Malaria

Von Mücken übertragene Infektionskrankheit

Malaria: Anopheles-Mücke auf Haut
Malaria wird von der Anopheles-Mücke übertragen, 200 Millionen Menschen erkranken jährlich. (claffra - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Reisemedizin
Malaria ist eine Infektionskrankheit, die durch Parasiten, sogenannte Plasmodien hervorgerufen wird. Von den mehr als 100 Arten sind 4 für den Menschen gefährlich und können Malaria verursachen.

Übertragen wird die Erkrankung durch den Stich der weiblichen Anopheles-Mücke, die hauptsächlich in Afrika, Indien, in Mittel- und Südamerika vorkommt. Typische Symptome von Malaria sind u.a. Schüttelfrost, hohes Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. Über 90 % aller Infektionen werden vom Plasmodium falciparum verursacht. Dies ist der Erreger der Malaria tropica, die auch tödlich enden kann, Überträger ist die Anopheles-Mücke. Weltweit werden jährlich mehr als 200 Millionen Erkrankungen verzeichnet, die Zahl der Todesfälle wird auf 1 Million jährlich geschätzt. Bei Reisen in Risikogebiete kann man sich mit Malariaprophylaxe schützen, eine Impfung gibt es nicht.

Häufigkeit

200 Millionen Menschen weltweit erkranken jährlich an Malaria, etwa 750.000 sterben an den Folgen. Die häufigsten Infektionsgebiete (80 %) sind Afrika, gefolgt von Asien, Mittel- und Südamerika. In Europa wird die Infektion durchwegs von Fernreisenden eingeschleust, 2012 wurden in Österreich 28 derartige Malariafälle gemeldet.

Was ist Malaria?

Malaria ist eine in den Tropen und Subtropen weit verbreitete Erkrankung, die - unbehandelt - schwere Verläufe nehmen kann. Erreger sind Plasmodien, 4 davon sind für den Menschen bedrohlich:

  • P. vivax und ovale: Erreger der Malaria tertiana
  • P. malariae: führt zu Malaria quartana
  • P. falciparum: Verursacher der Malaria tropica. Am gefährlichsten ist Plasmodium falciparum, von dem mehr als 90 % der Infektionen verursacht werden. Die weiteren 3 Arten können zwar auch eine Malaria-Erkrankung hervorrufen, die sich jedoch durch mildere Verläufe kennzeichnet und nicht lebensbedrohlich ist.

Das Plasmodium wird durch den Stich der Anophelesmücke auf den Menschen übertragen. Die Mücke ist dämmerungs- bzw. nachtaktiv und braucht eine "Überlebenstemperatur" von etwa 15°C. Während die Mücke Blut saugt, setzt sie aus ihrem Speichel einzellige Parasiten (Sporozoiten) frei, die in die menschliche Leber vordringen. Dort vermehren sie sich und gelangen in die roten Blutzellen (Erythrozyten). Es kann bis zu 8 Wochen dauern, ehe das Virus ins Blut gelangt. Je nachdem wie lange dieser Prozess andauert, sind die Inkubationszeiten (Zeitspanne zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung) unterschiedlich. Plasmodium vivax und Plasmodium ovale können - unbehandelt - auch noch monate- oder jahrelang in der Leber "überdauern", schließlich in die Blutbahnen gelangen und erst dann einen Krankheitsausbruch auslösen.

Die Inkubationszeit beträgt je nach Erregertyp:

  • P. falciparum: 6 - 15 Tage
  • P. vivax/ovale: 10 - 18 Tage
  • P. malariae: 18 - 40 Tage.

Verlauf

Die Erkrankung verläuft in 3 Phasen:

  • Phase 1: Schüttelfrost
  • Phase 2: Ansteigendes Fieber
  • Phase 3: Abklingendes Fieber (begleitet von Schweißausbrüchen)

Üblicherweise beginnt die Erkrankung mit Schüttelfrost. Hohes Fieber (um 40 Grad) ist ein klassisches Symptom, das bei allen Malaria-Infektionen auftritt. Fieberschübe können bis zu 12 Stunden andauern und wechseln mit Schüttelfrost. Fieber entsteht, wenn die Virenteilchen in die Erythrozyten freigesetzt werden. Hinzu kommen Kopf- und Gliederschmerzen und grippeähnliche Beschwerden.

Je nach Krankheitserreger kann das Fieber in 2-3-Tages-Intervallen auftreten. Malaria tropica hat meist einen unregelmäßigen Fieberverlauf, kann aber auch von Dauerfieber begleitet sein.

Weiters kommen hinzu:

  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Durchfälle
  • Erbrechen
  • Thrombopenie
  • Anämie

Besonders schwere Verläufe kann eine Malaria tropica nehmen. Grund dafür ist die Freisetzung von Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) und einer Verklumpung von Erythrozyten. Komplikationen im Verlauf, wie ein zu niedriger Blutzuckerspiegel, Gerinnungsversagen, Leber- und Nierenversagen, Lungenödeme können zum Tod führen. In der Schwangerschaft ist eine Malaria-Infektion ein Hochrisiko für Mutter und Kind und kann zu Fehl- oder Frühgeburten führen.

Rückfälle können auftreten, wenn die Erkrankung vom Erreger P. ovale oder P. vivax verursacht und nicht therapiert wurde.

Diagnostik

Im ersten Schritt erfolgt ein Arzt-Patienten-Gespräch. Besteht aufgrund von hohem Fieber nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet der Verdacht auf Malaria, sind weitere Testverfahren erforderlich.

Serologische Untersuchungen (Bluttests)

  • Der "Dünne Tropfen" (dünner Blutausstrich): Im Zuge einer mikroskopischen Laboruntersuchung werden in den roten Blutkörperchen Plasmodien sichtbar. Mit dieser Untersuchung lässt sich auch feststellen, um welchen Parasitentyp es sich handelt.
  • Der "Dicke Tropfen" (dicker Blutausstrich): dabei wird die Blutprobe unter dem Mikroskop ausgestrichen, getrocknet und mit einer Lösung eingefärbt. Dadurch lassen sich quantitativ mehr Parasiten entdecken als beim "Dünnen Tropfen", allerdings können nicht alle Arten bestimmt werden, sondern nur der gefährlichste Erreger, P. falciparum.
  • Malariaschnelltest: ist für die Diagnose von Malaria tropica geeignet, doch muss ein negatives Ergebnis in jedem Fall hinterfragt werden. Diese Tests können vom Betroffenen auf Reisen selbst durchgeführt werden.
  • PCR-Test: Plasmodien-spezifisches Erbgut kann mithilfe von PCR (Polymerase Kettenreaktion) im Blut nachgewiesen werden. Die Laboruntersuchung zeigt, ob DNA des Erregers vorliegt. Ist der Test positiv, liegt eine Infektion vor.
  • ELISA-Test: ELISA ist ein Antikörpertest, er stellt fest, ob der Betroffene bereits einmal im Leben mit dem Malaria-Erreger in Kontakt gekommen ist. Um auszuschließen, dass es sich um andere Erkrankungen handelt (Dengue-Fieber, Sepsis, Virus-Hepatitis, Meningitis etc.) müssen weitere genannte Verfahren hinzugezogen werden.

Therapie

Ausschlaggebend für die Therapie ist, um welchen Typ von Plasmodien es sich handelt. Bei Malaria tropica muss der Betroffene im Krankenhaus medikamentös behandelt werden.

Die Therapie wird durch eine zunehmende Resistenz des Erregers Plasmodium falciparum erschwert. Resistenzen gegen Chloroquin und Pyrimethamin-Sulfadoxin kommen in fast allen Ländern vor (besonders aber in Südostasien, (Ost-)Afrika, Neuguinea und im Amazonasbecken), auch Resistenzen gegen Mefloquin nehmen zu (vor allem in Südostasien). Die medikamentöse Behandlung der Malaria tropica hängt von der Schwere der Erkrankung, dem Infektionsgebiet, dem Alter und den sonstigen eingenommenen Medikamenten ab.

Zur Verfügung stehen folgende Substanzen:

  • Chloroquin: bei Malaria tertiana (nicht Infektionen aus Indonesien), auch Malaria quartana und die unkomplizierte Malaria tropica werden mit diesem Medikament über 48 Stunden hindurch behandelt.
  • Mefloquin (nicht bei Infektionen aus Südostasien) oder Atovaquon/Proguanil oder Artemether/Lumefantrin: wird bei unkomplizierter Malaria tropica oral verabreicht. Die Behandlungsdauer liegt zwischen 12 Stunden und 3 Tagen.
  • Chinin oder Artesunat, jeweils kombiniert mit Doxyciclin: wird bei komplizierter Malaria tropica intravenös verabreicht. Zusätzlich sollten fiebersenkende Medikamente verabreicht werden, laufende Blutuntersuchungen zeigen, ob sich die Infektion bessert. Normalerweise dauert diese Behandlung etwa 7 Tage. In komplizierten Fällen, bei denen Organe betroffen sind, müssen intensivmedizinische Maßnahmen eingeleitet werden.

Problematisch ist die Behandlung, wenn der Erreger Resistenzen gebildet hat. Häufig bestehen diese gegen Chloroquin- und Pyrimethamin-Sulfadoxin, in Südostasien gegen Mefloquin. In diesem Fall muss die Therapie mit anderen Substanzen erfolgen.

Vorsorge

Gegen Malaria gibt es keine Schutzimpfung. Für Reisende in ein Malaria-Risikogebiet empfiehlt sich jedoch eine medikamentöse Vorsorge. Die Auswahl der Medikamenten-Kombination richtet sich je nachdem, in welche Region Sie reisen und welcher Erregerstamm dort vorherrscht. Am häufigsten, so Sie nicht in Resistenzgebiete reisen, sind Kombinationen aus Chloroquin & Proguanil, Mefloquin, Atovaquon & Proguanil und Doxycyclin.

Weitere Maßnahmen, die vor Malaria schützen:

  • Repellents (Mückenstichpräparate schützen vor Stichen)
  • Kleidung muss den Körper bedecken
  • Moskitonetze
  • Besteht ein nur geringes Infektionsrisiko, sind Notfallmedikamente sinnvoll (Standby-Therapie-Konzept)
  • Besonderen Schutz für Schwangere (Mückenschutzpräparate, Kleidung imprägnieren, Moskitonetz)
  • Klimaanlage

Chemoprophylaxe mit Chloroquin, Atovaquon-Proguanil und Mefloquin können je nach Reiseland vor einer Reise eingenommen werden.

Fragen an den Arzt

  • Welches ist die wirksamste Prophylaxe für mein Reiseland – soll ich Standby-Medikamente mitnehmen?
  • Ich habe grippeähnliche Beschwerden nach einer Reise – wie kann ich eine Malaria-Infektion ausschließen?
  • Habe ich nach einer Infektion mit Spätfolgen zu rechnen?
  • Wie schützt sich meine Umgebung – ist Malaria eigentlich ansteckend?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Dr. Peter Berkowitsch

Allgemeinmedizin / Anästhesiologie und Intensivmedizin

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: B50, B50.0, B50.8, B50.9

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