Leberzirrhose

6 von 10 Leberzirrhosen entstehen durch übermäßigen Alkoholkonsum

Männlicher Trinker
Bei 2 von 10 Alkoholkranken entwickelt sich eine Leberzirrhose im Endstadium der Leberschädigung. (kmiragaya - Fotolia.com)

Die Leberzirrhose ist das Endstadium einer chronischen Leberkrankheit, sie entwickelt sich typischerweise über Jahre bis Jahrzehnte. Verursacht wird die Erkrankung zu einem 1/3 aufgrund von Viren.

Aber auch Substanzen wie Alkohol oder Stoffwechselkrankheiten (z.B. Eisenspeicherkrankheit, Mukoviszidose) setzen der Leber zu, wobei Gifte die Leberzellen angreifen und zerstören. Da die Veränderungen einer Leberzirrhose zu Beginn keine Symptome verursachen, bemerken Betroffene anfänglich oft nichts, die Erkrankung ist jedoch eine der weltweit häufigsten Todesursachen. In Europa und den USA sind 60 % der Leberzirrhose-Fälle durch übermäßigen Alkoholmissbrauch bedingt. Menschen, die trotz alkoholbedingter Fettleber weiterhin Alkohol konsumieren sterben mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % in den folgenden 5 Jahren. Über 30 % der Leberzirrhosen gehen auf eine Virushepatitis Typ B oder Hepatitis C zurück. Durch eine frühzeitige Behandlung der Grunderkrankungen lässt sich das Fortschreiten der Leberschädigung vermeiden.

Häufigkeit der Leberzirrhose

In den Industrieländern sind etwa 250 pro 100.000 Einwohnern und Jahr betroffen. Männer erkranken doppelt so häufig wie Frauen.

Was ist Leberzirrhose?

Die Leberzirrhose entwickelt sich über einen langen Zeitraum hinaus und stellt ein weit fortgeschrittenes Stadium einer bereits seit langem bestehenden Lebererkrankung dar. Dabei wird der Aufbau der Leber zerstört und das ursprüngliche Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzt, das jedoch die Aufgaben einer gesunden Leber nicht übernehmen kann und diese in ihren Funktionen stark einschränkt.

Bei 10 bis 20 % der Alkoholkranken entwickelt sich eine Leberzirrhose im Endstadium der Leberschädigung. Durch jahre- oder jahrzehntelangen Alkoholmissbrauch werden die Leberzellen geschädigt und zerstört. Die Risikogrenze, ab wann Alkohol der Leber schadet, ist übrigens bei Frauen und Männern unterschiedlich: Gesunde Männer können pro Tag 3 Viertel Liter Bier oder 3 Achtel Liter Wein ohne erhöhtes Risiko zu sich nehmen. Für gesunde Frauen liegt die Risikogrenze bei einem halben Liter Bier bzw. einem Viertel Wein.

Frauen sind stärker gefährdet, eine alkoholbedingte Lebererkrankung zu entwickeln als Männer. Das liegt unter anderem an der unterschiedlichen Verteilung im Körperfett- bzw. Körperwassergehalt sowie an einem geringeren Gehalts des Enzyms Dehydrogenase im Verdauungstrakt, das bei Männern bereits im Magen, bei Frauen erst im Darm den Alkohol spaltet. Dadurch gelangt bei Frauen reiner Alkohol rascher ins Gehirn. Aufgrund des geringeren Anteils des Enzyms im weiblichen Körper, kann der Stoffwechsel der Frauen den Alkohol nicht so rasch verarbeiten wie der der Männer. Die Empfindlichkeit gegenüber Alkohol wird auch durch andere genetische Faktoren, Eiweißmangel, Zufuhr einer großen Menge ungesättigter Fettsäuren, Eisenablagerung in der Leber und Hepatitis C erhöht.

Ursache der Leberzhirrose

Es sind 2 Hauptursachen für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich:

  • chronischer Alkoholmissbrauch (rund 60 % aller Erkrankungen)
  • chronische Virushepatitis B und C (rund 30 % aller Erkrankungen

Zu den seltenen Ursachen gehören unter anderem

  • Autoimmunerkrankungen der Leber (Autoimmunhepatitis)
  • Entzündungen der Gallenwege ( biliäre Zirrhose)
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Mukoviszidose/gestörte Sekretion u.a. des Bronchialsekrets
  • Hämochromatose (übermäßige Eisenspeicherung)

Das Risiko für die Entstehung einer Zirrhose kann durch bestimmte Krankheiten, Medikamente oder chemische Stoffe erhöht werden. Dazu zählen:

  • Krankheiten, wie Hepatitis B, Hepatitis C und Hepatitis D
  • nicht alkoholische Fettleber (NASH)
  • Speicherkrankheiten
  • angeborene Stoffwechselstörungen
  • autoimmune Lebererkrankungen
  • Leberfibrose
  • Herzschwäche und Blutrückstau in die Leber
  • Medikamente (z.B. schwere Zytostatika)
  • Chemikalien (Benzole, Tetrachlorkohlenstoff)
  • parasitäre Tropenerkrankungen (Leberegel).

Verlauf der Leberzhirrose

Die Erkrankung verläuft anfangs symptomlos und beginnt zunächst mit einer fortschreitenden Bindegewebsvermehrung, aus der sich im Verlauf der Erkrankung größere Zirrhoseknoten (3-5 cm Durchmesser) bilden. Im weiteren Verlauf kann dieser Prozess bis zur kompletten Zerstörung der Leber führen. Das Fortschreiten und die Ausprägung der Erkrankung sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Die Zirrhose zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Die Lebenserwartung Betroffener verringert sich, wenn bei Alkohol bedingter Leberzirrhose weiterhin Alkohol konsumiert wird, in diesem Fall sterben 50 % der Betroffenen innerhalb von 5 Jahren. Bei jeder Erkrankung der Leber sollten Betroffene daher einen Gastroenterologen oder Hepatologen aufsuchen.

3 Krankheitsstadien der Leberzhirrose

Verschiedene
Stadien

Allgemeine
Symptome

Auswirkung
Haut

Auswirkung
Hormone

Auswirkung
Verdauung

Stadium 1:

 Bindegewebs-
vermehrung in der Leber

Erschöpfung

Antriebs-
losigkeit

Grippe-
ähnliche Zustände

Gewichts-
abnahme

 

 

Blähungen

Übelkeit

Appetitlosigkeit

Stadium 2:

Entstehung von Knoten in der Leber

 

Juckende Haut

Gelbfärbung von Haut und Augen

Neigung zu blauen Flecken

Feine Gefäßbildungen im Gesicht/Oberkörper

Menstruations-störungen

Potenzstörungen

Männer:
Verlust der Bauchbehaarung

 

Stadium 3:

Leber ist zum Teil zerstört

 

Gelbfärbung der Haut

 

Erbrechen

Starke Gelbfärbung des Urins

Durchfälle

Verstopfung

Schwarzer Stuhl

 

In Stadium 3 können spezifische Symptome wie Nasenbluten, Ödeme an Beinen/Bauch, Krampfadern in der Speiseröhre/Magenschleimhaut, erhöhter Pfortader(n)venendruck bzw ein Leberkarzinom auftreten.

Bei jedem Erkrankten verläuft eine Leberzirrhose anders. Das hängt in erster Linie von den Ursachen bzw. der Grunderkrankung ab. Um ein Voranschreiten der Erkrankung zu verhindern, muss der Arzt den genauen Grund der Leberzirrhose kennen, nur darauf basierend lässt sich ein effektives Therapiekonzept erstellen.

Diagnose der Leberzirrhose

Für die erste Diagnose werden vom Arzt die Risikofaktoren (z.B. Alkoholmissbrauch, Erkrankung an Hepatitis B, C) sowie bestehende Symptome erhoben. Liegt der Verdacht auf Leberzirrhose nahe, erkennt der Internist dies meist an typischen Hautveränderungen.

Tastuntersuchung

Die einfachste Untersuchungsmethode ist das Abtasten. Eine verhärtete Leber und eine vergrößerte Milz können auf eine Leberzirrhose hindeuten. Bei vielen Betroffenen kann der Arzt eine vergrößerte Leber mit relativ fester Konsistenz und stumpfem Rand tasten. Der Betroffene selbst ertastet diese Veränderung meist nicht, eine vergrößerte Leber macht sich jedoch durch ein Druckgefühl im Oberbauch bemerkbar.

Blutuntersuchung

In der Folge wird eine Blutuntersuchung vorgenommen. Erhöhte Leberwerte sind ein Hinweis auf die Ausbildung einer Fettleber, einer Leberfibrose oder einer Leberzirrhose.

Bildgebende Verfahren

Mithilfe von bildgebenden Verfahren (Ultraschall und/oder Computertomographie, Kernspintomographie) des Bauches erfolgt eine genauere Diagnose (Darstellung der knotigen Architektur oder der Veränderungen in Lebergefäßen).

Gewebeprobe

Eine Gewebeprobe aus der Leber (Leberbiopsie) ist zur Absicherung der Diagnose sinnvoll.

Transiente Elastographie

Dies ist eine neue Technik zur nicht-invasiven und schmerzlosen Leber-Steifigkeitsmessung (gemessen in kPa, korreliert zur Fibrose). Die Messergebnisse helfen, verschiedene mögliche Komplikationen im Vorhinein zu erkennen sowie die Schäden, die durch Krankheiten wie Leberzirrhose verursacht werden, zu überwachen und zu bewerten.

Gastroskopie-Magenspiegelung

Bei bereits diagnostizierter Leberzirrhose ist eine Gastroskopie (Magenspiegelung) ratsam, um die Bildung von Krampfadern in der Speiseröhre oder im Magen nachzuweisen und gegebenenfalls zu behandeln.

Komplikationen der Leberzirrhose vorbeugen

Wichtig ist auch die Früherkennung von möglichen Komplikationen, z.B. Leberkrebs. Bei jeder Leberzirrhose ist alle 6 Monate eine Früherkennungsuntersuchung auf ein Leberzellkarzinom erforderlich. Dazu wird neben Leberultraschall auch ein Bluttest durchgeführt, der den Nachweis von Alpha-Fetoprotein im Blut (AFP) ermöglicht. Dieser Eiweißstoff liegt vor, wenn ein Leberkarzinom entsteht oder entstanden ist. Das Risiko eines Leberzellkarzinoms ist um das 200fache höher als ohne Zirrhose

Therapie der Leberzirrhose

Die allmähliche Zerstörung der Leber kann aufgehalten werden, wenn die Ursachen der Leberzirrhose (z.B. Alkoholabhängigkeit, Hepatitis B, C) rechtzeitig behandelt werden. In vielen Fällen ist bei möglichst frühzeitiger und effektiver Therapie der auslösenden Erkrankung auch eine Rückbildung der Leberzirrhose möglich. Die Leberzirrhose selbst kann medikamentös nicht behandelt werden, im schlimmsten Fall kann jedoch eine Lebertransplantation durchgeführt werden.

Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung, wie z.B.

  • Alkohol bedingte Leberzirrhose: Verzicht auf Alkohol
  • Hepatitis B, C: Antivirale Therapie
  • Ödeme: Entwässernde medikamentöse Therapie, Diät, evt. Eiweiß (Albumin)-Infusionen
  • Krampfadern in der Speiseröhre, im Magen oder an der Pfortader: Betablocker oder endoskopische Verödung
  • Leberentzündung: Antibiotika-Therapie
  • Leberkarzinom: Chirurgische Entfernung des Tumors, Chemotherapie, Lebertransplantation

Wie Sie einer Leberzirrhose vorbeugen können

  • Verzicht auf Alkohol
  • Ausgewogene Ernährung
  • Vorbeugende Hepatitis A-, B-Impfung

Auch die regelmäßige Gesundenuntersuchung, insbesondere bei genetischer Vorbelastung kann viel dazu beitragen, eine Veränderung der Leber frühzeitig zu bemerken.

Fragen an den Arzt

  • Mein Bauch ist im Bereich der Leber druckempfindlich, ist das ein Hinweis auf eine Lebererkrankung?
  • Ist es ausreichend, bei genetischer Vorbelastung mit gesunder Ernährung der Erkrankung vorzubeugen?
  • Lässt sich das Risiko für eine Lebererkrankung voraussagen?
  • Ich nehme mehrere Medikamente ein, haben diese eine leberschädigende Wirkung?
  • Mein Hautbild hat sich verändert, ich habe blaue Flecken und neige zu roten Äderchen, ist meine Leber gefährdet?

Weiterführende Informationen

  • Autor
  • Redaktionelle bearbeitung Mag. Silvia Feffer-Holik
  • Erstellungsdatum

Medizinischer Experte

Dr. Rainer Hubmann

Dr. Rainer Hubmann

Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Hepatologie, Linz und Wels

Gesundheitskompass Website

Quellen

ICD-10: K74, K70

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