Neuraltherapie

Neuraltherapie: Arzt spritzt Patient Betäubungsmittel gegen Schmerzen
In die schmerzende Körperstelle wird bei der Neuraltherapie ein lokales Betäubungsmittel gespritzt. (kreativwerden - Fotolia.com)
Bei der Neuraltherapie werden mit Hilfe eines lokalen Betäubungsmittels (Lokalanästhetikums) die Reizleitungen des vegetativen Nervensystems beeinflusst. Dadurch sollen Schmerzen gemildert, die Entstehung von Entzündungen und Schwellungen vermindert werden.

Das vegetative Nervensystem ist an allen lebenswichtigen Organtätigkeiten mitbeteiligt und unterstützt körpereigene Regulationsmechanismen - diese Einflussnahme nützt auch die Neuraltherapie, eine komplementärmedizinische Methode, die Ärzte mit einem speziellen Ärztekammerdiplom ausüben.

Wann nützt eine Neuraltherapie?

Zur Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen. Einerseits kann bei akuten Beschwerden (ohne Gewebeschaden) mit Hilfe der Neuraltherapie eine Wiederherstellung des normalen Regelkreislaufes erzielt werden. Liegt schon ein Gewebeschaden vor, kann zwar keine Heilung, jedoch eine Verbesserung der Funktion durch Neuraltherapie hergestellt werden.

Bei folgenden Erkrankungen wird die Neuraltherapie eingesetzt:

  • Schmerzzuständen
  • Kopfschmerzen
  • Zervikalsyndrom
  • Rückenschmerzen
  • Behandlung von Narben
  • Behandlung von funktionellen Beschwerden (körperliche Beeinträchtigungen ohne körperliche Ursachen)

Was passiert bei einer Neuraltherapie und wie wirkt sie?

NT ist ein ganzheitliches (holistisches) Diagnose -und Therapieverfahren und eine Form von Regulationstherapie. NT ist eine Injektionstherapie mit Lokalanästhetika.

Es existieren verschiedene neuraltherapeutische Techniken:

  • Segmenttherapie: Quaddeltherapie, Infiltration von Triggerpunkten, Insertionen, Periost, Radi-ces/Spinalganglien, Gelenken, Strukturen der Wirbelsäule
  • Störfeldtherapie: Injektion in/an eine störfeldverdächtige Region: Wird ein Störfeld eindeutig identifiziert. Z.B. eine chronische Mandelentzündung oder ein beherdeter Zahn, kann dieses Störfeld meist chirurgisch saniert werden.
  • Systemische NT: Intravenöse Injektion, Infusion, paravasale Injektion
    Injektion an vegetative Ganglien

Bei einer ausführlichen Untersuchung durch den Arzt sollen sogenannte Störfelder erkannt werden. Als Störfelder werden Bereiche im Körper bezeichnet, die chronisch überreizt sind, das heißt geringfügige entzündliche Prozesse zeigen. Durch solche Störfelder werden laut der Neuraltherapie die Nervenleitungen, die Reize zum Gehirn senden (Afferenzen), und damit das gesamte Regulationssystem aus dem Gleichgewicht gebracht. Unter Regulation versteht man in diesem Zusammenhang alle Prozesse im Körper, die über eine Reizweiterleitung in den Nerven ausgelöst werden, wie z.B. Hormonausgleich und andere Stoffwechselvorgänge, Gleichgewicht oder auch Regulation des vegetativen Nervensystems (vor allem des Sympathikus).

Das bedeutet, dass aufgrund der Irritation der Nervenbahn durch ein Störfeld auch an anderen Körperregionen Beschwerden auftreten können. So beschreibt Huneke, der Begründer der Neuraltherapie, dass bei seiner Schwester die Behandlung einer Narbe am Unterschenkel zu Schmerzfreiheit im Schultergelenk führte.

Findet der Arzt nun ein solches Störfeld (z.B. eine Narbe, eine Schwellung oder ein entzündetes Gelenk) wird er Ihnen entweder über das dazugehörige Hautareal, über Ihre Vene oder direkt an Ihrem Nerv ein Betäubungsmittel spritzen. Ob er das richtige Störfeld entdeckt hat, bemerken Sie und Ihr Arzt beispielsweise am sogenannten "Sekundenphänomen". Wenn dieses eintritt, spüren Sie eine sofortige Verbesserung Ihrer Beschwerden. Es gibt zahlreiche andere Phänomene, die durch die Behandlung ausgelöst werden können. Sie dienen ebenfalls der Beurteilung der Situation und der weiteren Therapieplanung. Meist sind für anhaltende Resultate mehrere Behandlungen nötig.
Der Wirkmechanismus ist einfach. Durch das Betäubungsmittel unterbricht der Arzt die chronische Überreizung der Nervenbahn, die durch das Störfeld entstanden ist. Dadurch soll das Nervensystem zurück zu seinem Normalzustand gebracht werden und der dagewesene Reiz gelöscht werden. Man geht hier davon aus, dass jedes Körpergewebe ein "Gedächtnis" hat, aus welchem man den störenden Reiz einfach entfernen kann. Ziel ist das Herstellen einer optimalen Funktion der Regulationsmechanismen des Körpers und in Folge die Heilung von Beschwerden.

Was müssen Sie nach der Neuraltherapie beachten?

Nach der Therapie kann es zu Kreislaufbeschwerden oder auch Schwindelgefühlen kommen. Bis die Wirkung des Betäubungsmittels nachlässt, wird man Sie bitten, in der Ordination zu verweilen und sich auszuruhen.

Auch Autofahren sollten Sie je nach Art des verwendeten Mittels im Anschluss an die Behandlung nicht, denn die Konzentration und/oder Reaktionsfähigkeit können beeinträchtigt sein. Befragen Sie dazu schon bei der Terminvergabe Ihren Arzt, um im gegebenen Fall planen zu können.

Bei akuten Beschwerden wird der Arzt Ihnen 2 Tage nach der ersten Behandlung einen erneuten Termin geben, bei chronischen Beschwerden wird der nachfolgende Termin etwa nach einer Woche stattfinden.

Wer führt eine Neuraltherapie durch?

In Österreich darf Neuraltherapie nur von Ärzten mit entsprechender Zusatzausbildung (Österreichischen Ärztekammerdiplom für Neuraltherapie) durchgeführt werden.
Was können Sie zum Gelingen einer Neuraltherapie beitragen?
Bei der Anamnese ist es wichtig, dass Sie dem Arzt vertrauen und alle Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Zudem sollten Sie jeden vereinbarten Termin des Arztes wahrnehmen. Der Arzt dokumentiert alles sorgfältig, für eine erfolgreiche Therapie ist Ihre Rückmeldung von großer Wichtigkeit.

Wo liegen die Grenzen dieser Therapie?

Neuraltherapie kann keine Verletzungen oder Schäden im Körper heilen. Auch bei Infektionskrankheiten und genetisch vorhandenen Störungen ist diese Therapie wirkungslos.

Wann dürfen Sie eine Neuraltherapie nicht durchführen?

Da bei der Therapie durch die Kanüle eine kleine Wunde verursacht wird, darf sie nicht durchgeführt werden, wenn Sie Blutgerinnungsstörungen haben oder blutverdünnende Medikamente einnehmen. Außerdem muss eine andere Therapie gewählt werden, wenn Sie gegen das verwendete Betäubungsmittel allergische Reaktionen zeigen (meist wird in Österreich Lidocain und Deutschland meist Procain verwendet). Vorsicht ist außerdem geboten, wenn Sie Probleme mit der Reizleitung Ihres Herzens haben. In jedem Fall wird Ihr Arzt Sie vorher aufklären und informieren.

Kosten und Krankenkassen

Neuraltherapie wird von gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt. Wenn Sie privat versichert sind, kann das Einreichen der Behandlung jedoch sinnvoll sein, denn einige Versicherungen haben Neuraltherapie in ihrem Leistungskatalog.

Fragen an den Arzt

  • Ich habe seit Jahren Rückenschmerzen. Ist Neuraltherapie geeignet für mich?
  • Wie lange dauert es, bis die Betäubung wirkt?
  • Wie lange hält die schmerzlindernde Wirkung an?
  • Was kann ich zusätzlich zur Neuraltherapie tun?
  • Ist Neuraltherapie auch für Kinder geeignet?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

OA.

Dr. Gregor Fischer

HNO-Abteilung, Landesklinikum Krems/Donau, Referent der Österreichischen, Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulationsforschung

Quellen

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