Psychotherapie

Psychotherapie: Therapeut spricht mit Patient
Bei der Psychotherapie steht das Gespräch zwischen Patient und Therapeut im Vordergrund. (Wavebreak Media LTD - Fotolia.com)
Die Psychotherapie ist eine Methode zur Behandlung und Diagnose psychischer und seelischer Erkrankungen, wie z.B. Depressionen oder Neurosen, aber auch psychosomatischer Erkrankungen.

Dabei steht das Gespräch zwischen Patient und Therapeut im Vordergrund, im Gegensatz zur Physiotherapie, bei der Bewegungs- und Handlungstherapie vorrangig sind. Es gibt viele verschiedene psychotherapeutische Methoden, für das Gelingen sind bei allen die Mitarbeit und die Motivation des Patienten wesentlich. Anders als bei psychiatrischen Methoden erfolgt bei einer Psychotherapie keine medikamentöse Behandlung. Verlauf und Dauer einer Psychotherapie sind nicht festgelegt und bei jedem Patienten unterschiedlich.

Wem nützt eine Psychotherapie?

Ob es sich bei psychischen und seelischen Problemen um eine behandlungsbedürftige Störung oder Erkrankung handelt, ist vom Laien oft nicht ganz einfach zu erkennen. Leider bestehen in diesem Bereich auch noch gewisse Tabus - psychische Störungen werden mitunter als "Verrücktheiten" abgestempelt. Aber wenn Sie sich die Frage stellen, ob es hilfreich wäre, einen Psychotherapeuten aufzusuchen, ist das meist ein Zeichen, das dafür spricht.

Seelische und psychische Probleme, bei denen es sinnvoll sein kann einen Psychotherapeuten aufzusuchen sind z.B.:

  • Belastende oder einschränkende Ängste wie Angst vor Kontakt mit anderen Menschen, Autoritäten, engen Räumen, Prüfungsängste, Angst vor Entscheidungen, Flugangst, Angst vor Bindungen
  • Gedanken oder Gefühle, über die Sie mit niemandem sprechen können, wie das Gefühl verfolgt zu werden, Scham-, Schuld- oder Hassgefühle
  • Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Erschöpfung, ständige Überforderung
  • Niedergeschlagenheit, keine Freude am Leben
  • Sie leben in einer Beziehung, die Sie als sehr belastendend empfinden
  • Selbstmordgedanken
  • Der Zwang ständig das Gleiche zu tun wie zwanghaftes Waschen, Zusperren einer Tür
  • Sucht nach Alkohol, Drogen, Essen, Hunger, Spielen, Einkaufen
  • Wiederkehrende körperliche Beschwerden, für die der Arzt keine körperlichen Ursachen finden kann, wie Schlafstörungen, Schmerzen oder Schwindel
  • Belastende Umbruchsituationen, die nur schwer zu bewältigen sind, wie Scheidung, Trennung oder Tod eines Angehörigen
  • Probleme mit der Sexualität

Was passiert bei einer Psychotherapie?

Eine Psychotherapie zielt darauf ab, psychische und psychosomatische Leidenszustände zu heilen oder zu lindern, innere oder zwischenmenschliche Konflikte zu lösen, in Lebenskrisen zu helfen, problematische Verhaltensweisen und Einstellungen zu verändern, aber auch Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit zu fördern. Dafür reicht eine einmalige Behandlung nicht aus - wie oft und wie lange ein Psychotherapeut zu Rate gezogen wird, ist von Patient zu Patient verschieden. Ebenso hängt es von Ihrer Persönlichkeit ab, welches Psychotherapie-Konzept für Sie das richtige wäre.

Es gibt viele psychotherapeutische Methoden und deshalb nicht die eine Psychotherapie. Allen Methoden gemeinsam ist das Gespräch zwischen Psychotherapeut und Patient, und bei manchen stehen verschiedene Übungen zur Verfügung, die diesen Austausch fördern.

Psychotherapie gibt keine Lösung vor

Der Psychotherapeut gibt die Lösung für ein Problem nicht vor, viel mehr unterstützt er den Patienten bei der Suche nach einer Lösung. Ganz zu Beginn einer Psychotherapie steht die Entwicklung eines vertrauensvollen Verhältnisses zwischen Patient und Therapeut, das für das Gelingen der Therapie maßgeblich ist. Sollte sich dieses nach den ersten 3 bis 5 Sitzungen nicht eingestellt haben, dann ist es ratsam, sich nach einem anderen Therapeuten umzusehen.

Psychotherapie kann sowohl als Einzel- als auch als Gruppentherapie durchgeführt werden. Häufig gibt es auch die Möglichkeit der Paar- oder Familientherapie. In Österreich gibt es 22 anerkannte psychotherapeutische Methoden, die sich in folgende 4 Bereiche gliedern:

Humanistisch-existenzielle Methoden: Sie bauen auf dem Wunsch nach Selbstverwirklichung auf. Ein Beispiel ist die Integrative Therapie, z.B. zur Behandlung von Neurosen oder Süchten. Sie ermöglicht es, Gefühlen in Form von Sprache, Musik, Malen oder Bewegung Ausdruck zu verleihen und zu reflektieren.

Systemische Methoden: Setzen bei krankmachenden Kommunikationsformen innerhalb von Systemen z.B. einer Familie (Systemische Familientherapie) an. Gearbeitet wird einerseits am Selbstbild einer Person aber auch an ihrem Beziehungsumfeld.

Tiefenpsychologisch-psychodynamische Methoden: Bauen auf der Annahme auf, dass psychische Erkrankungen auf unbewusste Impulse und Konflikte aus der Kindheit zurückzuführen sind. In der Psychotherapie werden diese bewusst gemacht und aufgearbeitet, z.B. in der Psychoanalyse. Sie dient der Selbsterkenntnis, eignet sich aber auch zur Behandlung von Neurosen oder Phobien.

Verhaltenstherapie: Verhaltenstherapie setzt beim Verhalten und Handeln des Patienten an. Die Idee dahinter: Verhalten ist erlernt und daher kann es mit verschiedenen Techniken auch umgelernt werden.

Bevor eine Psychotherapie begonnen wird, erfolgt ein Erstgespräch mit dem Psychotherapeuten. Ziel ist ein erstes Kennenlernen von Patient und Therapeut. Wenn Ihnen der Therapeut in diesem Gespräch unsympathisch ist, oder das Vertrauen zu ihm fehlt, sollten Sie einen anderen Therapeuten aufsuchen. Im Erstgespräch werden auch die Rahmenbedingungen für die Therapie besprochen. Diese können sein:

  • Was ist das Ziel der Therapie?
  • Wie lange wird sie dauern?
  • Welche Methoden werden angewandt?
  • Gibt es eine Wartezeit auf einen Therapieplatz und wie lange ist sie?
  • Wie sehen die Zahlungsmodalitäten aus?

Die Psychotherapie selbst läuft bei jedem Menschen anders ab. Haben Sie Zweifel an der Sinnhaftigkeit der Psychotherapie, sprechen Sie mit Ihrem Therapeuten. Unsicherheit und Skepsis gegenüber der Therapie sind nicht unnormal. Es kann zu Rückfällen, Zweifel oder Krisen kommen, aber auch Erfolgserlebnisse, die Motivation etwas zu verändern oder Akzeptanz für die eigene Person können sich einstellen. All das sind Zeichen dafür, dass sich etwas verändert.

Psychotherapeuten sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Alle Informationen, die ihnen während der Therapie anvertraut werden müssen geheim gehalten werden.

Wann (und wie lange) kommt eine Psychotherapie zum Einsatz?

Eine Sitzung bei einem Psychotherapeuten dauert normalerweise zwischen 25 und 90 Minuten, bei Einzeltherapien meist 50 Minuten. Die meisten Psychotherapien finden in einem wöchentlichen Rhythmus statt, aber auch das kann individuell festgelegt werden.

Das Ende einer Psychotherapie zeichnet sich ab, wenn das vereinbarte Therapieziel erfüllt wurde oder wenn erkannt wird, dass das Therapieziel nicht erreicht werden kann. Eine Psychotherapie kann Wochen, Monate aber auch Jahre dauern.

Was müssen Sie nach dem Abschluss einer Psychotherapie beachten?

Wenn Sie nach einer Psychotherapie merken, dass Ihre Probleme zurückkehren, kontaktieren Sie umgehend Ihren Therapeuten. Je früher ein psychisches oder seelisches Problem behandelt wird, desto schneller fühlen Sie sich wieder besser.

Wer therapiert?

  • Psychotherapeut

Eine ärztliche Verordnung ist für eine Psychotherapie nicht nötig, aber sinnvoll bei der Rückverrechnung mit der Krankenkasse. Der Psychotherapeut diagnostiziert, legt die Behandlung fest und führt sie durch. Als Psychotherapeut darf sich in Österreich nur bezeichnen, wer eine im Psychotherapeutengesetz geregelte Ausbildung absolviert hat.

Was können Sie zum Gelingen der Psychotherapie beitragen?

Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Psychotherapie ist Ihre Mitarbeit und Motivation, nur dann kann eine Therapie gelingen. Wesentlich ist auch Ihre Bereitschaft an sich selbst zu arbeiten. Ihre Offenheit und Aufnahmebereitschaft als Patient tragen wesentlich zum Gelingen einer Psychotherapie bei. Motivierte Patienten haben eine bessere Prognose.

Hat sich nach den ersten 3 bis 5 Sitzungen zwischen Ihnen und dem Psychotherapeuten keine stabile, positive, als vertrauenswürdig empfundene Beziehung entwickelt, ist ein Gelingen der Therapie sehr unwahrscheinlich. In diesem Fall sollten Sie den Therapeuten wechseln.

Wo liegen die Grenzen der Psychotherapieform?

Bei schweren Störungen wie z.B. Psychosen oder Schizophrenien sind die Chancen auf Heilung im Rahmen einer Psychotherapie nicht so gut.

Bei Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen, extremer Selbstbezogenheit oder Selbstzerstörungstendenz ist die Psychotherapie nahezu unwirksam.

Psychotherapeuten dürfen anders als Psychiater keine Medikamente verschreiben.

Kosten & Krankenkasse

Die Kostenübernahme für eine Psychotherapie ist in jedem Bundesland unterschiedlich, beträgt aber mindestens 21,80 Euro pro Therapieeinheit.

Fragen an den Arzt

  • Ist eine Psychotherapie in meinem Fall ratsam?
  • Wie lange wird die Psychotherapie dauern?
  • Welche psychotherapeutische Methode soll angewandt werden?
  • Wie sieht das Setting aus? Wird in Einzelgesprächen oder in der Gruppe therapiert?
  • Wie hoch werden die Kosten für die Psychotherapie sein? Wie sehen die Zahlungsmodalitäten aus?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin

Dr. Christine Allen

ÖAK Diplome: Akupunktur, Ernährungsmedizin, Orthomolekulare Medizin, Palliativmedizin, Psychotherapeutische Medizin

Gesundheitskompass Website

Quellen

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