Meningitis (Gehirnhautentzündung)

Bei einer Gehirnhautentzündung zählt jede Minute

Jugendlicher hat Schmerzen im Nacken
Sind Jugendliche von hohem Fieber, Nackensteifigkeit und Übelkeit betroffen, könnte eine Meningitis dahinterstecken. (Klaus Epple - Fotolia.com)

Eine Entzündung der Hirn- und/oder Rückenmarkshäute (Meningen) wird als Meningitis (Gehirnhautentzündung) bezeichnet. Sie wird meist von Bakterien oder Viren ausgelöst, aber auch andere Erreger, z.B. Pilze, können verantwortlich sein.

Besonders gefährlich ist die bakterielle Meningitis, sehr häufig ausgelöst durch Meningokokken-Bakterien der Gruppe B und C: Nicht rechtzeitig erkannt, kann sich daraus eine Blutvergiftung entwickeln, die häufig innerhalb weniger Stunden zum Tod führt. Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche sind davon besonders häufig betroffen. Bei Symptomen wie hohem Fieber, Nackensteifigkeit und Übelkeit sofort den Notarzt rufen, behandelt wird die Meningitis mit hochdosierten Antibiotika. Außerdem können vorbeugende Impfungen vor Meningitis schützen.

Übersicht

Häufigkeit von Meningitis

In Ö̈sterreich werden jährlich etwa 200 bis 300 Erkrankungsfä̈lle von bakterieller Gehirnhautentzündung registriert. Davon werden zirka 100 durch Pneumokokken, 30 bis 100 durch Meningokokken (50-70 % durch Meningokokken-Bakterien der Gruppe B und 20-30 % durch Meningokokken der Gruppe C) hervorgerufen. Die Erkrankung kann innerhalb von 24 bis 48 Stunden lebensbedrohlich sein. Selbst bei korrekter Versorgung im Krankenhaus stirbt etwa 1 von 10 Patienten. Bei bis zu 2 von 10 Überlebenden bleiben dauerhafte schwere Folgeschäden wie beispielsweise Amputationen, Hörverlust oder Hirnschäden zurück.

Das größte Risiko, an einer bakteriellen Meningitis zu erkranken, haben Babys bis zu einem Jahr, Kleinkinder, Teenager und junge und alte/sehr alte Erwachsene. Bei Jugendlichen verursachen Meningokokken der Serogruppe B über die Hälfte der Fälle, über ein Drittel werden durch Meningokokken C ausgelöst. Jugendliche sind durch ihr Sozialverhalten – Rauchen, Küssen, Besuch von Veranstaltungen, Clubbings, Skikursen, Auslandsaufenthalte/Sprachreisen – besonders gefährdet. Auch Rekruten und Schüler in Wohnheimen gehören der Risikogruppe an.

Säuglinge können aufgrund ihres unreifen Immunsystems besonders häufig und schwer an Meningokokken erkranken. 79 % aller Meningokokken-Erkrankungen in dieser Gruppe werden durch Meningokokken B verursacht.

Je kleiner die Kinder sind, desto häufiger sterben sie an der Gehirnhautentzündung: Die Sterblichkeitsrate bei Meningokokken-Erkrankungen insgesamt lag in Österreich in den Jahren 2003-2013 zwischen 5 und 14 %. In diesem Zeitraum sind 80 Menschen - überwiegend Kinder und Jugendliche - an dieser Erkrankung verstorben.

Ein erhöhtes Infektionsrisiko haben zudem Personen mit Immundefekten oder fehlender beziehungsweise funktionsuntüchtiger Milz, Laborpersonal und Menschen, die in Gebiete reisen, in denen Meningokokken-Infektionen häufig auftreten (z.B. Afrika, Naher Osten, Saudi-Arabien).

Ursachen von Meningitis

Millionen Österreicher tragen Pneumokokken und/oder Meningokokken im Nasen-Rachen-Raum, ohne daran zu erkranken. Doch werden die Bakterien per Tröpfcheninfektion - also etwa durch Niesen, Husten, oder Küssen - an Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder kleine Kinder weitergegeben, kann das zu einer Meningitis führen.

Eine Meningitis wird von Bakterien - wie Pneumokokken (selten in Österreich Haemophilus influenzae Typ b (Hib)) und besonders dem Neisseria meningitidis-Bakterium (Meningokokken) - ausgelöst. Auch Masern-, Mumps-, Herpes- oder FSME-Viren sowie Pilze können zu einer Hirnhautentzündung führen.

Bei der bakteriellen Meningitis gibt es in Europa 5 Hauptgruppen von Meningokokken (A, B, C, W135 und Y), die Gehirnhautentzündung verursachen. In Österreich sind die Meningokokken-Typen C und B die am meisten verbreiteten Verursacher der Meningitis, wobei Meningokokken-B-Bakterien die Hauptursache von Gehirnhautentzündung bei Säuglingen sind - jeder 10. der kleinen Patienten stirbt daran.

Symptome der bakteriellen/eitrigen Meningitis

Eine durch Meningokokken ausgelöste Gehirnhautentzündung ist eine heimtückische Erkrankung. Denn sie beginnt mit sehr unspezifischen Symptomen, die an eine Grippe oder einen Magen-Darm-Infekt erinnern wie:

  • hohes Fieber
  • große Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Lichtempfindlichkeit
  • eine vorgewölbte Fontanelle bei Säuglingen
  • evtl. Übelkeit und Erbrechen
  • evtl. Wesensveränderung, was von Aggressivität und Unruhe über Berührungsempfindlichkeit bis hin zu Schläfrigkeit oder besonderer Anschmiegsamkeit reicht, evtl. Schüttelfrost
  • evtl. Schwindel
  • evtl. Krämpfe

Ein eindeutiges Symptom für Meningitis ist jedoch Nackensteifigkeit (Meningismus)! Das kann man mit einfachen Tests überprüfen.

Knie-Kuss-Test

Der Betroffene soll im Bett sitzend mit angewinkelten Beinen versuchen, sein Knie zu küssen. Wird der Versuch, sich mit dem Gesicht bis zum Knie vorzubeugen, aufgrund von Schmerzen und Nacken-Rücken-Steifigkeit abgebrochen, spricht das für eine Meningitis.

Der Knie-Kuss-Test funktioniert natürlich nicht bei sehr kleinen Kindern oder bewusstseinsgestörten PatientInnen. Bei ihnen sollte man das Vorliegen einer Nackensteifigkeit überprüfen, indem man den Patienten flach auf den Rücken legt und das Kinn Richtung Brust drückt. Geht das nicht oder schmerzt, spricht dies wieder für eine Gehirnhautentzündung.

Bei Säuglingen führt die Nackensteifigkeit zu einem überstreckten Hohlkreuz im Liegen.

 

Sobald die Nackensteifigkeit auffällt, ist schnelles Handeln gefragt: Fahren Sie sofort in ein Krankenhaus oder rufen Sie den Notarzt! Denn wird nicht schnellstens gehandelt, kann eine Meningokokken-Meningitis innerhalb weniger Stunden zum Tod führen!

Verlauf von Meningitis

Eine bakterielle Meningitis kann sich zum gefürchteten "Waterhouse-Friderichsen-Syndrom" weiterentwickeln: Rund 10 bis 20 % aller Meningokokken-Erkrankungen münden in diese nicht selten tödlich verlaufende Form. Die Meningokokken breiten sich in rasender Geschwindigkeit über die Hirnhäute in die Blutbahn aus - es entsteht eine Blutvergiftung (Sepsis) mit den Bakterien. Deshalb wird das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom auch als Meningokokken-Sepsis bezeichnet. Über den Blutkreislauf gelangen die Bakterien in den ganzen Körper.

In Folge kommt es zu Blutgerinnungsstörungen, zunächst der Haut, was sich durch die Ausbildung kleiner roter Pünktchen - sogenannte Petechien -, die im Verlauf schwarz und großflächiger werden, zeigt. Meist vergehen 6 bis 8 Stunden, manchmal sogar nur 2, bis es zu solchen Einblutungen in die Haut kommt. Die Petechien zeigen an, dass Haut und Gewebe absterben.

Über den Blutkreislauf gelangen die Bakterien auch in alle Organe. Deshalb ist Multiorganversagen eine häufige Komplikation des Waterhouse-Friderichsen-Syndroms. Überleben Betroffene, sind Entwicklungs- und Hörstörungen, Krampfanfälle, Lähmungen sowie große Organ- und Gewebeschäden mögliche Folgen. Ist Gewebe geschädigt worden, müssen Patienten nicht selten Gliedmaßen amputiert werden. Sonst führt das abgestorbene Gewebe wieder zu Infektionen.

Diagnose von Meningitis

Vor allem die Nackensteifigkeit gibt Hinweise, dass eine Meningitis vorliegt. Zeigen sich erste Petechien, hat sich die Erkrankung bereits zum lebensgefährlichen Waterhouse-Friderichsen-Syndrom weiterentwickelt. Um die Diagnose auf Hirnhautentzündung eindeutig zu stellen, muss eine Liquor-Punktion vorgenommen werden - Hirnwasser wird dabei über den Rückenmarkskanal entnommen. Zudem versuchen Ärzte durch Blutkulturen den genauen Erreger der Gehirnhautentzündung nachzuweisen, um diesen mit dem passenden Antibiotikum unschädlich zu machen. Per Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) lässt sich der Zustand des Gehirns überprüfen.

Therapie von Meningitis

Bei Verdacht auf Meningitis zählt jede Minute! Beruht sie auf Bakterien, kann das lebensbedrohliche Krankheitsbild des Waterhouse-Friderichsen-Syndroms durch die zügige Gabe hochdosierter Antibiotika und Flüssigkeit verhindert werden. Bis die Ergebnisse der Blutkulturen vorliegen, wird ein Breitspektrum-Antibiotikum eingesetzt, um keine Zeit zu verlieren.

Alle Meningitis-Patienten müssen schnellstens intensivmedizinisch im Krankenhaus behandelt werden, um zu überleben! Zwar hat die Todesrate durch die intensivmedizinischen Fortschritte abgenommen, doch sterben immer noch rund 50 % aller Patienten, deren Meningitis sich zum Waterhouse-Friderichsen-Syndrom weiterentwickelt hat. Bei unspezifischen Symptomen und Nackensteifigkeit deshalb lieber einmal zu viel den Notarzt rufen als einmal zu wenig!

Auch Kontaktpersonen des Erkrankten müssen vorbeugend mit Antibiotika behandelt werden.

Meningitis: Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

5 Hauptgruppen von Meningokokken (A, B, C, W135 und Y) verursachen Gehirnhautentzündung. Die 4-fach konjugierte Meningokokkenimpfung (A, C, Y, W135) ist als kostenfreie Impfung für Schulkinder (11.-14. Lebensjahr) im Gratisimpfprogramm enthalten.

Seit 2014 gibt es in Österreich nun auch eine Impfung gegen Meningokokken-Typ B. Dieser ist für zwei Drittel der Erkrankungen verantwortlich, bei Säuglingen sogar für 78 %. Der neue Impfstoff ist von der europäischen Zulassungsbehörde (EMA) für Kinder ab 2 Monaten zugelassen. Da er jedoch noch sehr neu ist, findet sich die Impfung gegen Meningokokken der Gruppe B noch nicht im Gratiskinderimpfprogramm. Eltern sollten sich vom Kinderarzt beraten lassen, ob und wann sie ihr Baby damit impfen lassen sollten.

Auch gegen die Erreger einer bakteriellen Meningitis Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ b (Hib) gibt es Impfungen. Beide sind im Gratiskinderimpfprogramm enthalten und sollten unbedingt wahrgenommen werden.

Gegen einige Erreger einer viralen Meningitis gibt es ebenfalls Impfstoffe: Dazu zählen Masern, Mumps und Röteln. Die Kombinations-Impfung ist im Gratiskinderimpfprogramm enthalten.

Auch gegen die durch Viren ausgelöste Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) gibt es einen Impfstoff. FSME wird durch Zecken übertragen. Zwar ist kein österreichisches Bundesland FSME-frei, weshalb diese Impfung allen in Österreich lebenden Personen empfohlen wird, dennoch findet sich die FSME-Impfung nicht im Gratiskinderimpfprogramm. Eltern sollten sich auch hier vom Kinderarzt beraten lassen! Zudem ist allen Erwachsenen zu empfehlen: Überprüfen Sie regelmäßig Ihren eigenen Impfstatus! Zuschüsse gibt es von Krankenkassen in unterschiedlicher Höhe.

Fragen an den Arzt

  • Bei welchen Symptomen muss sofort ein Notarzt gerufen werden?
  • Wie wird eine Meningitis behandelt?
  • Kann eine Meningitis-Infektion wiederholt auftreten?
  • Ab welchen Alter können Babys gegen Meningitis geimpft werden?
  • Wie lassen sich die Erreger einer Meningitis nachweisen?
  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Erich Schmutzhard

Univ.-Klinik für Neurologie Innsbruck

Quellen

  • Bakterielle (eitrige) Meningoenzephalitis, In: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, 5. überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2012
  • Virale Meningoenzephalitis, In: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, 5 überarbeitete Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, 2012
  • Impfplan Österreich 2016 (29.11.2016)

ICD-10: G00; G03

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