Oberschenkelhalsbruch

Eine häufige Folge von Gebrechlichkeit im Alter

Oberschenkelhalsbruch: Mann mit Rollator
Oberschenkelhalsbrüche betreffen zumeist ältere Menschen, deren Knochen bereits empfindlicher sind. (Photographee.eu - Fotolia.com)
Ein Oberschenkelhalsbruch (Schenkelhalsfraktur) bedeutet einen Bruch des Oberschenkel-Knochens in der Nähe des Hüftgelenks. Besonders gefährdet sind ältere, gebrechliche Menschen (mit Osteoporose) nach Stürzen, wobei das Sturzrisiko und damit auch das Risiko für Schenkelhalsbrüche mit zunehmendem Alter steigen.

Nach einem Oberschenkelhalsbruch ist immer eine operative, unfallchirurgische Behandlung nötig. Eine anschließende Rehabilitation trainiert die Gehfähigkeit. Maßnahmen wie körperliche Aktivität, ausgewogene Ernährung und ein aktives Sozialleben wirken dem Sturz-und Verletzungsrisiko entgegen, ebenso eine rechtzeitige Behandlung der Osteoporose.

Häufigkeit

Rund 14.000 Österreicher erleiden jährlich einen Schenkelhalsbruch, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter deutlich ansteigt. Frauen sind wegen des höheren Vorkommens einer Osteoporose häufiger betroffen als Männer. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO stürzt unter zu Hause lebenden Personen über 65 jeder 3. einmal pro Jahr. Jeder 10. erleidet bei dem Sturz eine schwere Verletzung, die häufigste dabei ist wiederum die Schenkelhalsfraktur. Ältere Osteoporose-Patienten sind bei Stürzen zur Seite oder auf den Rücken besonders gefährdet, einen Schenkelhalsbruch zu erleiden. Bei jüngeren Personen tritt ein Schenkelhalsbruch selten auf, etwa in Folge schwerer Unfälle mit hoher Gewalt-Einwirkung.

Ursachen

Die unmittelbare Ursache für den hüftgelenksnahen Bruch des Oberschenkelknochens ist ein Sturz mit Aufprall im Hüftbereich. Da genügt schon ein Ausrutscher auf dem glatten Fußboden, ein Stolpern oder plötzlicher Schwindel beim Aufstehen. Dazu führen jedoch wiederum andere Erkrankungen, wie etwa des Herz-Kreislauf-Systems, Schwindel oder eingeschränkte Sehfähigkeit. Zudem gehört eine bestehende Osteoporose zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen Schenkelhalsbruch.

Diagnose

Charakteristisch für eine Schenkelhalsfraktur ist der Schmerz in der Leistengegend, zudem kann der Betroffene das Bein im Liegen nicht anheben, es ist nach außen verdreht. Die endgültige Diagnose erfolgt im Röntgen an der Unfallabteilung.

Therapie

Ein Oberschenkelhalsbruch muss unbedingt unfallchirurgisch behandelt werden. Bei etwa der Hälfte der Oberschenkelhalsfrakturen wird auch die Kapsel des Hüftgelenks und damit auch Blutgefäße beschädigt. Ziel der Therapie ist die rasche Versorgung der Bruchstelle sowie die möglichst baldige Wiederherstellung der Mobilität, da gerade alte Menschen schnell Muskelmasse abbauen.

Durch die Fixierung der Bruchstelle mittels Schrauben oder Platten können Gelenk und Kopf des Oberschenkelknochens erhalten werden. Auch kommen spezielle Techniken der Osteosynthese wie die dynamische Hüftschraube (DHS) zum Einsatz. Der Operateur wählt das operative Vorgehen je nach Bruchform. Ist der Bruch stark verschoben, sodass mit einer schlechten Blutversorgung des Knochens zu rechnen ist, oder ist das Hüftgelenk durch Arthrose stark vorgeschädigt, so kann bei der Operation auch ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden.

Nach der Operation sollten Patienten möglichst bald mobilisiert werden: Dadurch wird der Heilungsprozess begünstigt und das Risiko für Folgeschäden bzw. Behinderungen vermindert. Inwieweit und wie früh das Bein wieder voll belastet werden kann, hängt unter anderem von der Frakturstellung, der Knochenqualität und vorbestehenden Gelenksveränderungen ab. Durch rechtzeitige Bewegungstherapie wird auch das Risiko für weitere Stürze verringert! Speziell betagte, gebrechliche Personen mit mehreren Erkrankungen profitieren von einem "Geriatrischen Assessement": Dabei handelt es sich um einen speziellen medizinischen Check für ältere Menschen, bei dem die Therapien optimiert und ein detaillierter Rehabilitationsplan erstellt werden. Immerhin führt bei 20-25 % der Betroffenen ein Schenkelhalsbruch zu bleibender Pflegebedürftigkeit - dies gilt es zu vermeiden!

Was Betroffene, Angehörige & Ärzte tun können

Folgende Maßnahmen tragen dazu bei, das Risiko für einen Sturz und damit für eine Schenkelhalsfraktur so gering als möglich zu halten:

  • Regelmäßige körperliche Aktivität mit einem an Alter und Leistungszustand angepassten Kraft- und Ausdauertraining. Bei Bettlägerigkeit Physiotherapie als Prophylaxe gegen den Muskelschwund.
  • Ausgewogene Ernährung, zumindest 3 Mahlzeiten täglich mit einer Portion Eiweiß. Ärztliche Abklärung bei unbeabsichtigtem Gewichtsverlust.
  • Pflege sozialer Kontakte: ein gutes Sozialleben begünstigt geistige und körperliche Fitness.
  • Behandlung chronischer Erkrankungen, vor allem des Herz-Kreislauf-Systems.
  • Untersuchung der Knochengesundheit und gegebenenfalls Behandlung einer bestehenden Osteoporose.
  • Überprüfen der medikamentösen Einstellung, u.a. können manche Medikamente Schwindel auslösen und damit die Sturzgefahr erhöhen.
  • Sturz-sichere Gestaltung des Wohnraumes mit guter Beleuchtung, Entfernen von "Fallen" wie Teppichen oder Türschwellen.
  • Eventuell das Tragen von Hüft-Protektoren: das sind spezielle Hosen mit eingenähten Pölstern im Hüftbereich.

Wichtig ist es auch, die Sehfähigkeit zu überprüfen und die Brille anzupassen.

Fragen an den Arzt

  • Wie wird/wurde die Bruchstelle genau versorgt?
  • Welche physiotherapeutischen bzw. rehabilitativen Maßnahmen sind nach der Operation vorgesehen?
  • Habe ich Anspruch auf einen Rehabilitations-Aufenthalt?
  • Wie rasch kann und darf ich das Bein wieder voll belasten?
  • Was kann ich dazu beitragen, um ein (neuerliches) Sturzrisiko zu verhindern?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

OA Priv.-Doz.

Dr. Markus Figl

Facharzt für Unfallchirurgie, Handchirurgie

Website

Quellen

  • Becher, K: Klinischer Verlauf von Patienten mit Hüftfraktur. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Medizin, Ruhr Universität Bochum, 2005
  • Interview mit Prim. Dr. Katharina Pils, Institut für Physikalische Medizin und Rehabilitation inklusive Tagesklinik/Sozialmedizinisches Zentrum Sophienspital, Chefärztin des Österreichischen Roten Kreuzes, 21.05.2014
  • Interview mit Dr. Thomas Pokorny, Facharzt für Unfallchirurgie, Landesklinikum Thermenregion Neunkirchen, 22.5.2014
  • Klestil, T. & Trulp, S-B: Schenkelhalsfraktur. Behandlungsalgorithmus der traumatischen SHF. In: Iatros Unfallchirurgie & Sporttraumatologie 2/2010, S. 12-14.
  • Information über Osteoporose (22.10.2014)

ICD-10: S72.-

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