Mittelohrentzündung

Mittelohrentzündung: Bei Kleinkindern häufig

Mittelohrentzündung: Kind bei Ohruntersuchung
Ohrenschmerzen bei Kindern ernst nehmen - es könnte sich eine Mittelohrentzündung anbahnen. (ninell - Fotolia)
Eine akute Mittelohrentzündung oder Otitis media acuta ist eine der häufigsten Krankheiten von kleinen Kindern, bei Erwachsenen ist sie sehr selten. Die Symptome einer Mittelohrentzündung sind plötzlich auftretende Schmerzen im Ohr, bei Kindern Fieber und Hörverminderung.

Ansteckend ist die Mittelohrentzündung nicht, aber die Erkältung, die einer Mittelohrentzündung meist vorangeht und sie verursacht, ist sehr leicht übertragbar. Der sogenannte Paukenerguss ist eine Form der Mittelohrentzündung, die nicht mit einer akuten Entzündung einhergeht, kaum Schmerzen verursacht, aber zu einer deutlichen Hörverminderung führen kann. Es empfiehlt sich daher, sowohl akute Ohrenschmerzen als auch Hörverminderungen beim Kind in jedem Fall vom Arzt abklären zu lassen.

Wie häufig tritt eine Mittelohrentzündung auf?

Die akute Mittelohrentzündung ist eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter, noch häufiger sind nur die Erkältungskrankheiten. 3 von 4 Kindern haben bis zu ihrem 3. Lebensjahr mindestens eine Mittelohrentzündung, ein Drittel der Kinder sogar 3. Kleine Kinder bis zu 4 Jahren sind auch am häufigsten betroffen. Im Erwachsenenalter ist eine Mittelohrentzündung selten.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Die akute Mittelohrentzündung folgt meist auf eine Erkältung oder eine ähnliche Erkrankung (Schnupfen, Bronchitis). Sie wird in etwa 60 % der Fälle von Bakterien und in 40% von Viren verursacht.

Die Krankheitserreger steigen durch die Eustachische Röhre, eine Verbindung zwischen Nase und Mittelohr, in die Höhle des Mittelohrs auf. Vor allem, wenn diese Verbindung verlegt ist - z.B. durch geschwollene Drüsen oder durch den Schnupfen selbst - können sie sich sehr rasch vermehren. Im Kampf des Immunsystems gegen diese "Eindringlinge" schwillt die Schleimhaut im Mittelohr an, erwärmt sich und produziert immer mehr Schleim. Dadurch sammelt sich vermehrt Flüssigkeit, Schleim und Eiter an und der Druck steigt. Nicht zuletzt dadurch entstehen auch die Schmerzen im Ohr. Wird der Druck zu hoch, kann das Trommelfell reißen und die Flüssigkeit rinnt aus dem Ohr heraus. Dadurch lassen die Schmerzen meistens nach. Der Riss heilt üblicherweise von selbst wieder.

Es gibt auch eine Form der Mittelohrentzündung, die sich nicht akut entzündet, den sogenannten Paukenerguss. Dabei sammelt sich Flüssigkeit im Mittelohr an, was zu einer Hörverminderung um bis zu 30 Dezibel (das entspricht etwa der Wirkung von Oropax) führen kann, aber normalerweise kaum Schmerzen verursacht. Wenn ein Paukenerguss länger als 3 Monate besteht, kommt es im Kindesalter zu einer Sprachentwicklungsverzögerung (SEV). Es empfiehlt sich daher, Hörverminderungen beim Kind in jedem Fall vom Arzt abklären zu lassen.

Nicht immer deuten Ohrenschmerzen auf eine Mittelohrentzündung hin. Ein Arztbesuch empfiehlt sich, um eine genaue Diagnose zu erhalten. Ohrenschmerzen können nämlich auch eine Gehörgangsentzündung oder eine Entzündung im Mund-Rachen-Raum (Mandelentzündung), die ausstrahlt, anzeigen. Manchmal kann auch das Tragen einer Zahnspange das Kiefergelenk reizen und ähnliche Schmerzen auslösen.

Komplikationen

Akute Mittelohrentzündungen gehören vom Arzt abgeklärt, damit dieser zeitgerecht eine Therapie einleiten kann, die Komplikationen abwendet. Im Rahmen einer akuten Mittelohrentzündung kann z.B. eine Entzündung des Warzenfortsatzes, des Knochens hinter dem Ohr, entstehen. Der Arzt spricht von einer Mastoiditis, die akut operiert werden muss. Durch die Stoffwechselprodukte der Bakterien kann es außerdem zu einer Gesichtslähmung (Facialisparese) und/oder zu Taubheit kommen. Wenn das Trommelfell reißt und nicht gut verheilt, kann ein Geschwulst (Cholesteatom) die Folge sein, welches über einen gewissen Zeitraum sogar das Mittelohr zerstören kann.

Heilt eine Mittelohrentzündung länger als 3 Monate nicht ab, ist sie chronisch. Diese Form ist selten mit heftigen Schmerzen verbunden, aber das Kind hört schlecht und Flüssigkeit läuft regelmäßig aus dem Ohr. Eine chronische Mittelohrentzündung ist für den HNO-Arzt fast immer eine Indikation, zu operieren.

"Schwimmbad-Otitis" - Bitte nicht verwechseln!

Kinder im Volksschulalter (5 bis 12 Jahre) und diesbezüglich empfindliche Jugendliche und Erwachsene bekommen immer wieder nach Schwimmbadbesuchen Ohrenschmerzen. Das ist üblicherweise eine Entzündung des äußeren Gehörgangs (von der Ohrmuschel bis zum Trommelfell), die sich ähnlich anfühlen kann wie eine Mittelohrentzündung, aber deutlich unkomplizierter verläuft. Ein einfacher Test: Wenn das Anziehen an der Ohrmuschel oder das Kauen wehtut, dann handelt es sich um eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, nicht um eine Mittelohrentzündung.

Diagnose

Art, Dauer, Stärke und Verlauf der Symptome werden vom Arzt erfragt, außerdem ob es davor eine Erkältung gab und ob das Kind schon früher an Mittelohrentzündung litt. Weiters ob es eine Antibiotikatherapie in letzter Zeit hatte und ob es an einer anderen Krankheit, zum Beispiel Down-Syndrom oder einer Immunschwäche leidet.

Bei Säuglingen und Kleinkindern sind die Symptome oft nicht leicht zu deuten. Die Kinder sind quengelig und unruhig, schlafen schlecht, verweigern das Essen und sprechen, wenn sie schon sprechen können, oft von Bauchschmerzen (weil kleine Kinder Schmerzen oft nicht richtig lokalisieren können). Manche Kinder greifen sich immer wieder ans Ohr.

Der Arzt wird in die Ohren und den Rachen schauen, die Drüsen hinter dem Ohr abtasten und einen Hörtest machen.

Therapie

Fiebersenkende und schmerzstillende Medikamente (Zäpfchen, Saft, Tabletten oder Tropfen) helfen, die Symptome zu lindern.

Antibiotika sind nicht immer notwendig. Die Entscheidung darüber obliegt dem Arzt.

Ohrentropfen sind meist sinnlos, da sie das Trommelfell nicht durchdringen können. Abschwellende Medikamente (z.B. Nasentropfen) können dagegen die verlegte Eustachische Röhre eventuell wieder öffnen.

In eher seltenen Fällen, vor allem bei chronischem Paukenerguss, kann der Arzt einen Schnitt in das Trommelfell machen, damit die Flüssigkeit aus dem Mittelohr abrinnen kann. Dieser Schnitt verheilt von selbst wieder.

Was kann der Betroffene tun? / Was können Eltern für die Kinder tun?

Wie bei allen fieberhaften Erkrankungen, sollten Eltern darauf achten, dass das Kind genug trinkt.

Entzündete Körperteile sind kälteempfindlich, Wärme wird hingegen als angenehm empfunden. In diesem Sinne tun Rotlichtlampen/Wärmelampen vielen Kindern gut, auch wenn es keinen wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit gibt. Ähnliches gilt für Zwiebelsäckchen. (Fein geschnittene Zwiebel in einem dünnen Stoffsäckchen auf das entzündete Ohr legen und mit wärmender Wolle oder Watte abdecken. Mit einer Mütze oder einem Schal am Kopf befestigen.)

Das Kind keinem Zigarettenrauch aussetzen, also in der Wohnung nicht rauchen.

Wenn Antibiotika eingesetzt werden, dann sollten sie über den ganzen empfohlenen Zeitraum eingenommen werden.

Nach einer akuten Mittelohrentzündung zur Abschlusskontrolle beim Arzt gehen, um etwaige Komplikationen nicht zu übersehen.

Die Impfung gegen Influenza und Pneumokokken kann zu einer deutlichen Abnahme der Fälle von Mittelohrentzündungen durch diese Keime führen und wirkt in diesem Sinne auch vorbeugend gegen Mittelohrentzündung

Gegen Schwimmbad-Ot itis hilft vorbeugend, die Flüssigkeit nach dem Schwimmen aus dem Ohr laufen zu lassen und ein Handtuch gegen die Ohröffnung zu drücken, das die Flüssigkeit aufsaugt. Bitte keine Wattestäbchen verwenden. Die können die aufgeweichten Wände verletzen und das Cerumen (Ohrschmalz) bis ans Trommelfell schieben, wo es mehr schadet als nützt.

Fragen an den Arzt

  • Wie lange muss mein Kind zu Hause bleiben?
  • Darf das Kind Besuch von Kindergarten- oder Schulfreunden erhalten?
  • Muss das Antibiotikum sein?
  • Wann darf das Kind wieder schwimmen gehen?

Weiterführende Informationen

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Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Andreas Temmel

Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten

Wahlarzt

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Quellen

ICD-10: H65, H66, H67

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