Potenzmittel

Potenzfördernde Medikamente mit einem Herz in der Mitte
Medikamente können bei der Steigerung der Potenz unterstützen (Schlierner - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Sexualität

Potenzmittel (potenzfördernde Medikamente) bieten Abhilfe für Männer, die aufgrund organischer Ursachen mit Erektionsproblemen zu kämpfen haben. Die Mittel der Wahl sind die sogenannten PDE 5-Hemmer.

Dazu zählen Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil, die aufgrund ihrer sehr guten Wirksamkeit, Verträglichkeit und Anwenderfreundlichkeit fast ausschließlich zum Einsatz kommen. Für Betroffene, die aufgrund von diversen Erkrankungen keine PDE 5-Hemmer einnehmen dürfen oder bei welchen PDE 5-Hemmer nicht wirken, bieten sich Alternativen wie Alprostadil an, das direkt in den Schwellkörper des Penis injiziert oder in der Harnröhre eingeführt werden.

Überblick

Potenzstörung: Organische Ursachen

Zu den organischen Ursachen einer erektilen Dysfunktion/Potenzstörung zählen (Reihenfolge nach der Häufigkeit):

Wie wirken Potenzmittel?

Phosphodiesterase ist für den Abbau jener Botenstoffe verantwortlich, die zu einer Kontraktion der glatten Muskulatur führen. Diese glatte Muskulatur findet sich unter anderem an den Blutgefäßen (vor allem an der Muskulatur der Schwellkörper) des Penis. Die Wirkstoffe Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil tragen u.a. zu einem Anspannen der Muskulatur bei, sie sorgen für eine längere und verstärkte Durchblutung des Penis. Das Ergebnis ist eine stärkere und länger anhaltende Erektion. Weiters regelt PDE-5 später den Rückgang der Erektion.

Wann (und wie lange) kommen Potenzmittel zum Einsatz?

Die Begriffe Potenzmittel und potenzfördernde Medikamente werden in medizinischen Fachkreisen schon seit längerem nicht mehr verwendet. Stattdessen sprechen Ärzte von Medikamenten bei erektiler Dysfunktion oder kurz ED-Medikamente. Diese sogenannten PDE 5-Hemmer werden oral (Tabletten) eingenommen. Die Indikationsstellung und Erstverordnung erfolgen durch den behandelnden Urologen. Die Wirkstoffe unterscheiden sich in Bezug auf Wirkungseintritt, Wirkungsdauer und Nebenwirkungsprofil:

  • Sildenafil: Sildenafil war der erste PDE 5-Hemmer, der auf den Markt kam (1998). Die Tablette sollte 1 bis 2 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, fette Mahlzeiten verzögern das Eintreten der Wirkung. Die Wirkungsdauer beträgt maximal 4 Stunden.
  • Tadalafil: Die Substanz sollte etwa 45-120 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Die Wirkungsdauer ist die längste unter den potenzfördernden Medikamenten - selbige kann über 36 Stunden anhalten. Das bedeutet nicht, dass der Penis über diese Zeit durchgehend erigiert ist, sondern, dass Erektionen bei Erregung in dieser Zeit vom Medikament verstärkt (oder erst möglich) werden.
  • Vardenafil: Der empfohlene Einnahmezeitpunkt liegt bei 25 -60 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr. Fette Mahlzeiten verzögern auch hier den Eintritt der Wirkung. Die Wirkungsdauer beträgt etwa 4 Stunden.
  • Avanafil: Der neueste Vertreter unter den PDE 5-Hemmern ist seit 2014 verfügbar. Bei Avanafilsetzt die Wirkung innerhalb von 30 Minuten ein und hält bis zu 6 Stunden an.

Potenzmittel: Was müssen Sie bei der Therapie beachten?

Bei verschiedenen Erkrankungen dürfen keine PDE 5-Hemmer eingenommen werden. Hierzu gehören…

Außerdem dürfen PDE 5-Hemmer nicht zusätzlich zu nitrat- oder molsidominhaltigen Medikamenten (für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, insbesondere zur Vorbeugung und Therapie der Angina pectoris) eingenommen werden. Selbst bei einem Zeitabstand von 48 Stunden zwischen der Einnahme dieser Medikamente besteht ein beachtliches Restrisiko. Bei der Einnahme von "Prostata-Medikamenten" in Form von Alpha-Rezeptorblockern wie Doxazosin, Alfuzosin, Terazosin sollten Sie mindestens 4 Stunden warten, bevor Sie potenzfördernde Medikamente nutzen.

Zusätzlich gibt es einige Substanzen, welche die Wirkung von PDE 5-Hemmern erhöhen. Hierzu gehören unter anderem Medikamente gegen diverse Pilzerkrankungen (Ketokonazol und Itrakonazol), das Antibiotikum Erytromycin und HIV-Medikamente. Antiepileptika wie Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin verringern hingegen die Wirkung der PDE 5-Hemmer.

Potenzmittel: Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Generell sind die PDE 5-Hemmer gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Hautirritationen (Hautrötungen, sog. Flush), Muskel- oder Rückenschmerzen, Magenverstimmungen oder Schwellung der Nasenschleimhaut.

Potenzmittel: Was können Sie zum Gelingen der Therapie beitragen?

Grundsätzlich gilt: PDE 5-Hemmer können die Erektion nur bei sexueller Erregung unterstützen. Außerdem müssen Sie sich nach der Einnahme etwas gedulden, da die Wirkung verzögert einsetzt - je nach Präparat müssen Sie mit bis zu 2 Stunden "Wartezeit" rechnen. Um diese Zeit zu verkürzen, ist es hilfreich, vor der Einnahme auf fettes Essen zu verzichten.

Potenzmittel: Wo liegen die Grenzen dieser Therapieform?

Für Patienten, die aufgrund von diversen Erkrankungen keine PDE 5-Hemmer einnehmen dürfen, bieten sich Alternativen wie Alprostadil an, das direkt in den Schwellkörper injiziert oder in der Harnröhre eingeführt werden kann. Liegt die Ursache der Potenzstörung an einer Schädigung derjenigen Nerven, welche die Erregung zum Penis leiten, so sind PDE-5-Hemmer wirkungslos (z.B. nach Operationen oder bei Diabetes mellitus mit Neuropathie der parasympathischen Nerven).

Bei Männern mit Testosteronmangel schlagen potenzfördernde Medikament mitunter gar nicht an. Hier kann eine zusätzliche Hormontherapie Abhilfe schaffen. Bei primärer Libidostörung sind PDE-5-Hemmer in der Regel nicht wirksam. Eine psychisch bedingte Potenzstörung kann ursächlich ebenfalls nicht mit PDE-5-Hemmern behandelt werden.

Kosten von Potenzmitteln

Ein Manko der PDE 5-Hemmer ist der hohe Preis: Die Krankenkassen übernehmen keine Therapiekosten, Sie müssen die Therapie selbst bezahlen. Dieser Umstand hat dazu geführt, dass gerade PDE 5-Hemmer häufig aus dubiosen Quellen (meist über das Internet) bezogen werden. Diese Präparate weisen nicht selten hormonelle oder andere Verunreinigungen auf, was negative gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann.

Allerdings ist im Juni 2013 der Patentschutz von Sildenafil abgelaufen, sodass diese Substanz nunmehr als Generikum - und damit deutlich günstiger als das Original - erhältlich ist.

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Florian Wimpissinger FEBU, MBA

Facharzt für Urologie und Androglogie

Urologische Abteilung Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien

Website

Quellen

  • Interview mit Dr. Florian Wimpissinger vom 15.01.2015
  • Urologie, R. Hautmann, Springer Verlag, 4. Auflage, Heidelberg, 2010
  • Basiswissen Urologie, T. Gasser, Springer Verlag, 5. Auflage, Heidelberg, 2011
  • Praxisbuch Sexuelle Störungen, Peer Birken, Michael Berner (Hrsg), Thieme Verlag, Stuttgart 2013

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