Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose)

Durch eine Schilddrüsenüberfunktion permanent auf Hochtouren

Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose): Grafik eines Körpers mit Darstellung der Schilddrüse
In Österreich sind etwa 150.000 Menschen von einer Schilddrüsenüberfunktion betroffen. (Sebastian Kaulitzki - Fotolia.com)

Als "immerzu nervös" werden Menschen mit Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) oftmals beschrieben. Durch die Überfunktion befinden sich zu viele Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Tri-Jod-Thyronin (T3) im Blut, die für die Fortpflanzung und das Wachstum wichtig sind.

Dadurch laufen alle Stoffwechselvorgänge im Körper viel schneller ab, die Überfunktion der Schilddrüse zeigt sich daher häufig in Symptomen wie Herzbeschwerden, starker Nervosität und Gewichtsverlust. Ungefähr 150.000 Österreicher sind von einer Hyperthyreose betroffen.

Häufigkeit

In Österreich sind etwa 150.000 Menschen von einer Hyperthyreose betroffen. Frauen sind weitaus häufiger von einer Überfunktion der Schilddrüse betroffen: Sie erkranken viermal häufiger als Männer, vor allem in Phasen hormoneller Umstellung wie Pubertät, Schwangerschaft und Menopause. Rund ein Drittel der Patienten ist über 35 Jahre alt. Bei der Altersgruppe über 60 Jahren ist zirka jeder Zehnte von einer Überfunktion betroffen.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Die Schilddrüse liegt unterhalb des Kehlkopfes. Sie hat lebensnotwendige Funktionen zu erfüllen: Sie produziert die lebenswichtigen Hormone Thyroxin (T4) und Tri-Jod-Thyronin (T3).

Damit die Schilddrüse Hormone herstellen kann, benötigt sie Jod aus der Nahrung (Erwachsene 150 μg täglich). Erhält sie zu wenig Jod, neigt die Drüse dazu, sich zu vergrößern (Struma, umgangssprachlich auch Kropfbildung). Die Struma ist häufig als Vorwölbung im Halsbereich zu sehen. Ein Jodmangel führt dann in weiterer Folge zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Auch wenn es in unseren Breiten kaum mehr zu Jodmangel kommt, so ist die Unterfunktion eine sehr häufige Erkrankung. Ihre Bildung ist meist auf Morbus Basedow bzw. Morbus Hashimoto zurückzuführen.

Erkrankungen der Schilddrüse sind auch in Österreich häufig, schätzungsweise ist jeder 4., sogar jeder 3. Erwachsene davon betroffen. Die Ursachen können tumorartige Erkrankungen, Entzündungen, Autoimmunerkrankungen und Gewebeveränderungen der Schilddrüse sein.

All diese Schilddrüsenkrankheiten können zu Störungen des Hormonstoffwechsels führen. Diese Funktionsstörungen werden - abhängig von der Wirkung der Schilddrüsenhormone auf den Organismus - als Überfunktion oder Unterfunktion bezeichnet.

Bei einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) werden mehr Schilddrüsenhormone ins Blut ausgeschüttet als der Körper benötigt. In der Folge laufen sämtliche Stoffwechselvorgänge beschleunigt ab. Es kann zu Herzbeschwerden, starker Nervosität und Gewichtsverlust kommen.

Für die Überfunktion der Schilddrüse gibt es im Wesentlichen zwei Ursachen:

  • In der Schilddrüse haben sich (meist) gutartige Gewebeveränderungen gebildet (sogenannte "heiße Knoten"), die verstärkt Jod aufnehmen, unkontrolliert Hormone bilden und ausschütten. Der Körper ist nicht in der Lage, die Hormonausschüttung zu regulieren, es entsteht ein Überfluss.
  • Es kann zu einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse (Morbus Basedow) kommen. Bei diesem Prozess entstehen Antikörper gegen Schilddrüsenzellen. Häufig erkranken Frauen zwischen 30 und 40 Jahren an Morbus Basedow.

Selten kann auch eine vorübergehende Entzündung der Schilddrüse zu einer Überfunktion führen.

Folgende Symptome können bei der Hyperthyreose auftreten:

  • Emotionale Schwankungen
  • Schlaflosigkeit
  • Unruhe, Hyperaktivität (Manie)
  • depressive Verstimmung bis zur Depression
  • Angstzustände
  • Spürbares Herzrasen: Besonders Jüngere leiden häufig unter Herzbeschwerden
  • Zittern der Hände
  • Schweißausbrüche
  • Haarverlust, brüchige Nägel
  • Gewichtsverlust, obwohl der Appetit groß ist
  • Aussetzen der Periode
  • Potenzprobleme
  • Augenerkrankungen: Rötungen, Sehen von Doppelbildern. Typisch für Morbus Basedow sind hervortretende Augen

Bei älteren Menschen können die meisten dieser typischen Beschwerden auch fehlen, oder sie sind durch die Einnahme von Medikamenten wie Betablockern deutlich abgeschwächt. Bei einer versteckten Schilddrüsenüberfunktion fühlen sich alte Personen schwach, müde, geistesabwesend und depressiv, sie verlieren stark an Gewicht.

Eine unbehandelte Überfunktion der Schilddrüse führt längerfristig zu Organschädigungen.

Diagnose

Wichtige Diagnoseschritte sind

  • eine Blutabnahme, mit deren Hilfe die Schilddrüsenhormonwerte T3 und T4 und das Hormons TSH (Hormon der Hirnanhangdrüse) bestimmt werden. Bei einer Überfunktion sind T3 und T4 erhöht, der TSH-Wert ist stark erniedrigt.
    Sind bestimmte TSH-Rezeptor-Antikörper im Blut nachweisbar, ist das ein Hinweis auf Morbus Basedow.
  • Weitere Diagnoseschritte sind eine Ultraschalluntersuchung und eine Szintigraphie, um die Größe und Beschaffenheit von Knoten abzuklären.

Entzündliche Veränderungen am Auge (Trockenheit, Fremdkörpergefühl, Hervortreten der Augen) können auf Morbus Basedow hinweisen.

Therapie

Hyperthyreose betrifft etwa 150.000 Österreicher und lässt sich mittels Medikamenten und spezieller Therapien sehr gut in den Griff bekommen.

Die Überfunktion der Schilddrüse kann durch Medikamente, Operation und Radiojodtherapie (Gabe von radioaktivem Jod 13) behandelt werden.

Medikamentöse Behandlung

Die Medikamente, sogenannte Thyreostatika, hemmen die Schilddrüsenfunktion, verlangsamen die Aktivität der Schilddrüse und verringern die Hormonproduktion. Betablocker bessern Symptome wie Herzrasen, Zittern, Schwitzen und Unruhe.

Da eine Dauertherapie mit Thyreostatika aufgrund von Dosis-abhängigen Nebenwirkungen nicht sinnvoll ist, wird - sobald sich der Hormonspiegel normalisiert hat - mittels Operation bzw. Radiojodtherapie eine dauerhafte Lösung angestrebt.

Die Radiojodtherapie

Bei dieser Behandlungsmethode wird eine Kapsel mit radioaktivem Jod geschluckt. "Normales" Schilddrüsengewebe nimmt sehr viel weniger Jod aus dem Blut auf als Gewebsanteile mit Überfunktion. "Heiße Knoten" werden somit vernichtet. Wird ein Morbus Basedow mit Radiojodtherapie behandelt, besteht anschließend eine Schilddrüsenunterfunktion, die aber leicht und ohne Nebenwirkungen behandelt werden kann. An gesunden Körperzellen außerhalb der Schilddrüse und am Erbgut entstehen dabei keine Schäden.
Die Radiojodtherapie wird häufig bei kleinen Kröpfen, bei älteren Erkrankten bzw. bei hohem Operationsrisiko durchgeführt. Für Schwangere ist diese Methode tabu, mit der Radiojodtherapie behandelte Frauen sollten 6 Monate lang nicht schwanger werden.

Die Operation

Als Alternative zur Radiojodtherapie ist auch die operative Entfernung von Teilen der Schilddrüse möglich, danach ist die lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen nötig. Sehr oft wird der Routineeingriff bei sehr großen Kröpfen, jungen Frauen und Menschen mit Angst vor der Radiojodtherapie durchgeführt. Sehr selten kann es passieren, dass bei der Operation Stimmbandnerven verletzt werden, das führt zu Heiserkeit.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion leiden oft unter Stimmungsschwankungen, fühlen sich müde und gereizt. Entspannungsübungen können Stress mildern, Beschwerden wie Zittern, Unruhe, Schwitzen können sich bessern. Wichtig ist es, auf regelmäßige Pausen zu achten, um bewusst Ruhephasen zu schaffen. Jodarme Ernährung kann einer Schilddrüsenüberfunktion ebenfalls entgegenwirken.

Fragen an den Arzt

  • Ist Morbus Basedow heilbar?
  • Wie lange muss ich die Medikamente einnehmen, die die Produktion von Schilddrüsenhormonen drosseln?
  • Für wen ist die Radiojodtherapie geeignet? Was passiert dabei im Körper?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Doz.

Dr. Bernhard Angermayr

Gastroenterologie & Hepatologie, Innere Medizin

Ärzte im Zentrum, St. Pölten

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: E05.0, E05.1, E05.2, E05.3, E05.4, E05.5, E05.8, E05.9

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