Rückenschmerzen

Rückenschmerzen: ein Volksleiden, Gefahr: Chronifizierung

Rückenschmerzen: nackter Frauenrücken
80 bis 85 % der Österreicher haben zumindest einmal im Leben starke Rückenschmerzen. (detailblick - Fotolia.com)
Fast jeder erwachsene Österreicher hat zumindest einmal im Leben Rückenschmerzen. 80 % der Fälle sind unspezifisch, haben also keinen erklärbaren medizinischen Grund und hören oft von selbst wieder auf.

Allerdings besteht die Gefahr der Chronifizierung. Daher sollten auch unspezifische Rückenschmerzen unbedingt behandelt werden. Etwa 15 bis 20 % der Rückenschmerzen sind spezifisch, die Gründe dafür können unter anderem Bandscheibenvorfälle, Tumore oder Entzündungen sein.

Häufigkeit von Rückenschmerzen

Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Leiden der Österreicher, 80 bis 85 % haben zumindest einmal im Leben quälende Rückenschmerzen, viele leiden dauernd daran. Laut einer epidemiologischen Studie des orthopädischen Spitals Speising haben 36 % der Bevölkerung Beschwerden mit dem Bewegungsapparat, besonders betroffen sind dabei die Wirbelsäulenregionen und vor allem höhere Altersgruppen (60 %). Bei Schmerzen des gesamten Bewegungsapparates bestehen keine signifikanten Geschlechtsunterschiede, bei Rückenschmerzen gibt es leichte Unterschiede (20 % Männer, 15 % Frauen).

Ursachen/Symptome/Verlauf von Rückenschmerzen

Die Medizin teilt Rückenschmerzen in spezifische und unspezifische ein. 80 bis 85 % sind unspezifisch (akut oder chronisch), das heißt ohne bildlich darstellbare krankhafte Veränderungen. Es handelt sich also meist um eine eher harmlose Sache, in der Regel nehmen unspezifische Rückenschmerzen einen guten Verlauf. 

Ursachen für unspezifische Rückenschmerzen sind:

  • Bewegungsmangel
  • falsches langes Sitzen
  • häufiges falsches Heben und Tragen
  • einseitige und Fehlbelastung im Beruf, in der Freizeit und beim Sport
  • Übergewicht
  • Muskel- und Haltungsschwächen

Unspezifische Rückenschmerzen können aber auch Symptom von Stress, Job- oder Partnerproblemen oder von anderen psychosozialen Belastungen sein.

Die Schmerzdauer beträgt im Schnitt 2 bis 12 Wochen, bei 70 % der Betroffenen kommt es innerhalb von 6 Wochen zu einer spontanen Besserung. In etwa 20 % der Fälle aber kommt es zu einer Chronifizierung , vor allem, wenn keine adäquate Behandlung erfolgt und/oder der Betroffene psychische Probleme hat. Eine Chronifizierung von Rückenschmerzen kann auf die Dauer auch zu starken Aktivitätseinschränkungen und Mobilitätsproblemen führen.

Spezifische Rückenschmerzen

Spezifische Rückenschmerzen haben immer einen handfesten Grund. Ursachen für spezifische Rückenschmerzen sind:

Diagnose von Rückenschmerzen

Grundsteine der Diagnostik sind eine exakte Anamnese und eine klinische Untersuchung, eventuell Rückenvermessung mit der MediMouse. Im Rahmen der Untersuchung sollte der Arzt auf spezielle Alarmsymptome achten (sogenannte Red Flags) und bestimmte Krankheiten ausschließen, also unter anderem Tumore, Brüche, Entzündungen, Nervenerkrankungen, Bandscheibenvorfälle, Infektionen, Verletzungen, bestimmte degenerative Veränderungen. Erst wenn der Verdacht auf eine dieser Erkrankungen aufkommt, sind bildgebende Verfahren und weitere diagnostische Maßnahmen sinnvoll. Das ist auch dann der Fall, wenn ein Patient mit unspezifischen Rückenschmerzen nicht auf eine Behandlung anspricht. Dann sollten auch psychosoziale Warnfaktoren (sogenannte Yellow Flags) abgeklärt werden (zum Beispiel depressive Stimmung, Disstress, Rückzug vom sozialen Umfeld, unbefriedigende Arbeitssituation).

Therapie von Rückenschmerzen

Die Therapie der unspezifischen chronischen Rückenschmerzen besteht, so nötig, aus der Gabe von Schmerzmitteln und/oder Muskelrelaxantien und/oder Antidepressiva sowie aus - je nach Bedarf - Infiltrationen, lokalen Injektionen, Physio-, Elektro-, Hydro-, Wärme- und Manualtherapie oder TENS-Therapie (transkutane elektrische Nervenstimulation = Schmerzverringerung mittels Reizstrom).  Auch Psychotherapie, Stressbewältigungstrainings und Entspannungsverfahren können angezeigt sein. Massage ist gut, sollte aber nicht im Vordergrund stehen, ebenso Akupunktur. Ruhigstellung führt zum Muskelabbau, ist daher kontraproduktiv, Bettruhe sollte vermieden werden, Bewegung (gegebenenfalls unter dem Schutz von Schmerzmitteln) ist ein wichtiges Therapeutikum. Eine der Hauptaufgaben des Arztes bei akuten unspezifischen Rückenschmerzen ist es, eine Chronifizierung zu verhindern. Bei chronischen Rückenschmerzen kann eine Reha in einer Kuranstalt helfen.

Spezifische Kreuzschmerzen werden entsprechend der Grunderkrankung behandelt.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Bei unspezifischen Rückenschmerzen ist Muskelaufbau sehr wichtig, ein entsprechendes Trainingsprogramm ist also angeraten. Empfohlen ist da unter anderem der Besuch einer Rückenschule oder eines Fitnessstudios mit medizinischem Background. Auch eine Adaptierung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsweise (Arbeitshaltung so oft wie möglich verändern) sowie Lebensstiländerung können hilfreich sein (mehr Bewegung, Rauchverzicht, Gewichtsabnahme).

Fragen an den Arzt

  • Welche Übungen können dabei helfen, Muskeln aufzubauen, um Rückenschmerzen zu lindern und zu vermeiden?
  • Welche Sportarten sind bei Rückenschmerzen besonders geeignet? Welche sollten vermieden werden?
  • Wie wirken sich Wärme und Kälte bei Rückenschmerzen aus?
  • Kann eine Massage meine Rückenschmerzen lindern? An wen kann ich mich wenden?
  • Wann soll ich Schmerzmittel einnehmen? Wann ist es besser, darauf zu verzichten?
  • Soll ich mich schonen, wenn ich Kreuzweh habe?
  • Was soll ich tun, um eine Chronifizierung des Rückenschmerzes zu vermeiden?
  • Wie lange soll ich die von Ihnen empfohlene Therapie machen?
  • Wie kann ich rückenfreundlich am Computer arbeiten?
  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Prim. Univ.-Prof.

Dr. Martin Friedrich

Orthopädie

Primar der Abteilung für orthopädische Schmerztherapie, Ärztlicher Leiter des Center of Excellence for orthopaedic pain management Speising

Gesundheitskompass

Quellen

  • Rückhalt für den Rücken - das Programm gegen Kreuzschmerzen, M. Friedrich, H. Mezei, Verlagshaus der Ärzte, 2. Auflage, Wien 2009
  • Nie wieder Rückenschmerzen, E. Gokhale, Riva Verlag, 1. Auflage, München, 2013
  • M, Friedrich, T. Rustler: Prävalenz von auf eigenen Angaben basierenden muskuloskelettalen Schmerzen der österreichischen Bevölkerung, In: Wiener Klinische Wochenschrift 2006; O/2494: 82-89
  • Interview mit Univ.-Prof. Dr. Martin Friedrich im August 2013 Orthopädisches Spital Speising; Aktion Gesunder Rücken e.V.
  • Leitlinie Kreuzschmerz, AWMF-Register: nvl/007, 2013 (09.12.2013)

ICD-10: M54

Mehr zum Thema