Schilddrüsenunterfunktion

Eine Unterfunktion der Schilddrüse bremst den Stoffwechsel

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Grafik eines Körpers mit Darstellung der Schilddrüse
10 bis 15 % der Österreicher sind von einer Schilddrüsenunterfunktion betroffen. (Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com)

Ohne Schilddrüse läuft im Körper gar nichts – bei einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) sind sämtliche Vorgänge im Körper verlangsamt. Die kleine schmetterlingsförmige Drüse im Bereich des Kehlkopfs steuert mit den Hormonen T3, T4 und TSH den Stoffwechsel aller Organe. Im Gegensatz zur Schilddrüsenüberfunktion produziert die Schilddrüse bei einer Schilddrüsenunterfunktion zu geringe Hormonmengen.

Dadurch laufen alle Prozesse des Stoffwechsels verlangsamt ab. Betroffene nehmen ab, fühlen sich schwach, depressiv, frieren leicht, der Blutdruck ist niedrig. 10 bis 15 % der Österreicher sind von der Hypothyreose betroffen, Frauen häufiger. Eine der häufigsten Ursachen einer Unterfunktion ist Morbus Hashimoto. Eine Unterfunktion der Schilddrüse lässt sich einfach und komplikationslos mit Medikamenten beheben. Eine Schilddrüsenunterfunktion lässt sich via Bluttest erkennen.

Schilddrüsenunterfunktion ist die dritthäufigste Stoffwechselerkrankung

Neben Diabetes mellitus (Diabetes Typ 1, Diabetes Typ 2) ist die Hypothyreose die häufigste endokrine Erkrankung bei Erwachsenen. Jeder Zehnte ist von einer Unterfunktion der Schilddrüse betroffen, Frauen im Verhältnis 4:1 deutlich häufiger als Männer. Bei über 65-Jährigen weisen 10 % im Blutbild einen erhöhten TSH-Wert auf, ein wichtiges Merkmal für eine Unterfunktion.

Welche Ursachen hat eine Schilddrüsenunterfunktion?

Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann mehrere Gründe haben: Sie kann genetisch oder medikamentös bedingt sein. Oft basiert sie auch auf einer Schilddrüsenentzündung, auf anhaltendem Jodmangel, einer Operation bzw. einer Radiojodtherapie. Seltene Ursachen sind Funktionsstörungen der Hypophyse oder des Hypothalamus.

Wird Jodmangel nicht behoben, bildet sich häufig ein Kropf, eine Vergrößerung der Schilddrüse.

Eine der häufigsten Ursachen einer Hypothyreose bei Erwachsenenist eine Autoimmunerkrankung, der Morbus Hashimoto (auch Hashimoto-Thyreoiditis). Dabei richten sich fehlgeleitete Antikörper gegen Schilddrüsengewebe, das sich entzündet. Die Zellen der Schilddrüse werden systematisch zerstört.

Eines von ungefähr 3.500 Babys hat eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion, die durch eine zu kleine oder völlig fehlende Schilddrüse ausgelöst wird. Die Funktionsstörung muss sofort behandelt werden, da es sonst zu schwerer geistiger und körperlicher Unterentwicklung kommt.

Symptome bei einer Schilddrüsenunterfunktion

Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind sehr vielfältig. Folgende Anzeichen werden oft dieser Erkrankung zugeschrieben:

  • fehlender Antrieb, depressive Verstimmungen,
  • fehlende Merkfähigkeit,
  • langsamer Puls,
  • niedriger Blutdruck,
  • Müdigkeit,
  • Verstopfung,
  • verstärktes Frieren,
  • trockene blasse Haut,
  • Gelenk- und Muskelschmerzen,
  • Haarausfall, brüchige Nägel,
  • tiefe, heisere oder auch brüchige Stimme,
  • Wassereinlagerungen im Gewebe

Bei Frauen im gebärfähigen Alter kommt es bei einer unbehandelten Schilddrüsenunterfunktion oft zu Zyklusstörungen, dem Ausbleiben der Periode und Zwischenblutungen. Auch Unfruchtbarkeit ist eine mögliche Folge, da die Hormonbildung in der Eierstöcken erschwert ist.

Bei Schwangeren ist das Risiko für Fehl- und Frühgeburten höher. Bei Männern kann es zu vermindertem sexuellen Interesse und Impotenz kommen.

Da der Stoffwechsel verlangsamt abläuft, steigt das Risiko für Übergewicht und erhöhten Cholesterinspiegel. Eine Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion kann auch die Blutfettwerte wieder normalisieren.

Schilddrüsenunterfunktion - was tun?

 Der Arzt wird zur Diagnose ein Blutbild anordnen:

  • Ist der TSH-Wert (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) erhöht, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine Unterfunktion.
  • Weiters werden die Werte der Hormone Tri-Jod-Thyronin (T3) undThyroxin (T4) bestimmt. Befindet sich das T4 (noch) im Normalbereich, spricht man von einer "latenten" Hypothyreose. Ist der T4-Wert erniedrigt, besteht eine "manifeste" Hypothyreose.
  • Eine deutlich erhöhte Menge an TPO-Antikörpern im Blut ist ein Hinweis auf Morbus Hashimoto.

Eine Sonographie und eine Szintigraphie liefern weitere Aufschlüsse über die Beschaffenheit der Schilddrüse und eventuelle Knoten.

Schilddrüsenunterfunktion - was hilft?

Das fehlende Hormon T4 wird in Form von Tabletten (L-Thyroxin) ersetzt. Es dauert bis zu 4 Monate, bis die Symptome der Unterfunktion wieder verschwinden. Regelmäßige Kontrollen des Hormon-Blutspiegels sind notwendig, um die richtige Dosierung der künstlichen Hormongaben zu überwachen. Morbus Hashimoto wird ebenfalls mit L-Thyroxin therapiert. Eine Jod-Gabe ist hier nicht sinnvoll.

Fragen an den Arzt

  • Wie lange dauert es, bis ich mich nach Beginn der Schilddrüsentherapie wieder wohl fühle?
  • Wie kann ich durch Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten die Chancen für eine Schwangerschaft erhöhen?
  • Was kann ich tun, damit sich ein Kropf verkleinert?
  • Wie lange muss ich L-Thyroxin einnehmen?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Doz.

Dr. Bernhard Angermayr

Gastroenterologie & Hepatologie, Innere Medizin

Ärzte im Zentrum, St. Pölten

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: E05.0, E05.1, E05.2, E05.3, E05.4, E05.5, E05.8, E05.9

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