Ohnmacht

Ältere Frau kniet neben ohnmächtiger junger Frau, sie holt über das Handy Hilfe
Bei einer Ohnmacht ist stabile Seitenlage wichtig. (Robert Kneschke - Fotolia.com)

Ohnmacht beschreibt eine vorübergehende, meist nur wenige Sekunden weilende Bewusstlosigkeit, die auf eine Mangelversorgung des Gehirns mit Sauerstoff zurückzuführen ist.

Herzrhythmusstörungen, akute psychische Belastungen, aber auch neurologische Erkrankungen wie Epilepsie sind die häufigsten Ursachen für Ohnmachtsanfälle. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr, das Meiden von Auslösern wie z.B. Menschenmassen und Hitze sowie das Tragen von Stützstrümpfen können viel dazu beitragen, eine Ohnmacht zu vermeiden. Rückenlage sowie das Hochlagern der Beine können eine drohende Ohnmacht abwenden.

Was passiert bei einer Ohnmacht?

Umgangssprachlich kennt man die Ohnmacht unter der Bezeichnung "Kreislaufkollaps". Tatsächlich steht der Kreislauf, also die Blutzirkulation in den Gefäßen, mit dem Auftreten einer Ohnmacht in enger Verbindung. So weist das Gehirn komplexe Nervenverbindungen auf, die nur wenige Abweichungen von der gewohnten Stoffwechselsituation akzeptieren. Ein empfindliches, körpereigenes Kontrollsystem nimmt Änderungen in diesem System sofort wahr. Tritt eine Störung auf, werden alle höheren Hirnfunktionen zurückgefahren - so auch das Bewusstsein. Diese Schutzfunktion sichert die Aufrechterhaltung lebenserhaltender Funktionen wie Atmung und Herzschlag.

Anzeichen einer Ohnmacht

Manchmal kündigt sich eine Ohnmacht im Vorfeld an. Mögliche Symptome, die darauf hinweisen sind unter anderem

  • starke Müdigkeit
  • zwanghaftes Gähnen,
  • Schwindelgefühle
  • Druck im Kopf,
  • Schweißausbruch,
  • Kältegefühl,
  • Zittern
  • eine blasse Gesichtsfarbe und
  • Herzklopfen.

Sehstörungen in Form von plötzlichem Flimmern oder Schwarzwerden vor den Augen sind ebenso möglich wie Ohrensausen. In manchen Fällen verspüren die Betroffenen auch Schmerzen in der Brust, im Nacken oder im Rücken. Diese Symptome können auch einen Herzinfarkt ankündigen. Tückischer Weise gibt es nicht immer Warnzeichen. So treten bei Herzrhythmusstörungen in der Regel keine, der Ohnmacht vorausgehenden Beschwerden auf.

Ursachen für eine Ohnmacht

Oft sind die Ursachen für eine Ohnmacht eher harmlos. Manchmal stecken jedoch ernstzunehmende Erkrankungen dahinter. Aus diesem Grund sollten Ohnmachtsanfälle in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Die Auslöser für Ohnmacht lassen sich in 3 Hauptgruppen unterteilen

Reflexvermittelte Ohnmacht

Bei der reflexvermittelten Ohnmacht sackt das Blut plötzlich in die Beine. Ein Nervenreflex führt zu einer Verlangsamung des Herzschlags und zu einem augenblicklichen Blutdruckabfall.

Auslöser: Meist führen äußere Einflüsse zu einer reflexvermittelten Ohnmacht. Beispiele dafür sind der Erhalt von schlechten Nachrichten oder auch umgekehrt von freudigen Ereignissen sowie Angst. Auch unangenehme Gerüche, optische Reize und langes Stehen können diese Form der Ohnmacht auslösen

Orthostatische Ohnmacht

Eine orthostatische Ohnmacht kann auftreten, wenn man aus dem Sitzen oder Liegen ganz schnell aufsteht. Ähnlich wie bei der reflexvermittelten Ohnmacht sackt das Blut schlagartig in die Beine, das Gehirn ist unterversorgt.

Der Unterschied: Die Ohnmacht wird nicht durch einen Nervenreflex, sondern von einem niedrigen Gefäßtonus ausgelöst. Das bedeutet: Es herrscht eine zu niedrige Spannung in den Beingefäßen und ein zu geringes Blutvolumen.

Auslöser: Meistist hoher Flüssigkeitsverlust schuld. Mögliche Ursachen sind Durchfall und Fieber oder die Einnahme bestimmter Medikamente wie Herz- und Blutdruckmittel. Auch Krampfadern begünstigen eine orthostatische Ohnmacht.

Kardiale Ohnmacht

Die kardiale Ohnmacht wird durch eine Störung der Herzfunktion verursacht. Plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen bringen das Herz aus dem Takt. Die Folge: Das Gehirn kann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, es kommt zu Schwindelgefühlen bis hin zur Bewusstlosigkeit.

Auslöser: Dafür können Herzrhythmusstörungen und strukturelle Veränderungen des Herzgewebes verantwortlich sein.

Neben den genannten Ursachen kommen auch noch andere Auslöser für eine Ohnmacht in Frage. Innere Erkrankungen, eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) bei Diabetes, sowie neurologische Erkrankungen - allen voran Epilepsie - können ebenfalls eine Ohnmacht hervorrufen. Auch im letzten Drittel der Schwangerschaft sind Ohnmachtsanfälle keine Seltenheit. Durch den Druck des Kindes auf die untere Hohlvene wird der Blutfluss zum Herzen beeinträchtigt.
Daneben gibt es auch noch Ohnmachtsformen ohne Krankheitswert. Speziell schlanke, hochgewachsene junge Frauen, neigen häufig zu niedrigem Blutdruck (konstitutionelle oder essenzielle arterielle Hypotonie). Zu einem dezidierten Bewusstseinsverlust kommt es im Zuge dessen aber nur sehr selten.

Wie stellt der Arzt die richtige Diagnose?

Um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen ist es wichtig, eine Ursache für die Ohnmachtsanfälle zu finden. Manchmal sind bereits wenige Untersuchungen ausreichend, um eine Diagnose stellen zu können. Dem Arzt steht dafür eine Vielzahl an Untersuchungsmethoden zur Verfügung.

Anamnesegespräch

Basis für eine Diagnose bildet ein ausführliches Gespräch. Wer aufgrund von Ohnmachtsanfällen einen Arzt konsultiert, sollte sich auf folgende Fragen vorbereiten:

  • Was genau ist vor, während und nach der Ohnmacht passiert?
  • Gab es eine Ohnmacht begünstigende Faktoren oder Anzeichen?
  • Wie häufig und in welchen Abständen treten die Ohnmachtsanfälle auf?
  • Welche Erkrankungen haben Sie?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein?
  • Gab es bereits ähnliche Vorfälle in Ihrer Familie?

Herz-Kreislaufuntersuchungen

Vermutet der Arzt eine kardiale Ursache, stehen ihm verschiedene Untersuchungsmethoden des Herz-Kreislauf-Systems zur Verfügung. Ein EKG (Elektrokardiogramm) zeichnet die elektrischen Signale des Herzens auf. Auf diese Weise lassen sich Veränderungen erkennen, die Aufschluss auf Herzrhythmusstörungen geben. Oft reicht ein in Ruhe durchgeführtes EKG aus. Tritt die Bewusstlosigkeit bei Belastung auf, wird der Arzt ergänzend dazu ein Belastungs-EKG durchführen.
Das exakteste Diagnosemittel ist das Langzeit-EKG. Ziel ist es, den Herzrhythmus während alltäglicher Aktivitäten zu beobachten. Das Gerät wird bis zu 7 Tage mitgeführt. Im Anschluss werden die Aufzeichnungen ärztlich ausgewertet.

Neurologische Untersuchungen

Gibt es Hinweise auf eine Erkrankung des Gehirns, ist eine neurologische Untersuchung erforderlich. Bei Verdacht auf eine Epilepsie, ist die Aufzeichnung eines EEG´s (Elektroenzephalogramms) aufschlussreich. Dabei werden über Elektroden die Hirnströme aufgezeichnet. Andere Untersuchungsmethoden sind bildgebende Verfahren wie z.B. eine Computertomographie (CT) oder Laboruntersuchungen.

Was können Betroffene vor einer Ohnmacht selbst tun?

Wenn Sie spüren, dass Ihnen schwarz vor Augen wird, versuchen Sie, Ihren Körper in eine Position zu bringen, in der die Verletzungsgefahr durch etwaige Stürze gering ist. Wenn die Möglichkeit dazu besteht, legen Sie sich auf den Boden und heben Sie die Beine an. Auf diese Weise wird die Durchblutung des Gehirns unterstützt und der Kreislauf stabilisiert. Ein Glas Wasser bringt den Kreislauf ebenfalls wieder in Schwung. Ist ein Niederlegen aus irgendeinem Grund nicht möglich, können Sie eine Ohnmacht durch kräftige Muskelspannung abwenden. Überkreuzen Sie dazu die Beine und haken Sie die Finger beider Hände ineinander. Spannen Sie Bein- und Beckenmuskulatur kräftig an und ziehen Sie die Arme mit großer Kraft auseinander.

Was tun, wenn eine Person ohnmächtig wird?

Wenn Sie bemerken, dass eine Person ohnmächtig wird, sollten Sie diese unverzüglich aus einer Menschenansammlung oder einer Gefahrenzone bringen. Lagern Sie den Betroffenen auf dem Rücken und legen Sie seine Beine hoch. Wenn die Person nicht augenblicklich wieder zu Bewusstsein kommt und nicht auf Ansprache reagiert, muss die Rettung verständigt werden. Kontrollieren Sie weiterhin Atmung und Puls und leisten Sie bis zum Eintreffen des Notarztes der Situation entsprechende Erste-Hilfe-Maßnahmen. Das bedeutet: Bei aufrechter Atmung bringen Sie die Person in eine stabile Seitenlage, atmet der Betroffene nicht, führen Sie eine Herzdruckmassage aus.

Wie können Sie weiteren Ohnmachtsanfällen vorbeugen?

Wichtig: Wenn Sie zu Ohnmachtsanfällen neigen, sollten Sie die Ursache dafür unbedingt ärztlich abklären lassen. Eine sichere Diagnose ist Voraussetzung für eine gezielte Behandlung. Ergänzend dazu sind folgende Maßnahmen ratsam:

  • Meiden Sie große Menschenansammlungen oder Aufenthalte in engen, stickigen Räumen. Sollte ein Umgehen dieser Situationen nicht möglich sein, sorgen Sie für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
  • Wasser ist ein wichtiges Stichwort. Achten Sie generell auf Ihr Trinkverhalten. Die Zufuhr von genügend Wasser wirkt Kreislauf stabilisierend.
  • Stehen Sie langsam auf, wenn Sie zu Lagerungsschwindel neigen.
  • Um die Gefäßfunktionen zu unterstützen, empfiehlt sich das Tragen von Stützstrümpfen.

Außerdem: Regelmäßig angewandt trainiert wechselwarmes Duschen (eine halbe Minute warm, wenige Sekunden kalt) die Gefäße und wirkt somit Ohnmachtsanfällen entgegen.

Fragen an den Arzt

  • Meine Mutter neigt zu Ohnmachtsanfällen, ist das vererblich?
  • Hilft bei Ohnmacht Riechsalz?
  • Welche Medikamente können einer Ohnmacht vorbeugen?
  • Gibt es eine spezielle Atemtechnik bei Ohnmacht?
  • Hilft Akupunktur um die Häufigkeit einer Ohnmacht zu reduzieren?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. M. Reza Talebzadeh

Kardiologe

Ambulatorium für Herz-Kreislauf Diagnostik und Therapie, Salzburg

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: R55

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