Schnarchen

Mann schnarcht, Frau hält sich Ohren zu
Männer schnarchen häufiger als Frauen, schuld daran ist eine Erschlaffung der Muskulatur im Nasen- oder Rachenraum. (Production Perig - Fotolia.com)

Jeder 3. Mann und jede 4. Frau schnarcht. Schnarchgeräusche entstehen durch Vibrationen von erschlaffendem Gewebe im Rachen, meist bei älteren Personen. Erschwerte Nasenatmung oder kurzes Unterkiefer begünstigen das Schnarchen.

Schnarchen wird auch durch abendlichen Alkoholkonsum, Schlaftabletten oder Übergewicht verstärkt. Während einfaches Schnarchen "nur" die Umgebung belästigt, stellen vermehrte Atemaussetzer durch Verengung oder Verschluss der Atemwege ein Risiko für die Gesundheit dar. Bei diesem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) steigt mit dem Schweregrad das Risiko für Verkehrsunfälle, Herzinfarkt und Schlaganfall auf das 3- bis 7-fache. Erste Anzeichen sind nicht erholsamer Schlaf, morgendliches Kopfweh, vermehrte Tagesmüdigkeit und Bluthochdruck. Kleinkinder schnarchen meist aufgrund vergrößerter Mandeln, die den Rachen beengen. Schnarchen bei kleinen Kindern kann Ess- und Gedeihstörung, Aufmerksamkeitsdefizit und Bettnässen zur Folge haben.

Übersicht

Häufigkeit von Schnarchen

Jeder 3. Österreicher, jede 4. Österreicherin schnarcht. Über dem 50. Lebensjahr ist jeder 2. Mann und fast jede 3. Frau betroffen. Bei 4 bis 7 % der männlichen und 2 bis 4 % der weiblichen Erwachsenen liegt eine Schlafatemstörung vor, d.h. es treten wiederholte Atemstillstände oder -störungen von über 10 Sekunden zwischen den Schnarchperioden auf. Das kann von 5-mal pro Stunde bis zu 80-mal pro Stunde passieren. Dadurch klingt das Schnarchen unregelmäßig und zerhackt.

Ursachen und Symptome von Schnarchen

Wenn Schnarchen nicht mit Atemstörungen einher geht wird es als einfaches, habituelles oder primäres Schnarchen (Rhonchopathie) bezeichnet. Typischerweise äußert es sich als kontinuierliches, regelmäßiges, meist sonores Schnarchgeräusch, oft als "Sägen" bezeichnet.

Abendlicher Alkoholkonsum, Einnahme von Schlaftabletten oder Übermüdung können bei jedem einmal Schnarchen hervorrufen. In diesem Fall beschränkt sich die Behandlung auf das Vermeiden bzw. Verändern der Ursachen. Wenn es regelmäßig auftritt und dem Bettpartner den Schlaf raubt, wird es als sozial störendes Schnarchen behandlungsbedürftig. Anfangs tritt es meist in Rückenlage auf. Dann reicht ein Lagewechsel. Später stört es auch in Seitenlage.

Bei zirka 90% der primären Schnarcher entstehen die störenden Geräusche durch Vibrationen des weichen Gaumens und Zäpfchens beim Ein- und Ausatmen. Sonst kann es sich auch durch Rückfallen der Zunge oder Zusammenfallen der Rachenseitenwände, der Gaumenmandeln oder des Kehldeckels isoliert entwickeln oder auch mit Gaumenschnarchen kombiniert sein.

Die häufigsten Gründe für Schnarchen sind:

  • Atemhindernisse
  • Veränderungen im Rachen

Eine gestörte Nasenatmung begünstigt Schnarchen, da der zurückfallende Unterkiefer die Atemwege besonders hinter dem Zungengrund einengt. Bei zirka 40% der primären Schnarcher reicht es aus, wieder für eine gute Nasenatmung zu sorgen, damit lässt sich auch das Schnarchproblem beseitigen.

Atemhindernisse

Der HNO-Facharzt stellt häufig folgende Atemhindernisse fest: 

  • Verkrümmung der Nasenscheidewand: Die Nasenscheidewand ist die Wand zwischen beiden Nasenhöhlen. Ihre Verkrümmung kann zu einer starken Beeinträchtigung der Nasenatmung führen. Sie wird am besten chirurgisch durch eine sogenannte Septumoperation begradigt.
  • Nasennebenhöhlen-Entzündung: Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Stirnhöhlen, Kieferhöhlen, Siebbeinhöhlen, Keilbeinhöhlen) führen zum Anschwellen der Nasenschleimhäute und vermehrter Nasensekretion. Während akute Entzündungen nach ein paar Wochen abgeheilt sind, können chronische Entzündungen, die meist nur geringe Symptome und keine Schmerzen machen, eine dauernde Verstopfung der Nase verursachen. Sie können medikamentös oder auch operativ behandelt werden.
  • Polypen: Polypen sind gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut, die bei chronischen Entzündungen entstehen und die Nase verlegen können. Sie können medikamentös behandelt oder auch operativ entfernt werden. Nicht zu verwechseln mit den im Kleinkindalter oft als Polypen bezeichneten adenoiden Vegetationen, die eigentlich die Rachendachmandeln sind, und auch die Nase verlegen und zu Schnarchen führen können. Sie müssen operativ entfernt werden (Adenotomie).

Veränderungen im Rachen

Veränderungen im Rachen, die das Schnarchen begünstigen oder verursachen, können durch eine Untersuchung beim Hals-Nasen-Ohrenarzt festgestellt und behandelt werden. Dazu zählen...:

  • ein erschlafftes Gaumensegel mit überschüssiger Schleimhaut beidseits neben dem Zäpfchen, dem sogenannten Webbing.
  • ein überlanges Gaumenzäpfchen, das oft noch am Tag geschwollen ist.
  • vergrößerte Mandeln (meist bei schnarchenden Kleinkindern)
  • bei Kleinkindern Adenoide (Polypen) im Nasenrachen
  • ein hoher Zungenstand durch eine vergrößerte Zunge
  • eine vergrößerte Zungengrundmandel
  • zu weicher, biegsamer, eventuell überhängender Kehldeckel ("floppy Epiglottis")
  • Kieferanomalien oder -fehlstellungen (z.B. Rückbiss, fliehendes Kinn durch zu kurzes Unterkiefer)

Schlafatemstörungen zwischen Schnarchphasen

Schlafatemstörungen können zwischen Schnarchphasen auftreten, sie betreffen häufiger Männer als Frauen, da Frauen durch ihren hormonellen Zyklus bis zur Menopause weitgehend geschützt sind. Die weiblichen Hormone wirken sich auf den Rachen stabilisierend aus. Im Wesentlichen unterscheidet man 3 Arten von Schlafatemstörungen (Apnoen):

  • das obstruktive Schlafapnoesyndrom (OSAS): es ist die häufigste Schlafatemstörung
  • das Upper Airway Resistance Syndrom (UARS): hier kommt es nicht zu Atemstillstände, aber zu vermehrter Atemarbeit und erhöhter Tagesmüdigkeit.
  • das zentrale Schlafapnoesyndrom (ZSA): diese Art wird durch Störung der Atemregulation im Gehirn hervorgerufen, es tritt bei Herzschwäche und und neurologischen Erkrankungen auf. .

Das Schlafapnoesyndrom

Die häufigste Schlafatemstörung ist das obstruktive Schlafapnoesyndrom (OSAS), das durch wiederholten ganz oder teilweisen Kollaps (Zusammenfallen) der oberen Atemwege im Schlaf entsteht - meist im Bereich der Rachenwände, des Zungengrundes und/oder des Kehldeckels. Fördernd ist eine Erschlaffung des Gewebes, Einengung der Atemwege durch Fetteinlagerung infolge von Übergewicht, Einengung durch ungünstigen Gesichtsschädel- und Kieferbau, durch übergroße Mandeln oder durch Tumore, wobei genetische Faktoren auch eine Rolle spielen.

Etwa 4 bis 7 % aller Männer und 2 bis 4 % aller Frauen sind davon betroffen. OSAS ist jedoch mehr als "nur" ein akustisches Phänomen, denn im Zuge dieser Erkrankung kommt es im Schlaf immer wieder zu Atemaussetzern, meist wenn Betroffene am Rücken schlafen und die Gaumen- und Rachenmuskulatur erschlafft ist und der Zungengrund zurückfällt. Diese Atemaussetzer können über 10 Sekunden bis über eine Minute andauern und bis zu 80 Mal pro Stunde auftreten. Die Atemaussetzer werden durch unbewusste "Mikro-Weckreaktionen" beendet, wodurch die Atemwege wieder geöffnet werden. Dadurch wird allerdings der erholsame Tiefschlaf verhindert und Tagesmüdigkeit begünstigt. Manchmal wachen Betroffene mit Erstickungsgefühl auf.

Der Verdacht auf OSAS wird oft schon vom Bettpartner gestellt, wenn die Atemaussetzer beobachtet werden. Es kommt zu Atempausen zwischen den Schnarchperiode. OSAS kann schwere gesundheitliche Folgen mit sich bringen. Betroffene leiden meist unter Tagesschläfrigkeit, Konzentrationsschwächen, Müdigkeit, Abfall der Leistungsfähigkeit und der sexuellen Potenz. Auch Depressionen treten vermehrt auf. Die Verkehrsunfallrate durch Einschlafen steigt bis auf das 7-fache an. Durch die übermäßige Atemarbeit zur Öffnung der Atemwege werden auch das Herz und die Blutgefäße chronisch überlastet. Es kommt häufig zu Bluthochdruck und Arteriosklerose. Die Herzinfarkt- und Schlaganfallrate steigt auf das 3- bis 5-fache an..Die durchschnittliche Lebenserwartung sinkt dadurch um bis zu 10 Jahre.

Typische anatomische Veränderungen bei OSAS, die vom HNO-Facharzt festgestellt werden können, sind:

  • übergroße Zunge mit hohem Zungenstand
  • übergroßeZungengrundmandeln
  • tiefstehender Gaumen mit geringem Abstand zur Hinterwand
  • Längsfalten der Rachenseiten und -hinterwand
  • übergroße Mandeln
  • U- oder Omega-förmiger Kehldeckel als Zeichen des Seitenwandkollaps des Rachens
  • in Einzelfällen gut-oder bösartige Tumorbildungen in den oberen Atemwegen
  • Entzündungen des Kehlkopfrachens und -einganges und der hintern Stimmbandabschnitte, die Hinweise auf eine Refluxerkrankung durch sauren Magensaft geben.
  • Gesichtsschädel- und Kieferanomalien wie kurzer Ober- oder Unterkiefer, Rückbiss, fliehendes Kinn
  • dicker, kurzer Hals
  • Fetthals bei Übergewicht

Diagnose von Schnarchen

Die Abklärung, weiterführende Diagnose und Therapie bei Schnarchen und Schlafapnoe wird überwiegend durch Hals-, Nasen- und Ohren-Fachärzte und durch Lungen-Fachärzte (Pneumonologen) durchgeführt. Bei primärem Schnarchen ist eher der HNO-Facharzt, bei Verdacht auf OSAS eher der Lungenfacharzt aufzusuchen, wobei oft die Befunde und Therapien beider Fachrichtungen erforderlich sind.

Oft kann die Anamnese (Befragung) - optimal unter Einschluss des Bettpartners - schon wesentliche Hinweise geben, ob ein primäres Schnarchen oder eine Schlafatmungsstörung vorliegt. Auch andere - oft kombinierte - Schlafstörungen wie Restless-Legs-Syndrom (unruhige Beine) oder Ein- oder Durchschlafstörungen sollten ausgeschlossen werden. Dazu kann es erforderlich sein, einen Neurologen oder Psychiater beizuziehen. Zum Beispiel ist nicht erholsamer Schlaf mit Tagesmüdigkeit und Einschlafneigung sowie unterbrochenes Schnarchen ein möglicher Hinweis auf OSAS.

HNO-Untersuchungen

Eine genaue HNO-Untersuchung ist erforderlich, einschließlich...

  • einer Endoskopie der oberen Atemwege zur Erhebung von Befunden
  • einer Abklärung und Behandlung eventueller Störungen der Nasenatmung,
  • einer Computertomographie der Nasennebenhöhlen (bei Verdacht) zum Ausschluss chronischer Nasennebenhöhlenentzündungen

In Einzelfällen kann durch die Untersuchung am wachen Patienten kein ausreichender Grund für das Schnarchen oder die Schlafatmungsstörung gefunden werden.

Wenn es für die weitere Therapie wichtig ist, kann dann eine endoskopische Untersuchung der oberen Atemwege mit einem flexiblen Endoskop durch die Nase im medikamentös induzierten Schlaf - ähnlich einem Dämmerschlaf bei Magen- oder Darmspiegelungen - durchgeführt werden, eine sogenannte "Schlafendoskopie!. Dadurch werden manchmal erst versteckte Ursachen, wie Kollaps der Rachenseitenwände, des Zungengrundes, Kehldeckels oder des Kehlkopfes festgestellt. Diese Untersuchung wird nur bei spezialisierten HNO-Abteilungen oder Fachärzten angeboten.

Untersuchungen beim Lungenfacharzt

Von Seite des Lungenfacharztes werden Lungenerkrankungen wie z.B. COPD ausgeschlossen und eine Lungenfunktionsprüfung vorgenommen.  

Bei Verdacht auf Schlafatmungsstörung wird entweder gleich an ein stationäres Schlaflabor zugewiesen (besonders wenn es hochgradig ist oder noch andere Schlafstörungen vermutet werden) oder es wird eine ambulante Messung mit einem "Schlafapnoe-Screening-Gerät" oder respiratorischer Polygraphie im Schlaf in häuslicher Umgebung gemacht.

Dazu gibt es einfachere Screeninggeräte oder Polygraphiegeräte, die wie im Vollschlaflabor die Atmung mittels Nasensensor und Brust und Bauchgurt, die Sauerstoffsättigung mit Fingersensor, oft auch EKG und Mikrophon zur Aufzeichnung der Schnarchgeräusche und die Schlaflage messen. Optimal ist die Messung an 2 Nächten, da die Ausprägung nicht immer gleich ist und man sich auch an die Messgeräte und -sensoren gewöhnen muss.

Solche Geräte werden in Österreich von vielen Lungen- und auch von HNO-Fachärzten eingesetzt.

Schlaflabor

Oft kann damit schon mit der apperativen Diagnostik eine eindeutige Aussage getroffen werden. Wenn nicht oder bei Notwendigkeit weiterführender Untersuchungen wird eine stationäre Polysomnographie in einem stationären Schlaflabor in einem Krankenhaus erforderlich. Dabei wird dann auch der Schlaf selbst durch EEG-Elektroden am Kopf, seiltlich der Augen und Elekromyographie-Elektroden gemessen, sowie Beinelektroden zur Diagnostik von unwillkürlichen Beinbewegungen verwendet. Die Schlaflage und Bewegungen werden mit einer Infrarotkamera überwacht.

Dadurch können auch begleitende Schlafstörungen jeglicher Art differenziert werden und die Auswirkung des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms auf den Schlaf selbst z.B. durch Arousals (Mikroweckreaktionen) und Störung der normalen Schlafarchitektur (z.B. Verminderung des Tiefschlafes) festgestellt werden.

Therapie von Schnarchen

Für leichte Fälle von einfachem Schnarchen gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, wie

  • Nasenpflaster und Nasendilatatoren zur Erweiterung der Nasenflügel
  • Kinnbinde um das Herunterfallen des Kinns zu verhindern
  • Verhinderungswesten oder Alarmgeber, die vibrieren, wenn man am Rücken liegt

Die Schnarchspange bzw. der Schnarchring besteht aus einem kunststoffüberzogenen Draht, dessen U-förmiger Anteil durch den Mund hinter den weichen Gaumen geschoben wird und so die Schnarchvibrationen verhindert. Es wird auch ein Stent aus Nitinoldraht-geflecht angeboten, der durch die Nase in den Rachen geschoben wird und so die Atemwege offen hält. Bei beiden Methoden besteht das Problem des Würgreizes, weswegen viele Menschen sie nicht vertragen.

Effektiver ist die Therapie mit "Schnarchschienen" oder Mandibular Advancement Devices (MAD), das sind Zahnschienen, die das Unterkiefer vorverlagern und so den Raum hinter dem Zungengrund erweitern. Sie müssen auch jede Nacht eingesetzt werden, sind aber meist gut verträglich, wenn sie von spezialisierten Zahnärzten angepasst werden.

All diese Mittel wirken nur, so lange sie im Einsatz sind, sie müssen also jede Nacht genommen werden.

Verbesserung der Nasenatmung

Die effektivste Therapie des primären Schnarchens liegt in der Verbesserung der Nasenatmung: falls sie gestört ist - je nach Ursache - mit Medikamenten oder operativ - mit der Behandlung des meist ursächlichen weichen Gaumens und des Gaumenzäpfchens.

Bei inhalativen Allergien sollte eine ursächliche Therapie mit Allergenvermeidung, Immuntherapie und/oder medikamentöser Therapie erfolgen. Bei Nasenmuschelvergrößerung kann diese durch Stromapplikation in örtlicher Betäubung geschrumpft werden oder chirurgisch verkleinert werden. Eine Verkrümmung der Nasenscheidewand wird operativ behoben. Chronische Nasennebenhöhlenentzündungen werden medikamentös oder chirurgisch behandelt. Polypen und Adenoide Vegetationen werden operativ entfernt.  

Die alleinige Verbesserung der Nasenatmung bringt in zirka 40% der Fälle schon eine wesentliche Reduktion des Schnarchgeräusches. dass es sozial erträglich wird oder ganz verschwindet.

Operation

Wenn es nicht ausreicht, sind in zirka 80% der Fälle Operationen am weichen Gaumen und Zäpfchen erfolgreich. Diese Operationen können meist sogar in örtlicher Betäubung in der Ordination vorgenommen werden. Ein überlanges Zäpfchen wird gekürzt und überschüssige Schleimhaut am freien Rand des Gaumens entfernt, der weiche Gaumen wird durch interstitielle Radiofrequenztherapie zum Schrumpfen gebracht.

Therapie von Schnarchen bei Kleinkindern

Bei Kleinkindern liegt die Ursache des Schnarchens meist in vergrößerten adenoiden Vegetationen, den Rachendachmandeln (fälschlicherweise oft als "Polypen" bezeichnet), und verstopfter Nase bei häufigem Schnupfen sowie in übergroßen, hypertrophen Gaumenmandeln. Dadurch kann es sogar auch bei Kindern zu obstruktiver Schlafapnoe mit Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Ess- und Gedeihstörungen kommen.

Die Therapie besteht in der Entfernung der Rachendachmandeln ("Polypen nehmen" = Adenotomie) und der Verkleinerung der Gaumenmandeln (Tonsillotomie) an Stelle der früher üblichen kompletten Entfernung (Tonsillektomie). Dadurch wird die Nachblutungsgefahr stark gesenkt und es verbleibt ein immunologisch wertvolles Restorgan.

Therapie des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms

Bei der obstruktiven Schlafapnoe stellt die effektivste Therapie die apparative Therapie mit einer leichten Überdruckbeatmung, der CPAP - Therapie (continuous positive airway pressure) dar: Dazu wird beim Schlafen eine Nasen- oder Nasen-/Mund-Maske getragen, von der ein Schlauch zu einem kleinen Gerät am Nachkästchen geht, das einen leichten Luft-Überdruck erzeugt. Das wirkt wie eine pneumatische Schienung der Atemwege, so dass sie nicht zusammen fallen können.

Die richtige Einstellung wird im stationären Schlaflabor im Schlaf vorgenommen. Bei regelmäßiger Anwendung ist nachgewiesen, dass die Folgeerkrankungen des OSAS wie Bluthochdruck, Angina pectoris, Herzinfarkt- und Schlaganfall-Rate, zurückgehen auf das Niveau von einfachen Schnarchern.

Weitere Therapiemöglichkeiten sind:

  • die Unterkiefer-Protrusionsschienen oder Mandibular Advancement Devices (MAD): sie wirken auch in einem Teil der Patienten mit gering- bis mittelgradigem OSAS, besonders wenn es durch Zurückfallen der Zunge bedingt ist. Die Effektivität muss im Schlaflabor kontrolliert werden.
  • die Schnarchspange: ihre Wirkung bei OSAS ist geringer als bei den vorgenannten Methoden und wie erwähnt wird sie oft nicht vertragen.
  • Operationen: eine Alternative zu den apparativen Therapien stellen Operationen dar, deren Ziel es ist, den Kollaps der Atemwege zu verhindern. Sie wirken nur bei einem Teil der Betroffenen mit bestimmten Voraussetzungen. Der Vorteil ist, dass ihre Wirkung dann doch meist jahrelang, manchmal auch jahrzehntelang anhält.

Operationen bei Schlafapnoe

Die effektivste Operation besteht in der kieferchirurgischen Vorverlagerung von Unter- und Oberkiefer (Bimaxilläres Advancement). Sie ist besonders erfolgreich bei zu kurzem Unterkiefer, z.B. fliehendem Kinn, oder kurzem Oberkiefer. Die Erfolgsraten liegen bei 90 %, die Heilungsraten bei zirka 50% und sind dauerhaft.

Die Operation muss von kieferorthopädischer Therapie zur Einstellung der Zahnstellung begleitet werden.Bei der Weichteilchirurgie, die von spezialisierten HNO-Fachärzten gemacht wird, hängt der Erfolg sehr von der richtigen Selektion der Patienten ab. Geeignet sind nur Patienten ohne krankhaftes Übergewicht (Body Mass Index BMI unter 30 - bis max. 33). Die Erfolge sind bei leicht- bis mittelgradigen OSAS Patienten (AHI unter 30 bis 40) wesentlich besser als bei höhergradigen.

Der älteste und meist verwendete Eingriff ist die Straffung des weichen Gaumens und der Rachenwand, die sogenannte UPPP (Uvulopalatopharyngoplastik), gemeinsam mit Mandelentfernung (Tonsillektomie) falls noch vorhanden. Damit kann eine wesentliche Verbesserung in durchschnittlich 40 %, eine Heilung nur in zirka 10 - 15 % der Operierten erreicht werden. Wenn noch große Mandeln da sind, sind die Ergebnisse besser.

Neuere Methoden zur Gaumen und Rachen-Operation (Expansion Pharyngoplastik) steigern die Erfolgsraten um zirka 50 %.

Da zirka 2/3 der OSAS-Patienten auch Verschlüsse im Bereich des Zungengrunds, Kehldeckel oder der seitlichen Rachenwand haben, ist der Erfolg einer Multilevel-Operation, bei der auch dieser Bereich erweitert wird, wesentlich größer. Dabei werden zusätzlich noch Eingriffe zur Vorverlagerung des Zungenbeins, Fadensuspension des Zungengrundes zum Kinn, mehrfache Radiofrequenztherapie des Zungengrundes oder Zungenverkleinerung angewandt. Die Erfolgsrate steigt damit durchschnittlich auf zirka 55 % und die Heilungsrate auf zirka 30 %. Bei besonders guter Auswahl von geeigneten Patienten konnte in einzelnen Studien die Erfolgsrate bis 80% und die Heilungsrate bis 45 % gesteigert werden.

Eine ganz neue Alternative stellt der "Zungenschrittmacher" dar, das ist ein kleines elektronisches Implantat, ähnlich einem Herzschrittmacher, das im Brustbereich unter die Haut eingepflanzt wird und über eine Elektrode den Zungennerv reizt, der die Zunge vorzieht (Nervus Hypoglossus-Stimulatoren). Es gibt schon 2 Systeme, bei einem wird der Impuls von der Atemmuskulatur ausgelöst, beim anderen, wird die Zunge dauernd stimuliert. In einer großen internationalen Studie konnten bei zirka 2/3 der implantierten Patienten die Obstruktionen erfolgreich behandelt und bei zirka der Hälfte eine Heilung erreicht werden. Derzeit sind die Implantate noch sehr teuer und werden nur in Zentren, wie der Innsbrucker Univ-HNO-Klinik, eingesetzt.

Schlafapnoe bei Kindern - Therapie

Bei Kindern mit OSAS sind es meist die vergrößerten Mandeln im Gaumen und Rachendach. Nach Ihrer Entfernung (Adenotomie) bzw. Verkleinerung der Gaumenmandeln (Tonsillotomie) verbessert sich das OSAS drastisch und kommt es meist zu einem Entwicklungsschub der Kinder.

Die medikamentöse Therapie spielt in der Behandlung des obstruktiven Schlafapnoesyndroms kaum eine Rolle, da sie lediglich die Symptome, nicht aber die Ursachen beseitigt (z.B. Antidepressiva, antriebsfördernde oder stimulierende Medikamente).

Was kann der Betroffene bei Schnarchen zusätzlich tun?

Eine gute Schlafhygiene ist Basis für den Erfolg jeder Behandlung. Günstig ist es, einen regelmäßigen Schlafrhythmus einzuhalten und vor dem Schlafengehen auf Alkohol oder Schlaftabletten zu verzichten. Sie verstärken Schnarchen und Schlafapnoe.

Bei obstruktivem Schlafapnoesyndrom, aber auch anderen Arten des Schnarchens ist Übergewicht als Risikofaktor von großer Bedeutung. Mit konsequenter Gewichtsreduktion kann oft eine wesentliche Verbesserung der Schlafatemstörung erreicht werden.

Fragen an den Arzt

  • Wie kann ich meinen Partner überreden, dass er sein Schnarchen behandeln lässt?
  • Inwiefern helfen Medikamente gegen Schnarchen?
  • Wann sollte operiert werden?
  • Warum ist die Schlafapnoe gefährlich?
  • Wann sollte Schnarchen bei Kindern behandelt werden?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl; Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Robert Pavelka

Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohren-Krankheiten Kopf- und Halschirurgie, ästhetische Chirugie

Ehemaliger Vorstand der HNO-Abteilung des Landesklinikum Wiener Neustadt

Website

Quellen

ICD-10: R06

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