nicht trennen lassen, muss der Therapeut darin geschult sein, alle drei Dimensionen behandeln zu können. Sexualmedizinische Interventionen müssen immer ganzheitlich erfolgen.

Kosten & Krankenkasse

Die Untersuchung bei Ihrem Hausarzt oder Gynäkologen erfolgt als Kassenleistung. Sollte für die Behandlung eine Gesprächstherapie erforderlich sein, ist mit einer privaten Zuzahlung zu rechnen.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

MR Dr. Georg Pfau

Praxis für Sex und Gender für Männer

Sexualmediziner und Männerarzt in Linz

Gesundheitskompass Website

Quellen

  • Praxisbuch Sexuelle Störungen: Sexuelle Gesundheit, Sexualmedizin, Psychotherapie sexueller Störungen, herausgegeben von P. Briken, M. Berner, Thieme Verlag, Stuttgart, 2013
  • Psychosomatische Urologie und Gynäkologie, H. J. Berberich, F. Siedentopf, Ernst Reinhardt Verlag, München, 2016
  • Sexualmedizin in der Gynäkologie, H.-J. Ahrendt, C. Friedrich, Springer Verlag Berlin, Heidelberg, 2015

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