Wann sich eine Narbenkorrektur lohnt

Mann mit Narbe
Eine Narbenkorrektur wird nötig, falls die Bewegungsfähigkeit durch die Narbe eingeschränkt ist. (glisic_albina - Fotolia.com)

Narben entstehen durch Verletzungen: Wenn die Haut bei Operationen, Unfällen oder durch Erkrankungen geschädigt wird, repariert der Körper die Wunde.

Dabei kann es jedoch zu Störungen bei der Heilung kommen - insbesondere, wenn die Verletzung tiefer ist und dadurch Bindegewebe zerstört wurde. Ist die Narbe eingesenkt, wulstig oder wuchert, gibt es Korrekturmöglichkeiten. Eine Narbenkorrektur wird nötig, falls die Bewegungsfähigkeit durch die Narbe eingeschränkt ist. Ebenso lassen sich Narbenbeschwerden wie Schmerzen oder Juckreiz behandeln. Außerdem kann man viel selbst dazu beitragen, dass Narben gut heilen.

Wann nützt eine Narbenkorrektur?

Eine Narbenkorrektur macht dann Sinn, wenn...

  • ...Narben schmerzen, jucken oder die Bewegungsfähigkeit einschränken
  • ...die Narbenbildung gestört war und dadurch eine atrophe Narbe (eingesunkene Narbe), hypertrophe Narben (wulstige, gerötete, feste bis harte Narbe, die oft mit Juckreiz verbunden ist und sich auf den verletzten Bereich begrenzt) oder ein Keloid (wuchernde Narbe, die über den verletzten Bereich hinausgeht und häufig juckt) entstanden ist
  • ...die Narbe einen Menschen entstellen
  • ...das ästhetische Erscheinungsbild der Narbe den Betroffenen psychisch belastet oder ihn einfach stört

Vor Korrektur: Abheilung der Narbe

Bevor eine Narbenkorrektur vorgenommen wird, sollte in der Regel unbedingt die komplette Abheilung der Narbe abgewartet werden! Ausnahme sind Narben, die zu funktionellen Behinderungen führen. Bis die Narbe "ausgereift" ist, vergehen im Schnitt 6 bis 12 Monate; dies kann aber auch bis zu 2 Jahre dauern.

In dieser Zeit kann man die Narbenheilung unterstützen, etwa durch Massagen, Narbensalbe, Narbengel, Narbenpflaster oder auch mit einem Kompressionsverband. Zudem hilft das Vermeiden bestimmter Verhaltensweisen, um möglichst unauffällige Narben zu erzielen: So sollten anfangs keine Zugbelastungen, Reibungen oder Reizungen auf die Narbe einwirken. Deshalb sollten Sie frische Narben auch keiner UV-Strahlung aussetzen.

Ist die Narbe "ausgereift" sollte sie blass, flach, weich, schmerzlos und ästhetisch einigermaßen gelungen sein – im Idealfall bleibt nur ein blasser Strich. Ist das Narbenergebnis aber medizinisch unbefriedigend, der Patient etwa durch die Narbe in seinen Bewegungen eingeschränkt, oder es wird als kosmetisch störend empfunden oder entstellt den Patienten sogar, bieten sich viele verschiedene Maßnahmen an, um das Narbenergebnis zu verbessern.

Welche Möglichkeiten der Narbenkorrektur gibt es?

  • Gegen kleinere hypertrophe, also erhabene Narben: Oberflächliche Peelings mit Fruchtsäure, Trichloressigsäure oder anderen chemischen Substanzen tragen die obersten Hautschichten ab und können ambulant durchgeführt werden. Tiefenpeelings mit Phenol können hingegen eine so stark ätzende Wirkung haben, dass sie unter Vollnarkose mit Überwachung der Herz-, Nieren- und Leberfunktion stattfinden müssen. Ein "Laserpeeling", zum Beispiel mit dem gepulster Erbium Yttrium-Aluminium-Granat-Laser (Er:YAG-Laser) ist da eine schonendere Alternative, die üblicherweise ambulant stattfindet. Diese Behandlungen müssen je nach Ausprägung der Narbe mehrmals hintereinander durchgeführt werden.
  • Gegenverhärtete Narben: Silikon-Gele oder -Pflaster machen verhärtete Narben geschmeidiger. Dadurch können wulstige Narben etwas abflachen. Indem man Silikon-Gele oder -Pflaster konsequent für mindestens zwei Monate nach der ersten Abheilung der Narbe aufträgt bzw. trägt, lässt sich auch einer überschießenden Narbenbildung vorbeugen. Zudem können Ultraschallbehandlungen Narbensalben, die Wirkstoffe wie Hyaluronsäure oder Zwiebelextrakt enthalten, tiefer ins Gewebe bringen und so ebenfalls dazu führen, dass verhärtete Narben elastischer werden und weniger auffällig.
  • Zur Anhebung atropher, also eingesunkener Narben: Zur Unterspritzung finden Eigenfett, Kollagen oder Hyaluronsäure Verwendung. Diese Stoffe bauen sich mit der Zeit jedoch wieder ab. Dann muss die Injektion wiederholt werden.
  • Zur Einebnung hypertropher, also erhabener Narben sowie von Keloidnarben: Injektionen von Glukokortikoiden können Narben flacher und geschmeidiger machen, da sie die Bildung von Bindegewebe hemmen, dashypertrophes (wulstiges) Narbengewebe produzieren kann. Zudem lindern Glukokortikoide den oft mit einhergehenden Juckreiz sowie Schmerzen, z.B. von Aknenarben.
    Diese Injektionen müssen je nach Ausprägung der Narbe mehrmals wiederholt werden. Außerdem kommt gegen hypertrophe Narben die Kryotherapie zum Einsatz, was soviel bedeutet wie Kältetherapie: Hierbei vereist man das Narbengewebe z.B. mit flüssigem Stickstoff, wodurch es zerstört wird. Danach wird es abgetragen oder von Körper abgebaut. Dabei entstehen Blasen und nässende Wunden, die bis zu ihrem Abheilen antiseptisch behandelt werden sollten.
  • Zur Anpassung großflächiger, wulstiger Narben an das Hautbild: Wurde früher Haut mit einem medizinischen Rotationsschleifgerät abgeschliffen, nutzen Hautärzte dafür heutzutage fraktionierte Laser (Cw-CO2-Laser oder Er:YAG). Dieses moderne Verfahren bringt seltener Komplikationen mit sich und die Abheilung erfolgt rascher. Dies kann unter Lokalanästhesie und ambulant geschehen.Je nach Ausprägung der Narbe muss die Dermabrasion mehrmals hintereinander durchgeführt werden.
  • Zur Einebnung von Keloidnarben: Auch hier kommt Lasertechnik zum Einsatz (Cw-CO2-Laser), wobei dies als Monotherapie nicht empfohlen wird. Wenn soll die Lasertherapie in Kombination mit anderen Maßnahmen wie Glukokortikosteroid-Injektionen und/oder Kryotherapie und/oder Druckverbänden erfolgen. Für zufriedenstellende Ergebnis sind meist mehrere ambulante Behandlungen nötig, wobei natürlich wieder die Ausprägung der Narbe entscheidend ist.
  • Zum Beheben von Verfärbungen: Hier setzen Hautärzte gerne den ND:YAG-, Rubin- oder Farbstofflaser ein. Je nach Ausprägung der Verfärbungen sind mehrere Sitzungen nötig, die ambulant in dermatologischen Kliniken oder bei niedergelassenen Hautärzten durchgeführt werden können.

Oft werden zur Narbenkorrektur mehrere Verfahren kombiniert. Reichen die oben aufgeführten Therapien noch nicht aus, um ein Narbenergebnis zu erzielen, das sowohl medizinisch als auch ästhetisch befriedigend ist, stehen zudem weitere Methoden zur Verfügung. Sie kommen auch zum Einsatz, wenn eine Narbe einfach nicht abheilt (instabile Narbe).

Weitere Methoden

  • Entfernung der Narbe: Im einfachsten Fall kann die Narbe entfernt werden und die Wunde nochmals verschlossen werden, sodass eine neue Narbe entstehen kann.
  • Serienexzision: So wird eine schrittweise Verkleinerung großflächiger Narben bezeichnet. Dieses Verfahren wird notwendig, wenn die Narbe zu groß ist, um sie in einer einzigen Operation zu entfernen und neu zu vernähen. Zwischen den einzelnen Operationen wird meist ein Abstand von drei bis sechs Monaten eingehalten.
  • Plastiken: Wenn die Narbe durch ihre Ausdehnung oder Position den Betroffenen in seiner Bewegung einschränkt oder ästhetisch entstellt, können Dermatologen oder Chirurgen gesunde Haut auf das geschädigte Gebiet verschieben oder schwenken.
  • Transplantation: Wenn die oben genannten Verfahren nicht möglich oder wenig erfolgsversprechend sind, kann schließlich eine Entfernung der Narbe mit anschließender Hauttransplantation in Frage kommen. Dabei werden Spalthaut oder gesunde Hautlappen entnommen und versetzt. Eine Hauttransplantation ist vor allem bei flächenhaften Verbrennungsnarben oft die Therapie der Wahl.

Kosten der Narbenkorrektur

Bei medizinischen Indikationen, also etwa funktionell behindernden Narben, bei Schmerzen oder psychischen Problemen aufgrund der Narbe übernehmen die Krankenkasse die Kosten für Eingriffe,  allerdings nicht immer für alle verfügbaren Methoden. Informieren Sie sich frühzeitig im Vorfeld einer etwaigen Narbenkorrektur zu einer Kostenübernahme. Nach Unfällen sollte auch der Unfallverursacher oder eine Unfallversicherung als Kostenträger in Frage kommen.

Sind die Gründe für eine Operation hingegen rein ästhetischer Natur, muss der Patient die Kosten selbst tragen. Deshalb gilt es, die Dauer und die Kosten der Behandlung individuell genau zu besprechen.

Was kann der Betroffene zum Gelingen der Narbenkorrektur beitragen?

Selbst nach ambulanten Eingriffen sollten Sie sich immer schonen! Lassen Sie sich insbesondere nach größeren ambulanten Narbenkorrekturen abholen. Denn auch bei einer Lokalanästhesie können sich bis zu einem Tag Nachwirkungen zeigen. Also lassen Sie für 24 Stunden das Auto stehen und vertagen Sie anstrengende Aktivitäten oder wichtige Entscheidungen.

Die Narbe wird nach Absprache mit dem Arzt, der Sie zur Korrektur beraten hat, nachbehandelt. Ist durch die Behandlung eine neue Narbe entstanden, macht es Sinn, deren Heilung diesmal nach Kräften zu unterstützen: Der Arzt kann Sie individuell am besten zu Cremes, Gelen, Pflastern und sonstigen Medikamenten sowie Massagen oder Krankengymnastik beraten. Auf jeden Fall sollte eine frische Narbe niemals einer zu starken Belastung ausgesetzt werden - sei es durch Zug, Reibung oder andere Reizung des Narbengewebes. Deshalb schützen Sie frische Narben auch stets vor der Sonne! Natürlich sind auch Solarium-Besuche zu vermeiden . die sind übrigens immer schlecht für die Haut und fördern das Hautkrebsrisiko!

Nach einer Laserbehandlungen muss die Haut mindestens zwei Monate lang besonders gut mit Sonnenschutzmitteln geschützt werden! Denn die neu entstandene Haut ist sehr lichtempfindlich.

Um eine gute Wundheilung zu unterstützen, rät es sich außerdem, das Rauchen sein zu lassen. Am besten zwei Monate vor der Operation auf Nikotin verzichten, damit sich die Durchblutung und somit die Nährstoff- und Sauerstoffversorgung der Haut verbessert.

Insbesondere nach Hauttransplantationen kann die Heilung einige Wochen dauern. Möglicherweise ist das Anlegen von Bandagen oder stützenden Verbänden zur Nachbehandlung erforderlich.

Narbenkorrektur: Wer therapiert?

Bei Beschwerden mit Narben ist ein Hautarzt (Dermatologe) der erste Ansprechpartner. In der Regel verfügen Dermatologen heute über mehrere Lasersysteme, die sich zur Narbenbehandlung eignen. Auch Methoden wie Plastiken und Hauttransplantationen werden von Dermatologen durchgeführt, teilweise aber auch von ästhetisch-plastischen Chirurgen bzw. in Kooperation mit diesen. Vor allem, wenn es sich um Eingriffe handelt, wo unterhalb der Muskelfaszie behandelt werden muss und/oder eine Vollnarkose nötig ist, wird der Dermatologe plastische Chirurgen und Anästhesisten hinzuziehen. Achten Sie immer darauf, sich in die Hände erfahrener Fachärzte zu begeben!

Wo liegen die Grenzen dieser Therapieform?

Man kann nicht erwarten, dass die Narbe komplett verschwindet. Nur im Optimalfall wird sie fast unsichtbar. Meistens lässt sich eine Narbe von Funktion und Erscheinungsbild jedoch zwischen 30-50% (Volumenreduktion) und mindestens 50% (Symptomreduktion) verbessern. Die Therapien, die zur Narbenkorrektur angewendet werden, sind grundsätzlich risikoarme Eingriffe, aber natürlich können sie auch mit verschiedenen Komplikationen einhergehen.

Durch das Abschleifen zum Beispiel können sich neue Narben bilden, wenn die Dermabrasion zu tief erfolgte. Ferner kommt es dadurch fast immer zu Rötungen, Pigmentstörungen oder Sonnenlichtempfindlichkeit. Diese Nebenwirkungen kann zwar auch die Behandlung mit fraktionierten Lasern mit sich bringen, insgesamt jedoch deutlich seltener.

Nach der Kryotherapie wiederum ist die Haut im Narben-Bereich oft blasser als die restliche Haut. Die Kältebehandlung zerstört nämlich auch die Melanozyten, also die Pigmentzellen, die für die Bräunung der Haut verantwortlich sind. Auch nach Glukokortikosteroid-Injektionen können Pigmentstörungen und weißliche Ablagerungen auftreten.

Keloide sind die schwierigsten "Kandidaten" bei der Narbenkorrektur. Häufig kommt es nach einer Operation erneut zu Gewebewucherungen. Bei frühzeitig angesetzter Therapie kommt es seltener zu einer erneuten Keloid-Ausbildung.

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Facharzt für Dermatologie

Dr. Till Thiel

Ärztezentrum Miramed, Salzburg

Gesundheitskompass Website

Quellen

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