Neurodermitis

Neurodermitis: Zum aus der Haut fahren

Neurodermitis: Hinterkopf mit Schuppenflechte am Haaransatz
Etwa jedes 6. Kind im Vorschulalter und 3 % der Erwachsenen sind an Neurodermitis erkrankt. (Farina3000 - Fotolia.com)
Neurodermitis ist eine schubförmig auftretende Hauterkrankung und zeigt sich durch starken Juckreiz und Ausschläge in Ellbogen- und Kniebeugen. Vor allem Kinder sind betroffen: etwa 50.000 bis 60.000 Vorschulkinder in Österreich.

Neurodermitis wird sehr oft durch eine Allergie und durch chemische oder mechanische Reize, Stress und Infektionen verstärkt. Eine spezielle Neurodermitis-Ernährung ist nur dann sinnvoll, wenn eine Nahrungsmittelallergie besteht (z.B. auf Milch oder Soja). Gegen Neurodermitis helfen Salben, die die Entzündung hemmen, den Juckreiz stillen und die trockene Haut wieder geschmeidiger machen. Schuppenflechte (Psoriasis) sieht zwar ähnlich aus, ist aber eine andere Krankheit und bei Kleinkindern sehr selten.

Wie häufig tritt Neurodermitis auf?

Etwa jedes sechste Kind im Vorschulalter und 3 % der Erwachsenen leiden an Neurodermitis, wobei die Zahlen je nach Studie stark schwanken. Oft vergeht die Neurodermitis von selbst, wenn das Kind ins Schulalter kommt. Kinder von Neurodermitikern und Allergikern haben öfter Neurodermitis als andere Kinder.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Die Ursache der Neurodermitis ist eine Störung in der Barrierefunktion der Haut, bedingt durch einerseits erbliche Faktoren, andererseits gibt es Auslöser und "Verstärker":

  • Inhalationsallergien, z.B. gegen Hausstaubmilben, Pollen, Katzenhaare.
  • Mechanische Reize, z.B. durch kratzige Wolle oder Synthetik.
  • Chemische Reize, z.B. zu scharfe Seife, Schwitzen, Tabakrauch.
  • Feuchtigkeit, vor allem, wenn der Patient ihr dauernd ausgesetzt ist (z.B. Koch, Wäschereiarbeiter).
  • Nahrungsmittel mit allergenem Potential, bei Kindern v.a. Milch, Ei, Soja, Nüsse, Weizen, Fisch, bei Erwachsenen oft Kreuzallergene wie Nüsse, rohes Obst, bestimmte Gewürze und Gemüse.
  • Infektionen, z.B. mit Bakterien, Pilzen oder Viren: z.B. Infekte wie Mandelentzündung.
  • Wetterbedingungen, z.B. extreme Kälte, Trockenheit (durch tiefe Temperaturen, Heizung oder beides), schwüles Wetter.
  • Stress, Konflikte und generell Aufregungen.

Die häufigsten Beschwerden bei Neurodermitis sind

  • Juckreiz
  • Ekzeme (Ausschläge) der Haut
  • Trockene Haut
  • Infektionen durch das Aufkratzen des Ausschlags

Das wichtigste Symptom (und gleichzeitig das lästigste) ist der oft quälende Juckreiz, der am ganzen Körper auftreten kann und zum hemmungslosen Kratzen auffordert. Er lässt die Patienten manchmal nicht schlafen und führt so zur Erschöpfung. Das ist nicht nur für das Kind sehr belastend, sondern für die ganze Familie. Der kleine Trost: Es gibt wirksame Behandlungsmethoden (siehe unten) und sehr oft vergeht die Neurodermitis nach einigen Jahren.

Neurodermitis nicht nur im Gesicht

Bei Kleinkindern äußert sich die Neurodermitis in roten Stellen im Gesicht: an den Wangen, am Kopf und bei stärkeren Schüben am Rumpf und an den Gliedmaßen. Bei allen Altersstufen entsteht besonders in den Ellenbogen- und Kniebeugen, an den Innenseiten der Arme und an Händen und Füßen ein roter knötchenartiger Ausschlag, wobei sich dieser durch das Kratzen auch leicht entzünden kann. Manchmal sind es auch Bläschen, die - vor allem, wenn sie aufgekratzt werden - auch eitrig sein können. Generell entzündet sich die trockene Haut sehr leicht und oft siedeln sich dann Bakterien, Pilze oder Viren an.

Auch die Augenlider können sich entzünden, was ebenfalls sehr unangenehm ist. Manchmal sind die Mund-, Nasen- und Ohrenwinkel betroffen, was sich in kleinen Rissen (Rhagaden) zeigt.

Diese Ausschläge und anderen Symptome treten einmal heftiger, einmal weniger heftig auf, können auch ganz verschwinden und dann wiederkommen. Ohne Behandlung werden sie meist immer häufiger und stärker, sie können aber auch ganz verschwinden. Sehr oft entwickelt jemand, der in früher Kindheit eine Neurodermitis hatte, später einen allergischen Heuschnupfen und/oder Asthma.

Diagnose

Die Diagnose stellt der Hautarzt oder der Kinderarzt durch Befragung (Anamnese) und Begutachtung der Haut.

Eine Blutuntersuchung auf bestimmte Antikörper (IgE) kann zeigen, ob eine Allergie hinter der Neurodermitis steckt. In diesem Fall helfen Prick-Test und Intrakutantest, den genauen Auslöser herauszufinden.

Therapie

Die häufigste Therapie sind Salben mit Kortikosteroiden und Calcineurin-Hemmern (Tacrolimus, Pimecrolimus), die entzündungshemmend wirken. Dazu kommen Salben, Cremes, Emulsionen und andere Zubereitungen, die den Juckreiz stillen und der trockenen Haut das notwendige "Fett" bzw. die Feuchtigkeit zuführen. Hier findet sich eine Unzahl an Präparaten und manchmal muss erst ausprobiert werden, welches für den jeweiligen Patienten das beste ist.

Gegen zusätzliche Entzündungen durch Bakterien, Viren oder Pilze werden ergänzende Salben verwendet.

Auch Antihistaminika in Tablettenform können den Juckreiz lindern.

Eine Behandlung mit UV-Strahlen (Phototherapie) hilft vielen, wird aber nicht von jedem vertragen. Vor allem für Kinder unter 12 ist die Phototherapie nur selten geeignet.

Die spezifische Immuntherapie (SIT) hilft gegen Neurodermitis allein wenig, allerdings haben viele Neurodermitiker auch Asthma oder einen Heuschnupfen. Ob eine SIT sinnvoll ist, kommt auf das Allergen und den Einzelfall an.

In sehr schweren Fällen können auch Tabletten oder Spritzen verschrieben werden, die das Immunsystem beeinflussen (z.B. Cyclosporin, Interferon), die allerdings auch Nebenwirkungen haben können.

Was kann der Betroffene tun?

Wenn ein Auslöser gefunden werden kann, diesen möglichst meiden. Also bei Nahrungsmittelallergie das jeweilige Nahrungsmittel nicht essen, bei Hausstaubmilbenallergie Maßnahmen gegen die Milben und bei Pollenallergie gegen die Pollen ergreifen. Aber bitte damit warten, bis sicher ist, dass tatsächlich die Allergie vorhanden ist, vor allem bei Nahrungsmitteln.

Die Haut richtig pflegen. Das bedeutet vor allem pH-neutrale (d.h. dem Säurewert der Haut angepasste) Seifen und rückfettende Cremes oder Lotionen, am besten Produkte, die speziell für Neurodermitis-Patienten entwickelt wurden. Nach dem Duschen oder Baden mit dem Handtuch tupfen, nicht reiben (z.B. ins Handtuch einwickeln und kurz stillhalten). Eher kühl, kurz und selten duschen und baden.

Kinder am Kratzen hindern! Vor allem in der Nacht kratzen sich Kinder oft unbewusst und Kleinkinder verstehen einfach nicht, dass sie sich nicht kratzen sollen. Da helfen Fäustlinge, die gut am Handgelenk befestigt sein müssen. Kurzgeschnittene Fingernägel helfen auch, das Kratzen zu verhindern.

Viel an die frische Luft gehen und regelmäßig lüften. Im Winter eventuell mit einem Schutz vor Austrocknung für die freiliegenden Hautstellen (Hände, Gesicht).

Fragen an den Arzt

  • Kann ich/Kann mein Kind auf Kur fahren?
  • Welche Kosmetika/Hautpflegemittel/Seifen usw. kann ich verwenden?
  • Was kann ich gegen die Allergie unternehmen?
  • Wie kann ich vermeiden, dass mein Kind sich kratzt?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

OA Univ.-Doz.

Dr. Paul Sator

Dermatologie

1. Oberarzt der Hautabteilung, KH Hietzing, Wien

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: L20, L20.0, L20.8, L20.9

Mehr zum Thema