Phytotherapie für Frauen

Frau trinkt Tee
Pflanzliche Arzneimittel werden je nach Beschwerdebild als Tees, Öle, Kompressen oder Dampfbäder angewendet. (WavebreakmediaMicro - Fotolia.com)

Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen, Spannungsgefühle in der Brust oder Regelschmerzen: Das sind nur einige jener Beschwerden, mit denen viele Frauen buchstäblich "regel-mäßig" konfrontiert sind.

Hormonpräparate waren lange Zeit die Therapie der ersten Wahl, nun werden diese Präparate jedoch wegen möglicher Nebenwirkungen nur mit Vorsicht verordnet. Eine sanfte Alternative bieten pflanzliche Arzneimittel, die - je nach Beschwerdebild - als Tees, Öle, Kompressen oder Dampfbäder angewendet werden können. Ein großer Vorteil der Phytotherapie: sie ist weitgehend ohne Nebenwirkungen. Um diese auszuschließen, bieten speziell ausgebildete Ärzte mit Diplom für Phytotherapie umfassende Informationen.

Übersicht

Phytotherapie: Wann kommt sie bei Frauen zum Einsatz?

Nach einer eingehenden gynäkologischen Untersuchung kommen - je nach Beschwerdebild - unterschiedliche Pflanzen zum Einsatz, die jeweils ihre spezielle Wirkung entfalten. Die Behandlung mit Kräuter eignet sich vor allem für Frauen mit

Vaginalinfektionen

Keime, übertriebene Intimhygiene, Pille, Antibiotika, Stress oder Nervosität können Vaginalinfektionen verursachen. In diesem Fall helfen lokale Anwendungen mit Kräuterspülungen, ätherischen Ölen oder Kräuterzäpfchen. Als Tamponersatz während der Periode eignen sich Naturschwämmchen, die - in Tampongröße geschnitten - je nach Bedarf ausgewaschen und am Ende der Periode in einer Lösung aus halb Wasser, halb Essig eingelegt werden. Der Vorteil: Die Schwämmchen trocken die Scheide nicht aus. Günstig ist es, die äußere Scheide mit einem in Sesamöl getränkten Schwamm einzuölen, das hält die Haut geschmeidig.

Regelschmerzen

Regelschmerzen entstehen häufig auch aufgrund von Verspannungen im Beckenboden oder der Rückenmuskulatur. Zur Behandlung eignen sich Bohnenkrautöl, das auch selbst hergestellt werden kann oder Johanneskrautöl. Beide Pflanzen wirken entkrampfend, wenn die Kräuter-Öl-Mischung an der schmerzenden Stelle eingerieben wird. Eine zusätzliche Wärmebehandlung (mit einer Wärmeflasche) unterstützt die Muskel lockernde Wirkung.

Pflanzen, wie Bohnenkraut, Schafgarbe, Lavendel und Ysop kann auch als "Unterleibssauna" angewendet werden. Dazu wird der Kräutersud in einen Eimer mit heißem Wasser gegossen, in eine Decke gehüllt setzen Sie sich nun auf diesen Eimer. Die Kombination aus Wärme und Kräuterdampf wirkt entspannend.

Zur innerlichen Anwendung eignen sich krampflindernde Tees aus Kräutern wie Melisse, Tormentill, Schafgarbe, Frauenmantel oder Hopfen. Melisse, Lavendel und Rosenblätter wirken überdies stimmungsaufhellend.

Spannungsgefühl in der Brust

Eines der häufigsten Beschwerdebilder, das Spannungsgefühl in den Brüsten, vor allem vor der Menstruation (prämenstruelles Syndrom) ist unter anderem auf einen erhöhten Prolaktinwert zurückzuführen. Dieses Hormon regt die Brustdrüsen zum Wachstum an. Für das unangenehme Spannungsgefühl bietet die Phytotherapie Möglichkeiten, um die hormonelle Balance herzustellen. Mönchspfeffer oder Vitex agnus castux bewirkt eine Harmonisierung des Östrogen-Progesteron-Gleichgewichtes, greift auch in die Synthese und in das Gleichgewicht des Prolaktins ein und kann damit die Beschwerdesymptomatik sehr gut lindern. Die Inhaltsstoffe der verwendeten Mönchspfeffer-Früchte sind Iridoide, Flavonoide und ätherische Öle. Ihre Extrakte haben durch ihre Dopamin-ähnliche Wirkung sowohl eine positive Auswirkung auf den Prolaktinspiegel.

Eine entsprechende Ernährungsweise sorgt dafür, dass Schadstoffe rascher ausgeschieden werden. Einen Reis- oder Kartoffeltag ist eine Möglichkeit, um den Körper zu entwässern. Auch Tees aus Brennessel- oder Birkenblättern, sowie aus Zinnkraut wirken entwässernd.

Pubertätsakne

Die hormonale Umstellung während der Pubertät kann lästige Akne entstehen lassen. Eine Reinigung von innen und außen ist mithilfe eines Gesichtsdampfbades möglich. Dazu eignen sich Kräuter wie Lindenblüte, Kamille, Ysop, Minze, Salbei oder Schafgarbe. Auf 1 ½ Liter Wasser gibt man 2 Esslöffel der Kräuter, 10 Minuten ziehen lassen und den Dampf auf die Haut einwirken lassen.

Wechselbeschwerden

Bei Hitzewallungen und anderen Wechselbeschwerden helfen kühlende Tees aus Salbei (1 Prise und 1/2 l Wasser 3 Minuten kochen), Pfefferminze und Brennnessel. Scheidentrockenheit können Sie mit Tampons aus Joghurt und Sesamöl bekämpfen. Dazu wird 1 Teelöffel Joghurt mit 1 Teelöffel Sesamöl vermischt, in diese Mischung tauchen Sie einen Tampon, eine Nacht einwirken lassen, 3 Mal pro Woche angewendet, ist dies eine natürliche Behandlungsmöglichkeit.

Zusätzlich eignen sich Tees als Alant- und Eibischwurzel, Frauenmantel oder Schafgarbe, um das allgemeine Wohlgefühl zu stärken.

Wann und wie lange wird die Phytotherapie bei Frauen angewendet?

Je nach Beschwerdebild wird die Behandlung unterschiedlich lange durchgeführt. Bei Regelschmerzen oder prämenstruellem Syndrom erfolgt sie so lange die Symptome vorhanden sind. Bei Wechselbeschwerden kann eine unterstützende Phytotherapie mit Tees die Stimmungslage auf lange Sicht verbessern.

Was müssen Frauen nach der Phytotherapie beachten?

Viele der Beschwerden sind vorübergehend. Sollte sich keine wesentliche Verbesserung abzeichnen, sollten Sie einen Gynäkologen aufsuchen, um eine eventuelle andere (Grund)erkrankung auszuschließen.

Was können Frauen zum Gelingen der Phytotherapie beitragen?

Ergänzend zur pflanzlichen Behandlung sollten Sie auf eine gesunde Lebensweise achten, wie z.B. ausreichend Bewegung in der frischen Luft, gesunde Ernährung und Entspannung.

Wo liegen die Grenzen der Phytotherapie?

Auch pflanzliche Arzneimittel haben möglicherweise Nebenwirkungen. Im Fall von Mönchspfeffer wurden z.B. Kopfschmerz, Juckreiz, Bauchbeschwerden, Übelkeit, Atemnot oder Unruhe beobachtet.. Eine Phytotherapie kann, ein gesunder Lebensstil vorausgesetzt, Erkrankungen lindern und heilen, sowie die Lebensqualität verbessern.

Wer führt eine Phytotherapie durch?

Eine Behandlung wird von Ärzten mit einem ÖÄK Diplom für Phytotherapie durchgeführt. Da Behandlungsmethoden der Phytotherapie werden der Komplementärmedizin zugeordnet. In Österreich sind diese Therapien vielfach wissenschaftlich nicht anerkannt, daher sind die Kosten dieser Behandlungen vom Versicherten selbst zu tragen. In Einzelfällen übernehmen die Kassen auf Antrag die Kosten.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. med. univ.

Dr. Petra Zizenbacher

Allgemeinmedizin

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Quellen

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