Scheidenpilz

Scheidenpilz: Frau in Unterwäsche mit Blume zwischen den Beinen
Weltweit erkranken 3 von 4 Frauen einmal in ihrem Leben an einem Scheidenpilz. (mast3r - Fotolia.com)

Starkes Jucken und Brennen im Genitalbereich, verbunden mit einem auffälligen Ausfluss: Diese Beschwerden kennen etwa 3 Viertel aller Frauen. Verursacht werden sie meist durch einen Scheidenpilz.

In 90 % aller Fälle ist der Candida albicans, ein Hefepilz Schuld an einer Infektion. Dieser Pilz gehört zwar zur "normalen" Schleimhautbesiedlung, wenn das Immunsystem geschwächt ist oder andere Faktoren vorliegen, kann er jedoch eine Scheidenpilzinfektion (Vaginalmykose) hervorrufen. Zu unterscheiden ist die Erkrankung von einer bakteriellen Vaginose (Scheidenentzündung), die von Darmbakterien verursacht wird. Beide Erkrankungen sind jedoch gut behandelbar.

Scheidenpilz vermeiden: 5 Tipps

Vermeidung von Scheidenpilz: Eigenes Handtuch

Ob Filmmotiv, mit Herzchen oder einfach nur einfarbig - Individuell gestaltete Handtücher gibt es mittlerweile für jeden Geschmack. Das sollten Sie auch ausnützen und ein Badetuch für sich alleine haben. Denn: Wer das Handtuch mit jemand anderen teilt, riskiert, dass sich ein Scheidenpilz schnell ausbreitet. (hetwig - Fotolia.com)

Häufigkeit

Weltweit erkranken 3 von 4 Frauen einmal in ihrem Leben an einem Scheidenpilz. Bei etwa 5 % der Betroffenen kehrt der Scheidenpilz mindestens 4-mal pro Jahr zurück. Am häufigsten befällt er Frauen, die eine schwache Abwehrkraft haben (mehr als 30 %), außerdem etwa 20 % aller sexuell aktiven Frauen vor der Menopause.

Wie erkennt man einen Scheidenpilz?

Candida albicans ist ein Hefepilz, der auch in der "gesunden" Schleimhaut angesiedelt ist. Man bemerkt ihn mit freiem Auge kaum, erst wenn er sich übermäßig vermehrt, ist in der Scheidenschleimhaut ein weißlicher Belag zu erkennen. Üblicherweise macht sich eine Infektion innerhalb von ein bis 3Tagen bemerkbar. Das Milieu der Scheidenschleimhaut bietet dem Pilz einen idealen Nährboden, er bevorzugt eine Temperatur von 37 Grad und Feuchtigkeit.

Am besten vermehrt er sich, wenn das Immunsystem aufgrund von hormonellen Umstellungen, wie Schwangerschaft, Wechseljahre oder anderen Unregelmäßigkeiten geschwächt ist oder wenn die Betroffene zuvor Antibiotika oder andere Medikamente eingenommen hat. Dabei kommt es zu einer chemischen Irritation der Scheidenschleimhaut. So etwa verändert sich der normale "saure" pH-Wert von 4 bis 4,5 und wird vorübergehend neutral. Dies kommt dem Pilz bei seiner Vermehrung entgegen. Auch durch Faktoren von außen, etwa durch einen Besuch im Schwimmbad oder in der Sauna kann eine Infektion erfolgen. Eine weitere Pilzart ist der Candida glabrata, der jedoch selten und schwieriger zu behandeln ist.

Bakterielle Vaginose

Häufig wird eine Scheidenpilzinfektion mit einer bakteriellen Infektion verwechselt. Eine bakterielle Vaginose wird durch Darmbakterien verursacht. Das ist möglich, wenn nicht ausreichend Milchsäurebakterien in der Schleimhaut vorhanden sind. Diese schützen die Scheidenschleimhaut vor eindringenden Bakterien, zumeist handelt es sich um Gardnerellen, aber auch Chlamydien können eine bakterielle Vaginose hervorrufen. Die Infektion tritt meist bei Frauen nach hormoneller Umstellung auf, bemerkbar machen sich die Symptome unmittelbar nach der Infektion, z.B. nach dem Geschlechtsverkehr (dabei wird das saure Milieu vorübergehend durch die Samenflüssigkeit beeinflusst).

Symptome eineS SCHEIDENPILZ

Symptome einer bakteriellen Vaginose

Brennen und Jucken der Scheide

Brennen und Jucken der Scheide

Schmerzen beim Harnlassen

Schmerzen beim Harnlassen

Weißlicher Ausfluss, mitunter dicklich-bröckelig

Weißer dünnflüssiger Ausfluss

Die Geschlechtsteile sind rötlich gefärbt

Die Geschlechtsteile sind nicht rötlich gefärbt

Kein Geruch

Fischartiger Geruch

Eine entsprechende Therapie hängt daher davon ab, um welche Art von Erreger es sich handelt. Günstig ist esdeshalb, den Gynäkologen zu befragen. Vor allem bei immer wiederkehrenden Infektionen ist eine ärztliche Diagnose dringend empfohlen.

Diagnose

Der Gynäkologe untersucht zunächst den äußeren Bereich der Scheide, in der Folge wird eine Untersuchung mit dem gynäkologischen Mikroskop (Kolposkop) durchgeführt. Dabei entnimmt er Scheidensekret mit einem Abstrich und trägt es auf einer Platte auf. Dann wird die Probe mit einem Tropfen Kochsalz vermischt und unter dem Mikroskop betrachtet. Je nachdem, wie sich die Erreger verhalten, kann der Arzt daraus schließen, ob es sich tatsächlich um Hefepilze bzw. um welche Art von Hefepilzen es sich handelt.

Ist keine genaue Beurteilung möglich, sollte eine Pilzkultur angelegt werden. Nach etwa 2Tagen ist ein Ergebnis sichtbar und eine auf den Erreger abgestimmte Therapie kann beginnen.

Therapie

Gegen eine "normale" Besiedlung mit Hefepilzen erfolgt keine Therapie. Bei akuter Vaginalmykose gibt es mehrere Optionen: Sie kann entweder lokal (Zäpfchen) oder mit Tabletten bekämpft werden. Wirksame Substanzen sind Azol-Antimykotika. Das sind Medikamente, die die Pilze abtöten bzw. ihre Vermehrung hemmen. In Tablettenform werden die Wirkstoffe Fluconazol, Itraconazol oder Ketoconazol verabreicht. Je nach Intensität der Infektion müssen die Zäpfchen (Tabletten) an einem oder 3 Tagen eingenommen werden.

Entzündung der äußeren Schamlippen

Kommt eine Entzündung im äußeren Bereich der Scheide hinzu, kann eine Creme zur Behandlung verwendet werden. Handelt es sich um den eher seltenen Erreger Candida glabrata, muss eine mindestens 2-wöchige Therapie mit Antimykotika eingeleitet werden. Um eine völlige Heilung zu erzielen, ist es wichtig, die einzelnen, vom Arzt empfohlenen Substanzen, konsequent über den verordneten Zeitraum hin anzuwenden. Andernfalls kann der Pilzbefall neuerlich auftreten.

Eine Mitbehandlung für den Partner ist nur nötig, wenn ebenfalls Symptome eines Pilzbefalls vorliegen.

Was Sie selbst tun können

Ein Pilzbefall ist keine Geschlechtskrankheit und hat auch mit mangelnder Hygiene nichts zu tun. Sie müssen sich also nicht schämen, wenn sie eine derartige Erkrankung erleiden. Vorbeugen kann man, indem man auf übertriebene Hygiene verzichtet. Scheidenspülungen, Waschlotionen und Intimsprays beeinflussen das sensible Scheidenmilieu.

Ideal ist Unterwäsche aus Naturfasern, die täglich gewechselt werden muss. Benutzen Sie Handtücher nicht gemeinsam, dadurch können sich Keime schnell verbreiten. Trotz Scheidenpilz müssen Sie nicht auf Sport verzichten: Im Schwimmbad sollten Sie nach dem Schwimmen den Badeanzug wechseln, die Feuchtigkeit begünstigt das Entstehen von Pilzen. In der Sauna oder im Dampfbad auf einem (eigenen) Handtuch zu sitzen, verhindert eine Infektion. Tampons nach dem Schwimmen sofort wechseln. In punkto Ernährung gilt: Pilze mögen Zucker - verzichten Sie daher weitgehend auf Süßes.

Fragen an den Arzt

  • Wie kann ich erkennen ob ein Scheidenpilz oder eine bakterielle Infektion vorliegt?
  • Wie lange muss ich Tabletten, Zäpfchen anwenden?
  • Welche Darreichungsform (Tabletten, Zäpfchen) wirkt besser und schneller?
  • Wie lange muss ich auf Geschlechtsverkehr verzichten?
  • Kann ein Scheidenpilz unbehandelt zu Komplikationen führen?

Medizinischer Experte

Dr. Thomas Golaszewski

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

Quellen

ICD-10: B37.3

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