Magengeschwür

Rund 75 % aller Magengeschwüre werden durch Helicobacter pylori verursacht.

Magengeschwür
Helicobacter pylori kann neben Magengeschwüren auch Zwölffingerdarmgeschwüre auslösen. (decade3d - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Magen

Das Magengeschwür ist ein Defekt in der Magenschleimhaut, der dann entsteht, wenn das Gleichgewicht zwischen aggressiver Magensäure (Übersäuerung) und Schutzfunktion der Magenschleimhaut gestört ist.

Betroffene haben meist Symptome wie heftige Schmerzen, Übelkeit, Druck im Magen oder Völlegefühl. Häufigste Ursache ist eine chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis) durch das Bakterium Helicobacter pylori. Galt früher eine Operation des Geschwürs als Standardtherapie, wird heute meist medikamentös mit einer Dreier-Kombination aus Magenschutz und zweierlei Antibiotika über 2 Wochen behandelt. Weitere Risikofaktoren, die ein Magengeschwür begünstigen, sind genetische Disposition, Durchblutungsstörungen im Magengewebe, schwere, fettreiche Ernährung und Rauchen, Dauereinnahme bestimmter Medikamente sowie Stress. Unbehandelt kann ein Magengeschwür zu Blutungen, Magendurchbruch und Magenkrebs führen.

Häufigkeit

Etwa 50 % der Österreicher sind vom Helicobacter pylori befallen, bei 3 Viertel der Betroffenen verursacht der Keim ein Magengeschwür. Dennoch ist mit rund 4.000 Neuerkrankungen jährlich ein chronisches Magengeschwür eher selten. Das Zwölffingerdarmgeschwür - vom selben Bakterium ausgelöst - ist 3 Mal häufiger. Regionale Unterschiede sind vor allem durch Lebensweise und Ernährung bedingt. Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig, das Erkrankungsrisiko steigt ab dem 40. Lebensjahr deutlich an.

Ursachen/Symptome/Therapie

Ein Magengeschwür ist eine "Wunde" (Läsion) in der Magenschleimhaut. Da an dieser Stelle der Säureschutz der Magenschleimhaut geschwächt ist oder fehlt, kann die Magensäure das darunterliegende Gewebe schädigen, in schweren Fällen bis ins Muskelgewebe hinein. In der Gastroskopie zeigt sich das Geschwür als runder Defekt mit flachem Rand, chronische Geschwüre haben durch Narbengewebe verdickte Ränder, die den Druck im Magen verstärken.

Die häufigsten Ursachen für die Entstehung eines Magengeschwürs sind:

  • Überproduktion von Magensäure: Grundsätzlich familiär bedingte Neigung zur Überproduktion von Magensäure und/oder geringerem Säureschutz der Magenschleimhaut führt zu einer erhöhten Geschwürs-Anfälligkeit.
  • Medikamente: über lange Zeit eingenommene Substanzen (z.B. Schmerzmittel, vor allem mit Acetylsalicylsäure, Antirheumatika, Kortisonpräparate) erhöhen das Erkrankungsrisiko.
  • Helicobacter pylori: die Besiedelung mit dem Bakterium kann zu Entzündungen der Magenschleimhaut (Gastritis) führen.
  • Rückfluss von Gallensäure: Eine gestörte Magenbewegung (Peristaltik) kann dazu führen, dass Gallensäure in den Magen zurückfließt.
  • Magensäure: Eine krankhafte Überproduktion von Magensäure kann eine Magenschleimhautentzündung verursachen, in der Folge ein Magengeschwür.
  • Stress: Hormonfreisetzung durch jegliche Form von Stress kann die Magenschleimhaut schädigen.
  • Lebensstil: Rauchen, hochprozentiger Alkohol, übermäßiger Kaffeekonsum können auf lange Sicht eine Übersäuerung des Magens und damit eine Entzündung verursachen.

Krankheitsverlauf

Einem Magengeschwür geht meist eine chronische Gastritis (Magenschleimhautentzündung) voraus, die in 70 bis 80 % der Fälle vom Bakterium Helicobacter pylori verursacht wird. Etwa 80 % aller Menschen sind vom Bakterium Helicobacter pylori besiedelt, etwa 15 % entwickeln Beschwerden. Die Anfälligkeit für Beschwerden dürfte aus einer Kombination aus Art des Bakterienstamms, allgemeinem Gesundheitszustand und begünstigenden Umweltfaktoren (z.B. Ernährung) resultieren. Die rechtzeitige Behandlung einer Gastritis ist die beste Prophylaxe eines Magengeschwürs.

Typische Magengeschwür-Beschwerden sind:

  • drückende und brennende Schmerzen im Oberbauch, in der Mitte oder linksseitig lokalisiert, besonders nach der Nahrungsaufnahme.
  • ein unspezifisches Druckgefühl im Bereich des Magens, Übelkeit, Appetitlosigkeit, gegebenenfalls Erbrechen und Gewichtsverlust.
  • Viele Betroffene klagen auch über Rückenschmerzen bzw. in den Rücken ausstrahlende Schmerzen.

Häufig unbemerkt verläuft die Entstehung eines Ulkus, wenn Betroffene Schmerzmittel einnehmen, denn die Beschwerden werden durch die Schmerzmittel gedämpft. Wird ein Blutgefäß durch das Geschwür geschädigt, können Blutungen im Magen auftreten. Ist die Blutung gering, verläuft sie meist unauffällig. Massive Blutungen zeigen sich häufig durch tiefschwarzen "Teerstuhl", der immer auf einen Blutverlust im Magen-Darmtrakt hinweist. Selten kommt es zu blutigem Erbrechen.

Eine gefährliche bis lebensbedrohliche Komplikation ist der Durchbruch eines Geschwürs durch die Magenwand: Nahrungsbrei und Magensekret gelangen in die Bauchhöhle und führen zu einer Entzündung des Bauchfells mit starken Schmerzen im Bauchraum. In etwa 30 bis 50 % kommt es zu dieser Komplikation, vorwiegend bei älteren Menschen. Dann ist eine sofortige Operation und manchmal sogar eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich.

Im Bereich eines Magenulkus kann es durch Narbenbildung auch zu Schrumpfungen im Magenbereich kommen und damit zu Behinderungen der Passage im oberen Magen-Darm-Trakt. Übelkeit und Appetitlosigkeit sind die unspezifischen Beschwerden. Bei hochgradiger Verengung, wenn auch flüssige Nahrungsbestandteile schwer passieren können, erbrechen Betroffene oft 1 bis 2 Stunden nach der Nahrungsaufnahme. Häufige Begleitsymptome sind Reflux, ein Rückfluss in die Speiseröhre mit Sodbrennen oder Speiseröhrenentzündung.

Bei etwa einem Drittel der Betroffenen mit Geschwüren werden diese erst durch Komplikationen auffällig, ein Fünftel aller Erkrankten hat akute oder chronische Blutungen aus dem Geschwür.

Diagnose

Eine erste Verdachtsdiagnose stellt der Arzt zunächst durch Beschreibung der Symptome durch den Patienten und Abtasten des Oberbauches, der bei Gastritis und Magengeschwür meist auf Druck schmerzempfindlich ist.

Magenspiegelung

Eine sichere Diagnose ist nur durch eine Magenspiegelung (Gastroskopie) mit Entnahme von Gewebsproben möglich. Gewebsproben dienen dem Ausschluss eines Magenkarzinoms, das mit freiem Auge nicht von einem Magengeschwür unterschieden werden kann. Weiters kann in Gewebsproben unter dem Mikroskop Helicobacter pylori nachgewiesen werden.

Eine Magenspiegelung umfasst auch den Zwölffingerdarm, sodass auch dort Geschwüre diagnostiziert werden können, sie werden zu 99 % durch Helicobacter pylori verursacht. Während der Spiegelung lassen sich auch eventuell vorhandene Magenblutungen stillen.

Atemluft-Test

Zum sicheren Nachweis von Helicobacter pylori alleine steht ein Atemluft-Test (13C-Atemtest, Urease-Atemtest) zur Verfügung. Der Betroffene trinkt dazu eine Flüssigkeit mit C13-Harnstoff. Das Helicobacter-poylori-Bakterium besitzt ein bestimmtes Enzym (Urease), das Harnstoff und Kohlendioxid spalten kann. Ist das Bakterium vorhanden, wird Kohlendioxid mit der Atemluft abgegeben. Liegt keine Besiedelung mit dem Bakterium vor, wird der Harnstoff mit dem Urin ausgeschieden.

Stuhltest: Heute lässt sich mit dem Stuhltest das Antigen nachweisen und so eine erfolgreiche Behandlung des Helicobacters dokumentieren.

Blutuntersuchung

Wenn weder Helicobacter-pylori-Besiedelung noch eine Dauermedikation mit NSAR (Schmerzmittel) Ursache eines Ulkus sein kann, sollte der Gastrin-Wert im Blut untersucht werden. Das Hormon Gastrin regt die Magensäure-Produktion stark an, ein hoher Gastrin-Wert kann ein Symptom des seltenen Zollinger-Ellison-Syndroms sein, also einer verstärkten Gastrin-Produktion.

Röntgen

Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmittel sind deutlich weniger aussagekräftig als die Magenspiegelung. Röntgenuntersuchungen sind jedoch bei Komplikationen angezeigt, wie zum Beispiel Magendurchbruch, oder um den Grad einer Verengung (Sanduhrmagen) festzustellen.

Therapie

Waren früher Operationen von Magengeschwüren der therapeutische Standard, sind heute durch neue medikamentöse Therapien operative Eingriffe nur noch bei Komplikationen (Blutungen, Verengungen des Magens, Magendurchbruch) erforderlich.

Therapie bei Helicobacter-Nachweis

Es wird eine einwöchige Therapie mit Antibiotika-Kombination (Clarithromycin und Metronidazol oder Amoxicillin) zusammen mit einem Protonenpumpenhemmer (PPI) oder allgemein "Magenschutz" durchgeführt.

Bei Versagen der Therapie wird Amoxicillin beibehalten, da Helicobacter gegen dieses Antibiotikum keine Resistenzen bildet, und das 2. Antibiotikum durch Alternativen ersetzt werden kann. Nach 2-maligem Versagen muss das Bakterium zur Resistenz-Testung in einer Kultur angezüchtet werden.

Da in unseren Breiten diese herkömmliche Therapie bei einem Drittel der Patienten aufgrund von Resistenzen nicht mehr funktioniert, wird meist eine 14-tägige, sogenannte sequentielle Therapie mit wechselnden Antibiotika durchgeführt.

Die Kontrolle des Therapieerfolges erfolgt frühestens 4 Wochen nach Ende der Behandlung, da ein PPI das Bakterienwachstum hemmt und zu falsch negativen Ergebnissen führen kann.

Noch in der klinischen Erprobung befindet sich die Bestrahlung mit blauem Licht, das den Keim ebenfalls abtötet. Diese Methode könnte eine Alternative zur Antibiotikatherapie werden, wenn diese aufgrund von Resistenzen erfolglos bleiben.

Therapie ohne Helicobacter-Besiedelung

Das Geschwür wird alleine mit einem PPI behandelt, sowie mit Allgemeinmaßnahmen, wie z.B. Alkohol- und Nikotinverzicht oder Stressreduktion. Weiters sollten Medikamente, die ein Magengeschwür begünstigen, abgesetzt werden.

Operation

Eine chirurgische Behandlung ist nur bei Komplikationen notwendig, die nicht durch eine Magenspiegelung beherrschbar sind (z.B. bei starker Blutung, Magendurchbruch, Verengung des Magenausganges).

Nach erfolgreicher Behandlung und Heilung von Magengeschwüren kann es Jahre dauern, bis der ursprüngliche Zustand des Magens an der Stelle des Geschwürs wieder hergestellt ist.

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Um ein Magengeschwür zu verhindern, sollten Sie in erster Linie auf einen gesunden Lebensstil achten. Dazu zählt der Schutz vor einer Infektion mit Helicobacter pylori: Hygiene ist oberstes Vorsorgeprinzip.

Weitere Vorsorgemaßnahmen

  • Verzicht auf Rauchen: Es reizt die Magenschleimhaut und verringert den Anteil an Verdauungssäften.
  • Stressreduktion: freigesetzte Hormone können die Magenschleimhaut verändern.
  • Mäßig säurehaltige Nahrungsmittel: Kaffee, Alkohol, scharfe Speisen können die Säureproduktion anregen.
  • Medikamente mit Maß: Azetylsalicylsäure oder nichtsteroidale Antirheumatika können zu Schädigungen der Magenschleimhaut führen. Sie sollten nur unter Anleitung des Arztes und mit ergänzenden Präparaten zum Magenschutz eingenommen werden.

Entsprechende regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind weitere effektive Möglichkeiten, um die Magengesundheit zu erhalten.

Fragen an den Arzt

  • Ich habe oft nach dem Essen Druckgefühl und Schmerzen im Bauch - ist das nur ein empfindlicher Magen oder ein Geschwür?
  • Ich habe Angst vor einer Gastroskopie, gibt es nicht auch andere Möglichkeiten wie Ultraschall oder Röntgen?
  • Besteht bei Befall mit Helicobacter pylori ein erhöhtes Risiko für Magenkrebs?
  • Werde ich nach erfolgreicher Therapie immer wieder an Magengeschwüren leiden?
  • Darf ich jetzt noch alles essen?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Friedrich Anton Weiser

Facharzt für Chirurgie

Gründer und Teilhaber der Gruppenpraxis Medico Chirurgicum, www.medico-chirurgicum.at

Gesundheitskompass

Quellen

ICD-10: K25.0, K25.1, K25.2, K25.3, K25.4, K25.5., K25.6, K25.7, K25.9

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