Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)

85 % aller Lungenkrebspatienten sind Raucher oder Ex-Raucher.

Lungenkrebs (Bronchialkarzinom): Grafik eines Körpers mit Darstellung der Lungen
Etwa 80 % aller Lungenkrebs sind nicht-kleinzellige Lungenkarzinome. (ag visuell - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Lunge

Lungenkrebs ist immer noch die häufigste tödliche Krebserkrankung. Waren es vor wenigen Jahren eher Männer, die an Lungenkrebs erkrankten, haben Frauen inzwischen aufgeholt.

Insgesamt erkranken in Österreich jährlich etwa 4.000 Menschen an dieser bösartigen Tumorart der Lunge. Einer der größten Risikofaktoren ist das Rauchen. Grundsätzlich unterscheidet man 2 Formen von Lungenkarzinomen: das kleinzellige, rasch wachsende und das nicht-kleinzellige, etwas langsamer wachsende Karzinom. Je nachdem, wie groß der Tumor ist und welche Areale befallen sind, ob er Metastasen gebildet hat und wie frühzeitig er diagnostiziert wurde, richtet sich die Therapie. Meist bleibt Betroffenen eine Operation sowie eine nachfolgende Chemotherapie nicht erspart.

Häufigkeit

Etwa 11 % aller bösartigen Krebserkrankungen in Österreich sind Lungenkrebserkrankungen. Jährlich erkranken durchschnittlich 4.000 Österreicher. Die Zahl der Neuerkrankungen an Lungenkrebs bei Männern ist seit einigen Jahren rückläufig. Anders ist die Situation bei Frauen: hier ist die Erkrankungsrate in den vergangenen 10 Jahren gestiegen. Lungenkrebs ist die am häufigsten tödlich endende Krebserkrankung.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Wie entsteht Lungenkrebs?

Die Lunge ist ein hochkomplexes System. Ein gesunder Mensch atmet pro Tag bis zu 20.000 Liter Luft aus und ein. Etwa 300 Millionen Lungenbläschen garantieren, dass der dabei stattfindende Gasaustausch reibungslos abläuft, dass also Sauerstoff in den Körper transportiert wird und Kohlendioxid abtransportiert wird. Die Fläche der Lunge beträgt etwa 100 Quadratmeter. Ein bösartiges Geschwulst in der Lunge, ein Lungenkarzinom, kann in allen Teilen der Lunge auftreten. In etwa der Hälfte aller Fälle entsteht es im oberen Bereich der Lunge. Grund dafür ist, dass dieser Teil der Lunge stärker mit Luft versorgt wird und sich daher auch Schadstoffe häufiger im oberen Bereich absetzen. Ein Lungentumor entsteht, indem die Schleimhautzellen, die die Lungen auskleiden, entarten. Schrittweise entwickelt sich aus den entarteten Zellen ein bösartiger Tumor.

Arten von Lungenkrebs

Mediziner unterscheiden verschiedene Arten von Lungenkrebs:

  • Das kleinzellige Lungenkarzinom. Es wächst sehr schnell, gilt daher auch als besonders bösartig. Es kann sich außerdem schnell im Körper ausbreiten (zirka 15-20 % aller Lungenkrebse)
  • Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom. Dazu zählen das Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinom und das großzellige Karzinom. Diese Varianten wachsen etwas langsamer (zirka 80 % aller Lungenkrebse)

Risikofaktor Rauchen

Rauchen ist einer der größten Risikofaktoren für Lungenkrebs. Das Risiko steigt, je mehr und je langer man raucht, je früher man also mit dem Rauchen beginnt.

Wie erkennt man eine Lungenkrebserkrankung?

Lungenkrebs verursacht in den Frühstadien üblicherweise keine typischen Beschwerden. Bestimmte Symptome können auch Ursache von anderen Erkrankungen sein. Allerdings steht fest: je früher man eine Erkrankung diagnostiziert, desto besser sind die Heilungschancen. Bei diesen Symptomen sollten Sie unbedingt den Arzt aufsuchen:

  • Neu aufgetretener Husten und Husten, der sich plötzlich verändert
  • Bronchitis, wenn trotz Antibiotikabehandlung keine Besserung eintritt
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Blutspucken
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust
  • Atemnot

Diagnose

Eine exakte Diagnose sollte rasch erfolgen und sieht verschiedene Untersuchungen vor. Erst dann kann eine Erkrankung ausgeschlossen oder der Verdacht bestätigt werden. Bei fortgeschrittener Erkrankung kann es sein, dass der Primärtumor über die Lymphbahnen und Blutgefäße Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Organen gebildet hat. Meist befinden sich diese in der übrigen Lunge, der Leber, den Knochen, den Nebennieren oder im Gehirn. Liegen alle Untersuchungsergebnisse vor, entscheidet der Patient gemeinsam mit dem Arzt über die Möglichkeiten der Therapie.

Die Untersuchungen im Einzelnen

  • Anamnese: Beim Arzt-Patienten-Gespräch ist es wichtig, mit dem Arzt genau über das Ausmaß der Beschwerden zu sprechen. Auch Details, die dem Patienten mitunter belanglos erscheinen, können dem Arzt wichtige Aufschlüsse zur Erkrankung geben. Im Gespräch werden Vor- oder Begleiterkrankungen besprochen und mögliche Risikofaktoren wie Rauchen eingeschätzt.
  • Laboruntersuchung: Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über den allgemeinen Gesundheitszustand. So etwa werden die Funktionen von Nieren, Leber und des Knochenmarks bestimmt. Weiters werden im Zuge der Untersuchung auch sogenannte Tumormarker bestimmt. Darunter versteht man Stoffe, die der Tumor abgibt und die sich im Blut sammeln. 
  • Röntgen: Ein Röntgen zeigt, ob es bereits verdächtige Veränderungen in bestimmten Bereichen des Körpers bzw. der Lunge gibt. In diesem Fall sind jedoch weitere Untersuchungen nötig.
  • Computertomographie (CT): Dem Arzt bringt diese Untersuchung wichtige Informationen: er erfährt, wo der Tumor sitzt, ob er gut operierbar ist, ob andere Organe bereits betroffen sind. Andererseits lässt sich auch der Therapieerfolg mithilfe der CT verfolgen. Durch dieses bildgebende Verfahren sieht der Arzt, ob eine Strahlen- oder Chemotherapie wirkt, indem sich der Tumor verkleinert.
  • Positronen-Emissions-Tomographie (PET): Mithilfe dieses bildgebenden Verfahrens wird die Zellaktivität in mehreren Schichten sichtbar gemacht. Der Tumor hat üblicherweise eine verstärkte Stoffwechselaktivität, daher kann auch eine weitere Verbreitung mithilfe von PET sichtbar gemacht werden.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT zeigt, wie sich der Tumor ausgedehnt hat bzw. ob er sich in herznahe Bereiche ausgedehnt hat. Hilfreich ist die Untersuchung vor allem bei Tumoren der oberen Lungenspitze bzw. wenn es eine "Verbindung" mit der Wirbelsäule gibt. Auch Hirnmetastasen können so diagnostiziert werden.
  • Skelettszintigramm: Dieses Verfahren zeigt, ob bereits Knochenmetastasen vorliegen. Bei der Untersuchung wird ein schwaches radioaktives Kontrastmittel injiziert, das sich in den Knochen ablagert. Ergänzend dazu wird ein Röntgen angefertigt - es zeigt, ob Metastasen vorliegen.
  • Lungenfunktionsprüfung: Eine Lungenfunktionsprüfung gibt Aufschluss darüber, ob noch genügend "Atemreserven" vorhanden sind, auch wenn ein Teil der Lunge entfernt werden muss.
  • Sonographie (Ultraschall): Bei einer Ultraschalluntersuchung werden auch Organe wie Leber, Milz oder Niere untersucht, aber auch Lymphknoten. Die Untersuchung zeigt, ob der Tumor schon Tochtergeschwülste gebildet hat.
  • Bronchoskopie: Die Spiegelung der Bronchien, die Bronchoskopie (BRSK) ist eine der wichtigsten Methoden zur Diagnostik. Im Zuge einer Bronchoskopie kann der Arzt auch gleichzeitig Gewebeproben (Biopsie) entnehmen, die einen histologischen Befund ermöglichen.
  • Untersuchung des Lungenraumes: Bösartige Tumore oder Metastasen bilden häufig eine Flüssigkeit, die sich zwischen Lungen- und Rippenfell sammelt. Durch eine Punktion kann diese entnommen und auf ihre chemische Zusammensetzung untersucht werden. Die Untersuchung gibt Aufschluss darüber, ob Krebszellen vorhanden sind. Dieses Verfahren ist auf minimalinvasivem Weg möglich, das heißt, der Arzt untersucht ein bestimmtes Areal im Körper mithilfe einer kleinen Kamera.
  • Mediastinoskopie (Untersuchung des Brustraumes): Dieses Verfahren ermöglicht es, den mittleren Brustraum zu untersuchen. Die Untersuchung erfolgt in Vollnarkose, dabei wird ein kleiner Schnitt über dem Brustbein gemacht. Der Arzt schiebt das Mediatinoskop in den Brustraum vor und sucht nach bösartigen Veränderungen, bzw. stellt fest, ob Lymphknoten befallen sind.

Therapie

Von der Art der Tumorerkrankung ist es abhängig, welche Therapieoption in Frage kommt. Ein weiteres Kriterium ist, wie weit die Erkrankung bereits fortgeschritten ist und wie bzw. ob sie sich ausgebreitet hat. Auch das Alter des Patienten und sein allgemeiner Gesundheitszustand spielen bei der Wahl der Therapie eine große Rolle.

Nicht-kleinzellige Lungenkarzinome

Für die Therapie dieser Art von Tumorerkrankung stehen folgende Behandlungsoptionen zur Verfügung:

  • Operation
  • Strahlentherapie
  • systemisch wirkende Behandlungen (Chemotherapie, zielgerichtete Therapien)

Je nach Ausbreitung der Erkrankung wird die entsprechende Therapie ausgewählt, mitunter ist es auch sinnvoll, die einzelnen Therapieoptionen zu kombinieren.

Tumor im Stadium I (er hat sich noch nicht auf die benachbarten Lymphknoten ausgebreitet), eine vollständige Entfernung des Tumors ist Ziel der OP.

Tumor im Stadium II - eine Operation ist nötig, zusätzlich wird eine Chemotherapie durchgeführt.

Große Hoffnungen setzt die Wissenschaft derzeit in zielgerichtete Therapien. Sie kann für bestimmte Arten des nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC -"non small cell lung cancer") herangezogen werden. Forscher haben erkannt, dass genetische Veränderungen dafür verantwortlich sind, wenn eine "Treiber-Mutation" stattfindet, die das Zellwachstum beschleunigt. Sind derartige Mutationen vorhanden, werden spezielle Proteine (Tyrosinkinasen) aktiviert, die dem Zellinneren "bitte wachsen!" signalisieren. Die Zellen wachsen unkontrolliert, ein Tumor entsteht. Zielgerichtete Therapien setzen genau hier an: Bestimmte Wirkstoffe hindern Tyrosinkinasen daran, Signale an die Zellen abzugeben. Sie werden daher auch als "Tyrosinkinase-Hemmer" bezeichnet.

Solche Tyrosinkinase-Hemmer sind die Wirkstoffe Erlotinib, Gefitinib und Crizotinib, die bei unterschiedlichen Gen-Mutationen wirksam sind. Der Unterschied der zielgerichteten Therapie zur Chemotherapie ist, dass erstere die Tumorzellen gezielt abtötet. Dadurch schrumpft der Tumor. Voraussetzung für die Wirksamkeit ist natürlich, dass eine solche genetisch bedingte Treiber-Mutation vorliegt.

Das kleinzellige Lungenkarzinom

Diese Tumorart wächst meist sehr rasch. Es kann sich daher auch schon sehr früh ausbreiten und Metastasen in anderen Organen verursachen. Für die Behandlung dieser Karzinome ist eine Operation meist nicht sinnvoll, auch eine ausschließliche Strahlentherapie ist nicht ratsam. Günstiger hat sich eine Kombination aus Chemotherapie und Strahlentherapie bei lokalisiertem Tumorbefall erwiesen. Auch eine vorbeugende Bestrahlung des Gehirns kann sinnvoll sein. Nur sehr kleine Tumore können operiert und danach mit Chemotherapie behandelt werden. Hat der Tumor bereits andere Organe befallen, wird eine systemische Therapie durchgeführt, also eine Chemotherapie, die in diesem Fall die einzig sinnvolle Behandlungsoption ist. Wenn sich der Tumor zurückgebildet hat, sollte eine nachfolgende Bestrahlung des Gehirns erfolgen, um dem Entstehen von Gehirnmetastasen vorzubeugen.

Fragen an den Arzt

  • Welche Arten von Lungenkrebs sind aus heutiger Sicht heilbar?
  • Spürt man Lungenkrebs im Frühstadium in irgendeiner Form?
  • Ich bin geheilt – kann der Krebs wiederkommen?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Robert Pirker

Innere Medizin

Univ. Klinik f. Innere Medizin I

Quellen

ICD-10: C34

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