Kryotherapie

Kryotherapie: Eiswürfel als Symbol für die heilende Wirkung von Kälte.
Kryotherapie arbeitet mit der heilenden Wirkung von Kälte. Sie wird z.B. bei Rheuma oder Verletzungen verordnet. (prokasia - Fotolia.com)
Bei der Kryotherapie (Kältetherapie) kommt Kälte in Form von Luft, Wasser, Gas oder Eis auf Körperstellen zum Einsatz. Die Kälte wirkt abschwellend, temperatursenkend und schmerzstillend.

Die Kryotherapie wird sowohl operativ (Kryochirurgie) als auch therapeutisch angewandt: Operativ lassen sich z.B. Pigmentflecken oder Warzen mit Hilfe gezielter Kälteanwendung entfernen, als Therapiemöglichkeit hat sich die Behandlung mit Kälte u.a. zur Schmerzlinderung bei Prellungen bewährt.  

Wo wird die Kryotherapie eingesetzt?

  • In der Kryochirurgie: Oberflächliche Hauterkrankungen wie Warzen und Pigmentflecken können mittels flüssigen Stickstoffs vom Arzt entfernt werden. Auch in der Tumorbehandlung wird diese Methode eingesetzt,  denn die Kälte soll krankhaft verändertes Gewebe (z.B. Tumorzellen) absterben lassen.
  • Bei entzündlichen Erkrankungen: Durch eine Ganzkörperbehandlung in einer speziellen Kältekammer (Temperaturen bis zu -110°) können die Symptome entzündlicher Erkrankungen (z.B. Rheuma, Asthma)  gelindert werden. Die Kälte beeinflusst Stoffwechselvorgänge auf Zellebene.
  • Bei akuten Verletzungen: Bei Prellungen oder Quetschungen kann die sofortige Eisanwendung in Form von Kryopacks oder Eisbeutel eine Verbesserung der Symptome (blaue Flecken, Schmerz, Schwellung) bewirken.
  • Bei akuten Verbrennungen: Eine längere Kälteanwendung verhindert bei Verbrennungen (kleinere Flächen bis maximal 2. Grades) die Bildung von Blasen und vermindert den Schmerz.

Was passiert bei einer Kryotherapie?

Die schmerzstillende Wirkung, die Sie beim Kühlen einer Verletzung oder Verbrennung empfinden, erklärt sich durch das Zusammenziehen der Gefäße in Ihrem Gewebe und die dadurch entstehende Verminderung der Durchblutung. Die Kühlung vermindert zudem die Stoffwechselvorgänge und hemmt in Folge auch entzündliche Prozesse. Deshalb zeigt sich die Kryotherapie auch bei entzündlichen Erkrankungen wirksam.

Die Kryochirurgie

Bei der Warzenbehandlung mit Kontaktkryotherapie wird die betroffene Hautstelle mit flüssigem Stickstoff "ausgefroren". Das Gewebe der Warze hält dieser Kälte (zirka -196 Grad Celsius) nicht stand und wird zerstört.  Einige Tage danach lässt sich die Warze durch den behandelnden Arzt entfernen.

Auch Akne und Pigmentflecken können auf solch eine Weise behandelt werden.

Kältekammer bei rheumatischen Erkrankungen

Eine Behandlung in einer Kältekammer dauert in etwa nur 3 Minuten, da die Temperatur für einen längeren Aufenthalt zu niedrig ist (bis zu -110°). Während dieser Anwendung ist der Patient in Badekleidung,  Hände, Gesicht und Kopf werden geschützt. Die Patienten gehen langsam im Kreis, während sich die Wirkung der Kälte im gesamten Organismus entfaltet: Schmerzbahnen werden blockiert, die Spannung der Muskulatur vermindert und der Stoffwechsel angeregt - vorhandene Entzündungszeichen im Körper verbessern sich. Diese Therapie wird sowohl bei Rheuma, Asthma, Muskelverspannungen als auch bei Depressionen angewandt.

Doch nicht nur für den Arzt ist die Kryotherapie eine erfolgreiche Behandlungsmethode, auch zur Selbstanwendung eignet sie sich hervorragend. Kaltes Wasser oder Eis sind zu Hause meist schnell zur Hand und lindern die Symptome kleinerer Verletzungen.

Für die Selbstanwendung der Kryotherapie gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Eiswürfelmassage / Eisabtupfung: umwickeln Sie einen Eiswürfel mit einem Handtuch oder Küchentuch (Eis darf niemals auf die betroffene Hautstelle gelegt werden) und streichen Sie mit leichtem Druck langsam und flächig über die betroffene Stelle. Wenn Sie in einem akuten Fall (Verbrennung, Prellungen, Quetschungen)  keine Eiswürfel zur Verfügung haben, schafft auch Gefrorenes wie z.B. eine Packung Tiefkühlgemüse Abhilfe.
  • Eistauchbad: Ein Eistauchbad können Sie mit Eiswürfeln schnell selbst herstellen. Geben Sie die vorhandenen Eiswürfel und doppelt so viel kaltes Wasser in ein Gefäß. Durch die Eiswürfel wird das Wasser länger kalt bleiben. Diese Form der Kühlung eignet sich besonders bei Verletzungen an den Händen oder Füßen (Prellung, Quetschung, Verbrennung). Beachten Sie, dass ein zu langes Kühlen zu Erfrierungen führen kann.
  • Kühlkompressen / Kryopacks: Kühlkompressen müssen vor der Anwendung 2 bis 3 Stunden im Gefrierfach oder Kühlschrank gelagert werden. Auch Kühlkompressen sollten nicht direkt auf der Haut, sondern mit einem umwickelten Tuch angewendet werden. Kühlkompressen eignen sich vor allem bei akuten Prellungen und Quetschungen. Sie sind auch für Körperstellen geeignet, die nicht direkt in Wasser getaucht werden können und verursachen beim Auftauen keine Wasserlacken.
  • Kühlsprays: Kühlende Sprays gibt es in der Apotheke zu kaufen, sie werden meist in der Sportmedizin bei akuten Verletzungen angewendet. Auch sie eigenen sich für die Behandlung von Prellungen und Quetschungen, doch hier müssen Sie achtsam sein, denn ein Kühlspray führt schnell zu Erfrierungen und anderen negativen Folgen. Mit einem Kühlspray ist die Kälte nicht dosierbar.

Falsche Anwendung erhöht Schmerzen

Wenn Sie Kryotherapie selbst anwenden ist prinzipiell Vorsicht geboten. Für einen positiven Behandlungserfolg sind der Zeitpunkt und die Zeitspanne der Kühlung ausschlaggebend. Sowohl zu kurzes als auch zu langes Kühlen löst eine ungewollte erhöhte Durchblutung aus, die die Entzündungssymptome verschlechtert und den Schmerz erhöhen kann.

Prinzipiell gilt: Lieber kürzere Zeitspannen (in etwa 10 Minuten) dafür häufigere Wiederholungen. Bei Verletzungen ist es außerdem wichtig, dass Sie die erste Kühlsequenz innerhalb der ersten 15 bis 20 Minuten nach dem Vorfall durchführen, denn sonst hat die Wirkung der Kälte keinen positiven Effekt mehr.

Bei chronischen Erkrankungen oder nach einer Operation macht die Kryotherapie meist nur als bestimmte Anwendung oder Vorbereitung zu einer nachfolgenden Behandlung Sinn, ausgeführt von einem Therapeuten.

Wer therapiert?

Kryotherapie wird sowohl von Menschen zu Hause angewendet, als auch von Physiotherapeuten oder von Ärzten in Krankenhäusern und ist eine Form von physikalischer Therapie.

Was können Sie zum Gelingen der Therapie beitragen?

Bei akuten Schwellungen ist ein zusätzliches Hochlagern des zu kühlenden Körperteils sinnvoll, denn dies trägt zum Abschwellen bei. Vermeiden Sie bei der Selbstbehandlung zudem zu langes oder zu kurzes Kühlen.

Bei kryochirurgischen Behandlungen ist es wichtig, die Nachkontrolltermine des Arztes wahrzunehmen.

Teilen Sie Ihrem Therapeuten unverzüglich mit, wenn Sie bei einer Kälteanwendung zu frieren beginnen.

Wo liegen die Grenzen dieser Therapieform?

Nicht angewendet werden darf die Kryotherapie bei offenen Wunden und bei Sensibilitätsstörungen (Störung der Temperaturwahrnehmung) an den betroffenen Körperstellen, denn dann fehlt der natürliche Schutz vor Erfrierungen der Haut. Auch bei Erkrankungen, die Durchblutungsstörungen zur Folge haben, sollte vor der Anwendung Rücksprache mit dem behandelten Arzt gehalten werden. Des Weiteren ist eine Anwendung bei Sichelzellenanämie kontraindiziert.

Fragen an den Arzt

  • Ich habe mir den Knöchel verstaucht. Kann Kryotherapie meine Schmerzen lindern?
  • Ist Kryotherapie auch für Kinder geeignet?
  • Wie lange soll ich die Kältetherapie anwenden?
  • Wo erhalte ich Kühlkompressen für zuhause?
  • Wie lange dauert die Behandlung in der Kältekammer?
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Medizinischer Experte

Monika Söllner

Physiotherpeutin

Quellen

  • Ästhetische und plastische Operationen in der Dermatologie: Curriculum Ästhethik, K. Hoffmann, P. Altmeyer, W3L-Verlag, Herdecke 2007
  • Funktionelle Schmerztherapie des Bewegungssystems, Niemier/Seidel (Hrsg.), Springer Verlag, 2. Auflage, Berlin 2011
  • Physikalische Medizin, Armin Lange, Springer Verlag, Berlin 2002
  • Regionale Tumortherapie, Joachim Boese-Landgraf et al. (Hrsg.), Springer Verlag, Berlin 2003
  • Therapie der medizinischen Fußbehandlung Band 2, Klaus Grünewald, Verlag Neuer Merkur GmbH, München 2001
  • Ganzkörperkältetherapie, Uni Münster (19.05.2014)

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