Nasenscheidewandverkrümmung

Bei starker Ausprägung kann operativ korrigiert werden

Nasenscheidewandverkrümmung: Eine Frau riecht an einem Strauß Blumen; ihr Riechvermögen ist eingeschränkt.
Eine Nasenscheidewandverkrümmung kann das Riechvermögen mindern. (Doreen Salcher - Fotolia.com)
Jeder Mensch hat eine leicht gekrümmte Nasenscheidewand. Der Grund dafür ist der Aufbau der Nase aus sowohl knorpeligen als auch knöchernen Anteilen. Wächst ein Teil schneller oder stärker als der andere, krümmt sich die Nasenscheidewand.

Ist die Krümmung stark ausgeprägt, können die Betroffenen nur unzureichend durch die Nase atmen, ihr Riechvermögen ist beeinträchtig, oft schnarchen sie, klagen über Kopfschmerzen und leiden häufiger unter Entzündungen des Rachens. Die Korrektur der Nasenscheidewand erfolgt in solchen Fällen operativ, mit einer Septumplastik. 

Häufigkeit

Eine leichte Krümmung der Nasenscheidewand liegt bei jedem Menschen vor. Denn die Nase besteht aus knöchernen und knorpeligen Anteilen, die etwa bis zum 16. Lebensjahr wachsen. Dabei kann ein Teil stärker oder länger wachsen als ein anderer und somit zu einer Biegung der Nasenscheidewand führen. Zusätzlich zu dieser ganz natürlichen Variabilität zwischen den Menschen können Nasenscheidewände auch durch einen Knochenbruch, beispielsweise bei einem Unfall, deformiert sein. In österreichischen Spitälern wurden im Jahr 2012 fast 8000 Korrekturen der Nasenscheidewand durchgeführt.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Während der Wachstumsphase wachsen die knorpeligen und die knöchernen Anteile der Nase zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlicher Geschwindigkeit. Dabei kommt es immer vor, dass sich die Nasenscheidewand mehr oder weniger stark verkrümmt. Die endgültige Form der Nasenscheidewand ist erst mit Ende des Wachstums, etwa ab dem 16. Lebensjahr, erreicht.

Bei den meisten Menschen ergeben sich aus einer leichteren Deformation keine Beeinträchtigungen. Erst wenn Beschwerden durch eine starke Verkrümmung auftreten, kann die Stellung der Nasenscheidewand korrigiert werden.

Eine verbogene Nasenscheidewand kann aber auch in Folge eines Traumas, beispielsweise während einer Prügelei oder bei einem Unfall durch den Bruch oder die Stauchung des Nasenbeins entstehen.

Diejenigen, die eine leicht verkrümmte Nasenscheidewand haben, verspüren keinerlei Symptome, bei Patienten mit stark verkrümmter Nasenscheidewand können hingegen folgende Beschwerden auftreten:

  • Die Atmung durch die Nase ist behindert. Durch die reine Nasenatmung erhalten die Betroffenen zu wenig Luft. Um dieses Defizit auszugleichen, atmen sie zusätzlich vermehrt durch den Mund
  • Das Riechvermögen ist beeinträchtigt
  • Schnarchen
  • Kopfschmerzen
  • Schnupfen und Nebenhöhlenentzündungen treten häufiger auf und heilen schlechter ab
  • Durch die vermehrte Mundatmung ist die Rachenschleimhaut trocken, häufige Rachenentzündungen, Bronchitis oder Angina sind die Folge
  • Schlafstörungen beim Ein- und Durchschlafen können eine Folge der verminderten Atmungsleistung sein

Diagnose

Wer das Gefühl hat, selbst in der erkältungsfreien Zeit nicht ausreichend Luft durch die Nase einatmen zu können, sollte die Stellung seiner Nasenscheidewand vom Arzt untersuchen lassen. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt verwendet für die Untersuchung spezielle Geräte, um die Durchlässigkeit der Nase zu überprüfen:

  • Rhinoskopie: Bei einer Rhinoskopie (Endoskopie der Nase) wird das Naseninnere untersucht. Dazu verwendet der Arzt starre und flexible Endoskope und begutachtet die knorpeligen und knöchernen Übergänge der Nasenscheidewand.
  • Rhinomanometrie: Die Rhinomanometrie misst mit Hilfe einer Atemmaske und eines digitalen Empfangsgerätes den Luftwiderstand beim Ein- und Ausatmen. Dieser Nasenwiderstand dient als Kenngröße für die Durchlässigkeit der Nase. Schwerwiegende Verkrümmungen, die zur Beeinträchtigung der Atmung führen, können so ermittelt werden.
  • Röntgen und Computertomographie: Bruch, Stauchung oder Verschiebung der knorpeligen und knöchernen Strukturen können am Röntgenbild oder mittels Computertomographie gut dargestellt werden.

Therapie

Bei geringer Krümmung der Nasenscheidewand, aber auch bei Allergien und häufigem Schnupfen in Zusammenhang mit einer engen Nasenhöhle, kann eine medikamentöse Therapie angestrebt werden. Sogenannte Topische Kortikoide, das sind lokal wirksame Kortisonpräparate, wirken sehr gut abschwellend. Die Medikamente werden vom HNO-Arzt verschrieben und können oftmals für Abhilfe sorgen.

Stark verkrümmte Nasenscheidewände können damit aber nicht wirksam behandelt werden, ihre Therapie erfolgt operativ. Bei der sogenannten Septumplastik werden die knöchernen und knorpeligen Teile soweit wie nötig mobilisiert und begradigt, unter Umständen ist es dafür auch nötig, kleine Knochen- oder Knorpelstücke zu entfernen. Ist die Nase nach einem Unfall eingestaucht, kann außerdem eine Rekonstruktion der ursprünglichen Form mit Knorpel oder einem anderen Knochenersatzmaterial durchgeführt werden. Damit die neu geformte Nasenscheidewand gerade zusammenwächst, wird sie an beiden Seiten mit kleinen Halteplättchen aus Plastik gestützt. Diese werden im Rahmen einer ambulanten Nachsorgeuntersuchung nach 7 bis 8 Tagen wieder entfernt.

Die Operation dauert im Durchschnitt 60 Minuten und wird unter Vollnarkose durchgeführt. Nach der Operation müssen die Patienten meist noch 1 bis 2 Tage zur Beobachtung und Nachsorge auf der Station bleiben.

Ob ein operativer Eingriff notwendig ist, entscheidet der Arzt anhand der Beeinträchtigung des Patienten. Wird die Atmung behindert oder leidet der Betroffene unter häufig wiederkehrenden Infektionen des Hals- und Rachenraumes sowie der Nasennebenhöhlen, die aufgrund der Verkrümmung besonders schlecht abheilen, spricht das für eine Operation.

Bei Kindern werden Operationen der Nasenscheidewand nur bei besonders schlimmen Fällen oder nach Unfällen durchgeführt. Da ihr Gesichtsschädel noch nicht ausgewachsen ist, verändern sich die knorpeligen und knöchernen Anteile der Nase noch. Die Wachstumsphase dauert etwa bis zum 16. Lebensjahr.

Was kann der Betroffene selber tun?

Patienten sollten sich nach der Operation mindestens eine Woche lang körperlich schonen, nach 2 Wochen können Betroffene in der Regel wieder arbeiten gehen.

Nase schnäuzen ist in dieser Zeit untersagt. Auch lokale Hitzeeinwirkungen durch Sonnenbäder, einen Besuch im Solarium oder einen Saunagang sollten gemieden werden, da das Gewebe durch die Wärmezufuhr vermehrt durchblutet wird und anschwellen kann.

Fragen an den Arzt

  • Was ist eine Nasenscheidewandverkrümmung?
  • Wie kann die Durchlässigkeit der Nase überprüft werden?
  • Welche Symptome lassen auf die Notwendigkeit eines operativen Eingriffs schließen?
  • Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
  • Auf welche Dinge sollte ich nach der Operation achten?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Elisabeth Mondl
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Prim.

Dr. Heinz Jünger

Leiter der HNO-Abteilung im Landesklinikum Krems

Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

Quellen

  • Interview mit Prim. Dr. Heinz Jünger, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am 13.05.2014
  • Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, T. Lenarz, H. Boenninghaus, Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2012
  • Chirurgie und Orthopädie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2009
  • Anzahl der unterschiedlichen medizinischen Leistungen bei Spitalsentlassung, Statistik Austria, basierend auf Daten des Bundesministeriums für Gesundheit, erstellt am 17.10.2013

ICD-10: J34; J34.2, J34.8

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