Psoriasis inversa

Wenn die Schuppenflechte die Körperbeugen befällt

Psoriasis inversa: Intimbereich angedeutet gerötet
Von Psoriasis inversa sind vor allem feuchte Körperstellen, wie die Achseln oder der Intimbereich betroffen. (SENTELLO - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Haut
Als Psoriasis inversa bezeichnet man eine spezielle Form der Schuppenflechte, die vor allem in Körperbeugen und Hautfalten auftritt. Sie ist entzündlich, meistens chronisch und nicht ansteckend.

In den Anfangsstadien ist Psoriasis inversa schwer zu diagnostizieren, wird oft mit einem Ekzem oder einer Hefepilzerkrankung verwechselt und verursacht kaum Beschwerden. Im fortgeschrittenen Stadium können quälender Juckreiz und wunde, schmerzende Stellen auftreten. Mildere Formen werden mit medizinischen Pflegecremen und -lotionen behandelt, schwerere erfordern oft zusätzliche Maßnahmen, wie etwa den kurzfristigen Einsatz von Cortisonpräparaten.

Häufigkeit

Im Gegensatz zur gängigen Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris), die etwa 90 % der gesamten Psoriasiserkrankungen ausmacht, gibt es über die Psoriasis inversa kaum gesicherte Daten. Epidemiologen schätzen, dass sie weltweit bei 2 bis 3 % pro einer Million Menschen vorkommt. Sehr häufig tritt die Erkrankung erstmals im mittleren Lebensalter auf, Kinder sind kaum betroffen.

Ursachen

Die Ursachen sind nicht restlos geklärt. Menschen mit Immunschwäche und erblicher Veranlagung haben ein erhöhtes Risiko. Um die Krankheit ausbrechen zu lassen, können verschiedenste Faktoren eine Rolle spielen. Dazu zählen psychische und physische Belastungen, wie der Tod eines Angehörigen, der Verlust des Arbeitsplatzes, aber auch ein an sich harmloser Infekt oder ein kariöser Zahn kann bei einer entsprechenden Veranlagung den Ausbruch von Psoriasis inversa begünstigen. Bestimmte Medikamente, wie beispielsweise viele gängige Präparate gegen Bluthochdruck, können diese Form der Schuppenflechte auslösen. Bei übergewichtigen Patienten, die bereits an Psoriasis vulgaris leiden, tritt die Psoriasis inversa ebenfalls häufiger auf als bei normalgewichtigen.

Symptome

Die Psoriasis inversa zeigt sich in den Körperfalten, also unter den Achseln, an den Ellenbogen, in der Leistengegend, am Nabel, in der Gesäßfalte, im Genitalbereich, bei Frauen auch unter der Brust. Zu sehen sind meist hellrote, scharf abgegrenzte, entzündete und nässende Hautstellen (Plaques). Im Gegensatz zur Psoriasis vulgaris ist die charakteristische Schuppenbildung stark vermindert oder fehlt gänzlich. Mildere Formen mit kleineren Herden machen im Anfangsstadium häufig keine Beschwerden. Bei schwereren Erkrankungen stellt sich oft quälender Juckreiz ein, manchmal sind die betroffenen Stellen wund.

Diagnose

Dass bei der Psoriasis inversa die klassische Schuppenbildung häufig fehlt, erschwert die Diagnose. Treten die ersten Anzeichen wie gerötete Herde und Juckreiz im Anal- oder Genitalbereich auf, gehen viele Betroffene aus Scham nicht zum Arzt. Findet dann doch eine Untersuchung statt, wird die Psoriasis inversa oft mit einem Ekzem oder einem Hefepilzbefall verwechselt. Tatsächlich setzt sich letzterer häufig auf eine Psoriasis inversa, weil das feuchte Milieu, in dem sich die Krankheit ausbreitet, auch dem Wachstum von Hefepilzen einen idealen Nährboden bietet. In diesem Fall müssen dann zwei unterschiedliche Erkrankungen behandelt werden. Für die Diagnose einer Psoriasis inversa ist deshalb ein präzise Anamnese und ein histologischer Befund unerlässlich. Auch die Liste der Medikamente, die der Patient regelmäßig einnimmt, muss vom Facharzt geprüft werden. Stellt sich ein Medikament als Auslöser für die Erkrankung heraus, wird der Arzt ein anderes Präparat verordnen.

Therapie

Je nach Schweregrad der Erkrankung bieten sich verschiedenste therapeutische Möglichkeiten an. Bei milderen Erkrankungsformen mit kleineren Herden wird der Hautarzt zunächst pflegende Cremen und Lotionen verordnen. Von der Verwendung von stark fetthaltigen Salben ist abzuraten, weil diese das feuchte und warme Klima, das durch das Reiben von Haut an Haut entsteht, noch verschlimmern.

  • Sitzbäder: Um den angegriffenen Säuremantel der Haut wiederherzustellen, können zusätzlich zu den Pflegepräparaten Sitzbäder mit synthetischen Gerbsäuren verordnet werden.
  • Cortison: Wenn große Hautflächen betroffen sind und der Leidensdruck hoch ist, können Cortisonpräparate eingesetzt werden. Diese werden nach Abklingen der akuten Phase rasch wieder abgesetzt.
  • Vitamin-D: Wenn keine Reizung der Haut auftritt, sind auch dünn aufgetragene Vitamin-D-Präparate geeignet. In vielen Fällen angezeigt und gut verträglich sind Cremen, die ursprünglich für die Behandlung von Neurodermitis entwickelt wurden und als milde Cortisonersatztherapie angewendet werden. Da damit auch die Nebenwirkungen des Cortisons wegfallen, sind sie auch über einen längeren Zeitraum einsetzbar. Gelegentlich wird bei Betroffenen im Blutbild ein besonders niedriger Vitamin-D3-Wert festgestellt. Durch entsprechende Substituierung kann manchmal eine Verbesserung erzielt werden. Da Vitamin D zu 90 % durch den Einfluss von Sonnenlicht gebildet wird, spielt die Ernährung dafür praktisch keine Rolle.
  • Systemtherapie: Lässt sich die Erkrankung mit einer oder mehrerer dieser Maßnahmen nicht ausreichend lindern, wird der Hautarzt eine Systemtherapie verordnen. Dabei nimmt der Patient über einen längeren Zeitraum z.B. ein sogenanntes Fumarsäureester-Medikament ein. Meist wird niedrig dosiert begonnen und langsam erhöht. Diese Therapie erfolgt unter ständiger ärztlicher Beobachtung und wird von vielen sehr gut vertragen.

Was können Betroffene zusätzlich tun?

Psoriasis inversa-Patienten sind zwar neugierigen Blicken von Mitmenschen weniger ausgesetzt als andere Psoriasis-Kranke, weil die betroffenen Stellen nicht gleich sichtbar sind, das Ausmaß ihres Leidensdrucks wird dennoch oft unterschätzt. Vor allem, wenn sich die Krankheit im Genitalbereich manifestiert, versuchen die Betroffenen das zu verbergen und schweigen aus Scham. Die zwischenmenschlichen Beziehungen im Bereich der Sexualität sind beeinträchtigt.

Brechen Sie das Schweigen, vertrauen Sie sich Ihrem Partner/Ihrer Partnerin an und gehen Sie zum Arzt.

Fragen an den Arzt

  • Wie viel pflegende Creme oder Lotion soll auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden?
  • Wie lange wird es ungefähr dauern, bis ich mit einer Verbesserung der Beschwerden rechnen kann?
  • Besteht eine Ansteckungsgefahr für meinen Partner/meine Partnerin oder meine Familie, z.B. durch eine versehentliche gemeinsame Benützung von Handtüchern?
  • Muss ich zum Duschen ein spezielles Duschgel und zum Händewaschen eine spezielle Seife verwenden?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Ines Bonelli

Fachärztin für Dermatologie

Quellen

ICD-10: L40.8

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