Schädel-Hirn-Trauma

Ein Schädel-Hirn-Trauma entsteht durch Gewalt von außen

Schädel-Hirn-Trauma: Jungem Mann wird Kopfverband angelegt
Bei einem Schädel-Hirn-Trauma ist schnelle medizinische Hilfe gefragt. (Photographee.eu - Fotolia.com)
Unter einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) versteht man eine Verletzung des Kopfes, genauer des Schädelknochens, bei der auch das Innere des Schädels beeinträchtigt wird: das Gehirn, die zerebralen Blutgefäße sowie die Hirnhaut.

Ein SHT ereignet sich zumeist aufgrund einer Gewalteinwirkung von außen und wird in Österreich bei etwa 20.000 Personen pro Jahr diagnostiziert. Die Folgen können gefährliche Blutungen oder Ödeme im Gehirn sein. Typische Anzeichen eines Schädel-Hirn-Traumas sind u.a. starke Kopfschmerzen verbunden mit Schwindel, Übelkeit, Bewusstseinsstörungen sowie Austreten von Flüssigkeit aus Ohren und Nase, wobei diese Symptome meist sofort bzw. bis zu 48 Stunden nach der Verletzung auftreten. Je nach Schweregrad des SHT gestaltet sich auch die medizinische Behandlung, die vom chirurgischen Eingriff über Medikamente bis zu Physiotherapie reichen kann.

Häufigkeit

Ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT) kann jeden Menschen in jedem Alter treffen - von einer Sekunde auf die andere. Unfallbedingt erleiden mehr als 20.000 Österreicher jedes Jahr Kopfverletzungen - von der vergleichsweise harmloseren Gehirnerschütterung bis zu hochgradigen Kopfverletzungen lebensbedrohlichen Ausmaßes. Das Ausmaß der Ausfälle nach dem SHT hängt vom Ausmaß der Verletzungen des Gehirns ab.

Bei den unter 40-Jährigen allerdings zählen Läsionen am Kopf zu den häufigsten Todesursachen. Bei insgesamt rückläufigen Zahlen von Verkehrsunfällen erleiden weiterhin mehr als die Hälfte aller Opfer von Verkehrsunfällen ein Schädel-Hirn-Trauma, 2.000 davon ein schweres SHT. Bei solchen gravierenden Traumata verstirbt ein gutes Drittel der Betroffenen, weitere etwa 15 % erwachen nicht mehr aus dem Koma.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Das Schädel-Hirn-Trauma zeichnet sich immer durch eine Schädelverletzung mit Gehirnbeteiligung aus, die durch eine Gewalteinwirkung auf den Kopf - meist durch einen Schlag, Sturz oder Aufprall - ausgelöst wurde. Zu den unmittelbaren Folgen zählen bei schwereren SHT-Formen auch Schädelbruch, Hirnschwellung sowie Blutungen im Gehirn und eine Schädigung des Gehirngewebes.

Fest steht: Menschen, die ein SHT erleiden, trifft es immer plötzlich und unerwartet. Die Ursache, häufig ein Unfall, kann innerhalb von Sekunden aus einem Gesunden einen Schwerkranken machen, dessen Behandlung (insbesondere der Hirnschädigung und deren Folgen) und Wiederherstellung oft Monate oder Jahre benötigt. Eine vollständige Rehabilitation ist nicht immer möglich, sodass manche Betroffene ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten nicht wiedererlangen und ein Leben lang auf Hilfe und Behandlung angewiesen bleiben.

 Grundsätzlich können folgende Symptome (von denen meist mehrere zugleich auftreten) auf ein Schädel-Hirn-Trauma hinweisen:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Nackenschmerz/-steife
  • Blut oder wässrige Flüssigkeit treten aus Nase und Ohr aus
  • Schwindel, Puls- und Blutdruckschwankungen
  • Bluterguss unter den Augen
  • Licht-/Geräuschempfindlichkeit, Geruchs-/Geschmacksstörungen
  • Depressive Verstimmung, Apathie
  • Leistungseinbußen, Reizbarkeit, Schlafstörungen
  • Unterschiedlich große Pupillen
  • Bewusstseinseintrübung
  • gestörte Atemfunktion
  • Herz- und Kreislaufprobleme

Diagnose

Wie geht der Notarzt vor?

Wesentlich ist die Beurteilung der äußerlichen Merkmale:

  • Kontaktierbarkeit: Reagiert der Betroffene auf Ansprache oder Berührung?
  • Augen: Ist der Patient mit Schädelhirntrauma in der Lage, die Augen zu öffnen, wenn man ihn anspricht?
  • Sprache: Kann der Patient auf Fragen verständlich antworten, gibt er nur Laute oder gar nichts von sich?
  • Motorik: Kann der Patient auf Schmerz reagieren? Falls er reagiert: Ist es eine gezielte Reaktion oder besteht nur ungezieltes Beugen oder Strecken? 

Mit diesen Aspekten wird eine Punkteskala definiert, deren Höchstsumme bei 15 Punkten liegt und die zur Einordnung des SHT-Schweregrades (3 Schwergrade) herangezogen wird. Mit ihm kann ein Notarzt die Schwere einer Verletzung relativ schnell beurteilen

Schweregrade

Schädel-Hirn-Trauma 1. Grades

Allgemein bekannt als Gehirnerschütterung ist dies die leichteste Form des SHT und geht mit einer vorübergehenden Beeinträchtigung der Gehirnfunktionen einher, die nach etwa 4 Tagen wieder zurückkehren. Es kann aber eine Bewusstlosigkeit bis zu 15 Min. und eine Erinnerungslücke bis zu 1 Stunde bestehen. In der akuten Computertomographie sind dabei keine Schädigungen des Gehirns zu sehen.

Schädel-Hirn-Trauma 2. Grades

Die Bewusstlosigkeit ist länger als 15 Minuten, es kommt zu neurologischen Störungen wie mangelndem Empfinden an der Körperoberfläche oder Lähmungen. Diese reduzieren sich in der Regel innerhalb von etwa 4 Wochen, während Schwindelgefühle, Konzentrationsprobleme oder Kopfschmerz als vegetative (unbewusst ablaufende) Beeinträchtigungen jahrelang anhalten können. Patienten mit einem SHT 2. Grades werden meist auf der Intensivstation betreut.

Schädel-Hirn-Trauma 3. Grades

In diesem Fall wurde das Gehirn massiv beeinträchtigt, sodass die Bewusstlosigkeit länger als eine Stunde anhält. Die unbewusst wirkenden Störungen des Nervensystems (z.B. Kopfschmerzen) sowie die neurologischen Ausfälle sind gravierend. Bei den betroffenen Patienten kommt es meist bei Hirnblutungen zu einem Hirnödem. Weitere Folgeerscheinungen wie Lähmungen oder neuropsychologische und psychische Veränderungen sind bei dieser Form des SHT oft irreparabel, wobei ihr Umfang davon abhängt, an welcher Stelle das Gehirn verletzt wurde.

Sonderfall: offenes Schädel-Hirn-Trauma

Wenn zusätzlich der Schädelknochen durchbrochen wurde, gilt das als besonders gefährlich, da u.a. das empfindliche Hirn den Schutz der Schädeldecke zeitweise verliert und Verunreinigungen ausgesetzt ist, die zu Infektionen führen können.

Behandlung und Folgeerscheinungen

Für den Arzt ist es zunächst schwierig, die Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas abzuschätzen, entsprechend dem Schweregrad des Traumas können die Auswirkungen der Verletzung sehr unterschiedlich sein.

Bis das Gegenteil bewiesen ist, muss ein Mediziner beim SHT auch von einer Verletzung der Halswirbelsäule ausgehen und daher den Patienten entsprechend stabilisieren. Wichtige Untersuchungen betreffend der Hirnnervenfunktion, der Kraftentfaltung, der Schmerzsensibilität, der Muskelreflexe und der Koordinationsfähigkeit werden durchgeführt - dazu kommen bildgebende Verfahren wie CT (Computertomographie), MRT (Magnetresonanztomographie) und Ultraschall (Sonografie) sowie eine Blutuntersuchung zum Einsatz. 

Die Therapie hängt immer vom Grad des Schädel-Hirn-Traumas und der Lokalisierung der Verletzung ab.

Therapie beim Schädel-Hirn-Trauma 1. Grades

Bei einer Gehirnerschütterung lassen sich typische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Überempfindlichkeiten gegen Licht oder Geräusche sowie Depression relativ gut mit Medikamenten, Physiotherapie und diversen Entspannungsübungen ambulant behandeln. Nur bei wenigen Patienten werden diese Symptome chronisch und bleiben über einen längeren Zeitraum von 4 Wochen bis zu Jahren bestehen.

Therapie beim Schädel-Hirn-Trauma 2. und 3. Grades

Ein mittelschweres oder schweres SHT erfordert eine intensivmedizinische Versorgung: Neben der eventuell notwendigen Unterstützung der Vitalfunktionen kann ein neuro- oder unfallchirurgischer Eingriff erforderlich sein, um den Druck im Schädelinneren zu lindern. Dafür muss der Chirurg die Schädeldecke öffnen, um die Hirnblutungen bzw. Hämatome absaugen zu können. Zur Prüfung des Drucks wird eine Druckmesssonde ins Gehirn eingebracht, mit deren Hilfe auch ein Teil des Hirnwassers abgelassen werden kann. Zusätzlich können Medikamente bei einem Hirnödem dem Gehirn Flüssigkeit entziehen.

 Mögliche SHT-Auswirkungen, die ebenfalls zu behandeln sind:

  • Lern- und Gedächtnisstörungen
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Sprachstörungen
  • Schluckstörungen
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • emotionale Störungen (z.B. Reizbarkeit, Aggression oder Depression)
  • Schläfrigkeit
  • Lähmungen
  • spastische Krämpfe
  • epileptische Anfälle

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Wichtig ist, dass nach der Akuttherapie sobald wie möglich mit den Rehabilitationsmaßnahmen begonnen wird. Denn die motorischen und anderen Leistungen verbessern sich messbar sobald ein Patient nicht mehr bettlägerig ist und mobilisiert wird. Das Gleichgewichtsorgan wird angeregt und kann unter Umständen die Aktivierung der Gliedmaßen beschleunigen.

Befindet sich ein Patient noch im Koma, werden zur Therapie eines SHT technische Hilfsmittel, z.B. Kipptische mit passiver Beinbewegung, eingesetzt. Zudem verwenden manche Ärzte nervenstimulierende Medikamente, um die Nervenbahnen an ihre Aufgaben zu "erinnern".

Sowohl im Koma als auch wenn ein SHT-Patient das Bewusstsein wiedererlangt, kommen in der Regel Physio- und Ergotherapie zur Vermeidung von Gelenkversteifungen sowie Sprach-, Schluck- und neuropsychologische Therapien zum Einsatz. Laut Erhebungen zeigen diese nach 6 Monaten bei 60 % der SHT-Patienten 2. Grades gute Ergebnisse. Therapie hat auch bei schwersten Fällen immer einen Sinn, allerdings kann sich der Erfolg manchmal nur sehr langsam und in geringem Ausmaß zeigen. 

Fragen an den Arzt

  • Ich hatte ein Schädel-Hirn-Trauma. Kann das Langzeitfolgen haben?
  • Welche Vorsichtsmaßnahmen muss ich künftig beachten?
  • Wie kann ich eine Gehirnerschütterung von einem SHT unterscheiden?
  • Wie reagiere ich, wenn bei einem Mitmenschen Verdacht auf ein SHT besteht?
  • Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen sind sinnvoll?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

OA

Dr. Nikolaus Steinhoff

Ärztlicher Leiter IMCU-Neurologie

Präsident der Österreichischen Gesellschaft für SHT, Landeskrankenhaus Hochegg

Quellen

ICD-10: S06.0