Psychopharmaka in der Schwangerschaft

Psychopharmaka in der Schwangerschaft: Schwangere Frau
Bei psychischen Erkrankungen sollte immer ein Facharzt aufgesucht werden - erst recht, wenn ein Schwangerschaftswunsch vorhanden ist oder schon eine Schwangerschaft besteht. (brunobarillari - Fotolia.com)

Schwangerschaft und Psychopharmaka - viele Frauen, die von einer psychischen Erkrankung betroffen sind und Medikamente einnehmen, reagieren beim Durchlesen der Packungsbeilage eines Medikamentes verständlicherweise vorerst verunsichert, wenn sie sich erstmals mit dem Thema Kinderwunsch auseinandersetzen.

Um Krankheitsrückfälle zu vermeiden, darf aber auch in der Schwangerschaft nicht auf eine fachärztlich durchgeführte medikamentöse Therapie von depressiven Erkrankungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Angststörungen verzichtet werden. Wie bei jedem anderen Medikament, ist eine Therapie mit Psychopharmaka nicht ganz ohne Risiko - auch wenn die meisten Psychopharmaka als relativ sicher gelten.

Wer ist betroffen?

Es wird geschätzt, dass bis zu 15 % aller Schwangeren von psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenie betroffen sind. Frauen im gebärfähigen Alter, welche mit Psychopharmaka therapiert werden, sollten sich daher zeitgerecht mit dem Thema Sexualität, Schwangerschaftsverhütung und Kinderwunsch auseinandersetzen und gegebenenfalls fachärztlichen Rat einholen.

Medikamente langsam absetzen

Je nach Art der psychischen Erkrankung, der aktuellen psychischen Verfassung der Frau und dem Schweregrad der Erkrankung entscheidet der Facharzt über die Art und Dauer der Therapie und ob die Dosis des Medikamentes verringert werden bzw. ob auf einen anderen Wirkstoff zurückgegriffen werden kann. Um mögliche Risiken von Fehlbildungen, Entzugssymptomen oder andere Nebenwirkungen beim Neugeborenen zu minimieren, besteht die Möglichkeit, die Medikamentendosis schon vor dem Eintreten einer Schwangerschaft unter fachärztlicher Anleitung langsam zu reduzieren - vorausgesetzt die psychische Verfassung wird vom Arzt als stabil genug eingeschätzt. Die Medikamente dürfen keinesfalls abrupt oder ohne Wissen des Arztes abgesetzt werden, da sonst ein sehr hohes Risiko für einen Krankheitsrückfall besteht.

Welche Psychopharmaka werden eingesetzt?

Bei psychischen Erkrankungen sollte immer ein Facharzt aufgesucht werden - erst recht, wenn ein Schwangerschaftswunsch vorhanden ist oder schon eine Schwangerschaft besteht. Entscheidet der behandelnde Facharzt, dass eine Therapie unbedingt notwendig ist - da zum Beispiel das Risiko eines Rückfalls sehr hoch ist - wird er auf Medikamente zurückgreifen, die als möglichst sicher gelten. Während der Behandlung werden Mutter und Kind genau überwacht und gegebenenfalls die Dosis des Medikamentes angepasst. Um allgemein die Bildung eines Neuralrohrdefekts beim Ungeborenen zu reduzieren, wird die zusätzliche Einnahme von Folsäure - wie bei allen Schwangeren - schon vor Eintreten einer Schwangerschaft empfohlen.

  • Antidepressiva: ungefähr 5 - 10 % der Schwangeren nehmen Antidepressiva unter anderem bei Depressionen ein. Das Mittel der Wahl während der Schwangerschaft bei der Therapie von akuten Depressionen sind die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI - Selective Serotonin Reuptake Inhibitor), welche als relativ unbedenklich gelten. Um die leicht erhöhten Risiken zu verringern, entscheidet der ausschließlich der Facharzt, ob und wann die Dosis der Antidepressiva verringert wird.
  • Neuroleptika / Antipsychotika: Sie werden unter anderem bei Schizophrenie oder Manie eingesetzt. Antipsychotika der sogenannten 1. Generation gelten als relativ unbedenklich in der Anwendung während der Schwangerschaft. Diese medikamentöse Therapie sollte aber dennoch immer einem Facharzt für Psychiatrie durchgeführt werden.
  • Stimmungsstabilisatoren: Sie werden in der Therapie und Vorbeugung von manisch - depressiven Phasen und Psychosen eingesetzt. Eine Therapie mit Medikamenten aus dieser Gruppe ist schwierig und muss daher immer unter einer fachärztlichen Anleitung stehen. Einige Vertreter der Stimmungsstabilisatoren, wie zum Beispiel die Valproinsäure, sollten keinesfalls in der Schwangerschaft eingesetzt werden, da sie Fehlbildungen beim Ungeborenen hervorrufen können. Auf die Einnahme von Lithium sollte - wenn möglich - im ersten Trimenon verzichtet werden, da es das Risiko unter anderem für Fehlbildungen des Herzens erhöht. Danach gilt es - immer unter einer regelmäßigen Kontrolle des Blutspiegels der Schwangeren - als relativ sicher. Lithium sollte vor der Geburt langsam unter fachärztlicher Kontrolle abgesetzt werden, um Lithiumvergiftungen beim Neugeborenen und der Mutter zu verhindern. Alternativ kann in der Behandlung von Psychosen auf Neuroleptika zurückgegriffen werden.
  • Anxiolytika / Hypnotika: Sie werden unter anderem eingesetzt bei Schlafstörungen oder Muskelverspannungen. Einer der Vertreter - das Benzodiazepin - wird bei kurzzeitiger Gabe während der Schwangerschaft als relativ unproblematisch angesehen. Von einer langfristigen Einnahme wird aber wegen der Entwicklung einer Abhängigkeit der Schwangeren und langen Entzugssymptomen abgeraten.

Mögliche Risiken

Auch wenn die meisten Psychopharmaka als relativ sicher gelten, können - wie bei allen Medikamenten - Risiken und Nebenwirkungen auftreten. Problematisch ist der Einsatz von Psychopharmaka in den ersten Wochen der Schwangerschaft - noch bevor viele Frauen überhaupt wissen, dass sie schwanger sind. Welche Risiken und Nebenwirkungen im Speziellen auftreten können, wird der Facharzt für Psychiatrie mit den Betroffenen in einem persönlichen Beratungsgespräch erklären.

Wo finden Schwangere mit psychischen Erkrankungen Hilfe?

Schwangere mit psychischen Erkrankungen sollten immer von einem Facharzt für Psychiatrie behandelt werden. Dieser kann der Betroffenen in allen Lebenslagen Unterstützung bieten, damit sie vor, während und nach der Schwangerschaft die Hilfe bekommt, die sie benötigt. Spezialambulanzen für perinatale Psychiatrie, wie sie zum Beispiel im SMZ Baumgartner Höhe Otto-Wagner-Spital zu finden sind, können Frauen mit psychischen Erkrankungen schon während der Schwangerschaft und bis zu einem Jahr nach der Geburt unterstützen. Um die Risiken während der Geburt so niedrig wie möglich zu halten, sollte diese in einem Schwerpunkt-Krankenhaus mit Geburtshilfe, Psychiatrie und Neonatologie erfolgen.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

OÄ.

Dr. Claudia Reiner-Lawugger

Fachärztin f. Psychiatrie und Psychotherapie

Leiterin d. Spezialambulanz für perinatale Psychiatrie, Otto Wagner-Spital, Wien

Quellen

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