Regelschmerzen

20 % aller Frauen mit wiederkehrenden Regelschmerzen müssen behandelt werden.

Frau hat Regelschmerzen und liegt im Bett.
Die typischen Symptome von schmerzhaften Regelblutungen sind krampfartige Schmerzen im Unterleib während oder bereits vor der Periode. (Halfpoint - Fotolia.com)

Menstruationsschmerzen (Dysmenorrhoe) kennen viele Frauen, von immer wiederkehrenden Schmerzen, die behandelt werden müssen, ist jede 5. betroffen. Am häufigsten tritt dieses gynäkologische Beschwerdebild bei jungen Frauen vor der ersten Schwangerschaft auf.

Die Symptome reichen von kolikartigen Bauchkrämpfen bis zu Schmerzen im Unterleib und können von Übelkeit, Schwindel oder Migräne begleitet sein. Grundsätzlich unterscheidet man 2 Arten von Regelschmerzen: die primäre und die sekundäre Dysmenorrhoe. Die primäre Form betrifft in erster Linie junge Frauen aufgrund hormoneller Faktoren. Als sekundäre Dysmenorrhoe werden die Beschwerden älterer Frauen ab etwa dem 3. Lebensjahrzehnt bezeichnet, die zuvor schmerzlose Regelblutungen hatten. Meist sind organische Ursachen, wie Endometriose, dafür verantwortlich. Das PMS-Syndrom hat mit Regelschmerzen nichts gemeinsam.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Die typischen Symptome von schmerzhaften Regelblutungen sind krampfartige Schmerzen im Unterleib während oder bereits vor der Periode. Sie entstehen, wenn sich die Gebärmutter zusammenzieht, die Intensität des Schmerzes hängt von der Stärke der Kontraktionen ab. Betroffene Frauen haben einen sehr hohen Leidensdruck, denn die Beschwerden können mit Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit, Druck- und Völlegefühl oder Durchfällen einhergehen und viele Frauen fühlen sich in dieser Phase regelrecht krank. Üblicherweise können die Schmerzen bis zu 72 Stunden andauern. Bei jüngeren Frauen treten die heftigsten Schmerzen bereits vor bzw. mit Beginn der Regelblutung auf und ebben nur langsam ab. Weitere Ursachen für Regelschmerzen inkludieren Endometriose - eine gutartige Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter wächst und zu zyklussynchronen Schmerzen und Unfruchtbarkeit führen kann.

Wesentlich für die weiteren Behandlungsoptionen ist die Art von Dysmenorrhoe, grundsätzlich unterscheidet man 2 Arten:

  • Primäre Dysmenorrhoe: diese betrifft meist junge Mädchen und Frauen vor der ersten Schwangerschaft und wird durch Krämpfe der Gebärmutter verursacht.
  • Sekundäre Dysmenorrhoe: wird primär durch Endometriose, aber auch Myome etc. verursacht.

Symptome

 

Ursachen

Schmerzen bei Beginn der Regelblutung oder bereits davor.

 

Kopfschmerzen, Migräne

Übelkeit

Völlegefühl

Krämpfe im Unterbauch

Primäre Dysmenorrhoe (betrifft vor allem junge Frauen)

Hormonelle Faktoren:

erhöhte Prostaglandin-F2alpha-Aktivität

Früher Beginn der Regelblutungen

Genetische Faktoren

Psychische Faktoren: Stress, seelische Belastungen

Schmerzen beginnen im Laufe der Periode

 

Kolikartige Krämpfe

Übelkeit

Rückenschmerzen

Sekundäre Dysmenorrhoe

Frauen ab 30, die zuvor schmerzfreie Regelblutungen hatten

Körperliche Faktoren:

Endometriose

Myome

Mechanische Verhütungsmittel (Spirale)

Entzündungen der Gebärmutter

Verengter Gebärmutterhals nach einer Konisation

Tumore

Psychische Faktoren (Stress, weibliches Rollenverständnis)

Primäre Dysmenorrhoe und Hormone

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Regelschmerzen spielen Prostaglandine (Schmerzbotenstoffe). In der frühen Phase der Eireifung ist die Prostaglandin-F2alpha-Aktivität gering, der Spiegel steigt jedoch vor dem Einsetzen der Regelblutung an. Das hat zur Folge, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht, je nach Hormonspiegel auch oft mit großem Druck, der Schmerzen verursacht. Üblicherweise vollzieht sich der Prostaglandin-Stoffwechsel ohne Schmerzen, bei Betroffenen ist jedoch der Stoffwechsel gestört und kann zu verstärkten Gebärmutterkontraktionen führen. Darüber hinaus kann Prostaglandin auch in die anliegende Blutzirkulation gelangen und dadurch zu Übelkeit oder Kopfschmerzen führen.

Diagnose

Frauen, die Schmerzen im Zuge der Regelblutung haben, sollten in jedem Fall einen Gynäkologen aufsuchen, um die Ursachen zu klären. Im ersten Schritt führt der Arzt ein Gespräch mit der Betroffenen (Anamnese). Themen wie Regelmäßigkeit des Zyklus, Stärke und Dauer der Blutungen, Lebensgewohnheiten (Rauchen, Alkohol, Ernährung), Vorerkrankungen bzw. das soziale Umfeld werden dabei mit einbezogen.

Bei der gynäkologischen Diagnostik tastet der Arzt Gebärmutter, Scheide und Eierstöcke ab (Palpation) und führt eine Rektaluntersuchung durch. Dadurch kann er eventuelle körperliche Erkrankungen (Endometriose, Myome, Tumore, Verengungen etc.) feststellen.

Besteht der Verdacht auf Endometriose, hat der Arzt mehrere Untersuchungsoptionen:

  • Vaginalsonographie: Bei ovarieller Endometriose, also im Bereich der Eierstöcke (bei 20 bis 50 % aller Frauen mit Endometriose), aber auch bei Befall der Harnblase oder des Enddarmes.
  • Laparoskopie: mithilfe der Laparoskopie (Bauchspiegelung) ist eine histologische Beurteilung der Endometriose möglich, die Diagnose wird damit gesichert - aber auch die Therapie - d.h. Entfernung aller Endometrioseherde.

Therapie

Primäre Dysmenorrhoe

Hormonale Verhütungsmittel (Kontrazeptiva): Frauen ohne Kinderwunsch empfiehlt der Arzt in erster Linie hormonale Verhütungsmittel (Pille). Durch die Hormonzufuhr wird die Aktivität von Prostaglandinen und Leukotrienen (Gewebshormonen) reduziert, die die Schmerzen verursachen. Üblicherweise sind kombinierte Östrogen-Gestagen-Präparate am wirkungsvollsten. Auch rein gestagenhaltige Depotpräparate (Hormonspirale oder -pflaster) können gute Effekte haben und werden jenen Frauen empfohlen, die keine Pille einnehmen möchten. Gestagene verringern die Schmerzen sowie die Intensität und Dauer der Blutungen.

Sollten die Schmerzen nach 3 Zyklen bei gleichzeitiger Pilleneinnahme weiterhin bestehen, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um eine organische Erkrankung handelt.

Schmerzmittel

Eine weitere Therapiemöglichkeit bieten NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), also entzündungshemmende Schmerzmittel, die bei etwa 80 % aller Betroffenen die Beschwerden nehmen. Eine Reihe von Substanzen mit unterschiedlichen Wirkstoffen steht jungen Frauen hier zur Auswahl, wie z.B.

  • Ibuprofen (zirka 200-400 mg/Tag; höhere Dosierungen müssen mit dem Arzt abgesprochen werden)
  • Naproxen (zirka 200-400 mg/Tag, nicht länger als 3 Tage)

Der Arzt entscheidet, welche für die Betroffene geeignet ist. Mitunter muss von einer Substanz auf eine andere gewechselt werden, wenn die Wirkung nicht ausreichend ist. Günstig ist es, möglichst früh, also beim Einsetzen der Beschwerden mit der Medikation zu beginnen.

Begleitende Maßnahmen

Entspannungsübungen und ein entsprechendes Stressmanagement sind wirksame Methoden gegen den Schmerz. Warme Bäder, Ruhe und Sport können die Beschwerden signifikant reduzieren. Dies ist vor allem Frauen mit Kinderwunsch zu empfehlen, denn sie sollten keine Schmerzmittel einnehmen, auch Kontrazeptiva kommen bei diesen Betroffenen nicht in Frage.

Homöopathische Mittel, wie z.B. Chamomilla D6 (bei wehenartigen Schmerzen) oder Veratrum Album D6 (bei kolikartigen Schmerzen), können Abhilfe schaffen. Diese Medikamente sollten jedoch nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Er kann beurteilen, wie hoch die tägliche Dosierung sein soll und ab welchem Zeitpunkt die Globuli eingenommen werden müssen, um eine schmerzlindernde Wirkung zu erzielen. Auch eine Kombination von Homöopathie und Akupunktur kann, je nach Schmerztyp, Linderung verschaffen.

Sekundäre Dysmenorrhoe

Bei sekundärer Dysmenorrhoe muss zunächst die Grunderkrankung behandelt werden, auf die die Schmerzen zurückzuführen sind.

Im Falle von Endometriose oder Myomen kommen z.B. medikamentöse (Kontrazeptiva) oder chirurgische Therapie in Frage, je nach Art der Erkrankung, Alter der Frau und Kinderwunsch.

Was Sie selbst tun können

Verhindern kann man Regelschmerzen zwar nicht, doch einige Maßnahmen können die Schmerzen lindern oder zu einer wesentlichen Besserung beitragen.

  • Wärme: Tees, warme Bäder, Wärmeflasche oder Saunabesuche wirken entspannend und lösen Verkrampfungen.
  • Akupressur: eine Handbreit unter dem Knie an der Innenseite des Beines liegt ein Schmerzpunkt, der auf leichten Druck (zirka 5 Minuten, mehrmals am Tag) Erleichterung bringt.
  • Sport: Bewegung ist eine gute Option, um die Schmerzen in Schach zu halten. Leichte Ausdauersportarten (Radfahren, Laufen, ausgedehnte Spaziergänge oder Walken), aber auch entspannende Übungen (Yoga, Tai Chi, Qi Gong, Gymnastik) lockern und entkrampfen die Muskeln.

Weiters wirkt sich abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse auf den Organismus positiv aus. Auf Alkohol und Nikotin sollten Betroffene möglichst verzichten.

Fragen an den Arzt

  • Warum kommt es überhaupt zu Regelschmerzen?
  • Welche Symptome können bei Regelschmerzen begleitend sein?
  • Wie lange dauern Regelschmerzen durchschnittlich an?
  • Ab welchem Punkt sollte ich am besten einen Arzt aufsuchen?
  • Kann ich selbst - außer der Einnahme von Medikamenten - irgendwie dazu beitragen, die Schmerzen zu lindern?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ. Doz.

Dr. Gernot Hudelist

Gynäkologe bei Woman & Health

www.womanandhealth.at

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: N94.3, N94.4, N94.5, N94.6

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