Psoriasis Arthritis

Eine Hauterkrankung mit Gelenkbeteiligung

Arthrose: Person fasst sich ans Knie
Bei der Psoriasis Arthritis tritt Schuppenflechte in Kombination mit Gelenkentzündungen, z.B. im Knie auf. (Africa Studio - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Psoriasis Arthritis

Die Psoriasis Arthritis ist eine entzündliche Rheuma-Erkrankung. Sie macht sich durch eine Schuppenflechte (Psoriasis) bemerkbar, zusätzlich entzünden sich die Gelenke.

Ungefähr 50.000 Menschen sind in Österreich von Psoriasis Arthritis betroffen, die Ursachen dafür sind noch nicht ausreichend erforscht. Auch wenn die Psoriasis Arthritis derzeit noch nicht heilbar ist, kann eine frühzeitige medikamentöse Therapie die beschwerdefreien Intervalle verlängern. Bei der Ernährung sollte auf eine ausgewogene, nährstoffreiche und arachidonsäurearme Kost, also möglichst fleischarm, sowie auf ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D geachtet werden.

Übersicht

Häufigkeit von Psoriasis Arthritis

Die Psoriasis Arthritis macht sich bei 80 % der Betroffenen zwischen dem 25. und 40. Lebensjahr bemerkbar. Dabei sind Männer ungefähr gleich häufig betroffen wie Frauen.

Die Psoriasis-Arthritis tritt bei 5–7% der Patienten mit Psoriasis auf. Von den Patienten mit einer schweren Psoriasis-Verlaufsform haben bis zu 40% auch eine Arthritis.

Ursachen von Psoriasis Arthritis

Das Krankheitsbild der Psoriasis Arthritis setzt sich aus der nicht ansteckenden Schuppenflechte (Psoriasis) und einer Entzündung der Gelenke (Arthritis) zusammen. Sie gehört zu den rheumatischen Erkrankungen, bei der sich die körpereigenen Abwehrmechanismen gegen das eigene Immunsystem wenden. Die Psoriasis Arthritis ist chronisch und verläuft in Schüben. Auch wenn die eigentlichen Ursachen noch ungeklärt sind, spielen genetische Vorbelastung, das Immunsystem, wahrscheinlich Umweltfaktoren, die Einnahme von Medikamenten, hormonelle Umstellungen (Pubertät, Wechseljahre) sowie bakterielle oder virale Infektionen eine Rolle bei der Krankheitsentstehung.

Symptome von Psoriasis Arthritis

Bei den meisten Betroffenen (bis zu 70 %) treten zu Beginn der Psoriasis Arthritis die Symptome der Schuppenflechte auf. Es kommt zu roten, schuppenden, juckenden Hautstellen, typischerweise an Ellenbogen, Kopfhaut, Kniescheiben, Bauchnabel oder an anderen kleinen, versteckten Hautbereichen wie den Gehörgängen.

Auch eine Verdickung der Nägel, eine Abhebung des Nagelbettes, Nagelbrüche oder weiße Punkte auf den Nägeln können auftreten. Im Laufe der Jahre kommen dann schmerzhafte Entzündungen der Gelenke an Hand- und Fußgelenken oder der Wirbelsäule zum Krankheitsbild der Psoriasis hinzu.   

Es gibt  5 Formen der Psoriasis Arthritis:

  • Symmetrische Psoriasis Arthritis: Sie ist mit zirka 50 % der Fälle die häufigste Form der Psoriasis Arthritis. Es kommt zu einer Entzündung der Hand- und Fußgelenke sowie einem schwereren Verlauf der Schuppenflechte.
  • Asymmetrisch oligartikuläre Psoriasis Arthritis: Von dieser Form sind bis zu 35 % der Erkrankten betroffen. Hier kommt es vorwiegend zu einer Entzündung und Schwellung der kleinen Gelenke, also der Finger- und Zehengelenke, seltener sind Knie-, Hüft- und Sprunggelenke betroffen (es sind insgesamt aber nicht mehr als 5 Gelenke betroffen).
  • Distaler Gelenksbefall: Zirka 5 bis 10 % erkranken an dieser Form der Psoriasis Arthritis. Hier kommt es zu einer Schuppenflechte und Gelenksentzündung an den distalen, also vordersten Gelenken der Hände und Füße.
  • Spondylitis: Bei zirka 5 % der Erkrankungen kommt es zu einer Arthritis der Wirbelsäule.
  • Arthritis mutilans: Die seltenste Form der Psoriasis Arthritis ist durch Knochenschwund und Zerstörung der betroffenen Gelenken gekennzeichnet. So kommt es an den betroffenen Finger- und Fußgelenken zu Verformungen und Funktionseinschränkungen.

Verlauf von Psoriasis Arthritis

Die Schuppenflechte tritt meist Jahre vor der Beteiligung der Gelenke auf und macht sich durch schuppige, juckende und gerötete Hautstellen bemerkbar. Erst später kommen Entzündungen der Gelenke hinzu. 

Die Psoriasis Arthritis verläuft in wiederkehrenden Schüben, wobei die beschwerdefreien Zeiten unterschiedlich lange ausfallen können. Eine dauerhafte Heilung ist derzeit nicht möglich, durch eine frühzeitige Behandlung können die beschwerdefreien Phasen aber wesentlich verlängert werden.

Diagnose von Psoriasis Arthritis

Der Hautarzt ist oftmals der erste Ansprechpartner bei einer auftretenden Schuppenflechte, da sie meist Jahre vor der Gelenkbeteiligung auftritt. Kommt es dann zu Entzündungen der Gelenke, sollte ein Rheumatologe aufgesucht werden.

Neben der äußerlichen Begutachtung der Haut wird der Arzt noch eine Blutuntersuchung anordnen. Dabei werden folgende Werte erhoben: die Entzündungsparameter (CRP), Blutsenkung, Immunglobuline und der Rheumafaktor vielleicht auch der HLAB27 Wert. Um andere Erkrankungen mit ähnlichen Erscheinungsbildern, z.B. Hautpilz oder Gicht, auszuschließen, werden auch Abstriche der Haut gemacht und die Harnsäurewerte ermittelt. Nur ein geringer Anteil der Patienten weist erhöhte Entzündungswerte auf und so kommt es häufig vor, dass die Laborbefunde nicht charakteristisch und aussagekräftig genug sind. Weitere Verfahren zur Diagnosesicherung  der Psoriasis Arthritis sind Röntgenuntersuchungen und MRT: Durch diese bildgebenden Verfahren lassen sich entzündliche Veränderungen an Hand-, Fußgelenken und Wirbelsäule darstellen.

Therapie von Psoriasis Arthritis

Die Therapie der Psoriasis Arthritis richtet sich nach den individuellen Beschwerden und deren Ausprägung. Sie soll Schmerzen und Schwellungen lindern und das Fortschreiten der Erkrankung vermindern. Je früher eine Therapie beginnt, desto länger können die beschwerdefreien Intervalle andauern. 

  • Symptomatische Therapie: Um die Symptome der Arthritis zu lindern, werden schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente (Nicht-Steroidale-Anti-Rheumatika) sowie Kortison eingesetzt. Für die Schuppenflechte werden bei leichten Verlaufsformen unter anderem rückfettende Salben mit Wirkstoffen wie Urea (Harnstoff), Salizylsäure und andere Wirkstoffe verwendet, die die Erneuerung der Hautzellen anregen und Entzündungen vermindern.
  • Basistherapie: Um das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen und die beschwerdefreie Zeit zu verlängern, werden bei schweren Verlaufsformen Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken (Immunsupressiva) wie Methotrexat,  Sulfasalazin und Leflunomid und/ oder sogenannte Biologika (v.a. TNF-Modulatoren) eingesetzt.
  • Physikalische Therapie: Hier werden Kälte- oder Stromanwendungen eingesetzt sowie Physiotherapie, Ergotherapie, Krankengymnastik und Sport.

Psoriasis Arthritis: was kann der Betroffene tun?

  • Bewegung, Sport und Gymnastik führen zu mehr Beweglichkeit und zu einer Entlastung der Gelenke
  • Ein Besuch in Selbsthilfegruppen ermöglicht den Austausch mit anderen Betroffenen.
  • Um Entzündungen, Juckreiz und Rötungen der Haut zu mildern, wird empfohlen, häufig Zink-, Selen- und Vitamin D haltige Lebensmittel oder Nahrungsergänzungen sowie Omega-3-Fettsäuren zu konsumieren.
  • Ein Therapie-Tagebuch erleichtert eine Übersicht über die Dauer der Krankheitsintervalle.
  • Die richtige Hautpflege lindert Juckreiz, Entzündungen und Irritationen der Haut.  
  • Heilbäder mit Totem Meersalz, Moor oder Fangokuren sowie Sonnenlicht können die Beschwerden der Psoriasis Arthritis lindern.

Fragen an den Arzt

  • Wie lange können die Beschwerden andauern?
  • Muss ich bei der Einnahme meiner Medikamente irgendetwas beachten?
  • Was kann ich abseits der medikamentösen Therapie machen?
  • Wie lange muss ich die Medikamente einnehmen?
  • Wie oft kann ich einen Kuraufenthalt beantragen?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Priv.-Doz.

Dr. Valerie Nell-Duxneuner

Oberärztin an der I. Medizinischen Abteilung, Rheumatologie und Osteologie im Hanusch Krankenhaus Wien

Quellen

  • Medizinwissen von A-Z, TRIAS Verlag, 1. Auflage, Stuttgart, 2006
  • Rheumatologie aus der Praxis, R. Puchner, Springer Verlag, 2. Auflage, Wien, 2012
  • Praktische Rheumatologie, A. Dunky et al, Springer Verlag, 5. Auflage, Wien, 2012
  • Handbuch Nährstoffe, L. Burgerstein, Haug Verlag, 11. Auflage, Stuttgart, 2007
  • EbM-Guidelines. Evidenzbasierte Medizin für Klinik und Praxis. 6. Auflage 2013. Verlagshaus der Ärzte
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (23.08.2016)

ICD-10: M0.7, L40

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