Diabetikerschulung

Diabetikerschulung: Personen im Gruppentreffen einer Diabetikerschulung
Die Gruppentreffen der Diabetikerschulung regen zum Austausch an und man fühlt sich mit der Krankheit weniger allein. (Monkey Business - Fotolia.com)
Die Diagnose Diabetes wirft viele Fragen auf: "Was darf ich noch essen?", "Wie funktioniert Blutzucker messen?" oder auch "Wie oft und wann muss ich Insulin spritzen?"

All diese wichtigen Themen werden in einer speziellen Schulung für Typ-1- und Typ-2- Diabetiker besprochen und mit Hilfe von Blutzuckermessgeräten bzw. Insulinpens auch praktisch geübt. Eine Diabetikerschulung dauert normalerweise eine Woche, die Kosten dafür werden im Rahmen von anerkannten Programmen  in der Regel von Krankenkassen übernommen, bzw. von Krankenhäusern den Patienten kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Wem nützt diese Therapie?

  • Typ 1-Diabetikern (zirka 5 % der Betroffenen): wird durch eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse verursacht, sie kann kein Insulin produzieren. Dieses Hormon, das für die Regulation des Blutzuckers verantwortlich ist, muss daher mittels Injektionen  (z.B. Pens) zugeführt werden. Diabetes Typ 1 tritt in erster Linie bei Kindern und Jugendlichen auf.
  • Typ 2-Diabetikern: (zirka 95 % der Betroffenen): entsteht durch eine Insulinresistenz der Körperzellen bzw. kommt die Bauchspeicheldrüse aufgrund des hohen Bedarfs mit der Insulinproduktion nicht mehr nach. Begünstigt wird die Entwicklung eines Diabetes Typ 2  durch Übergewicht und Bewegungsmangel. Wichtige Therapiemaßnahmen sind Abnehmen, Bewegung, Medikamente und in bestimmten Fällen Insulin.
  • Schwangere mit Diabetes: Fallweise schickt der Arzt auch Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes zur Diabetikerschulung. Sie werden darüber informiert, was Gestationsdiabetes ist, welche Therapien es gibt, wie die richtige Ernährung aussehen soll und wie Leihgeräten z.B. für die Blutzuckermessung funktionieren.
  • Kindern mit Diabetes: Diabetikerschulungen werden auch für Kinder und Jugendliche angeboten, die vermittelte Information wird dem Alter gerecht aufbereitet.

Was passiert bei einer Diabetikerschulung?

Bei den Treffen geht es in erster Linie darum Alltagssituationen gemeinsam zu besprechen und somit das Leben mit der Erkrankung leichter zu meistern. Wenn Sie Ihr Arzt zu einer Diabetikerschulung schickt, sollten Sie diese Möglichkeit nützen, auf folgende Fragen praktische und fundierte Antworten zu bekommen:

  • Was ist Diabetes?
  • Welche allgemeinen Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
  • Welche Ernährung ist günstig für mich und wie komme ich im Alltag damit zurecht?
  • Warum ist regelmäßige Bewegung so wichtig? Welche Bewegung ist gut und wie fange ich ein Bewegungsprogramm an?
  • Soll ich den Blutzuckerspiegel selbst kontrollieren?  Wenn ja: wie geht das, wann, wie oft? 
  • Wie kann ich mir selbst Insulin spritzen? (individuelle Beratung)
  • Was versteht man unter Hypo- und Hyperglykämie (Unter- und Überzuckerung)?
  • Was muss ich beim Sport, auf Reisen, bei Krankheiten beachten?
  • Welche Folgeerkrankungen können bei Diabetes auftreten? Wie kann ich sie vermeiden?
  • Warum ist Fußpflege so wichtig?
  • Welche Kontrolluntersuchungen sollte ich regelmäßig machen?

Wie lange dauert so eine Schulung?

Eine Diabetikerschulung umfasst ein Minimum von 4  bis maximal 8  Einheiten á 50 Minuten und dauert zirka ein Woche. Die Schulungsstunden können aber auch über mehrere Wochen verteilt sein. 

Was muss der Patient nach der Schulung beachten?

Versuchen Sie alle Tipps im Alltag umzusetzen und achten Sie darauf, regelmäßigen Kontakt zu Ihrem behandelnden Arzt zu halten. Oft lassen sich auch anhaltend Kontakte zu anderen Teilnehmern oder zu Selbsthilfegruppen knüpfen. Falls Fragen auftauchen, so genügt oft schon ein E-Mail oder ein kurzer Anruf, um mit einer schwierigen Situation besser zurecht zu kommen.

Wer hält Diabetesschulungen ab?

Die Schulungen werden von Diabetes-Ambulanzen der Krankenhäuser, von Diabetes-Schwerpunktpraxen und  niedergelassenen Ärzten, die sich mit Diabetes intensiver beschäftigen oder auch von Selbsthilfegruppen angeboten.

Meist hält eine

  • diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester mit Weiterbildung zum Diabetesberater
  • ein Diätologe
  • oder ein Arzt

im Einzelgespräch oder in einer Gruppe (zirka 10 bis 15 Personen) eine Diabetesschulung ab.

Was kann der Patient zum Gelingen der Therapie beitragen?

Machen Sie sich eine Frageliste und haben Sie keine Scheu, alltägliche Probleme in der Schulung anzusprechen. Es geht anderen Menschen im Umgang der neuen Erkrankung oft genauso wie Ihnen, allerdings trauen sich viele nicht zu fragen. Versuchen Sie das Gelernte zu Hause umzusetzen, ein Tagesplan kann dabei helfen.

Kosten & Krankenkasse

Die Kosten für eine Diabetikerschulung werden von der Krankenkasse übernommen oder wie oben erwähnt, von den Ambulanzen der Kliniken frei angeboten. Für die Schulungsunterlagen ist manchmal ein Selbstbehalt in der Höhe von zirka 10 Euro zu bezahlen.

Fragen an den Arzt

  • Wo gibt es eine Diabetikerschulung in meiner Nähe?
  • Ich habe eine Insulinpumpe. Ist eine Diabetikerschulung auch hier hilfreich?
  • Mein Kind hat Diabetes. Gibt es eine Schulung für Kinder?
  • Gibt es eine Diabetes-Ambulanz in meiner Nähe?
  • Kann man die Diabetikerschulung "auffrischen"?

Medizinischer Experte

Prim.

Dr. Christian Schelkshorn

1.Med.Abteilung, LKH Stockerau/Korneuburg

Gesundheitskompass

Quellen

  • Therapie aktiv-Diabetes im Griff (28.03.2014)
  • Kardiologische Rehabilitation. Standards für die Praxis nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V., Rauch B.et al. (Hrsg.) Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2007
  • Diabetikerschulung an der Abteilung für Innere Medizin. Sadilek G., In: Österreichische Pflegezeitschrift 2/02. S. 28-32.
  • Diabetes Austria (28.03.2014)

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