Laktoseintoleranz

Bei der Laktoseintoleranz wird Milchzucker nicht vertragen.

Laktoseintoleranz: Milch, Joghurt, Käse
Rund 1,2 Millionen Österreicher sind von einer Laktoseintoleranz betroffen. (photocrew - Fotolia.com)
Dieser Artikel ist Teil des Gesundheitsfensters Unverträglichkeiten
Bei einer Laktoseintoleranz kann Milchzucker (Laktose) nicht verwertet werden, da das dafür nötige Enzym Laktase (fast) nicht vorhanden ist. So gelangt Milchzucker unverdaut vom Dünn- in den Dickdarm und löst Symptome wie Koliken, Durchfall und Übelkeit aus.

Über einer Million Österreicher machen diese Beschwerden nach dem Genuss milchzuckerhaltiger Speisen zu schaffen. Ein spezieller Laktoseintoleranz Test bringt Klarheit, die Milchzuckerunverträglichkeit ist auch oft mit einer Fructoseintoleranz (Fruchtzuckerunverträglichkeit) gekoppelt.

Häufigkeit

Die Fähigkeit, Milchzucker zu verdauen, ist regional unterschiedlich: In Asien und Afrika weisen mindestens 2 von 3 Personen einen Enzymdefekt auf. Hierzulande leiden zirka 1,2 Millionen Österreicher in verschieden starken Ausprägungen unter einer Laktoseintoleranz, mehr Frauen als Männer sind betroffen.

Ursachen/Symptome/Verlauf

Eine Laktoseintoleranz hat mit einer Milchallergie nichts zu tun, sie ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Die Beschwerden treten bis zu einer Stunde nach Verzehr von milchzuckerhaltigen Speisen auf. Dabei ist die Empfindlichkeit gegenüber Milchzucker individuell verschieden und hängt von der Laktose- bzw. Laktasemenge im Körper ab.

Unterschieden wird zwischen:

  • Primäre (hereditäre) Laktoseintoleranz (angeborene Unverträglichkeit):
    Ist der Standard und angeboren. Sie tritt meistens im Erwachsenenalter auf. Der Laktase-Mangel entwickelt sich schleichend über Jahre, da die Fähigkeit des Körpers, Laktase zu produzieren, im Erwachsenwerden abnimmt.
  • Sekundäre (funktionelle) Intoleranz (erworbene Unverträglichkeit):
    Laktase-Mangel kann aber auch infolge von Erkrankungen im Darmbereich (wie Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) oder nach Magen-Darm-Operationen entstehen.

Laktoseintolerante können nach dem Verzehr laktosehaltiger Lebensmittel folgende Symptome verspüren:

  • Starke Blähung
  • Darmkoliken und Krämpfe
  • Durchfall
  • Übelkeit

Diagnose

Der Internist wird mit Hilfe verschiedener Untersuchungen eine Laktoseintoleranz nachweisen:

  • Laktose-Toleranz-Test: Dem Patienten wird auf nüchternem Magen ein Glas Wasser mit aufgelöster Laktose (50 mg) gegeben - davor und danach wird zur Kontrolle der Blutzucker gemessen. Bei einem Mangel an dem Enzym Laktase kann Laktose nicht vollständig zerlegt werden, somit kommt es bei der zweiten Blutzuckermessung nur zu einem geringen oder zu gar keinem Anstieg des Blutzuckers.
  • Der Wasserstoff-Atemtest (Laktose-H2-Atemtest): Bei Wasserstoff-Atemtest muss der Betroffene eine Flüssigkeit mit aufgelöstem Milchzucker trinken. Wird nun die Laktose nicht im Dünn- sondern im Dickdarm abgebaut, entsteht dabei Wasserstoff, der über die Lungen abgeatmet wird. Der Anteil des Wasserstoffs in der Atemluft wird dann elektrochemisch bestimmt.
  • Untersuchung von Schleimhautproben: Mit Hilfe dieser Proben aus dem Dünndarm lässt sich eine verminderte Aktivität des Enzyms Laktase nachweisen.

Therapie

Die Therapie bei einer Laktoseintoleranz besteht aus dem Vermeiden von laktosehaltigen Lebensmitteln. Laktosearme Milchprodukte werden in den meisten Fällen problemlos vertragen.

Eine Therapiemöglichkeit ist, Laktase in Form von Kautabletten, Tropfen- oder Kapselform zuzuführen und so eine Aufspaltung des Milchzuckers zu ermöglichen. Das Enzym wird am besten vor einer laktosehaltigen Mahlzeit eingenommen. Viele Nahrungsmittelhersteller machen das bereits, indem sie die Milch damit anreichern (laktosefreie Milch).

Was kann der Betroffene zusätzlich tun?

Die Kost sollte je nach vorhandener Laktaseproduktion laktosearm oder laktosefrei sein. Es gibt laktosefreie Milchprodukte, Reismilch oder auch Erzeugnisse mit Soja, die sehr gut vertragen werden. Auch der Umstieg auf Soja-Produkte und spezielle Enzymtabletten erleichtern die Verdauung.

Zu laktosearmen Milchprodukten zählen Butter sowie alle Hart- und Schnittkäsesorten, fast alle Weichkäsesorten, Topfen, Hüttenkäse, Joghurt, Butter- oder Sauermilch, Acidophilusmilch und Kefir.

Reich an Milchzucker sind etwa Milch, Molke, Kakao-Getränke, Kondensmilch, Kaffeeobers, Cremeeis, Cremeschnitten sowie Mehl- und Süßspeisen, die mit Milch zubereitet werden .Aber auch Fertigprodukte können beträchtliche Mengen Laktose enthalten.

Sollten sich die Beschwerden trotz laktosefreier Kost nicht bessern, könnte auch eine Fructoseintoleranz vorliegen: Untersuchungen zufolge weisen rund zwei Drittel aller Personen mit einer Laktose-Intoleranz auch eine Unverträglichkeit gegen Fructose (Fruchtzucker) auf.

Fragen an den Arzt

  • Gibt es spezielle Ernährungspläne bei Laktoseintoleranz? Wo sind diese erhältlich?
  • Was passiert, wenn ich mich nicht an die Diät halte?
  • Können mehrere Nahrungsmittelintoleranzen gleichzeitig auftreten?
  • Wie können Enzymersatzpräparate helfen?
  • Wird das wieder besser?

Weiterführende Informationen

Medizinischer Experte

Univ.-Prof.

Dr. Christoph Gasché

Innere Medizin / Gastroenterologie & Hepatologie

Leiter des Christian Doppler Labors, Univ. Klinik für Innere Medizin III (AKH Wien) / Gründer und Leiter des Medizinischen Kompetenzzentrum Eisenmangel Loha for Life

Gesundheitskompass

Quellen

  • Gesund essen & trotzdem krank: Gluten-, Lactose-, Fructose-, Histamin-Intoleranz, M. Wolzt, S. Feffer-Holik, Verlagshaus der Ärzte, 2. Auflage, Wien, 2013
  • Laktose-Intoleranz: Wenn Milchzucker krank macht, T.Schleip, Trias Verlag, 7. Auflage, Stuttgart, 2010
  • M. Kerber et al.: Neue Erkenntnisse zur Laktoseintoleranz. In: Ernährung/ Nutrition 2008; 32:405-413
  • T.J. Wilt et al.: Lactose intolerance and health. In: Evid Rep Technol Assess 2010; 1:1-410

ICD-10: E73

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